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| Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften |
| AWMF-Leitlinien-Register | Nr. 057/023k | Entwicklungsstufe: | 3 |
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Tabelle 1: Blutglukose-Zielwerte (kapilläre Messung) nach Eintritt der Schwangerschaft.
| Zeit | mg/dl | mmol/l |
|---|---|---|
| nüchtern, präprandial | 6090 | 3,35,0 |
| 1h postprandial | <140 | <7,7 |
| 2h postprandial | <120 | <6,6 |
| vor dem Schlafe | 90120 | 5,06,6 |
| nachts 2:004:00 Uhr | > 60 | < 3,3 |
| mittlere Blutglukose (MBG) | 85105 | 4,75,8 |
Tabelle 2: Hinweise zur richtigen Blutdruckmessung bei Schwangeren
| vor der Blutdruckmessung mindestens 5min Ruhephase |
| Quecksilber-Sphygmomanometer mit Oberarmmessung bevorzugen |
adäquate Manschettenbreite beachten (vom Hersteller abhängig)
|
| Schwangere sitzt oder liegt mit 45° angehobenem Oberkörper |
| Armvollständig entkleiden |
| Manschette zur Blutdruckmessung auf Herzniveau anlegen |
| bei Erstmessung Seitenvergleich rechts und links, höheren Wert verwenden |
| Blutdruck auf die nächsten 2 mmHg genau messen |
| bei Erstmessung mindestens zwei Messungen im Abstand von 12 min |
| bei erhöhtenWerten durch zweite Messung nach mindestens 4 Stunden bestätigen |
| systolischer Blutdruck → Phase I nach Korotkoff (=erstmaliges Hören der Töne) diastolischer Blutdruck → PhaseV nach Korotkoff (=vollständiges Verschwinden der Töne) |
ACE-Hemmer (auch AT-1-Rezeptor-Antagonisten) sind während der gesamten Schwangerschaft kontraindiziert und müssen bereits präkonzeptionell umgestellt werden alpha-Methyl-Dopa ist das Medikament der Wahl. Reicht alpha-Methyl-Dopa als Monotherapie nicht aus, kann mit kardioselektiven Beta-Rezeptoren-Blockern (z. B. Metoprolol) und Kalzium-Kanal-Blockern (z. B. Nifedipin off-label) kombiniert werden. Atenolol soll wegen des Risikos von Wachstumsretardierungen nicht eingesetzt werden. Wegen der Möglichkeit einer neonatalen Bradykardie unter Beta-Blocker-Therapie soll der Neonatologe antenatal entsprechend informiert werden. Diuretika sollen in der Schwangerschaft nicht neu angesetzt, eine schon präkonzeptionell begonnene Diuretikatherapie kann fortgesetzt werden; Thiaziddiuretika können eine normoglykämische Einstellung erschweren eine Therapieanpassung kann erforderlich sein.
Für die Behandlung des hypertensiven Notfalls und drohender Eklampsie ist neben Magnesiumsulfat als Basistherapie das häufig intravenös applizierte Dihydralazin wegen seiner Komplikationsraten bei höherer Dosierung nicht mehr das Medikament der ersten Wahl, Nifedipin und Urapidil sind die zu bevorzugenden Alternativen. Bei einer Kombination von Magnesium und Nifedipin kann durch potenzierende Wirkung beider Substanzen ein stärkerer Blutdruckabfall auftreten.
Tabelle 3: Handlungsliste Kinderwunsch, Schwangerschaft, Geburt.
| Zeitpunkt / Ereignis | Was tun? |
|---|---|
| Kinderwunsch | Beratung beimDiabetologen und Gynäkologen Begleitrisiken analysieren
orale Antidiabetika gegen Insulin tauschen Schulungsstand überprüfen, Angehörige in Glukagon-Set einweisen Schilddrüsenfunktion mit TSH-Screening Jodid 200 µg / Tag verschreiben, Jodsalz empfehlen, Ernährungsberatung Stoffwechsel optimieren (HbA1c<7%) für mindestens 3 Monate Hochdrucktherapie umstellen (ACE-Hemmer /AT-1-Antagonisten gegen alpha-Methyl-Dopa tauschen) langwirksame Insulinanaloga gegen NPH-Insulin tauschen |
| Diagnose der Schwangerschaft | Beratung beim Diabetologen und Gynäkologen Information über Blutglukose-Zielwerte augenärztliche Untersuchung Urinalbumin-Screening, danach am Beginn jedes Trimenons |
| alle 48 Wochen | Blutglukose-Selbstmessgerät mit Kontroll-Lösung überprüfen |
| 812. SSW | Ultraschall Intaktheit der Schwangerschaft überprüfen |
| 11 14. SSW | Ultraschall optional Nackentransparenzmessung durchführen |
| ab 16. SSW | Insulindosis bei steigendem Bedarf anpassen |
| 1922. SSW | differenzierte Organdiagnostik (LEVEL DEGUMII) |
| 2024. SSW | augenärztliche Untersuchung |
| ab 24. SSW | alle 24Wochen Biometrie |
| ab 32. SSW | CTG-Kontrolle, individuell vorgehen |
| 3236. SSW | Kontaktaufnahme mit Perinatalzentrum (mindestens LEVEL 2) |
| 3436. SSW | augenärztliche Untersuchung |
| 3638. SSW | Geburtsgewicht schätzen (> 4500g primäre Sektio diskutieren) |
| vorzeitige Wehen | stationäre Aufnahme, Bettruhe, Tokolyse p. o.: Nifidepin, i. v.-Atosiban |
| drohende Frühgeburt | fetale Lungenreife-Induktion mit 2Χ12 mg Betamethason über 24 h, Insulindosis anpassen (+ 2040 %) |
| Gestationshypertonie Präeklampsie | zur Prävention ASS 100 mg/ Tag bei hohen Risiken, Hochdrucktherapie ab 160170 mmHg systolisch, 100110 mmHg diastolisch, früher bei Symptomen (Verantwortung: Geburtsmediziner) adäquate Überwachung |
| Entbindungsklinik | rechtzeitige Vorstellung (spätestens mit 36. SSW), bei Insulintherapie Perinatalzentrum LEVEL2 oder LEVEL1 |
| Geburt | Spontangeburt wird angestrebt, bei Geburtsbeginn kein langwirksames Insulin mehr injizieren, Pumpe weiter verwenden (Basalrate auf 50%) |
| Einleitung | bei Überschreiten des errechneten Entbindungstermins |
| Sektio | primär und sekundär nur aus geburtsmedizinischer Indikation |
| Kind | Bereitschaft zur Atmungshilfe (O2, CPAP) Untersuchung und Beurteilung durch Neonatologen innerhalb 24h nach der Geburt, Blutglukose mit 1, 3, 6, 12 Lebensstunden |
| Stillen | Empfehlung für 612 Monate, dabei in jeder Beziehung unterstützen |
| Dokumentation | Basisdaten Diabetes und Daten Schwangerschaftsverlauf / Geburt / Neugeborenes dokumentieren |
Lungenreifeinduktion
Mütterliche Komplikationen und Notfälle Hypertonie, Präeklampsie/ Eklampsie
Korrespondenzadresse
Dr. med. H. Kleinwechter
diabetologikum kiel
Diabetes-Schwerpunktpraxis
und Schulungszentrum
Alter Markt 11
24103 Kiel
Tel.: 0431/95807, Fax: 0431/95805
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