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Wissenschaftlichen
Medizinischen
Fachgesellschaften
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Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC)
und des Berufsverbandes der Ärzte für Orthopädie (BVO)
| AWMF-Leitlinien-Register | Nr. 033/040 | Entwicklungsstufe: | 1
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Morbus Scheuermann
Synonyme
Adoleszentenkyphose, juvenile Kyphose, juvenile Osteochondrose
Schlüsselwörter
Wirbelsäule, Aufbaustörung, Kyphose
Definition
Im Jugendalter auftretende Wachstumsstörung an Grund und Deckplatten der Brust- und/oder Lendenwirbelsäule mit teilfixierter vermehrter Kyphose bzw. verminderter Lordose. Die Deformität soll mindestens drei benachbarte Wirbelkörper betreffen, die jeweils einen Keilwirbelwinkel von mindestens 5 Grad aufweisen.
Ätiologie, Pathogenese
Die Ursache des M. Scheuermann ist nicht bekannt. Eine familiäre Häufung mit autosomal dominantem Erbgang wird angegeben. Mechanische und genetische Faktoren mit einer Minderbelastbarkeit des Wirbelkörpers, Nekrosen und Anomalitäten der Wirbelkörperrandleisten, intraossäre Bandscheibenhernien, Vitaminmangelsyndrome usw. können eine Rolle spielen. Bandscheibenhernien in die spongiösen Wirbelkörperanteile (sog. Schmorlsche Knötchen) und Keilwirbel sind die typischen morphologischen Zeichen der Erkrankung. Letztlich tritt eine Imbalance im Wachstum der ventralen und dorsalen Anteile des Wirbelkörpers auf, welche eine Keilwirbelbildung zur Folge hat.
4 - 6% der Gesamtbevölkerung sind davon betroffen. M. Scheuermann ist die häufigste Erkrankung im Jugendalter (20 %). Das Geschlechtsverhältnis beträgt männlich : weiblich = 2:1. Klinische und radiologische Veränderungen können ab dem 11. Lebensjahr auftreten. Die krankheitstypischen Veränderungen an den Wirbelkörpern sind zum Wachstumsende stabilisiert. Sekundäre Phänomene durch die kyphotische Wirbelsäulenfehlstellung können auch später noch manifest werden.
Klassifikation
nach Lokalisation: thorakal, thorakolumbal, lumbal
nach Schweregrad: Normaler Kyphosewinkel der Brustwirbelsäule: 20 und 40 °.
Schwere Kyphose: > 70° Kyphosewinkel
Medizinische Schlüsselsysteme (ICD)
ICD-10
| M 42.0 | Juvenile Osteochondrose der Wirbelsäule |
Anamnese
Spezielle Anamnese
- Schmerzen: Beginn und Anlass der Schmerzen, Lokalisation, Ausstrahlung, Dauer, Intensität, Positionsabhängigkeit der Schmerzen
- Funktionseinschränkung
- Neurologische Symptome
- Beeinträchtigung der Belastungs- und Leistungsfähigkeit
Allgemeine Anamnese
- Belastung am Arbeitsplatz und/oder durch Freizeitaktivitäten
- bisherige Behandlung
- bekannte tumoröse Erkrankung, Gewichtsabnahme
- psychische Situation
Sozialanamnese
- Beruf, Arbeitsplatz
- sportliche Betätigung
- psychosoziales Umfeld
Diagnostik
Häufige Differentialdiagnosen
- Haltungsschwäche
- angeborene Kyphose bzw. Flachrücken
- posttraumatische Kyphose
- bakterielle bzw. tuberkulöse Spondylitis
- Metastasen
Klinische Scores
Wenn ein wissenschaftlicher Vergleich mittels Scores oder Bewertungsschemata angestrebt wird, empfehlen wir die Verwendung des folgendes Scores in der Originalfassung:
Oswestry-Low-Back-Pain-Disability-Questionaire nach Fairbank et al. 1980
Therapie
Stufenschema Therapeutisches Vorgehen
Orientierungskriterien
Schmerz, Schweregrad der Deformität, Funktionsstörung, Leidensdruck, Psychische Beeinträchtigung, Compliance
Stufe 1 ambulant
Beratung, Physiotherapie, Schmerztherapie, Korsettversorgung
Stufe 2 ambulant/stationär
Korsettversorgung, physikalische Therapie, Krankengymnastik
Stufe 3 stationär
Operation
Prognose
Die Prognose der Erkrankung ist meist günstig, schwere Verlaufsformen sind selten. Nach Wachstumsabschluss meist keine wesentliche Progredienz.
Prognosefaktoren
Schwere der Deformierung, begleitende skoliotische Komponente, Körpergewicht
Prävention
nicht bekannt
Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme. 10. Revision. Bd I: Systematisches Verzeichnis. Deutsches Institut für medizinische Dokumentation und Information; DIMDI. Urban & Schwarzenberg, München, Wien, Baltimore 1994
Literatur:
- Fairbank, J.C.T., Couper, J., Davis, J.B., O'Brian, J. P.: The Oswestry low back pain questionnaire. Physiotherapy 66, 171-273, 1980
- Lowe, T.G: Scheuermann´s disease. Orth. Clin North Am 30, 475-487, 1999
- Murray, P.M., Weinstein, S.L., Spratt, K.F.: The natural history and longterm follow up of Scheuermann´s kyphosis. J Bone Jt Surg 75-A, 236-248, 1993
- Scheuermann, H.W.: The classic: kyphosis dorsalis juvenilis. Clin. Orthop. 128, 5 - 7, 1977
Verfahren zur Konsensbildung:
Expertengruppe der Dt. Ges. f. Orthopädie und orthopädische Chirurgie und des Berufsverbandes der Ärzte für Orthopädie
Autor:
J. Zacher
Redaktionskomitee
Prof. G. v. Salis-Soglio, Leipzig
Dr. K.-L. Krämer, Offenbach
Dr. Oberschelp, Hamm
Prof. Dr. H.-P. Scharf, Ulm
Prof. Dr. R. Schleberger, Bochum
PD Dr. J. Zacher, Berlin
Erstellungsdatum:
Dezember 2003
Letzte Überarbeitung:
Nächste Überprüfung geplant:
03/2009
Die vorliegende Leitlinie wird spätestens innerhalb von 3 Jahren überarbeitet, bei relevanten Änderungen des Wissensstandes auch früher.
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