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| Arbeitsgemeinschaft der
Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften |
| AWMF-Leitlinien-Register | Nr. 020/006 | Entwicklungsstufe: | 2 + IDA |
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Ziele eines effektiven Managements sind
Die Frühdiagnostik der COPD wird dadurch erschwert, dass Patienten mit leicht- oder sogar mittelgradiger COPD die progrediente Belastungsdyspnoe infolge körperlicher Schonung häufig nicht als störend empfinden und sich daher einer für die Besserung der Prognose möglicherweise wichtigen Frühdiagnostik und frühzeitigen Therapie entziehen.
Der Nutzen von lungenfunktionsanalytischen Screening-Untersuchungen in der Allgemeinbevölkerung oder bei Rauchern ist allerdings nicht gesichert. Wesentlich ist bei der Angabe von chronischem (morgendlichem) Husten und/oder Auswurf und/oder Belastungsdyspnoe sowie bei Vorliegen von Risikofaktoren (Tab. 2) die Verdachtsdiagnose "COPD" zu stellen und die entsprechende Diagnostik einzuleiten.
Bei jedem Schweregrad und in Abhängigkeit von der Komorbidität müssen die Therapieziele individuell und realistisch festgelegt werden. Bei Erstellung eines individuellen Therapieplanes sind Nutzen und Risiken der Behandlungsmaßnahmen für den Betroffenen sowie die direkten und die indirekten Kosten zu beachten.
Prinzipiell ist nach erreichter Besserung der Symptomatik für COPD-Patienten eine Reduktion der Therapie zu erwägen. Infolge der typischerweise progredienten Verschlechterung des Befindens und der Lungenfunktion ist allerdings häufig eine Intensivierung der medikamentösen und nichtmedikamentösen Therapiemaßnahmen notwendig.
Wesentlich sind auch die Vorbeugung und frühzeitig einsetzende, adäquate Behandlung akuter Exazerbationen, um das Auftreten von Komplikationen und kostenintensive Hospitalisationen zu minimieren.
| Tab. 2 Risikofaktoren für die Entwicklung der COPD |
| genuine Faktoren | genetische Prädisposition (z. B. Alpha-1-Protease-Inhibitor-Mangel [25]) bronchiale Hyperreaktivität [26] Störungen des Lungenwachstums [27 - 30] |
| erworbene Faktoren | inhalativer Tabakkonsum [31 - 36] berufsbedingte Stäube (Appendix A) allgemeine Luftverschmutzung [37, 38] häufige Atemwegsinfektionen in der Kindheit [38] |
Körperliche Untersuchung
Lungenfunktionsdiagnostik
Reversibilitätstests mit Bronchodilatatoren
Reversibilitätstests mit Glukokortikoiden zur differentialdiagnostischen Abgrenzung zwischen Asthma und COPD
Weitere Lungenfunktionstests
Blutgasanalyse
CO-Diffusionskapazität
Belastungstests
Röntgenaufnahmen der Thoraxorgane
Computertomographie des Thorax
Elektrokardiogramm
Echokardiographie
Laboruntersuchungen
Sputumdiagnostik
| Abb. 2 Diagnostik der COPD Der Algorithmus beschreibt die differenzierte Abklärung der COPD. GKP: Ganzkörperplethysmographie, Raw: Gesamtatemwegswiderstand, FRC: funktionelle Residualkapazität, BGA: Blutgasanalyse, DLCO: CO-Diffusionskapazität, KCO: CO-Transferkoeffizient (DLCO/VA), VA: alveoläres Volumen, COB: chronisch obstruktive Bronchitis.
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Tab. 3 Schweregradeinteilung der COPD [5]
| Schweregrad | Kriterien |
|---|---|
| I (leicht) |
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| II (mittel) |
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| III (schwer) |
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| IV (sehr schwer) |
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Tab. 4 BODE-Index
| Parameter | Punkte auf der BODE Skala | |||
|---|---|---|---|---|
| 0 | 1 | 2 | 3 | |
| FEV1 (% Soll) | ≥65 | 50 - 64 | 36 - 49 | ≥35 |
| 6 Min Gehtest (m) | > 350 | 250 - 349 | 150 - 249 | ≤ 149 |
| MRC Dyspnoe (Stufe) | 0 - 1 | 2 | 3 | 4 |
| body-mass-index (kg/m2) | > 21 | ≤ 21 | ||
Tab. 5 Differenzialdiagnose: Asthma - COPD
| Merkmal | Asthma | COPD |
|---|---|---|
| Alter bei Erstdiagnose | variabel, häufig: Kindheit, Jugend | meist 6. Lebensdekade |
| Tabakrauchen | kein direkter Kausalzusammenhang; Verschlechterung durch Tabakrauchen möglich | direkter Kausalzusammenhang |
| Hauptbeschwerden | anfallsartig auftretende Atemnot | Atemnot bei Belastung |
| Verlauf | variabel, episodisch | progredient |
| Allergie | häufig | selten |
| Obstruktion | variabel | persistierend |
| Reversibilität der Obstruktion | > 20 % FEV1 | < 15 % FEV1 |
| bronchiale Hyperreaktivität | regelhaft | vorhanden möglich |
| Ansprechen auf Glukokortikoide | regelhaft vorhanden | gelegentlich* |
Tab. 6 Therapieoptionen bei COPD
| Prävention | Medikamentöse Behandlung | Nicht medikamentöse Behandlung | Apparative/operative Behandlung |
|---|---|---|---|
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Ziel präventiver Maßnahmen ist die Verhinderung einer weiteren Schädigung der Lunge durch die Beseitigung von Risikofaktoren. Zigarettenrauchen ist in Deutschland der wichtigste Risikofaktor für die COPD ("Evidenz"grad A). Die individuelle Empfindlichkeit und damit die pathophysiologischen Konsequenzen sind jedoch unterschiedlich.
Das Fortschreiten der COPD korreliert mit der täglich konsumierten Zigarettenanzahl. Durchschnittlich kommt es bei regelmäßigem Rauchen zu einer gegenüber dem normalen Altersgang beschleunigten FEV1-Abnahme um ≥ 50 ml/Jahr. Nach Aufgabe des Rauchens kann die weitere jährliche FEV1-Abnahme verlangsamt werden.
| Abb. 3 Stufenplan für die Prophylaxe und Langzeittherapie der COPD.
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Bei fehlendem Ansprechen auf Bronchodilatatoren sollte die Zuverlässigkeit der Medikamenteneinnahme unter Einschluss der Inhalationstechnik geprüft werden. Bei unzureichender Inhalationstechnik auch nach einem entsprechenden Training ist die Auswahl eines anderen Applikationssystems, gegebenenfalls der Einsatz einer Inhalationshilfe sowie die Anwendung eines Verneblers zu prüfen [123]. Für Patienten, die trotz entsprechender Anweisung und Anwendung von Inhalationshilfen eine effektive Inhalationstechnik nicht erlernen können, stehen Vernebler zur Verfügung, über die β2-Sympathomimetika und/oder Anticholinergika appliziert werden können. Gelingt eine effektive Inhalation auch mithilfe von Verneblern nicht, können orale 2-Sympathomimetika in Retardform eingesetzt werden. Sollte die Medikation nicht zu einer Besserung der Symptomatik und/oder der Lungenfunktion führen, ist die Umsetzung auf einen anderen Bronchodilatator zu versuchen. Bei regelmäßiger Anwendung von Bronchodilatatoren sind kurzwirksame Substanzen billiger, aber wegen der erforderlichen 3-4-maligen Gabe pro Tag bezüglich der Therapietreue ungünstiger als langwirksame Substanzen mit 1±2-maliger täglicher Einnahme. Daneben ist die Therapie mit langwirksamen Bronchodilatatoren effektiver [52,124,125].
| Tab. 7 Einzeldosis und Wirkdauer der wesentlichen Bronchodilatatoren in der Langzeittherapie der COPD |
| Medikament | Dosieraerosol*/ Pulverinhalator (µg) | Vernebler (mg) | Tablette (mg) | Wirkdauer (h) |
|---|---|---|---|---|
| Anticholinergika | ||||
| Ipratropiumbromid | 20 - 40/200 | 0,25 - 0,5 | - | 6 - 8 |
| Tiotropiumbromid | 18 | - | - | 24 |
| beta2-Sympathomimetika | ||||
| Fenoterol | 100 - 200 | 0,2 - 0,4 | - | 4 - 6 |
| Salbutamol | 100 - 200 | 1,25 - 2,5 | 4 - 8 | 4 - 6*** |
| Terbutalin | 500 | 2,5 - 10 | 2,5 - 7,5 | 4 - 6*** |
| Bambuterol | - | - | 10 | 24 |
| Formoterol | 6 - 24 | - | 12 | |
| Salmeterol | 50 - 100 | - | 12 | |
| Methylxanthine** | ||||
| Theophyllin (retard) | - | - | 100 - 500 | variabel (≤ 24) |
| Kombinationspräparate | ||||
| Fenoterol + Ipratropiumbromid | 50/20 - 100/40 | 0,05/0,025 - 0,1/0,05 | 6 - 8 | |
β2-Sympathmimetika
Theophyllin
Kombination von Bronchodilatatoren
Inhaltation mit Verneblern
Systemische Glukokortikoide
| Tab. 8 Effekte von häufig angewendeten Medikamenten auf wichtige klinische Parameter der COPD |
| FEV1 | Lungen-volumen | Dyspnoe | HRQol | Exazerbationen | Belastbarkeit | Neben-wirkungen | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| kurzwirksame β2-Sympathomimetika | Ja (A) | Ja (B) | Ja (A) | N.B. | N.B. | Ja (B) | einzelne |
| langwirksame β2-Sympathomimetika | Ja (A) | Ja (A) | Ja (A) | Ja (A) | Ja (A) | Ja (B) | minimal |
| Ipratropium | Ja (A) | Ja (B) | Ja (A) | Nein (B) | Ja (B) | Ja (B) | einzelne |
| Tiotropium | Ja (A) | Ja (A) | Ja (A) | Ja (A) | Ja (A) | Ja (A) | minimal |
| inhalierbare Glukokortikoide* | Ja (A)** | N.B. | Ja (B) | Ja (A) | Ja (A) | N.B. | einzelne |
| Kombinationen | Ja (A) | N.B. | Ja (A) | Ja (A) | Ja (A) | N.B. | einzelne |
| Theophyllin | Ja (A) | Ja (B) | Ja (A) | Ja (B) | N.B. | Ja (B) | bedeutend |
| Abb. 4 Auswirkungen der COPD auf körperliche Belastbarkeit, Lebensqualität und Psyche.
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Patientenschulung
Physiotherapie
Hilfsmittel zur Sekretelimination
Ernährung
Effekte der pneumologischen Rehabilitation bei Patienten mit COPD
| Tab. 9 Gesicherte positive Effekte der pneumologischen Rehabilitation [2,221-223] |
| Nutzen | "Evidenz"grad |
|---|---|
| gesteigerte körperliche Leistungsfähigkeit | A |
| Abnahme der Atemnot | A |
| Steigerung der krankheitsspezifischen Lebensqualität | A |
| Reduktion der Anzahl und Dauer von Krankenhausaufenthalten | A |
| Abnahme von COPD assoziierter Angst und Depression | A |
| Kraft- und Ausdauertraining der oberen Extremität verbessert die Funktion der Arme | B |
| positive Effekte eines Trainingsprogramms überdauern die Trainingsperiode | B |
| Lebensverlängerung | B |
| Atemmuskeltraining ist effektiv, insbesondere in Kombination mit einem allgemeinen körperlichen Training | C |
| psychosoziale Intervention ist hilfreich | C |
Auswahl der Patienten
Organisation der pneumologischen Rehabilitation
| Tab. 10 Kriterien zur Differenzialindikation für Lungenvolumenreduktion (LVR) und Lungentransplantation (LTx) bei Patienten mit ausgeprägtem Lungenemphysem |
| LVR | LTx | |
|---|---|---|
| Lungenfunktion | FEV1: 25 - 45 % Soll | FEV1: < 25 % Soll |
| Bildgebung | oberlappenbetontes Emphysem | panlobuläres Emphysem, Alpha- 1-Protease-Inhibitor-Mangel |
| 6-Minuten-Gehstrecke | > 150 m | < 150 m |
| Blutgasanalyse | PaCO2 < 55 mm Hg | PaCO2 > 55 mm Hg |
| Echokardiographie | RVP systolisch < 50 mm Hg | RVP systolisch > 50 mm Hg |
| Abb. 5 Sputumdiagnostik bei Patienten mit akuter Exazerbation der COPD.
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Tab. 11 Kriterien zur stationären und intensivmedizinischen Behandlung bei COPD-Exazerbationen
| Stationäre Behandlung | Aufnahme auf die Intensivstation |
|---|---|
| schwere Atemnot | schwere Atemnot mit fehlendem Ansprechen auf die initiale Notfalltherapie |
| schlechter Allgemeinzustand | komatöser Zustand |
| rasche Progression der Symptomatik | persistierende arterielle Hypoxämie (PaO2 < 50 mm Hg) trotz Sauerstoffgabe und/oder schwere oder progrediente Hyperkapnie (PaCO2 > 70 mm Hg) und/oder schwere/zunehmende respiratorische Azidose (pH < 7,30) trotz nichtinvasiver Beatmung mit positivem Druck (NIPPV) |
| Bewusstseinstrübung | |
| Auftreten/Zunahme von Ödemen und/oder einer zentralen Zyanose | |
| fehlendes Ansprechen auf die initiale Therapie | |
| unklare Diagnose | |
| neu aufgetretene Arrhythmien | |
| bedeutsame Komorbidität | |
| höheres Lebensalter | |
| unzureichende häusliche Betreuung |
| Abb. 6 Management der Exazerbation der COPD.
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Tab. 12 Schweregradorientierte Behandlung der Exazerbation der COPD
| Schweregrad | Kennzeichen | Therapie |
|---|---|---|
| alle Schweregrade | Nikotinverzicht Antibiotika bei purulentem Sputum Therapie der Komorbidität(en) | |
| leichtgradig | leichte subjektive Verschlechterung ± Verschlechterung der Lungenfunktion | Anticholinergika u./o. β2-Sympathomimetika |
| mittelgradig | Atemnot + Verschlechterung der Lungenfunktion | evtl. + systemische Glukokortikoide + Theophyllin |
| schwergradig | Bewusstseinstrübung Tachykardie/-pnoe Zyanose (neu/progredient) Ödeme | + Sauerstoff ± NIV ± Therapie der Komplikationen |
Medikamentöse Therapie
Zusätzliche Maßnahmen bei der Behandlung akuter Exazerbationen im Krankenhaus
| Abb. 7 Stationäre Therapie der Exazerbation der COPD.
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Beatmung
Nichtinvasive Beatmung mit positivem Druck (NIPPV) Die nichtinvasive Beatmung mit positivem Druck wurde bei akuter respiratorischer Insuffizienz von COPD-Patienten in den letzten Jahren in zahlreichen unkontrollierten und 5 randomisierten kontrollierten Untersuchungen geprüft [354-358]. Die NIPPV führte zu einer Reduktion der respiratorischen Azidose, einem Abfall des PaCO2 sowie einer Abnahme der Atemnot in den ersten 2-4 Stunden nach Beginn der Therapie sowie auch zu einer Senkung der Mortalität [354-356]. Eine Intubation mit invasiver Beatmung konnte häufig verhindert werden und wurde in nur 15-20% der Fälle notwendig [357-359]. Im Vergleich zur invasiven pressure support ventilation verkürzt die nichtinvasive Beatmung mit positivem Druck (NIPPV) die Entwöhnungszeit, reduziert den Aufenthalt auf der Intensivstation, führt zu einer Reduktion der Häufigkeit nosokomialer Pneumonien und verbessert die Prognose während eines Beobachtungszeitraums von 60 Tagen [359] ("Evidenz"grad A). Die nichtinvasive Beatmung ist daher, falls keine Kontraindikationen bestehen, der invasiven Beatmung vorzuziehen (Empfehlungsgrad A).
Die Ein- und Ausschlusskriterien für die NIPPV sind in Tab. 13 dargestellt.
Wenn die in Tab. 13 genannten Ausschlusskriterien zutreffen, sollte die Indikation zu einer invasiven Beatmung gestellt werden (Tab. 14).
Invasive Beatmung Der Nutzen der invasiven Beatmung bei COPD-Patienten im Endstadium ist Gegenstand zahlreicher Diskussionen. Patienten ohne wesentliche Komorbiditäten, mit potenzieller Reversibilität der Ursache der akuten Exazerbation (Infektion) sowie relativ mobile Patienten profitieren am häufigsten von einer derartigen Therapie. An Komplikationen sind die ventilatorassoziierte Pneumonie, das Barotrauma und Entwöhnungsprobleme zu nennen. Bei invasiv beatmeten COPD-Patienten ist mit einer deutlichen Verlängerung des Aufenthaltes auf der Intensivstation zu rechnen. Die Hospitalsterblichkeit der maschinell beatmeten Patienten liegt etwa bei 17-30%.
Bei der Entscheidung zur invasiven Beatmung ist der zuvor festgelegte Wille des Patienten hinsichtlich einer derartigen Therapiemaßnahme zu berücksichtigen.
Tab. 13 Ein- und Ausschlusskriterien für die nichtinvasive Beatmung (NIPPV) bei COPD-Patienten mit respiratorischer Insuffizienz
| Einschlusskriterien | Ausschlusskriterien |
|---|---|
| Schwere Atemnot mit Einsatz der "Atemhilfsmuskulatur" und paradoxer abdominaler Atmung | Atemstillstand |
| Azidose (pH < 7,35) und Hyperkapnie (mit PaCO2 > 50 mm Hg) | Herz-Kreislauf-Instabilität (Herzinfarkt, kardiogener Schock, Hypotonie, schwere Arrhythmie) |
| Atemfrequenz < 25/min | Bewusstseinstrübung (Somnolenz |
| Fehlende Kooperation des Patienten | |
| erhöhte Gefahr von Regurgitation und Aspiration (Schluckstörung, Ileus, gastrointestinale Blutung, kürzliche Operation im Bereich von Gesicht, Speiseröhre und Oberbauch, Gesichtstrauma, Fehlbildungen im Nasopharynx) | |
| visköses Sekret, große Sputummenge |
| Tab. 14 Kriterien für die Intubation und invasive Beatmung bei ventilatorischer Insuffizienz infolge exazerbierter COPD |
| Hauptkriterien | Nebenkriterien |
|---|---|
| Atemstillstand | Atemfrequenz > 35/min, höher als bei der Aufnahme |
| Atempausen mit Bewusstseinsverlust oder Schnappatmung | pH < 7,30 und Abfall während der Überwachung |
| psychomotorische Agitation mit der Notwendigkeit zur Sedierung | PaO2 < 40 mm Hg trotz Sauerstoffgabe und NIPPV |
| Herzfrequenz < 50/min | progrediente Bewusstseinstrübung |
hämodynamische Instabilität mit RR-syst. < 70 mm Hg
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Tab. 15 Obstruktive Atemwegserkrankungen nach der Liste der Berufskrankheiten in der Fassung der Berufskrankheiten-Verordnung (BKV) vom 31.10.1997
| BK-Nr. 4301 | "Durch allergisierende Stoffe verursachte obstruktive Atemwegserkrankungen (einschließlich Rhinopathie), die zur Unterlassung aller Tätigkeiten gezwungen haben, die für die Entstehung, die Verschlimmerung oder das Wiederaufleben der Krankheit ursächlich waren oder sein können" |
| BK-Nr. 4302 | "Durch chemisch-irritativ oder toxisch wirkende Stoffe verursachte obstruktive Atemwegserkrankungen, die zur Unterlassung aller Tätigkeiten gezwungen haben, die für die Entstehung, die Verschlimmerung oder das Wiederaufleben der Krankheit ursächlich waren oder sein können" |
| BK-Nr. 1315 | "Erkrankungen durch Isocyanate, die zur Unterlassung aller Tätigkeiten gezwungen haben, die für die Entstehung, die Verschlimmerung oder das Wiederaufleben der Krankheit ursächlich waren oder sein können" |
| BK-Nr. 4111 | "Chronische obstruktive Bronchitis oder Emphysem von Bergleuten unter Tage im Steinkohlenbergbau bei Nachweis der Einwirkung einer kumulativen Dosis von in der Regel 100 Feinstaubjahren [(mg/m³) x Jahre]" |
Tab. 16 Mögliche Auslöser von Erkrankungen der Atemwege und Lunge, bei denen im weiteren Sinne obstruktive Ventilationsstörungen vorkommen können
| Auslöser | BK-Nummer |
|---|---|
| Chrom | 1103 |
| Vanadium | 1107 |
| Fluor | 1308 |
| Quarz | 4101, 4102 |
| Asbest | 4103 |
| Aluminium | 4106 |
| Nickel | 4109 |
| Steinkohlengrubenstäube unter Tage | 4111 |
| Verschimmeltes Heu, Stroh, Pilze | 4201 |
| Rohbaumwolle, -Flachs, -Hanf | 4202 |
Die Leitlinie zur Behandlung von Patienten mit chronisch obstruktiver Bronchitis und Lungenemphysem (COPD) ist entsprechend den methodischen Vorgaben zur Entwicklung von Leitlinien für Diagnostik und Therapie der Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) [11,12] erstellt worden und entspricht nach dem 3-Stufen-Konzept der AWMF einer S2-Leitlinie, ergänzt durch klinische Algorithmen zur Diagnostik und Therapie der COPD. Die 3 Stufen der AWMF-Leitlinien (S1, S2, S3) lassen sich folgendermaßen charakterisieren:
S1 (Expertengruppe): Eine repräsentativ zusammengesetzte Expertengruppe der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaft erarbeitet im informellen Konsens eine Leitlinie, die vom Vorstand der Fachgesellschaft verabschiedet wird.
S2 (formale Konsensusfindung): Vorhandene Leitlinien der Stufe 1 werden in bewährten formalen Konsensusverfahren beraten und modifiziert und als Leitlinien der Stufe 2 verabschiedet.
S3 (Leitlinie mit allen Elementen systematischer Erstellung): Der formale Konsensusprozess wird durch weitere systematische Elemente ergänzt: logische Analyse (klinischer Algorithmus), formale Konsensusfindung, Evidenzbasierung, Entscheidungsanalyse und Outcome-Analyse.
Der Konsens ist notwendig, um bei geringer vorhandener Evidenz Akzeptanz für eine Leitlinie zu erzeugen und die Verbreitung und Implementierung zu unterstützen. Evidenzbasierung bedeutet die Einbeziehung von Metaanalysen, klinischen Studien und epidemiologischen Untersuchungen, um sie für Entscheidungen beim individuellen Patienten nutzbar zu machen.
Die Entscheidungs- und Outcomeanalyse berücksichtigen Modelle mit probabilistischen Entscheidungsbäumen, erwartetem Nutzen und ökonomischen Aspekten sowie die Bestimmung des Gesundheitsstatus (ermittelt durch den Arzt) und der Lebensqualität (Selbstbeurteilung von Patienten in einem validierten Fragebogen). Die resultierende Leitlinie soll einfach und klar, aber auch umfassend sein.
Klinische Algorithmen
| Abb. 1: Standardisierte Terminologie für klinische Algorithmen
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Tabelle 1: Beschreibung von "Evidenz"- und Empfehlungsgraden
| "Evidenz"grad GOLD-Initiative | "Evidenz"grad SIGN | Empfehlungsgrad SIGN | Quellen | Definition |
|---|---|---|---|---|
| A | I | A | randomisierte kontrollierte Studien (RKS) mit großer Patientenzahl | konsistente Daten von RKS mit großer Patientenzahl |
| B | II | A | RKS mit begrenzter Patientenzahl | RKS mit geringerer Patientenzahl und gewissen Inkonsistenzen Meta-Analysen von RKS |
| C | II oder III | B oder C | nicht-randomisierte Studien, Beobachtungen | Ergebnisse aus unkontrollierten oder nicht randomisierten Studien oder aus Beobachtungen |
| D | IV | D | Expertenmeinung | Stellungnahme anhand der Erfahrung der Experten ohne eindeutige Studienergebnisse wie bei A - C |
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Strategien zur Verbreitung und Implementierung der Leitlinie
Weiterentwicklung der COPD-Leitlinie
Autoren:
Teilnehmerliste der Konsensuskonferenz zur COPD-Leitlinie am 30.10.2005 in Kassel
Korrespondenzadresse:
Prof. Dr. med. Claus Vogelmeier
Klinik für Innere Medizin mit Schwerpunkt Pneumologie,
Universitätsklinikum Gießen und Marburg, Standort Marburg
Baldingerstraße
35043 Marburg
e-mail: Claus.Vogelmeier@med.uni-marburg.de
oder
Prof. Dr. med. H. Worth
Medizinische Klinik I, Klinikum Fürth
Jakob-Henle-Str. 1
90766 Fürth
e-Mail: med1@klinikum-fuerth.de
