Homöobox

Diese Bezeichnung beinhaltet das griechische Wort homoios für gleich, gleichartig. Warum dieser DNA-Abschnitt, welcher für die Entwicklung eines heranwachsenden Organismus eine entscheidende Rolle spielt, solch einen Namen erhalten hat wird sich im Laufe des nachfolgenden Textes verdeutlichen.

Die Homöobox-Gene, eine besondere Art des Genmaterials mit einer Basenlänge von 180 Basenpaaren, codieren (übermitteln in Code-Form die Information für die spezielle Aminosäuresequenz des entsprechenden Proteins), wie üblich für bestimmte Proteine als Endprodukte. Diese enthalten jedoch als Besonderheit einen Abschnitt von 60 Aminosäuren (gebildet durch je ein Codon = Basentriplett), die Homöodomäne, welche sich an nachgeschaltete DNA-Sequenzen heftet und sie in ihrer Transkription aktiviert oder unterdrückt. Sie gilt deshalb in der Fachsprache auch als Transkriptionsregulationsfaktor.

Die Homöoboxgene sind der Determination der Zellen vorgeschaltete Gene, welche komplette Genverbände kontrollieren. Sie sind wichtige Faktoren für die Entwicklung der verschiedenen Zelltypen und Organe im Organismus. Schon in frühen Embryonalstadien werden die Zellen durch die Homöobox-Gene in Segmente aufgeteilt und sind damit auch schon der Entwicklung zu einem bestimmten Endorgan zugeordnet. Hier entscheidet sich also bereits welches Organ wo im Erwachsenen Organismus ausgeprägt wird.
Homöobox-Gene und die daraus resultierenden Homöodomänen sind in vielen Lebewesen in sehr ähnlicher Weise vorzufinden. Dies und die ähnliche Form der Entwicklung einiger Organismen-Gruppen unterstreicht ihre Bedeutsamkeit in frühen Entwicklungsstadien eines Organismus. So sind die Anfangsstadien in der Entwicklung eines Organismus, also die Embryonalstadien (Blastulation, Gastrulation, Neurulation etc.), bei vielen Lebewesen gleich. Es gibt viele Parallelen in der Abfolge und Art und Weise der Ausbildung einzelner Bestandteile des Organismus.

Die Homöobox ist sozusagen "Entwicklung in Konserven", denn sie ist ein sehr konservativer DNA-Abschnitt und dient der Regulation und Steuerung von Entwicklungsprozessen im Embryo. Sie ist eine Struktur, die über eine lange Zeitspanne konstant erhalten geblieben ist. Die Homöodomänen weisen, wie bereits erwähnt, deutliche parallelen in den verschiedenen Arten auf. Betrachtet man die zu Antennapedia homologen Gene verschiedener anderer Tierarten gibt es nur beim Menschen einen minimalen Unterschied. Dabei entwickeln sich die Arten Wirbellose und Wirbeltiere seit mehreren 100 Millionen Jahren unabhängig.

Abb. 1: Homöobox-Gene der Frucht- bzw. Taufliege und des Mausembryos

 

Bei DNA-Analysen im Maus-Embryo und dem Ei der Taufliege Drosophila in der Struktur der Homöobox sind ebenfalls viele Parallelen gefunden worden. Die homöotischen (Hom-)Gene der Drosophila und die Hox-Gene, wie sie bei Säugern genannt werden, sind in der Anordnung auf der DNA und in der Abfolge ihrer Expression sehr ähnlich. Außerdem entspricht die Position der Homöobox-Gene auf der DNA der des entsprechend resultierenden Körperorgans auf der anterior-posterioren (Vorne/Kopf => Hinten/Hinterleib) Achse. So liegen zum Beispiel die Gene für die Mundwerkzeuge ganz vorne am 3'-Ende, Brust-Gene in der Mitte und Gene für das Abdomen am hinteren 5'-Ende des DNA-Abschnitts. Von vorne und hinten auf der DANN spricht man hier, weil sie ja bekanntlich in 5'=>3'-Richtung von der RNA-Polymerase abgelesen wird.
Auf der nebenstehenden Abbildung (Abb. 1) seht ihr einen Vergleich der Homöobox-DNA-Abschnitte dieser beiden Tiere. Jedes farbige Kästchen entspricht hier einem Homöobox enthaltenden Gen. Damit wird deutlich, wie sich die Chromosomen und Gene in vielerlei Hinsicht gleichen. Die Endprodukte also die exprimierten Organe aus den Genen und deren Reihenfolge auf dem DNA-Strang sind einander ähnlich, was hier deutlich erkennbar ist. Für die Taufliege sind die Gene genauer benannt und die Bezeichnung ist eine Abkürzung für das aus ihnen resultierende Körperorgan, z.B. Antp für Antennapedia, also für die Organe Fühler und Beine.

Lab = Labrum (Mundwerkzeug)
Pb = Proboscipedia
Scr = Sex combs reduced
Antp = Antennapedia (Beine, Fühler)
Ubx = Ultrabithorax
Abd-A bzw. B = Abdominal A bzw. B

Eine Mutation, also die fehlerhafte Ausprägung dieses Gens, würde in diesem Beispiel ein Bein anstelle eines Fühlers am Kopf der Taufliege wachsen lassen. Wie es in Abb. 2 dargestellt ist.

 Abb. 2: Mutant des Antennapedia Gens.

Am Kopf wächst anstelle des Fühlers ein Bein. (im WWW findest du weitere Bilder zu dieser und anderen Mutationen von Drosophila)
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