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Arbeitsgemeinschaft der
Wissenschaftlichen
Medizinischen
Fachgesellschaften

Empfehlungen der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft


Qualitätssicherung "Kryochirurgie in der Dermatologie"

ICD-10-Ziffern
C 44, L 47, Q 82.810, D.21, M 81, C 49, M 60, C 46.900, D 03.X 10, D 18.000, D 18.010, C 85.910, D 04.L01, K 13.200, D 04.910, L 57.820, B 07.X90, A 63.810, L 91.020, L 91.030, L 92.000, L 92.100, D 86.900, A 18.440


Inhalt

  1. Definition
  2. Techniken zum Erzeugen tiefer Arbeitstemperaturen für die Kryochirurgie
  3. Wirkmechanismen, Nebenwirkungen, Kontraindikationen
  4. Kryochirurgische Behandlungsverfahrene
  5. Geräteausstattung in Praxis und Klinike
  6. Indikationen der Kryotherapie in der Dermatologiee
  7. Planen und Durchführen der Behandlunge
  8. Dokumentatione
  9. Personelle Voraussetzungene
  10. Literature


Präambel

  1. Definition
  2. Die Kryochirurgie umfasst alle Arten des Einsatzes von Gefriertechniken mit dem Ziel, Umbau, Abhebung oder Zerstörung krankhaft veränderter Gewebe oder bestimmter Gewebskomponenten zu erreichen [1-9].

  3. Techniken zur Erzeugung tiefer Arbeitstemperaturen
  4. In der dermatologischen Kryochirurgie werden derzeit je nach Indikationsbereich im Wesentlichen Arbeitstemperaturen zwischen 203 K (-70°C) und 77 K (-196°C) angewendet. Die nötigen tiefen Temperaturen werden auf verschiedene Weise erzeugt und kontrolliert [2; 8-20]:

    Für die dermatologische Tumortherapie sind wegen unterschiedlicher Kryoresistenz verschiedenartiger Geschwulstarten im wesentlichen nur Kühlmedien wichtig, die mehr als minus 70°C erreichen [11;12], also CO2, N2O, und vor allem N2.

  5. Wirkmechanismen
  6. Wesentlich sind die Bildung extra- und intrazellulärer Eiskristalle im behandelten Gewebe, die dadurch bedingte Zelldestruktion und deren Sekundärfolgen. Bei raschem Einfrieren entstehen praktisch gleichzeitig extra- und intrazelluläre Eiskristalle (sog. homogene Nukleation), bei langsamem Einfrieren zunächst nur extrazelluläre und erst verzögert auch intrazelluläre (heterogene Nukleation) [1-3; 8].

  7. Behandlungsverfahren
  8. Zur Behandlung bei dermatologischen Indikationen werden sehr verschiedene Techniken eingesetzt [1-13; 29; 30; 38-45]. Der Wärmeentzug aus dem Gewebe erfolgt dabei entweder über die metallische (z.T. antihaftbeschichtete) Kontaktfläche eines Kryo-Applikators (geschlossenes bzw. Kontaktverfahren) oder durch direktes Aufbringen des Kühlmittels (offenes bzw. Sprayverfahren).

  9. Geräteausstattung
  10. Die Anforderungen für Praxen, Kliniken und Abteilungen mit besonderem Schwerpunkt in der Kryotherapie können unterschiedlich sein. Kryomedizinische Geräte mit definierten Leistungs-Parametern für die Kontakt- und für die offene Behandlung sind erforderlich [2-8;19;24;31]. Die Kenntnis der Leistungsfähigkeit ist wichtig, um von der gerätetechnischen Seite her einen genügend sicheren Therapieeffekt zu garantieren und um verschiedene Gerätetypen miteinander vergleichen zu können. Geeignet für den Einsatz sind deshalb Geräte mit Angaben zur Arbeitstemperatur in Verbindung mit der Kälteleistung. Z. B. sind wegen ihrer geringen Kälteleistung Gasentspannungsgeräte nicht gut für die Kryodestruktion maligner Tumoren geeignet. Hierfür kommen nur N2-Sprayverfahren oder - Sonden mit ihren hohen Kälteleistungen in Betracht [9; 20; 21], während z.B. für Angiome meist N20- oder auch thermoelektrische Sonden genügen [6;7;18].
    Die früher vielfach übliche Stickstoff-Applikation mit Watteträgern, wie sie sonst beim Aufbringen von CO2-Schnee benutzt werden, ist nicht nur unzweckmäßig wegen weniger guter Steuerbarkeit der Einwirkung und unnötig hohen Stickstoffverbrauchs [48]. Sie ist vor allem obsolet wegen erheblicher hygienetechnischer Bedenken aufgrund der offenen Behälter [49].

  11. Indikationsstellung
  12. Die Behandlungstechnik muss den bei verschiedenen Indikationen zu erreichenden Zielen angepasst werden: Zerstörung, Abhebung oder Umbau [1;6;7;13;16]. Kryochirurgie ist kein Ersatzverfahren für andere Behandlungsmodalitäten, wie Operation oder Strahlentherapie, sondern eine gleichwertige Methode mit eigenem Indikationsspektrum. Die Behandlungsindikation muss unter Berücksichtigung aller in Betracht kommenden, zum Teil konkurrierenden Methoden für jede einzelne Situation gestellt werden [5;15;30]. Routinierte dermatologische Therapeuten erzielen bei sehr strenger Indikationsstellung Heilungsraten, z.B. bei Basalzellkarzinomen, die durchaus vergleichbar sind mit denjenigen durch andere Therapiemodalitäten (94-98%) in unterschiedlichen Serien; zum Vergleich 93-98% bei Strahlentherapie, 93-99% bei Tumorexzision und 94-99% bei Tumorexzision nach mikroskopisch Randschnitt-kontrollierter Chirurgie [15;43;50-52]. Die Kryochirurgie ist eine sehr preiswerte, effektive und in der Regel ästhetisch akzeptable Methode für die Behandlung einer ganzen Reihe von Hautläsionen. Sie ist besonders geeignet für Patienten unter Antikoagulation, mit Allergie gegen Lokalanästhetika oder mit einem Herzschrittmacher. Sie ist, richtig gehandhabt, auch in zuvor bestrahlten Arealen einsetzbar [53]. Grenzen für die Gesamtdosis bei aufeinander folgenden Behandlungen, wie bei Strahlentherapie, gibt es für die Kryochirurgie nicht. Dass sie wiederholbar ist, ist ein besonderer Vorteil bei der Behandlung sukzessiv multipler Läsionen und Metastasen [24;33;47;54-56].

  13. Planen und Durchführen der Behandlung
  14. Wie bei jedem anderen Verfahren ist sorgfältige Vorbereitung Voraussetzung für gute Ergebnisse. Prinzipielle Kontraindikationen der Kryochirurgie, wie z.B. Kryoglobulinämie, sind selten.

  15. Dokumentation
  16. Wie jede Behandlung erfordert die Kryotherapie eine Dokumentation, die den Anforderungen der laufenden Qualitätskontrolle genügt und eine korrekte Abrechnung ermöglicht.

  17. Personelle Voraussetzungen
  18. Erfolge und Risiken jeder Therapiemethode hängen davon ab, dass die Anwender einerseits die Methode angemessen beherrschen, andererseits aber auch das Organ, an dem behandelt wird, und dessen Krankheiten gründlich kennen. Kryotherapie am Hautorgan ist deshalb Aufgabe des Facharztes für Dermatologie [5;6;8;12;13;33;94].


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Verfahren zur Konsensbildung

Erstellungsdatum:

August 2001

Letzte Überarbeitung:

September 2008

Überprüfung geplant:

September 2011. Bis dahin Neubearbeitung
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Stand der letzten Aktualisierung: September 2008
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