AWMF online |
| Arbeitsgemeinschaft der
Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften |
| AWMF-Leitlinien-Register | Nr. 059/002 | Entwicklungsstufe: | 1 |
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3.1 Klinische Diagnostik
4.1 Klinik
4.2 Pathologie
4.3 Diagnostik
5.1 Klinik
5.2 Prävention der vertikalen Transmission
5.3 Zusammenfassung
6.1 Pathogenese
6.2 Klinik
6.3 Diagnostik
7.1 Klinik und Verlauf
7.2 Diagnostik
7.3 Zusammenfassung
8.1 Grundlagen
8.2 Therapie der Frühsyphilis
8.3 Therapie der Spätsyphilis
8.4 Therapie der Neurosyphilis
| Falldefinition für die nichtnamentliche Erfassung von labordiagnostisch gesicherten Treponema-pallidum-Infektionen nach § 7 Abs. 3 IfSG
Klinisches Bild: Vereinbar mit Syphilis.
Hinweis: Jeder erstmalige Nachweis einer behandlungsbedürftigen Infektion mit Treponema pallidum ist unabhängig vom klinischen Erkrankungsstadium meldepflichtig!
Labordiagnostischer Nachweis: Ein positiver Befund mit mindestens einer der nachfolgend aufgeführten Methoden
* Bei Vorliegen der ärztlichen Angabe eines typischen klinischen Bildes einer kontagiösen Frühsyphilis (z.B. Primäraffekt, Syphilis-typisches Exanthem) kann auch ein inkomplettes Antikörpermuster ausreichen. |
Seit dem Inkrafttreten des IfSG Anfang 2001 bis Ende Dezember 2007 wurden insgesamt 20.032 Fälle gemeldet, die die Referenzfalldefinition erfüllen. Parallel zur Einführung des neuen Meldesystems für Syphilis mit In-Kraft-Treten des IfSG im Jahr 2001 wurde ein deutlicher Anstieg der gemeldeten Syphilisinfektionen in Deutschland beobachtet. Die ausschließliche Zunahme der gemeldeten Fälle bei Männern bei gleichbleibender Zahl der Meldungen bei Frauen sowie die anhaltende Zunahme der Syphilis-Meldungen bis 2004 (3.356) belegt, dass der Anstieg der Meldungen nach Umstellung auf das neue Meldeverfahren nicht nur auf einen höheren Erfassungsgrad der Syphilis-Fälle zurückzuführen ist, sondern eine tatsächliche Zunahme von Syphilis-Infektionen insbesondere in einigen Ballungsräumen widerspiegelt (Hamouda & Marcus 2005). Vergleichbare Zunahmen der Syphilisinzidenz im selben Zeitraum werden auch aus den meisten anderen EU-Ländern und Nordamerika, insbesondere aus Kalifornien berichtet (Kingston &Higgins 2004a). Seit 2005 stabilisieren sich die Meldezahlen bundesweit auf einem Niveau zwischen 3.100 und 3.300 pro Jahr. Im Jahr 2007 wurden dem RKI 3.258 Syphilis-Fälle gemeldet, die die Referenzdefinition erfüllten. Damit war die Zahl der gemeldeten Fälle etwas höher als im Vorjahr (RKI 2008a).
Regional zeigen sich in den letzten Jahren uneinheitliche Trends: in einigen Bundesländern oder Regionen stieg die Zahl der gemeldeten Fälle weiter oder wieder an und in anderen Bundesländern waren zum Teil deutliche Rückgänge der gemeldeten Fallzahlen zu verzeichnen. Bundesweit lag die Syphilis-Inzidenz bei 4,0 Fällen pro 100.000 Einwohner. Die höchsten Inzidenzen wurden in den Stadtstaaten Berlin (13,2) und Hamburg (8,4) registriert. In den beiden relativ dicht bevölkerten Flächenländern Nordrhein-Westfalen (5,0) und Hessen (4,5) sowie in Sachsen (4,0) wurden höhere Inzidenzen beobachtet als im Bundesdurchschnitt. Die vergleichsweise hohen Inzidenzen in Nordrhein-Westfalen und Hessen sind wesentlich durch die hohen Fallzahlen in den Städten Köln und Düsseldorf sowie in Frankfurt/Main bedingt.
Für 2.401 Fälle (74%) der 2007 gemeldeten Fälle lagen Angaben zum Infektionsland vor; bei 93% dieser Fälle wurde Deutschland angegeben. Die am häufigsten genannte ausländische Infektionsregion war Europa, wobei westeuropäische Länder häufiger von Personen mit homosexuellem Infektionsrisiko, zentral- und osteuropäische sowie Balkanländer häufiger von Personen mit heterosexuellem Risiko genannt wurden. Beide Regionen nahmen aber gegenüber dem Vorjahr an Bedeutung etwas ab, während Südostasien sowie Nord- und Lateinamerika als Infektionsregionen an Bedeutung leicht zunahmen.
Der Anteil der Fälle bei Frauen sank auf Grund der deutlich steigenden Infektionszahlen bei Männern von 16% im Jahr 2001 auf 8% im Jahr 2007. Entsprechend lag die Syphilis-Inzidenz bei Männern mit 7,4 Fällen/100.000 Einwohner knapp 12-mal höher als bei Frauen mit 0,6. Der Gipfel der Inzidenz wurde bei Männern in der Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen (17,4) erreicht, aber auch die Altersgruppen der 25- bis 29-Jährigen (14,4) und der 40- bis 49-Jährigen (13,8) waren ähnlich stark betroffen. Bei Frauen wurde der Gipfel der Inzidenz in den Altersgruppen der 25- bis 29-Jährigen (2,1) sowie der 20- bis 24-Jährigen (1,9) erreicht, gefolgt von der Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen (1,2).
Angaben zum Infektionsrisiko lagen für 72% der Meldungen vor. Bei diesen Meldungen stieg der Anteil der Fälle, die vermutlich über sexuelle Kontakte zwischen Männern übertragen wurden, auf 80% an. Der Anteil der bei Heterosexuellen diagnostizierten Fälle ging von 22% (2006) auf 20% zurück. Unter der Annahme, dass diese Verteilung für alle Fälle zutrifft, werden 4 von 5 aller in Deutschland gemeldeten Syphilis-Fälle über sexuelle Kontakte zwischen Männern übertragen. Hierzu trägt bei, dass das Internet zunehmend als anonyme sexuelle Kontaktquelle genutzt wird (Kingston &Higgins 2004b) und dass unter "safer sex" subsummierte Sexualpraktiken wie Oralverkehr ohne Ejakulation oder oral-anale Kontakte zwar das HIV-Übertragungsrisiko reduzieren, nicht aber die Übertragung von Bakterien wie Treponemen, Gonokokken und Chlamydien (Marcus et al. 2003). Die beobachtete Entwicklung deutet darauf hin, dass sich die Syphilis unter homosexuellen Männern bundesweit auf einem erhöhten endemischen Niveau stabilisiert, wobei es außerhalb der Metropolen (Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt/Main) in mittleren Großstädten und ländlichen Regionen zu regionalen Ausbrüchen mit deutlichen Inzidenzsteigerungen kommt.
Da nachgewiesen ist, dass die Zirkumzision beim Mann das Erkrankungsrisiko für HIV-Infektionen vermindert, untersuchten Weiss et al. (2006) anhand eines Literaturreviews, ob dies auch für die Syphilis zutrifft. Sie konnten dazu 26 geeignete Studien finden, die im Mittel ein vermindertes Erkrankungsrisiko von 0,67 (95% CI 0,54-0,83) beschrieben.
Die Zahl der bei Neugeborenen bzw. Kindern diagnostizierten Fälle von konnataler Syphilis lag in den Jahren 2001 bis 2006 zwischen 7 und 4 Fällen pro Jahr. Im Jahr 2007 wurden lediglich noch 3 Fälle einer konnatalen Syphilis berichtet. Durch das gesetzlich vorgeschriebene Screening in der Frühschwangerschaft werden in Deutschland und anderen Industriestaaten auch Schwangere mit einer asymptomatischen Syphilis identifiziert und behandelt, bevor es zu einer vertikalen Transmission von Treponema pallidum kommen kann (Carey 2003). Insgesamt spricht die niedrige Zahl konnataler Syphilis-Fälle für die hohe Wirksamkeit des Syphilis-Screenings bei den Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchungen.
Bei 77% der Meldungen lagen aussagekräftige Angaben des Labors oder des behandelnden Arztes zur klinischen Symptomatik bzw. zum Infektionsstadium vor. Bei den Meldungen mit klinischen Angaben handelte es sich bei 35% der Diagnosen um ein Primärstadium, bei 34% um ein Sekundärstadium und bei 29% um eine Infektion im Stadium der Früh- oder Spätlatenz (Vergleichswerte 2006: 35%, 35% und 27%). Ein zunehmendes Problem bei der epidemiologischen Bewertung stellt die Einordnung als Reinfektion oder Reaktivierung dar. In einigen Städten werden 50% der Neumeldungen als Reinfektion eingestuft. Erkrankungen im Tertiärstadium machen weniger als 5% der Meldungen aus.
In der am stärksten betroffenen Altersgruppe (20-50 Jahre) ist das Risiko für einen Mann, sich bei gleichgeschlechtlichen Sexualkontakten mit einer Syphilis zu infizieren etwa 200-300 mal höher als bei heterosexuellen Kontakten. Aktuell haben ca. 30-40% der homosexuellen Männer mit Syphilis gleichzeitig eine HIV-Infektion und ca. 30% der HIV-infizierten homosexuellen Männer haben Syphilis-Antikörper (unveröffentlichte Daten aus der KABaSTI -Studie des RKI 2008). Das Risiko, bereits vor Eintritt in das Tertiärstadium eine Neurosyphilis zu entwickeln, wird bei gleichzeitig mit HIV und T.pallidum Infizierten mit 1,7 % angegeben (CDC 2007). Ein regelmäßiges halbjähriges Screening (klinische Untersuchung, Syphilisserologie, GO, Chlamydien) auf weitere sexuell übertragene Erkrankungen sollte bei allen HIV-Infizierten durchgeführt werden.
Jeder Syphilispatient sollte gründlich über die möglichen Übertragungswege des Erregers und präventive Maßnahmen informiert werden. Alle in Frage kommenden Sexualpartner des Patienten sollten beraten, untersucht und ggf. behandelt werden. Bei einer primären Syphilis sollten dies die Partner der vergangenen 3 Monate sein, bei sekundärer oder frühlatenter Syphilis ist ein Zeitraum von bis zu 2 Jahren zu berücksichtigen. Gefährdete wie auch Ärzte sollten auf das mögliche Auftreten verdächtiger Symptome nicht nur an den Genitalien und im Anal-/Rektalbereich, sondern auch an den Lippen, im Mund- und Rachenbereich eingestellt sein (RKI 2003a).
Zusätzlich zu primärpräventiven Maßnahmen kann durch eine Verbesserung und Vereinfachung der Testangebote und durch die möglichst frühe und richtige Diagnosestellung (z.B. durch Szene-nahe und aufsuchende Diagnostikangebote) die Dauer der Kontagiosität von Syphilis-Patienten reduziert werden (RKI 2003b). Vor allem STD-Untersuchungs- und Beratungsstellen in Großstädten verfügen über große Erfahrungen und durch das IfSG gegebene Möglichkeiten, Angehörigen von Gruppen mit erhöhtem Infektionsrisiko spezielle Beratungs-, Untersuchungs- und Behandlungsangebote zu machen. Die auf die HIV-Übertragung zugeschnittenen Safer-Sex-Botschaften sind nur bedingt gegenüber der Syphilis wirksam. Weitere Botschaften und Maßnahmen, um die Syphilis-Verbreitung einzudämmen, sind neben dem konsistenten Kondomgebrauch u.a. häufigere Untersuchungen, um Infektionen frühzeitig zu entdecken und schneller behandeln zu können, und ein aggressiveres therapeutisches Management (z.B. wie in der Richtlinie des CDC beschrieben durch vorbeugende Therapie bei Kontaktpersonen, die sich noch innerhalb des diagnostischen Fensters befinden). Schließlich sollte die im §19 IfSG festgeschriebene Verpflichtung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, besonders gefährdeten Gruppen Beratung, Untersuchung und ggf. auch ambulante Behandlung für STIs anzubieten, wenn nötig auch aufsuchend und anonym, flächendeckender als bisher umgesetzt werden (RKI 2008b).
3.1.2 Frühsyphilis, Sekundärstadium
3.1.3 Spätsyphilis, Sekundärstadium
3.1.4 Spätsyphilis, Tertiärstadium
3.3.2 Nachweis T. pallidum-spezifischer Nukleinsäuren
3.4.2 Treponema pallidum-spezifische Antikörpertests
Treponema pallidum-Hämagglutinationstest (TPHA), Treponema pallidum-Partikelagglutinationstest (TPPA):
Bei diesen Tests sind Treponemenantigene (Ultraschallhomogenate oder Detergenzienextrakte von T. pallidum) an Erythrozyten oder Gelatinepartikel gebunden. Die Ergebnisse werden als positiv gewertet, wenn in einer Serumendverdünnung von 1:80 (nach Reagenzienzugabe) eine Agglutination auftritt. Der Test wird 2-3 Wochen nach Infektion positiv und bleibt auch nach adäquater Therapie meist lebenslang positiv. Falsch-positive Befunde sind selten, die Spezifität wird mit 96 - 99% angegeben. Eine Quantifizierung der Testresultate durch Titerbestimmung wird empfohlen (Larsen et al. 1995, MIQ 2001, Müller & Hagedorn 1998).
Fluoreszenz-Treponema-Antikörper-Absorptionstest (FTA-ABS-Test):
Der FTA-ABS-Test ist ein indirekter Immunfluoreszenztest. Testantigen sind auf Objektträgern fixierte Treponemen. Die Testspezifität wird erreicht durch vorherige Absorption potentiell kreuzreagierender Antikörper durch Vorinkubation der Serumproben mit Treponema phagedenis (Reiter-Stamm). Der Test erfasst simultan IgG- und IgM-Antikörper und wird ungefähr ab der dritten Woche nach Infektion positiv. Eine differenzierte Bestimmung von IgG- oder IgM-Antikörpern ist durch Testmodifikationen möglich. In der Frühphase der Syphilis gilt der Test als derjenige mit der höchsten Sensitivität. Die Ergebnisse werden in der Regel qualitativ angegeben. Die Spezifität beträgt ca. 94-99 %. Falsch positive Resultate werden vor allem bei Patienten mit hohen Titern von Borrelienantikörpern beobachtet (Backhouse & Nesteroff 2001, Larsen et al. 1995, MIQ 2001, Müller & Hagedorn 1998).
IgM-Fluoreszenz-Treponema-Antikörper-Absorptionstest (IgM-FTA-ABS-Test):
Dieser Test ist eine Modifikation des FTA-ABS-Tests zur Bestimmung von IgM-Antikörpern und für die Serodiagnostik der Syphilis nur bedingt geeignet, da falsch-negative und falsch-positive Befunde möglich sind.
19S-IgM-Fluoreszenz-Treponema-Antikörpertest (19S-IgM-FTA oder 19S-IgM-FTA-ABS-Test):
Diese Modifikation des FTA-ABS-Tests weist spezifische IgM-Antikörper nach Abtrennung der IgM- von der IgG-Fraktion des Serums nach. Die Isolierung der IgM-Antikörperfraktion erfolgt chromatographisch oder in der Praxis oft durch Vorinkubation der Serumproben mit Anti-IgG-Serum (RF-Absorbens). Die Spezifität beträgt fast 100 %. Die Befunde können quantitativ (Titer) angegeben werden. Nach adäquater Therapie werden die Befunde in der Regel negativ (MIQ 2001, Müller& Hagedorn 1998).
Enzyme-linked-immunosorbent-assay (ELISA, EIA):
Bei diesen Bindungsassays werden Extrakte oder auch Partialantigene von T. pallidum als Antigene eingesetzt. Vorteilhaft ist die automatische Durchführung unter standardisierten Bedingungen. Unterschiedliche Modifikationen ermöglichen den simultanen Nachweis von IgG- und IgM-Antikörpern (polyvalenter ELISA) sowie die getrennte quantitative Bestimmung von IgG- oder IgM-Antikörpern. Bei vergleichbarer Sensitivität und Spezifität ist der polyvalente ELISA alternativ zum TPHA-/TPPA-Test als Screeningtest geeignet (Larsen et al. 1995, MIQ 2001, Müller & Hagedorn 1998, Schmidt et al. 2000).
IgG- und IgM-Westernblot:
Mit der Blottechnik kann beurteilt werden, gegen welche Partialantigene von T. pallidum Antikörper gerichtet sind. Die meisten Blots präsentieren die als T. pallidum-spezifisch akzeptierten Antigene Tp 47, Tp 17 und Tp 15 sowie zusätzlich das TmpA-Antigen. Der IgG-Blot ist als alternativer Bestätigungstest zum FTA-ABS-Test gut geeignet. Die Spezifität beträgt ca. 99 %. Der diagnostische Stellenwert der IgM-Blots ist derzeit noch nicht abschließend zu beurteilen. Bei ebenfalls sehr hoher Spezifität schränkt der nur qualitative Antikörpernachweis die Anwendung insbesondere für das Monitoring der Antikörperkinetik nach Therapie ein. Befunddiskrepanzen zwischen 19S-IgM-FTA-Test, IgM-EIA und Immunoblot sind möglich (Backhouse & Nesteroff 2001, MIQ 2001, Müller Hagedorn 1998, RKI 2003, Schmidt et al. 2000).
Serologische Diagnostik der Neurosyphilis siehe Kapitel 4.3
Ein syphilitischer ZNS-Befall liegt sicher vor, wenn eine lokale treponemenspezifische Antikörperproduktion, messbar über einen spezifischen Antikörper-Index (empfohlen: ITpA-Test oder TPHA-ASI), vorhanden ist. ITpA-Index und TPHA-ASI sagen nichts zur Aktivität der Infektion aus. Diese ist allerdings bei gleichzeitiger Liquor-Pleozytose und/oder positivem VDRL-Test im Liquor als gegeben anzunehmen.
4.3.1 Serologische Diagnostik
| ITpA-Index = TPHA-Titer (Liquor) x Gesamt-IgG (Serum)
----------------------------- -----------------------------
Gesamt-IgG (Liquor) TPHA-Titer (Serum)
(ITpA = Intrathekal-produzierte Treponema pallidum-Antikörper)Bei fehlender Antikörperproduktion gegen T.p. im ZNS beträgt der ITpA-Index 1 (0,5 - 2,0). Ein Wert > 2,0 deutet auf eine spezifische Antikörpersynthese im ZNS hin, ein Wert > 3,0 beweist sie mit hoher Zuverlässigkeit (Sensitivität 84%, Spezifität 100%; Prange & Bobis-Seidenschwanz 1995). Falsch-negative Befunde kommen gelegentlich bei ZNS-Befall im Sekundärstadium und bei vaskulitischer Neurosyphilis vor. Cave: Da sich ITpA-Index und TPHA-ASI (= modifizierter ITpA-Index nach Reiber) nach der Therapie erst in Verlauf von Jahren bis Jahrzehnten normalisieren, sind diese Antikörperspezifitäts-Indizes (ASI) nicht als Aktivitätsparameter geeignet. |
Tabelle 1: Indikationen für die Liquordiagnostik bei positiven treponemenspezifischen Seroreaktionen (Modifiziert nach CDC 1998)
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Tabelle 2: Liquorbefunde bei den verschiedenen Manifestationsformen der Neurosyphilis
| Krankheitsbild | Zellzahl(pro µl) | Zellbild | Totalprotein | ZNS-eigene IgG-Synthese | Oligoklonales IgG | IgM/A-Synthese | ITpA-Index* |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Frühsyphilitische Meningitis(Stadium II) | bis 300 oder mehr | zumeist mononukleär, selten neutrophil | n→ ↑ | 0 oder + | 0 oder (+) | 0 | n oder > 3,0 |
| Konnatale Syphilis | bis 100 | Lymphozyten, Plasmazellen | n→ ↑ | 0 oder (+) | 0 oder (+) | 0 | > 3,0 |
| Meningovaskuläre Neurosyphilis (St. III) Vaskulitische Variante | bis 100 | Mononukleär | (↑) → ↑ | (+) selten 0 | + selten 0 | ? | n oder > 3,0 |
| Meningitische Variante | bis 300 | Lymphozyten Monozyten Granulozyten | ↑ → ↑ ↑ | (+) → + | + | IgA(IgM) | > 3,0 |
| Tabes dorsalis | bis 50 (oft ≤ 5) | Mononukleär | n → ↑ | + | + | (IgA) (IgM) | > 3,0 |
| Progressive Paralyse | bis 100 | Lymphozyten, Plasmazellen, Granulozyten | ↑ → ↑ ↑ | ++ | + | IgM (IgA) | > 2,0 |
Therapeutische Prinzipien bei Neurosyphilis: s. Kapitel 8.4
Therapie der Syphilis in der Schwangerschaft siehe Kapitel 8.6.
6.3.1. Serologie (s. Kapitel 3.4, 3.5, 3.9)
6.3.2 Liquor-Diagnostik (s. Kapitel 4.3)
6.3.3 Erregernachweis
6.3.4 Bildgebende Diagnostik
6.3.5 Weitere Laboruntersuchungen
Bei Kindern mit S. connata besteht Ansteckungsgefahr, insbesondere bei Kontakt mit Blut und Wund- bzw. Nasensekret. Wenn die Penicillintherapie > 24 Std. erfolgt ist, gelten die Kinder nicht mehr als kontagiös.
Therapie der Syphilis im Säuglings- und Kleinkindesalter siehe Kapitel 8.7
Therapie der Syphilis bei HIV-Infektion s. Kapitel 8.8
Therapie der Syphilis bei HIV-Infektion siehe Kapitel 8.8.
| Empfehlung: Benzathin-Benzylpenicillin (Pendysin®, Tardocillin®) 2,4 Mio. I.E. i.m. (gluteal li/re je 1,2 Mio.I.E.) (⇑*)
Bei Penicillinallergie:
Weitere Alternativen: |
Cave: Bei erregerreicher Sekundärsyphilis Gefahr der Jarisch-Herxheimer-Reaktion! Hierbei handelt es sich um eine kutane und allgemeine Reaktion auf Toxine zerfallender Treponemen. Die Reaktion setzt 2-8 Stunden nach Therapieeinleitung mit Zunahme, Intensivierung oder Neuauftreten eines Exanthems sowie Fieber, Schüttelfrost und Kopfschmerzen ein. Die Behandlung (bzw. besser: die Prophylaxe!) besteht aus einer einmaligen Gabe von 1mg/Prednisolonäquivalent/kg KG p.o.. Zur Prophylaxe wird das Glukokortikosteroid 30-60 Minuten vor der ersten Antibiotikagabe p.o. verabreicht.
Die orale Einmaltherapie mit 2g des langwirksamen Makrolid-Antibiotikums Azithromycin (Zithromax®, Gruber et al. 2000, Hook et al. 2002) zeigte besonders in Staaten der Dritten Welt mit einem hohen Anteil HIV-Infizierter unter den Syphilispatienten hohe Heilungsraten (bis 98% vs. 95% im Vergleich zu Benzathin-Benzylpenicillin, Riedner et al. 2005, Kiddugavu 2005), jedoch mehren sich Berichte über eine Resistenzentwicklung (Lukehart et al. 2004, Mitchell 2006), so dass eine generelle Therapieempfehlung für Azithromyin nicht gegeben werden kann. (⇐ ⇒).
| Empfehlung: Benzathin-Benzylpenicillin (Pendysin®, Tardocillin®) 2,4 Mio. I.E. i.m. (gluteal li/re je 1,2 Mio.I.E.) Tag 1, 8, 15
Bei Penicillinallergie:
Alternativen: |
8.4.1 Theoretische Grundlagen
8.4.2 Praktisches Vorgehen bei syphilitischem ZNS-Befall, Therapieindikation
8.4.3 Therapiekontrolle
TPPA- und FTA-Abs-Test sind ebenso wie der ITpA-Index für die Therapiekontrolle ungeeignet. Liquorkontrollen werden solange durchgeführt bis die Pleozytose abgeklungen ist (mindestens halbjährlich); ein langsamer Rückgang der intrathekalen IgG-Synthese ist zu erwarten. (gemeint ist das Gesamt-IgG, nicht aber das treponemenspezifische IgG, welches im ITpA-Index gemessen wird).
Allgemeinsymptome wie Fieber, Kopf- oder Muskelschmerzen, Abgeschlagenheit, Tachykardie, Blutdruckanstieg- oder -abfall, Leukozytose und relative Lymphozytopenie, außerdem Krampfanfälle und/oder eine Verschlechterung der neurologischen Ausfälle, die 12 bis 24 Stunden nach Beginn der antibiotischen Behandlung auftreten, können Symptome einer Jarisch-Herxheimer-Reaktion sein. Sie ist bei der Frühsyphilis häufig, bei Neurosyphilis aber nur in 1-2% der Fälle zu beobachten.
8.4.4 Zusammenfassung: Therapie der Neurosyphilis
| Empfehlung (1. Wahl):
Penicillin G kristalloide Lsg.
oder (gleichwertig) " "
oder Ceftriaxon
Alternative (3. Wahl): |
| Empfehlung: Prinzipiell wie bei immunkompetenten Patienten stadiengerecht mit Penicillin! Ab Sekundärsyphilis erhöhtes Risiko für Neurosyphilis: ⇒ Benzathin-Penicillin G nur nach möglichst sicherem Ausschluss einer neurologischen Beteiligung (Klinik und Lumbalpunktion!) Alternativ Ceftriaxon 2g über 10-14 Tage i.v. ⇒ Im Zweifelsfall (keine Liquordiagnostik): Therapie wie Neurosyphilis |
Bei HIV-Patienten ist zu beachten, dass die Unterscheidung zwischen Frühsyphilis und Spätsyphilis aufgrund serologischer Unregelmäßigkeiten oft nicht sicher möglich ist. Im Zweifelsfall ist wie bei einer Spätsyphilis zu behandeln.
| A51.0 | Primärer syphilitischer Genitalaffekt |
| A51.1 | Analer Primäraffekt bei Syphilis |
| A51.2 | Primäraffekt bei Syphilis, sonstige Lokalisationen |
| A51.3 | Sekundäre Syphilis der Haut und der Schleimhäute |
| A51.4 | Sonstige sekundäre Syphilis |
| A51.5 | Latente Frühsyphilis |
| A51.9 | Frühsyphilis, nicht näher bezeichnet |
| A52.- | Spätsyphilis |
| A52.0+ | Kardiovaskuläre Syphilis |
| A52.1 | Floride Neurosyphilis |
| A52.2 | Asymptomatische Neurosyphilis |
| A52.3 | Neurosyphilis, nicht näher bezeichnet |
| A52.7 | Sonstige floride Spätsyphilis |
| A52.8 | Latente Spätsyphilis |
| A52.9 | Spätsyphilis, nicht näher bezeichnet |
| A50.- | Syphilis connata |
| A50.0 | Floride konnatale Frühsyphilis |
| A50.1 | Latente konnatale Frühsyphilis |
| A50.2 | Konnatale Frühsyphilis, nicht näher bezeichnet |
| A50.3 | Konnatale spätsyphilitische Augenkrankheit |
| A50.4 | Konnatale spätauftretende Neurosyphilis [Juvenile Neurosyphilis] |
| A50.5 | Sonstige Formen der floriden konnatalen Spätsyphilis |
| A50.6 | Latente konnatale Spätsyphilis |
| A50.7 | Konnatale Spätsyphilis, nicht näher bezeichnet |
| A50.9 | Syphilis connata, nicht näher bezeichnet |
| A53.- | Sonstige und nicht näher bezeichnete Syphilis |
| A53.0 | Latente Syphilis, nicht als früh oder spät bezeichnet |
| A53.9 | Syphilis, nicht näher bezeichnet |
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Korrespondierender Autor:
Prof. Dr. med. Helmut Schöfer
Zentrum der Dermatologie und Venerologie
Johann Wolfgang Goethe-Universität
Theodor-Stern-Kai 7
D-60596 Frankfurt/M
Tel +49-69-6301-6833 oder 5704
Fax +49-69-6301-5981
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