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| Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften |
| AWMF-Leitlinien-Register | Nr. 041/004 | Entwicklungsstufe: | 3 |
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Tabelle 1: Beteiligte medizinische und psychologische Fachgesellschaften und Delegierte des Steuerungskomitees der Leitlinie "Diagnostik, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie des Fibromyalgiesyndroms"
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Die Delegierten des Steuerungskomitees wurden schriftlich zu einer ersten Konsensuskonferenz zur Festlegung der Methodik der Leitlinienerstellung eingeladen, welche am 14.10.2006 anlässlich des deutschen Schmerzkongresses in Berlin stattfand.
Die methodische Betreuung der Leitlinie erfolgte seit ihrer Initiierung durch die stellvertretende Vorsitzende der Leitlinienkommission der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlich Medizinischen Fachgesellschaften AWMF, Frau PD Dr. Ina Kopp. Das Leitlinienprojekt wurde am 21.08.2006 bei der AWMF angemeldet (AWMF-Register-Nr. 041/004).
Tabelle 2: Zusammensetzung der Arbeitsgruppen der Leitlinien
| Geschlecht | |
|---|---|
| Frauen | 22 (37.9%) |
| Versorgungsstufe | |
| Niedergelassen | 8 (13.8%) |
| Regelversorgung | 16 (27.6%) |
| Maximalversorgung | 18 (31.0%) |
| Rehabilitation | 8 (13.8%) |
| Betroffene | 8 (13.8%) |
| Hierarchie | |
| Assistenzarzt/wissenschaftlicher Mitarbeiter | 10 (17.2%) |
| Oberarzt | 19 (32.7%) |
| Chefarzt | 11 (18.9%) |
| Niedergelassen | 8 (13.8%) |
| Betroffene | 8 (13.8%) |
Im Vergleich zu Leitlinien anderer medizinischen Fachgesellschaften ist das ausgewogene Geschlechts- und Hierarchieverhältnis der Teilnehmer der Leitlinienentwicklung hervorzuheben.
Die einzelnen Arbeitsgruppen und Ihre Leiter sind in Tabelle 3 aufgeführt.
Tabelle 3: Arbeitsgruppen und ihre Sprecher
| Definition, Klassifikation, Epidemiologie und Diagnose: Univ. Prof. Dr. med. Wolfgang Eich (DGRh), Univ.-Prof. Dr. med. Peter Henningsen (DGPM) |
| Ätiopathogenese und Pathoyphsiologie. Prof. Dr. med. Claudia Sommer (DGN), PD Dr. soc. Dipl.psych. Kati Thieme (DGPSF) |
| Allgemeine Behandlungsgrundsätze und Patientenschulung: Univ. Prof. Dr. med. Wolfgang Eich (DGrH), Univ. Prof. Dr. med. Markus Herrmann (DEGAM) |
| Medikamentöse Therapie: Univ. Prof. Dr. Detlev Nutzinger (DGPPN), Prof. Dr. med. Claudia Sommer (DGN) |
| Psychotherapie: ), Prof. Dr. med. Volker Köllner (DGPM), PD Dr. soc. Dipl.psych. Kati Thieme (DGPSF) |
| Physiotherapie und Physikalische Therapie: Dr. med. Martin Offenbächer (DGMPR), Prof. Dr. Marcus Schiltenwolf (DGOOC) |
| Multimodale Therapie: Dr.med. Bernhard Arnold (DGSS), Dr. med. Martin Offenbächer (DGMPR) |
| Alternative und komplementäre Therapien: Dr. med. Jost Langhorst (DGIM/DGRh), PD Dr. Frauke Musial (DGSS) |
| Kinder und Jugendliche: Dr. med. Hartmut Michels (GKJR) |
Tabelle 4: Finanzielle und sonstige Verbindungen bzw. Interessenkonflikte der Teilnehmer der Leitlinienerstellung mit möglicherweise an den Leitlinieninhalten interessierten Dritten (nach den Richtlinien der AWMF)
| Mitglieder der Leitlinien-Gruppe | Berater - /Gutachter-tätigkeit, Wissenschaftlicher Beirat bei pharmazeutischen oder biotechnologischen Unternehmen | Finanzielle Zuwendungen pharma-zeutischer oder biotechno-logischer Unternehmen | Eigentümerrechte an Arzneimitteln / Medizinprodukten | Bezahlte Autorenschaft bei Artikeln im Auftrag pharmazeutischer oder biotechnologischer Unternehmen | Interessen-konflikt |
| Prof. Dr. A. Batra | Sanofi-Aventis (Suchtforschung) | Nein | |||
| Prof. Dr. W. Eich | Ergonex | Nein | |||
| PD Dr. F. Petzke | Pierre Fabre | Nein | |||
| Prof. Dr. M. Schiltenwolf | Pfizer | Nein | |||
| Prof. Dr. T. Tölle | Grünenthal, Janssen-Cilag, Lilly, Pfizer | Nein | |||
| Dr. A. Winkelmann | Pfizer | Nein | |||
| Dr. E. Winter | Grünenthal | Nein | |||
| PD Dr. R. Wörz | Lilly | AWD | Nein |
Acht Teilnehmer gaben finanzielle und sonstige Verbindungen an. Ein Interessenkonflikt wurde von keinem Teilnehmer angegeben. Im Gegensatz zu der vorliegenden "evidenz"basierten Leitlinien zum FMS der American Pain Society (1) und einem europäischen Expertenkonsens der European League against Rheumatism EULAR (5) ist eine geringere Rate von Berater- und Gutachtertätigkeit der Teilnehmer der deutschen Leiltinie zum FMS festzustellen.
Die Kosten für die Leitlinienentwicklung (Sekretariat, Internetplattform, Reisekosten) wurden von der DIVS und den teilnehmenden Gesellschaften auf Grund der Einnahmen durch Mitgliederbeiträge übernommen. Die Leitlinie wurde von der Deutschen Rheuma-Liga mit € 20 000 und von der Deutschen Fibromyalgie Vereinigung DFV mit € 2000 unterstützt. Bis auf eine ¼ wissenschaftliche Assistentenstelle arbeiteten alle Mitglieder der Leitlinienentwicklung ohne Honorar. Direkte oder indirekte finanzielle (z. B. Spenden an Fachgesellschaften oder AWMF) Unterstützungen von kommerziellen Einrichtungen wurden nicht verwendet.
Tabelle 5: Zeitlicher Ablauf des Entwicklung- und Konsensusprozesses der Leitlinie
| Rubrik | Inhalte | Zeitraum |
|---|---|---|
| Initiierung | Beschluss des DIVS-Präsidiums, eine interdisziplinäre Leitlinie zum FMS zu erstellen mit Vorauswahl der anzusprechenden Fachgesellschaften | 19.01.2006 |
| Schriftliche Einladung zur Teilnahme an Leitlinienentwicklung an Präsidien von (Nicht-) DIVS-Mitgliedsgesellschaften | 24.01.2006 | |
| Benennung eines Delegierten der angesprochenen Fachgesellschaften für das Steuerungskomitee | 3-10/2006 | |
| Anmeldung der Leitlinie bei der AWMF | 21.08.2006 | |
| Vorbereitung | Erarbeitung von Vorschlägen zur Methodik | 6/2006-10/2006 |
| Konsensuskonferenz zur Methodik der Leitlinienentwicklung | 14.10.2006 | |
| Benennung der Mitglieder der Arbeitsgruppen | 10/2006-31.12.2006 | |
| Erarbeitung der Empfehlungen | Erstellen von Suchbegriffen für die systematische Literaturrecherche | 11/2006-31.12.2006 |
| Formulierung Key questions der AG's (Delphi-Verfahren) | 01-02/2007 | |
| Literaturrecherche durch Leitliniensekretariat | 02.01.-31.01.2007 | |
| Formulierung der Empfehlungen (1. Version) durch LL-Sekretariat und AG-Leiter. | 01.01-30.04.2007 | |
| Überarbeitung des Empfehlungskataloges durch die jeweilige AG | Bis 30.06.2007 | |
| Formulierung der Empfehlungen (2. Version) durch AG-Leiter und LL-Sekretariat | Bis 15.07.2007 | |
| Anonymisierte Online Abstimmung aller Empfehlungen der 2. Version durch alle Teilnehmer (Delphi-Verfahren) | Bis 20.09.2007 | |
| Formulierung der Empfehlungen (3. Version) durch AG-Leiter und LL-Sekretariat | Bis 06.10.2007 | |
| Konsensuskonferenzen: Plenarsitzung mit Abstimmung | 23.-24.10.2007 und 03.12.2007 | |
| Überarbeitung der einzelnen Kapitel durch AG-Leiter und Erstellen des Leitlinientextes durch Leitliniensekretariat und Steuerungskomitee gemäß der Beschlüsse der Konsensuskonferenz | Bis 15.12.2007 | |
| Kommentierung der Leitlinie durch die Vorstände der teilnehmenden Fachgesellschaften | 15.12.2007-29.02.2008 | |
| Einreichung der Leitlinie bei der AWMF Publikation der Leitlinie durch die AWMF | 25.03.2008 17.04.2008 | |
| Publikation als Sonderheft in "Der Schmerz" | Juni 2008 |
Tabelle 6: Konsentierte methodische Inhalte der Leitlinienentwicklung anlässlich der Methodenkonsensukonferenz am 14.10.2006
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Weitere Beschlüsse zur Methodik wurden nach dem 14.10.2006 innerhalb von Emailabstimmungen des Steuerungskomitees innerhalb von 8 Tagen getroffen. Einige Beschlüsse zur Methodik werden im Folgenden näher erläutert.
Einbeziehung Patienten
Das Steuerungskomitee beschloss, die Patientenselbsthilfeorganisationen in die weitere Entwicklung (Key questions, Erarbeitung Empfehlungen, Implementierung / Dissemination) gleichberechtigt miteinzubeziehen und sie bei Abstimmungen einer Fachgesellschaft gleichzusetzen. Die Patientenselbsthilfeorganisationen wurden gebeten, Themen, zu denen die Leitlinie Stellung beziehen soll, explizit zu nennen. Um mögliche Benachteiligungen der Betroffenen durch die internetbasierte Arbeitsweise auszugleichen, wurde von dem Leitliniensekretariat eine telefonische Sprechstunde für Fragen zur Methodik eingerichtet.
Internetbasierte Erarbeitung der Vorschläge für die Empfehlungen der Leitlinie
Aus zeitökonomischen Gründen sowie auf Grund des knappen finanziellen Budgets wurde beschlossen, die Empfehlungen der Leitlinie über eine Internetplattform zu erarbeiten und auf zwischenzeitliche persönliche Treffen zu verzichten. Die Internetplattform wurde nach Vorgaben des Steuerungskomitees von Herrn Dipl. inf. Thomas Ruttkowski (Berlin) programmiert. Jede AG erhielt ein eigenes Forum. Die AG-Leiter und das Leitliniensekretariat waren berechtigt, Vorschläge zu Key questions und Empfehlungen zu formulieren. Diese Vorschläge konnten in getrennten Sektionen von den Mitgliedern der AG und von den Mitgliedern der übrigen AG's kommentiert und diskutiert werden. In einigen Arbeitsgemeinschaften wurden von der DIVS organisierte Telefonkonferenzen zur Entwicklung der Konsensusvorschläge organisiert.
Arbeitsteilung innerhalb Leitlinienentwicklung
Die Verteilung der einzelnen Arbeitsschritte auf die einzelnen Organisationseinheiten der Leitlinienentwicklung ist in Abbildung 1 dargestellt.
Methodische Exaktheit: "Evidenz"basierung
Abbildung 1: Literaturrecherche und Bewertung durch einzelne Organisationseinheiten der Leitlinienentwicklung
Literaturrecherche
Die Literaturrecherche wurde an Hand der von den Arbeitsgruppenleitern vorgeschlagenen Suchbegriffen von Dr. phil. K. Bernardy, Dr.med. W. Häuser, Dipl. psych. P. Klose und Dr. N. Üçeyler in den Datenbanken Medline (über die Suchmaschine Pubmed 1980-12/2006), PsychInfo (1966-12/2006), Scopus (über die Suchmaschine Ovid 1980-12/2006) und in der Cochrane Library (The Cochrane Database of Systematic Reviews, The Cochrane Central Register of Controlled Trials-CENTRAL, 1993-12/2006) durchgeführt. Folgende Suchstrategie in Medline wurde benutzt:
Tabelle 7: Suchbegriffe und Treffer der einzelnen Arbeitsgruppen
| Arbeitsgemeinschaft | Suchbegriffe | Treffer Medline | Treffer Psychinfo | Treffer Scopus | Treffer Cochrane |
| Definition | Definition, classification, epidemiology, tender points, prognosis | 217 | 125 | 635 | 0 |
| Pathophysiologie | Pathophysiology, etiopathogenesis, etiology, review | 1038 | 12 | 72 | 2 |
| Behandlungsgrundsätze | Patient education, primary care | 70 | 37 | 180 | 1 |
| Medikamente | analgesics, central acting agent, antidepressive agent, central nervous system agents, drug therapy, surgery | 693 | 105 | 424 | 177 |
| Physiotherapie | Aerobic, exercice, acupuncture, electro acupuncture, magnet therapy, magnetotherapy, electromagnetic field, massage, chiropractic, balneotherapy, movement therapy, trigger point injection, physical exercise training, transcutaneous electrical nerve stimulation (TENS), laser therapy, ultrasound, body cryotherapy | 103 | 77 | 486 | 1 |
| Psychotherapie | Cognitive-behavioral therapy (CBT), behavior therapy, hypnosis, hypnotherapy, guided imagery, relaxation, relaxation training, psychodynamic therapy, (electromyographic) biofeedback (training), meditation, body centered psychotherapy, behavioural, behavioral, psychotherapy, group therapy, operant, psychoanalytic | 37 | 48 | 87 | 0 |
| Komplementäre Verfahren | Complementary medicine, alternative medicine, CAM, reiki, johrei, qi gong, healing touch, intercecessory prayer, therapeutic touch, distant healing, putative energy, Alexander technique, bowen, chiropractic, craniosacral therapy, feldenkrais, massage, osteopathic, reflexology, rolfing, trager bodywork, tui na, neural therapy, acupressure, acupuncture, meditation, imaging, placebo, expectancy, breathing exercise, Traditional Chinese medicine, ayurvedic, naturopathy, homeopathy, anthroposophy, herbal medicine, phytotherapy, balneology, bath, junge bath, dietary, diet | 472 | 166 | 452 | 452 |
| Multimodale Therapie | multidisciplinary treatment, multimodal treatment, combined modality therapy,rehabilitation, occupational therapy | 94 | 223 | 738 | 1 |
| Kinder und Jugendliche | Adolescent, children, childhood, juvenile | 45 | 33 | 114 | 0 |
Auswahl und Ergänzung der gefundenen Arbeiten
Die Suchergebnisse wurden mit den Literaturverzeichnissen der vorliegenden Leitlinien, Metaanalysen und systematischen Reviews abgeglichen und gegebenenfalls ergänzt. Weiterhin wurden klinische Studien, welche in den genannten Datenbanken mit den genannten Suchstrategien nicht gefunden wurden, AG-Mitgliedern jedoch bekannt waren, berücksichtigt. Zusätzlich wurden nach Ansicht des LL-Sekretariates und der AG-Mitglieder für die Fragestellungen relevante Publikationen deutscher Autoren bzw. Studien an deutschsprachigen Patienten, welche in den genannten Datenbanken nicht berücksichtigt waren bzw. in den genannten Datenbanken bis zum 31.01.2007 publiziert wurden, berücksichtigt. Die Suchergebnisse wurden von dem LL-Sekretariat (Dr. W. Häuser) und den AG-Leitern auf der Grundlage von Titeln und Abstracts unter Verwendung definierter Ein- und Ausschlusskriterien (Filter) analysiert. Filter 1 schloss Suchergebnisse bei folgenden Kriterien aus: Fragestellung nicht untersucht; keine kontrollierte Studie; Tierstudien; keine vollständige-Publikation (z. B. Abstract); Fallberichte; Leserbriefe; Doppelpublikation. Die verbleibenden Studien wurden im Volltext bestellt. Filter 2 bedeutete "Ein- und Ausschluss auf Grund der Kriterien des Filter 1 nach Lektüre der Volltexte". Konnte kein Konsens über den Ein- oder Ausschluss einer Publikation erzielt werden, wurde mit einfacher Mehrheit entschieden. Die im Konsens als relevant erachteten Publikationen wurden für den Leitlinientext verwendet (siehe Tabelle 7).
Archivierung
Die Suchstrategien wurden elektronisch gespeichert. Die Treffer der Suchstrategien wurden mit Abstracts elektronisch gespeichert. Alle Arbeiten, die in den Empfehlungen der Arbeitsgruppen verwendet wurden, wurden als Volltext allen Teilnehmern der Leitlinienentwicklung auf einer passwortgeschützten nicht-kommerziellen Internetplattform zur Verfügung gestellt.
Tabelle 8: Methodische Qualität der wissenschaftlichen Belege: Klassifizierung der "Evidenz"grade für Studien zur Diagnose (9)
| "Evidenz"grad | Studien zur Diagnose |
|---|---|
| 1a 1b 1c | Systematische Übersicht über Level 1 diagnostische Studien oder diagnostische Entscheidungsregel, begründet auf 1b Studien, validiert in verschiedenen klinischen Zentren Validierungs-Kohortenstudie mit gutem Referenzstandard oder diagnostische Entscheidungsregel, validiert in einem Zentrum Alle-oder-Keiner-Prinzip (absolute SpPins und SnNouts) |
| 2a 2b | Systematische Übersicht über Level 2 diagnostische Studien Explorative Kohortenstudie mit gutem Referenzstandard |
| 3a 3b | Systematische Übersicht über Level 3 diagnostische Studien Nicht-konsekutive Studie; oder ohne Konsistenz der angewendeten Referenzstandards |
| 4 | Fall-Kontrolle Studie, schlechte oder nicht unabhängige Referenzstandards |
| 5 | Expertenmeinung ohne explizite Bewertung der "Evidenz" oder basierend auf physiologischen Modellen / Laborforschung |
Tabelle 9: Methodische Qualität der wissenschaftlichen Belege: Klassifizierung der "Evidenz"grade für Studien zu Therapie/Ätiologie/Prävention (9)
| "Evidenz"grad | Studien zur Therapie/Ätiologie/Prävention |
|---|---|
| 1a 1b 1c | Systematische Übersicht über randomisierte kontrollierte Studien (RCT) Eine RCT (mit engem Konfidenzintervall) Alle-oder-Keiner-Prinzip |
| 2a 2b 2c | Systematische Übersicht gut geplanter Kohortenstudien Eine gut geplante Kohortenstudie oder ein RCT minderer Qualität Outcome-Studien, Ökologische Studien |
| 3a 3b | Systematische Übersicht über Fall-Kontrollstudien Eine Fall-Kontroll-Studie |
| 4 | Fallserien oder Kohorten- / Fall-Kontroll-studien minderer Qualität |
| 5 | Expertenmeinung ohne explizite Bewertung der "Evidenz" oder basierend auf physiologischen Modellen / Laborforschung |
Die Erarbeitung der Empfehlungen erfolgte in einem mehrstufigen Verfahren:
Klassifikation Empfehlungsgrade
Die Stärke einer Empfehlung korrespondiert mit dem Ergebnis der klinischen Beurteilung der Aussagefähigkeit und Anwendbarkeit der methodisch aufgearbeiteten "Evidenzen", im Englischen auch "considered judgement" genannt. Die Vergabe der Empfehlungsgrade enthält explizit und implizit wertende Elemente und erfolgte im Rahmen des abschließenden Konsensusverfahrens (Nominaler Gruppenprozess). Sie berücksichtigt neben der zugrunde liegenden "Evidenz" auch ethische Verpflichtungen, die klinische Relevanz der Effektivitätsmaße der Studien, die Anwendbarkeit der Studienergebnisse auf die Patientenzielgruppe und das Deutsche Gesundheitssystem, Präferenzen der Patienten und die Umsetzbarkeit im ärztlichen Alltag, insbesondere in den verschiedenen Versorgungsbereichen. Aufgrund dieser Konsensusaspekte konnten in begründeten Fällen Abweichungen zwischen "Evidenz"grad und Empfehlungsgrad vorgenommen werden (siehe Abbildung 2)
Abbildung 2: Verhältnis "Evidenz"- und Empfehlungsgrad (4)
* Nach Oxford Centre of Evidence based Medicine
** Empfehlungsgraduierung im Programm für Nationale Versorgungsleitlinien
Die Empfehlungen werden nach Möglichkeit analog formuliert:
Starke Empfehlung: "soll"; Empfehlung: "sollte"; Empfehlung offen: "kann"
(Handlungsoption).
Negativ-Empfehlungen werden sprachlich ausgedrückt ("nicht") bei gleichen Symbolen.
Klassifikation der Konsensusstärke
Da auf Grund der Literaturkenntnisse der Mitglieder der Steuerungskomitees abzusehen war, dass einige Themen der Leitlinie nicht auf Grund von Studien beantwortet werden konnten (z. B. Ausmaß der Diagnostik, Art der Versorgungskette) bzw. kontroverse Ansichten bei einigen Themen möglich schienen, wurde beschlossen, an Stelle des (bei fehlender "Evidenz") bzw. zusätzlich zu den "Evidenz"- und Empfehlungsgraden die Konsensustärke bei den einzelnen Empfehlungen anzugeben. Zur Vereinfachung der Auswertung der Konsensusstärke und um den Konsensusprozess innerhalb der Fachgesellschaften bzw. Patientenselbsthilfeorganisationen zu fördern, wurde beschlossen, bei der abschließenden Konsensuskonferenz jeder Fachgesellschaft und den Patientenselbsthilfeorganisationen je eine Stimme (Votum) zuzuerkennen. Die Mitglieder der Fachgesellschaften bzw. Patientenselbsthilfeorganisationen sollten dabei ihr Votum nach interner Abstimmung mit einfachem Mehrheitentscheid bilden. Konnte dabei keine Mehrheit erzielt werden, war das Mitglied des Steuerungskomitees entscheidungsberechtigt. Die Möglichkeiten, explizit auf eine Stimmabgabe zu verzichten (z. B. bei mangelnder Fachkenntnis) sowie ein begründetes Minderheitsvotum anzugeben, wurden eingeräumt. Der Koordinator der Leitlinienentwicklung (Dr. W. Häuser) und Leiterin der Konsensuskonferenzen (Frau PD I. Kopp) waren nicht stimmberechtigt. Die Konsensusstärke wurde entsprechend der Klassifikation der DGVS bei der Leitlinie zum Morbus Crohn (8) vorgenommen (siehe Tabelle 10).
Tabelle 10: Klassifikation der Konsensusstärke (8)
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Konsensuskonferenzen
Die Ergebnisse der individuellen Onlineabstimmung mit den abgegebenen Kommentaren sowie die auf deren Basis vom Leitliniensekretariat und den AG-Leitern erstellten abschließenden Konsensusvorschläge wurden den Teilnehmern der Konsensuskonferenz per Email übermittelt. Die abschließenden Konsensuskonferenzen fanden am 23.-24.10.2007 (38 Teilnehmer) in Berlin und am 03.12.2007 (24 Teilnehmer) in Heidelberg statt. Teilnehmer der Leitlinienentwicklung, welche nicht an den Konsensuskonferenzen teilnehmen konnten, wurden aufgefordert, ihr Votum bzgl. der abzustimmenden Konsensusvorschläge dem Mitglied des Steuerungskomitees ihrer Fachgesellschaft zu übermitteln. Am 23.10.2007 legten die teilnehmenden Fachgesellschaften und Patientenorganisationen in Kleingruppen ihr Votum und ihre Änderungsvorschläge bzgl. der vorliegenden 2. Version der Empfehlungen fest. Am 24.10.2007 und am 03.12.2007 folgte die Abstimmung im Rahmen einer strukturierten Konsensuskonferenz mit folgendem Ablauf:
Teil 1: Kurzvorträge
Klinische Algorithmen
Basierend auf den Empfehlungen wurde ein klinischer Algorithmus zur Diagnose und abgestuften Therapie des FMS vom Leitliniensekretariat entwickelt, in Absprache mit den Mitgliedern des Steuerungskomitees modifiziert und konsentiert und durch eine für die Entwicklung von klinischen Algorithmen entwickelten Software ALGO (10) durch Herrn PD Dr. Sitter, Institut für Theoretische Chirurgie Marburg, einer strukturierten Logikanalyse (clinical algorithm structural analysis) unterzogen.
Anschrift für die Verfasser:
Dr. med. Winfried Häuser
Generalsekretär DIVS
Zentrum für Schmerztherapie/Klinik Innere Medizin I (Gastroenterologie, Hepatologie, Stoffwechsel- und Infektionskrankheiten, Psychosomatik)
Klinikum Saarbrücken gGmbH
Winterberg 1
66119 Saarbrücken
Tel: 0681-963-2020
Fax: 0681-963-2022
Email: whaeuser@klinikum-saarbruecken.de
