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Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie


 AWMF-Leitlinien-Register  Nr. 030/131   Entwicklungsstufe:  1 
Zitierbare Quelle:
Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie; 4. überarbeitete Auflage 2008, S. 654 ff, ISBN 978-3-13-132414-6; Georg Thieme Verlag Stuttgart

Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch

Was gibt es Neues?

Die wichtigsten Empfehlungen auf einen Blick


  1. Definition
  2. Der Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch ist ein chronischer (≥ 15 Tage/Monat) Kopfschmerz, der infolge einer regelmäßigen (an 10-15 Tagen/Monat, seit ≥ 3 Monaten) Schmerz- oder Migränemitteleinnahme entsteht bzw. sich entscheidend verschlechtert (Tab. 1) (Olesen et al. 2006). Der Übergebrauch jeglicher Kopfschmerzmittel (Analgetika, Ergotamin, Triptane, Benzodiazepine, Opiate) kann zur Entwicklung eines Kopfschmerzes bei Medikamentenübergebrauch führen (Horton u. Peters 1963, Dichgans et al. 1984, Kaube et al. 1994, Diener u. Limmroth 2004).

    Tabelle 1: Diagnostische Kriterien der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft (IHS) für den Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch

    1. Kopfschmerz an ≥ 15 Tagen/Monat
    2. Übergebrauch jeglicher Schmerzmittel seit > 3 Monaten
      • An ≥ 10 Tagen pro Monat für:
        • Ergotamin
        • Triptane
        • Opioide
        • Kombinationsanalgetika
      • An ≥ 15 Tagen pro Monat für:
        • Einfache Analgetika
    3. Entwicklung oder deutliche Zunahme der Kopfschmerzhäufigkeit während des Schmerzmittelübergebrauchs

  3. Epidemiologie
  4. Die Prävalenz des Kopfschmerzes bei Medikamentenübergebrauch in der allgemeinen Bevölkerung beträgt ca. 1-2% (Diener u. Limmroth 2004). Studien speziell zum Triptan-Übergebrauch und triptaninduzierten Kopfschmerz gibt es nur wenige. In Dänemark wurde im Jahr 1995 im Verschreibungsregister eine Prävalenz der Sumatriptan-Einnahme in der dänischen Bevölkerung von 0,78% festgestellt. Von diesen 0,78% lag bei 5% ein täglicher Sumatriptan-Übergebrauch vor (Gaist et al. 1998).

  5. Klinik und Risikofaktoren
  6. Typischerweise entwickeln Patienten mit primären Kopfschmerzen wie Migräne oder einem Kopfschmerz vom Spannungstyp bei Medikamentenübergebrauch chronische Kopfschmerzen (Diener u. Limmroth 2004, Zeeberg et al. 2006). Einzelfallberichte beschreiben Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch auch bei Patienten mit Clusterkopfschmerz. Diese Patienten haben häufig zusätzlich zu ihrem Clusterkopfschmerz eine Migräne oder eine familiäre Belastung hinsichtlich Migräne (Paemeleire et al. 2006). Patienten mit anderen Schmerzen (z. B. Rückenschmerzen, Arthritis) ohne primäre Kopfschmerzen entwickeln keine chronischen Kopfschmerzen, auch wenn sie regelmäßig Schmerzmittel einnehmen (Lance et al. 1988, Bahra et al. 2003). Patienten mit Analgetikaübergebrauch entwickeln in der Regel einen diffusen holokraniellen, dumpf-drückenden Kopfschmerz ohne vegetative Begleiterscheinungen. Migränepatienten mit Triptan-Übergebrauch entwickeln häufig zunächst eine Zunahme der Migränefrequenz und später einen pulsierenden klopfenden Kopfschmerz, teilweise in Verbindung mit Übelkeit. Die für die Entwicklung des Kopfschmerzes bei Medikamentenübergebrauch kritische Einnahmedauer und -frequenz sind am kürzesten und niedrigsten für Triptane und Mutterkornalkaloide und länger und höher für Analgetika (Evers et al. 1999, Limmroth et al. 2002). Diese Unterschiede finden sich in den neuesten Kriterien der IHS wieder.
    Praktisch alle Querschnittsstudien zeigen eine signifikante Assoziation zwischen dem Medikamentenübergebrauch und chronischen Kopfschmerzen. Auch die prospektiven Längsschnittstudien belegen eindeutig den kausalen Zusammenhang zwischen dem Übergebrauch von Schmerz- und Migränemitteln und der Kopfschmerzchronifizierung (Scher et al. 2003, Zwart et al. 2003, Katsarava et al. 2004). Weitere Risikofaktoren sind Übergewicht, niedriger sozialer Status und eine depressive Erkrankung (Bigal et al. 2005).

  7. Diagnostik
  8. Die Diagnose des Kopfschmerzes bei Medikamentenübergebrauch wird klinisch gestellt und erfordert in der Regel keine Zusatzuntersuchungen. Im Einzelfall (bei Erstmanifestation des chronischen Kopfschmerzes im hohen Alter, untypischer Symptomatik oder auffälliger neurologischer Untersuchung) sollten zum Ausschluss des symptomatischen Kopfschmerzes ein CT oder MR des Schädels und bei Verdacht auf eine chronisch entzündliche Ursache oder eine Liquorzirkulationsstörung eine Liquoruntersuchung mit Druckmessung durchgeführt werden.

  9. Therapie
  10. 5.1 Empfehlungen

    5.2 Medikamentenentzung

    5.3 Therapie der Entzugserscheinungen

    5.4 Verhaltenstherapie der Kopfschmerzen bei Medikamentenübergebrauch

    5.5 "Evidenz" der psychologischen Therapie der Kopfschmerzen bei Medikamentenübergebrauch

    5.6 Rückfälle

  11. Besonderheiten für die Schweiz
  12. Noch vor wenigen Jahren wurde bei einer geringen Anzahl schwerstbetroffener Patienten mit Medikamentenübergebrauchs-Kopfschmerz nach dem Akutentzug eine psychosomatische Rehabilitation durchgeführt. Seit 2005 hat sich für Patienten, die nach stationärem Entzug rückfällig geworden sind, eine Kopfschmerz-Neurorehabilitation als Standard etabliert und wird von den meisten Kassen, wie auch der Schweizerischen Unfall-Versicherung (SUVA) bei Patienten mit Medikamentenübergebrauchs-Kopfschmerz nach Schädel-Hirn-Trauma, unterstützt. Sie basiert auf einem Verständnis der Kopfschmerzen als neurobiologische Erkrankungen und besteht aus "Evidenz"basierten Modulen pharmakotherapeutischer und nichtpharmakologischer prophylaktischer Maßnahmen sowie Edukation. Eine wissenschaftliche Untersuchung der Wirksamkeit der Rehabilitation als Gesamtes wird aktuell durchgeführt.


Literatur

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Verfahren zur Konsensbildung

Erstellungsdatum:

10/2008

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Stand der letzten Aktualisierung: 10/2008
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