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Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie


 AWMF-Leitlinien-Register  Nr. 030/109   Entwicklungsstufe:  1 
Zitierbare Quelle:
Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie; 4. überarbeitete Auflage 2008, S. 654 ff, ISBN 978-3-13-132414-6; Georg Thieme Verlag Stuttgart

Botulismus

Was gibt es Neues?

Die wichtigsten Empfehlungen auf einen Blick


  1. Definition und Basisinformation
  2. Botulismus wird durch Neurotoxine hervorgerufen, die von dem anaeroben sporenbildenden Bakterium Clostridium botulinum produziert werden. Botulinumtoxine hemmen die Ausschüttung von Acetylcholin in den motorischen Endplatten, aber auch andere cholinerge Systeme sind betroffen. Die Hauptsymptomatik des Botulismus ist charakterisiert durch eine schlaffe symmetrische, meist absteigende Tetraparese mit bulbärem Beginn (Diplopie, Dysarthrie, Dysphagie) und Beteiligung des autonomen Nervensystems (anticholinerge Effekte wie Mydriasis, Mundtrockenheit).
    Botulinumtoxine (BTX) können auf verschiedenen Wegen in den Körper gelangen und Botulismus verursachen: Durch mit BTX verunreinigte Nahrungsmittel, heute meist Konserven (Nahrungsmittelbotulismus), durch eine Wundbesiedelung mit Clostridium botulinum (Wundbotulismus) oder durch eine Darmbesiedelung mit Clostridium botulinum, die in der Regel nur bei Neugeborenen vorkommt (Neugeborenenbotulismus), aber in Einzelfällen auch bei Erwachsenen beschrieben wurde.

  3. Epidemiologie
  4. Botulismus kommt weltweit vor. Er tritt in der Regel in kleinen Epidemien (3-5 Fälle) oder in Einzelfällen auf. Er ist nicht übertragbar, Epidemien beruhen auf dem Genuss des gleichen kontaminierten Lebensmittels durch mehrere Personen.
    Verdacht, Erkrankung und Tod sind meldepflichtig in Deutschland nach § 6(1) IfsG!
    Inzidenzen:

    Während in Deutschland fast ausschließlich Fälle von Nahrungsmittelbotulismus gemeldet wurden, ist in den U.S.A. (100-110 Fälle/Jahr) der Neugeborenenbotulismus (70% der Fälle) am häufigsten, gefolgt von Nahrungsmittel- (25%) und Wundbotulismus (5%).
    BTX kann als Aerosol über die Lungen absorbiert werden und zum Botulismus führen, was nur für den Einsatz als biologische Waffe (Bioterrorismus) von Interesse ist.

  5. Pathogenese und Pathomechanismus
  6. Clostridien sind anaerobe, grampositive, sporenbildende Bakterien, die weltweit in der Erde vorkommen. Clostridium-botulinum-Sporen sind hitzeresistent und überleben alle Konservierungsmethoden, die üblicherweise nicht-sporenbildende Organismen abtöten. Unter den anaeroben Bedingungen der konservierten Nahrungsmittel entwickeln sich die Sporen. Die Clostridien vermehren sich und produzieren letztlich das potente Neurotoxin, das im Gegensatz zu den Sporen hitzelabil ist. Die Vermehrung der Clostridien wird durch ein relativ gering saures Milieu (pH > 4,6) erleichtert, vor allem wenn große Teile der konservierten Nahrungsmittel solide sind.
    Clostridium botulinum ist eine einzelne Bakterienspezies mit zumindest drei genetisch unterscheidbaren Subspezies, die sieben biochemisch verschiedene Serotypen (A-G) von BTX produzieren. Beim Menschen sind vor allem die Clostridium-Spezies von Bedeutung, die die Serotypen A, B und E produzieren. Während in Deutschland typischerweise BTX-A und -E für die menschlichen Botulismusfälle verantwortlich sind, ist in Italien fast ausschließlich BTX-B für Nahrungsmittelbotulismus verantwortlich. Die beiden seltenen Clostridien-Spezies Clostridium baratii (BTX-F) und Clostridium butyricum (BTX-E) wurden ebenfalls als Ursache des Botulismus beim Menschen identifiziert.
    Das BTX wird mit dem Blutstrom verteilt (ausgehend vom Magen-Darm-Trakt bzw. von den anaeroben Anteilen im Bereich der Verletzung) und endoneuronal in die peripheren cholinergen präsynaptischen Nervenendigungen aufgenommen. Hier wirkt es als Protease und inaktiviert spezifisch und je nach Serotyp an unterschiedlichen Stellen den Proteinkomplex SNARE, der die Fusion der Transmittervesikel mit der präsynaptischen Membran bewirkt, so dass die Azetylcholin-Ausschüttung blockiert wird. Dadurch erklären sich die Hauptsymptome des Botulismus, die Muskelschwäche und andere anticholinerge Effekte mit autonomer Mitbeteiligung.
    Der Effekt des Toxins wird zunächst durch Neubildung cholinerger Synapsen ("sprouting") überwunden (Dauer mindestens 2-3 Wochen). Im weiteren Verlauf wird durch Neusynthese des SNARE-Komplexes die Funktion der originären Synapsen wiederhergestellt (Dauer ca. 8-16 Wochen) und die "sprouts" werden retrahiert.
    Botulinumtoxin ist das potenteste natürliche Gift. Etwa 100 ng sind bei oraler Einnahme für den Menschen tödlich. Dies bedeutet, dass nur 1 Gramm BTX für 10 Millionen Menschen letal wäre, und das entspricht der etwa 100000-fachen Toxizität des Nervengiftes Sarin.

  7. Klinik / Leitsyptome
  8. 4.1 Nahrungsmittelbotulismus

    4.2 Wundbotulismus

    4.3 Neugeborenenbotulismus

    4.4 Intestinaler Botulismus bei Erwachsenen

    4.5 Symptomatik

  9. Diagnostik
  10. Botulismus wird häufig (zu) spät diagnostiziert, insbesondere bei sog. Indexpatienten (erster Patient eines Botulismusausbruchs bzw. einziger Botulismuspatient).
    Die Diagnose ist in erster Linie anamnestisch (Verzehr von eingemachten, konservierten Produkten bzw. Auftreten einer ähnlichen Symptomatik in der Familie oder Umgebung) und klinisch (s. o.) zu stellen.
    Bei Verdacht sollte unverzüglich versucht werden, das Botulinumtoxin aus Stuhl und Serum (eventuell auch aus Mageninhalt bzw. asservierten Nahrungsmitteln) mittels Maus-Inokulationstest nachzuweisen, vor allem um den Toxintyp zu differenzieren. Die Ausbeute ist aber gering - BTX wird im Serum oder im Stuhl von Patienten mit Nahrungsmittelbotulismus in weniger als 50% der Fälle nachgewiesen! Das Ergebnis der Tests sollte nicht abgewartet werden, bei hinreichendem Verdacht ist die Therapie sofort einzuleiten, da insbesondere die Gabe von Antitoxin zeitkritisch ist (s. u.).
    Methoden des In-vitro-Nachweises von Botulinumtoxin mittels ELISA oder PCR müssen derzeit noch als experimentell bezeichnet werden (Cai et al. 2007) (⇔).
    Beim Wundbotulismus wird aus Wundmaterial eine anaerobe Kultur angelegt.
    Tabelle 2 listet weitere zusatzdiagnostische Tests auf, die auch zur differenzialdiagnostischen Einordnung dienen.

    Tabelle 2: Diagnostische Tests bei Verdacht auf Botulismus

    Test Botulismus bestätigendes Ergebnis
    Initiale Tests  
    Neuroimaging Normal
    Lumbalpunktion Normal
    Elektromyographie (mehrere Muskeln sind zu untersuchen) Reduzierte Amplitude des Aktionspotenzials
    EMG mit repetitiver Nervenstimulation (20-50 Hz) Inkrement
    Repetitive Nervenstimulation Kein oder nur geringes Dekrement mit niedriger Frequenz (5 Hz)
    Tensilon-Test (Edrophonium-Chlorid) Negativ
    Konfirmatorische Tests  
    Maus-Inokulationstest für Toxinnachweis (Serum, Stuhl, Mageninhalt, Nahrungsmittel) Positiv
    Einzelfaser-EMG Pathologischer Jitter
    Stuhlkultur für Clostridium botulinum (bei Neugeborenem- und adultem infektiösen Botulismus) Positiv
    Kultur aus Wundsekret/Wundinhalt (nur Wund-Botulismus) Positiv

  11. Differentialdiagnose
  12. 6.1 Iatrogener Botulismus

  13. Management / Therapie
  14. 7.1 Management des individuellen Patienten

    7.2 Management eines Botulismusausbruchs


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Verfahren zur Konsensbildung

Erstellungsdatum:

10/2005

Letzte Überarbeitung:

10/2008

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Stand der letzten Aktualisierung: 10/2008
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