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Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie


 AWMF-Leitlinien-Register  Nr. 030/098   Entwicklungsstufe:  1 
Zitierbare Quelle:
Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie; 4. überarbeitete Auflage 2008, S. 654 ff, ISBN 978-3-13-132414-6; Georg Thieme Verlag Stuttgart

Hirnvenen- und Sinusthrombose

Was gibt es Neues?

Die wichtigsten Empfehlungen auf einen Blick


  1. Ziele und Anwendungsbereich
  2. Die vorliegende Leitlinie verfolgt zwei wesentliche Ziele: Die Leitlinien richten sich vorwiegend an klinisch tätige Neurologen, Neuroradiologen, Neurochirurgen und Internisten.

  3. Epidemiologie
  4. Die Hirnvenen- und Sinusthrombosen (SVT) werden in der Literatur - trotz des oft ganz unterschiedlichen Verlaufs - vielfach unter das Krankheitsbild des Schlaganfalls subsumiert, offenbar weil häufig venöse Infarkte bzw. Blutungen auftreten. Sie machen in Europa weniger als 1% der Schlaganfälle aus, die Mehrzahl der Patienten ist jünger als 40 Jahre. Aufgrund ätiologischer Faktoren und des klinischen Erscheinungsbildes unterscheidet man zwischen blanden und septischen zerebralen Hirnvenen- und Sinusthrombosen, das Verhältnis liegt bei 1:10-20. Die geschätzte jährliche Inzidenz liegt bei 3-4 Fällen/1 Million, bei Kindern bis zu 7 Fällen/1 Million (Stam 2005). Etwa 75% der erwachsenen Patienten sind weiblich. Die Häufigkeit peri- und postpartal liegt bei 12/100000 Geburten. Bei rechtzeitiger Diagnose und Therapie haben die Patienten eine günstige Prognose (vollständige Erholung in 80%). Leider wird die Diagnose oft immer noch zu spät gestellt bzw. übersehen, vor allem bei alten Menschen.

  5. Pathophysiologie
  6. Der wesentliche pathogenetische Faktor bei der SVT ist die Entwicklung einer venösen Kongestion. Aufgrund der erheblichen Variabilität der venösen Abflusswege - entweder über das oberflächliche kortikale Drainagesystem oder über die tiefen Hirnvenen - sowie der Möglichkeit der venösen Flussumkehr aufgrund fehlender Venenklappen führt nicht jede Thrombose eines Sinus oder einer Hirnvene zu einer klinischen Symptomatik.
    Die Thrombosierung selbst großer venöser Blutleiter kann je nach Effizienz der kollateralen Drainage mit den blanden klinischen Zeichen einer isolierten intrakraniellen Hypertension (Pseudotumor cerebri) mit Stauungspapillen und erhöhtem Liquoröffnungsdruck einhergehen (Biousse et al. 1999).
    Fokale neurologische Symptome treten auf, wenn sich der Thrombus in die Brückenvenen und die oberflächlichen kortikalen Venen ausbreitet und die venöse Kongestion zu einem reduzierten kapillären Perfusionsdruck in den drainierenden Venen und konsekutiv zu einem erhöhten zerebralen Blutvolumen führt. Es kommt zu einem Anstieg des intrakraniellen Drucks, zur lokalen Abnahme des zerebralen Blutflusses und zur Entwicklung eines zytotoxischen Ödems. Die konsekutive Störung der Blut-Hirn-Schranke und die erhöhte kapilläre Filtrationsrate induzieren ein vasogenes Ödem. Der reduzierte Blutfluss mit Gewebehypoxie führt zum venösen Infarkt und zu einer Stauungsblutung (Stam 2005).

  7. Ursachen
  8. Blande SVT (in der Reihenfolge der Häufigkeiten)

    Selten

    Infektiöse SVT

    Generalisiert

  9. Klinische Symptome
  10. Etwa ein Drittel der Patienten weist einen akuten Krankheitsbeginn auf, je ein weiteres Drittel verläuft subakut (< 1 Monat) oder chronisch. Kopfschmerzen sind das am häufigsten vorkommende (75-95%), oft auch das erste (> 70%), nicht selten sogar das einzige subjektive Symptom (isolierte intrakranielle Hypertension). Meist gehen sie mit anderen Symptomen einer intrakraniellen Drucksteigerung einher, wie Übelkeit, Erbrechen und Sehstörungen. In der Mehrzahl der Fälle treten die Kopfschmerzen subakut auf. Ein perakuter Beginn, der die differenzialdiagnostische Abgrenzung zur Subarachnoidalblutung notwendig macht, ist möglich (de Bruijn et al. 1996). Selbst bei frühzeitiger Diagnose findet man bei etwa 40% ein Papillenödem bzw. eine Stauungspapille. In etwa 30-40% aller Fälle manifestiert sich die SVT mit generalisierten oder häufiger auch fokalen epileptischen Anfällen. Diese sind entweder Ausdruck eines generalisierten Hirnödems oder umschriebener kortikaler venöser Infarkte bzw. Blutungen, die auch für die oft nachweisbaren fokalen neurologischen Ausfälle verantwortlich sind. Relativ häufig sind frühe Vigilanz- und Bewusstseinsstörungen; nicht so selten manifestiert sich die SVT auch als Psychose mit produktiven Symptomen. Auch eine Nackensteifigkeit kann Frühsymptom sein infolge venöser Stauungsblutungen in den Subarachnoidalraum.
    Die neurologischen Ausfälle sowie der Charakter fokaler epileptischer Anfälle sind naturgemäß abhängig von der Lokalisation der zerebralen Venenthrombose bzw. der hierdurch hervorgerufenen zerebralen Läsionen. Hier muss im Rahmen der Leitlinien auf einschlägige Übersichtsartikel verwiesen werden (Masuhr et al. 2004, Stam 2005). So imponieren die häufigen Thrombosen des Sinus sagittalis superior (60%) durch Kopfschmerzen, Stauungspapillen, epileptische Anfälle, motorische Defizite und Vigilanzminderung, während Thrombosen des Sinus cavernosus Ausfälle der benachbarten Hirnnerven und Stauungserscheinungen des gleichseitigen Auges (Chemosis, Protrusio bulbi, Papillenödem) hervorrufen. Thrombosen der inneren Hirnvenen verursachen ganz unterschiedliche Symptome, je nachdem, welche tiefe Hirnregion von dem venösen Stauungsödem bzw. einem venösen Infarkt betroffen ist. Eine bilaterale venöse Kongestion und/oder Ischämie der Thalami, die oft auch beide Capsulae internae und Basalganglien betrifft, führt vermutlich häufiger zu geringen transienten Bewusstseinsstörungen und leichten frontotemporalen Hirnfunktionsstörungen als zu einem schweren amnestischen Syndrom (Bousser u. Russell 1997).
    Charakteristische, d. h. ausschließlich für eine SVT typische Symptome gibt es nicht. Bei klinischem Verdacht muss unverzüglich eine bildgebende Diagnostik erfolgen.

  11. Diagnostik
  12. 6.1 Zusammenfassung der Empfehlungen

    6.2 Schnittbildverfahren

    6.4 Digitale Subtraktionsangiographie

    6.5 Ultraschallverfahren

    6.6 Thrombose-spezifische Labordiagnostik

  13. Therapie
  14. 7.1 Zusammenfassung der Empfehlungen (Abb. 1)

    7.2 "Evidenz"klassen zur Therapie (Algorithmus)

  15. Prognose
  16. Daten der prospektiven International Study on Cerebral Vein and Dural Sinus Thrombosis (ISCVT) von 624 Patienten mit gesicherter SVT zwischen 1998 und 2002 ergaben eine Akutsterblichkeit von 8,3% (Ferro et al. 2004). Eine ungünstige Prognose (modified Rankin Scale ³ 3 nach 6 Monaten in 13%) ist mit höherem Lebensalter, männlichem Geschlecht, Stauungsblutung, Thrombose der inneren Hirnvenen und des rechten Sinus transversus, ZNS-Infektion und Neoplasmen assoziiert (Ferro et al. 2004, Girot et al. 2007). In ISCVT hatten 57% nach 6 Monaten keinerlei Beschwerden mehr. Eingehende Untersuchungen zur neuropsychologischen Leistungsfähigkeit und Lebensqualität liegen nicht vor.

  17. Spezielle Aspekte für Österreich und die Schweiz
  18. Keine Besonderheiten.



Literatur

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Verfahren zur Konsensbildung

Erstellungsdatum:

05/2003

Letzte Überarbeitung:

10/2008

Nächste Überprüfung geplant:

k.A.


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Stand der letzten Aktualisierung: 10/2008
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