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Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie


 AWMF-Leitlinien-Register  Nr. 030/074   Entwicklungsstufe:  1 
Zitierbare Quelle:
Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie; 4. überarbeitete Auflage 2008, S. 654 ff, ISBN 978-3-13-132414-6; Georg Thieme Verlag Stuttgart

Schlafbezogene Atmungsstörungen (SBAS) bei neurologischen Erkrankungen

Was gibt es Neues?

Die wichtigsten Empfehlungen auf einen Blick


  1. Einleitung
  2. Die vorliegende Leitlinie wurde auf spezielle neurologische Aspekte in Diagnose und Therapie von SBAS fokussiert und in Kooperation mit der DGSM erstellt. Sofern relevante Informationen bereits in der DGSM-Leitlinie "S 2" Nicht-erholsamer Schlaf vorliegen, wird auf diese verwiesen, um Redundanzen zu vermeiden.

  3. Definition
  4. SBAS sind über polysomnographisch aufgezeichnete Atmungsparameter definiert (nasaler/oraler Luftfluss, thorakoabdominale Exkursionen, O2-Sättigung). Die übliche Quantifizierung erfolgt über den sog. Apnoe-Index (Apnoen pro Stunde Schlaf), den RDI (respiratory disturbance index) oder RERA (respiratory effort related arousals [nur mittels zusätzlichen EEG-, EKG- und EMG-Aufzeichnungen zu erkennen]). Man unterscheidet obstruktive und zentrale Atmungsstörungen sowie schlafbezogene Hypoventilations- und Hypoxämie-Syndrome. Bei obstruktiven Atmungsstörungen kommt es typischerweise durch Erschlaffung der Schlundmuskulatur und Zurückfallen der Zunge zur repetitiven Verlegung der oberen Atemwege bei Inspiration. Der zentrale Atmungsantrieb ist intakt, so dass bei der obstruktiven Apnoe der Luftstrom (nasal wie oral) zum Stillstand kommt, während weiterhin Thorax- und Abdomenbewegungen nachweisbar sind. Die zentrale Atmungsstörung hat ihre Ursache in einer Dysfunktion des Atmungszentrums im ZNS. Hierbei kommt es zu einem repetitiven Stopp der Thorax- und Abdomenexkursionen und damit zu einem Sistieren des Luftstromes trotz durchgängiger Atemwege. Hypoventilations- und Hypoxämiesyndrome sind durch lang anhaltende Minderbelüftung der Lunge ohne nachweisbare Apnoen gekennzeichnet. Sie resultieren entweder aus einem pathologisch reduzierten zentralen Atemantrieb (im Gegensatz zum zentralen Schlaf-Apnoe-Syndrom aber ohne Apnoen) oder aus sukzessiver Erschöpfung und Insuffizienz der Atemmuskulatur. Daneben können mit zusätzlichen Messparametern (z. B. Kapnographie, Ösophagusdruckmessung) weitere Formen von SBAS identifiziert werden (z. B. Störungen der Rhythmogenese, Störung der Chemosensibilität der Atmung). Neurologische Erkrankungen können in jeder genannten Form zur Affektion der Atmung führen, häufig aggraviert im Schlaf.
    Weitere Angaben siehe S2-Leitlinie "Nicht-erholsamer Schlaf" der DGSM.

  5. Epidemiologie
  6. Bei den meisten neurologischen Erkrankungen liegen zur Prävalenz von SBAS keine ausreichend großen, kontrollierten Studien vor. In der Allgemeinbevölkerung wird die Prävalenz für die häufigste Form der SBAS, das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom (OSAS), auf mindestens 2% geschätzt (Männer : Frauen = 3-10 : 1). Beim Schlaganfall wird die Prävalenz in der Akutphase auf 45-70% geschätzt (Bassetti et al. 1996, Bassetti u. Aldrich 1999a, b).

  7. Pathophysiologie
  8. Die Genese von SBAS bei neurologischen Erkrankungen ist multifaktoriell und hängt vom jeweils assoziierten Krankheitsbild ab (s. u.).
    Weitere Angaben siehe Leitlinie "S 2" Nicht-erholsamer Schlaf der DGSM.

  9. Symptome
  10. Kernsymptome sind: Seltener sind Kopfschmerzen, Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen (siehe auch Leitlinie "S 2" Nicht-erholsamer Schlaf der DGSM).
    Treten diese Symptome in Zusammenhang mit einer der nachfolgend genannten Erkrankungen auf, muss an das Vorliegen von SBAS gedacht, eine weiterführende Diagnostik durchgeführt und ggf. eine Therapie eingeleitet werden.

  11. Neurologische Erkrankungen mit gehäuftem Auftreten von SABS
  12. 6.1 Multisystematrophie

    6.2 Idiopathisches Parkinson-Syndrom

    6.3 Amyotrophe Lateralsklerose

    6.4 Autonome Neuropathien (vor allem diabetisch), Phrenicus-Affektion (CIDP)

    6.5 Charcot-Marie-Tooth-Erkrankung

    6.6 Poliomyelitis/Post-Polio-Syndrom

    6.7 Neuromuskuläre Erkrankungen(z. B. Myasthenia gravis)

    6.8 Muskelkrankheiten (z. B. myotone Dystrophie, Maltase-Mangel-Myopathie)

    6.9 Kongenitale Erkrankungen (z. B. kongenitales zentrales alveoläres Hypoventilations-Syndrom [CCHS], familiäre Dysautonomie/Riley-Day-Syndrom)

    6.10 Bilaterale posterolaterale Läsionen der Medulla oblongata (z. B. bei Ischämie, Hämorrhagie, intrakraniellen Abzessen, Leigh's Syndrom)

    6.11 Enzephalitis

    6.12 Multiple Sklerose

    6.13 Schlaganfall

    6.14 Epilepsie

    6.15 Schlafstörungen: Restless-Legs-Syndrom (RLS), Narkolepsie

    Druckeinstellungen der CPAP- bzw. BilevelPAP-Beatmungstherapie müssen individuell jedem Patienten und Krankheitsbild angepasst werden. Übliche Druckwerte liegen zwischen 6 und 14 mbar.

  13. Untersuchungen
  14. 7.1 Stufendiagnostik gemäß der Richtlinien über die Bewertung ärztlicher Untersuchungs- und Behandlungsmethoden(BUB-Richtlinien) 1-4

  15. Ambulant / stationär
  16. Stufe 1-3 nach BUB-Richtlinien ambulant, Stufe 4 stationär (Stufe 4 kann nach den überarbeiteten BUB-Richtlinien vom 15. Juni 2004 von Ärzten, die die Zusatzbezeichnung "Schlafmedizin" führen, auch ambulant erbracht werden.)

  17. Therapie
  18. Bei der häufigsten Form der SBAS (OSAS) ist die Therapie der Wahl die nasale CPAP (> 90% Therapieerfolg = Reduktion der Apnoen und Besserung der Hypersomnie) (⇑⇑) (A) (Übersicht bei White et al. 2002). Bei SBAS im Zusammenhang mit neurologischen Erkrankungen finden häufig auch andere Beatmungsformen Anwendung (⇑) (A) (siehe Liste oben).
    Atemanaleptika (z. B. Theophyllin) sind in der Therapie des OSAS nicht wirksam (⇓⇓) (Smith et al. 2002).
    Ober- und Unterkieferschienen ("oral appliances") sind der nasalen CPAP-Therapie beim OSAS deutlich unterlegen) (⇑⇑). Sie sind allerdings wirksam im Vergleich zu Plazebo (Reduktion des Apnoe-Hypopnoe-Indexes, Besserung der Hypersomnie) (⇑⇑), so dass sie als Alternative bei Patienten in Betracht kommen, die eine CPAP-Therapie nicht tolerieren (A) (Giles et al. 2006, Lim et al. 2006).
    Operative Maßnahmen beim OSAS (Tonsillektomie, Uvulopalatopharyngoplastik, mandibuläre und maxilläre Umstellungsosteotomie) sollten erst nach Ausschöpfen aller konservativen Therapiemaßnahmen erwogen werden (⇔).
    Die Einleitung und individuelle Einstellung einer Beatmungstherapie bei SBAS muss unter polysomnographischer Kontrolle im Schlaflabor erfolgen. Der therapeutische Erfolg der Einstellung ist durch mindestens eine Kontrolluntersuchung innerhalb des ersten Behandlungsjahres zu gewährleisten. Gemäß BUB-Richtlinien soll diese Kontrolle 6 Monate nach Einleitung der Therapie mittels Polygraphie (Stufe 3) erfolgen. Eine erneute Polysomnographie (Stufe 4) ist nur bei schwerwiegenden Therapieproblemen erforderlich.
    Eine Verbesserung der Compliance durch Anwendung von autoCPAP- oder BilevelPAP-Geräten, Befeuchtern oder Selbst-Titrierung des Beatmungsdruckes durch die Patienten ist nicht belegt (Haniffa et al. 2004).

  19. Spezielle Aspekte für Österreich und die Schweiz
  20. Die Empfehlungen für Österreich und die Schweiz decken sich mit den Empfehlungen für Deutschland.


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Verfahren zur Konsensbildung

Erstellungsdatum:

04/2002

Letzte Überarbeitung:

10/2008

Nächste Überprüfung geplant:

k.A.


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Stand der letzten Aktualisierung: 10/2008
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