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Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie


 AWMF-Leitlinien-Register  Nr. 030/042   Entwicklungsstufe:  1 
Zitierbare Quelle:
Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie; 4. überarbeitete Auflage 2008, S. 654 ff, ISBN 978-3-13-132414-6; Georg Thieme Verlag Stuttgart

Creutzfeldt-Jakob-Krankheit

Was gibt es Neues?

Die wichtigsten Empfehlungen auf einen Blick


  1. Definition
  2. Die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJK) zählt zu den Prionerkrankungen, die bei Mensch und Tieren auftreten, neuropathologisch durch spongiforme Veränderungen, astrozytäre Gliose, Neuronenverlust und Ablagerung der abnormen Form des Prionproteins charakterisiert und innerhalb der betroffenen Spezies oder auch zwischen den Spezies übertragbar sind. Ein Synonym ist übertragbare spongiforme Enzephalopathie. Die Prionerkrankungen des Menschen kommen als sporadische (sporadische CJK, sporadische FI), genetische (familiäre CJK, FFI, GSS) oder übertragene (iatrogene, vCJK, Kuru) Form vor.

  3. Unterformen
  4. 2.1 Sporadische Prionerkrankung

    2.2 Genetische Prionerkrankung

    2.3 Übertragene Formen: iatrogene CJK

    2.4 Übertragene Formen: Variante der CJK

  5. Diagnosekriterien
  6. Während die definitive Diagnose einer CJK eine neuropathologische Untersuchung voraussetzt, wird die klinische Diagnose einer sporadischen CJK durch den Nachweis periodischer Komplexe im EEG (periodic sharp and slow wave complexes, PSWCs), erhöhter Konzentrationen des 14-3-3 Proteins im Liquor und hyperintenser Basalganglien in T2, FLAIR und DWI im MRT untermauert. Obwohl das MRT derzeit noch nicht in die diagnostischen Kriterien einer sporadischen CJK eingegangen ist, ist es für die Abgrenzung anderer rasch fortschreitender Demenzen unerlässlich (Tab. 3). Die diagnostischen Kriterien der vCJK sind in Tabelle 4 wiedergegeben.

    Tabelle 3: Klinische Klassifikationskriterien der sporadischen Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (WHO-Überwachungskriterien)

    Wahrscheinlich:
    • Progressive Demenz und
    • mindestens 2 der folgenden klinischen Erscheinungen:
      1. Myoklonus
      2. Visuelle oder zerebelläre Symptome
      3. Pyramidale/extrapyramidale Störungen
      4. Akinetischer Mutismus
    Technische Zusatzuntersuchungen:
    • Periodische Sharp-Wave-Komplexe im EEG oder
    • Nachweis der Proteine 14-3-3 im Liquor bei Krankheitsdauer < 2 Jahren
    • Hyperintense Basalganglien im MRT*

    Möglich:

    • Progressive Demenz < 2 Jahre und
    • 2 der oben genannten 4 klinischen Erscheinungen, jedoch
    • kein vorliegendes EEG oder untypisches EEG bzw.
    • keine Liquoruntersuchung oder negativer 14-3-3-Befund
    * noch nicht in den WHO-Überwachungskriterien enthalten

    Tabelle 4: Diagnostische Kriterien der Variante der CJK (gemäß WHO)

    I
    1. Fortschreitende neuropsychiatrische Erkrankung
    2. Krankheitsdauer > 6 Monate
    3. Routineuntersuchungen weisen auf keine alternative Diagnose hin
    4. Kein Hinweis auf mögliche iatrogene Ursache
    5. Kein Hinweis auf familiäre Prionerkrankung
    II
    1. Psychiatrische Symptome früh im Verlauf*
    2. Persistierende schmerzhafte Dysästhesien
    3. Ataxie
    4. Myoklonien oder choreatiforme Bewegungen oderDystonie
    5. Demenz
    III
    1. Keine periodischen scharfen Wellen im EEG bzw. kein EEG
    2. Signalanhebungen im posterioren Thalamus("pulvinar sign") im MRT
    IV
    1. Tonsillenbiopsie positiv**
    Sicher: I a) und neuropathologische Bestätigung einer CJK
    Wahrscheinlich: I und 4/5 von II und III a) und III b)oder I und IV a)
    Möglich: I und 4/5 von II und III a)
    * Depression, Angst, Apathie, Rückzug, Wahn
    ** Die Tonsillenbiopsie wird nicht routinemäßig empfohlen, auch nicht in Fällen mit CJK-typischem EEG, aber sie mag hilfreich sein in Verdachtsfällen mit klinischen Symptomen, die mit CJK vereinbar sind, ohne dass im MRT ein bilaterales "pulvinar sign" zu sehen ist.

  7. Differentialdiagnose
  8. Bedingt durch die variable klinische Präsentation umfasst die Differenzialdiagnose einer CJK eine Fülle neurologischer und psychiatrischer Krankheitsbilder. Dabei ist bei älteren Patienten die wichtigste Differenzialdiagnose der Morbus Alzheimer, bei jüngeren Patienten kommt häufig eine entzündliche ZNS-Erkrankung infrage. Die Differenzialdiagnosen sind in Tabelle 5 aufgeführt.

    Tabelle 5: Differenzialdiagnosen der CJK

    Potenziell reversibel Paraneoplastisch
    Psychiatrische Erkrankungen
    Metabolisch
    Enzephalitis
    Alkohol
    Vaskulitis
    NPH
    Nicht reversibel M. Alzheimer
    Vaskuläre Demenz
    DLB
    MSA
    Frontotemporale Demenz
    M. Parkinson
    CBD
    NPH = Normaldruckhydrozephalus, DLB = diffuse Lewy-Körperchen-Demenz, MSA = Multisystematrophie, CBD = kortikobasale Degeneration

  9. Untersuchungen
  10. 5.1 Notwendig zur Bestätigung der klinischen Verdachtsdiagnose

  11. Therapie
  12. Für therapeutische Maßnahmen, die die Prognose im Verlauf des Leidens verändern, liegen bisher nur einzelne Kasuistiken vor, kontrollierte Therapiestudien sind selten, eine kausale Therapie ist nicht bekannt. Eine symptomatische Therapie existiert bisher nur für die CJK-typischen Myoklonien, die in der initialen Krankheitsphase gut auf Clonazepam oder Valproat ansprechen (⇔). In den letzten Jahren wurden etliche Substanzen mit variablem Erfolg bei CJK eingesetzt. Für Pentosanpolysulfat (PPS) oder Quinacrin liegen Einzelfallberichte sowie Beobachtungsstudien vor, ein eindeutiger Effekt auf die Überlebenszeit ist nicht gegeben (⇔). Eine kontrollierte Doppelblindstudie mit Flupiritin ergab keine Verlängerung der Überlebenszeit, jedoch eine temporäre Verlangsamung des kognitiven Abbaus (⇓⇓). Beobachtungsstudien aus Italien und Deutschland zufolge verdoppelt der Einsatz von Doxycyclin die Überlebenszeit. Um den spezifischen Antiprion-Effekt des Doxycyclins nachzuweisen, wurde eine gemeinsame prospektive Doppelblindstudie in Italien, Deutschland und Frankreich begonnen. Bei derzeit fehlenden kontrollierten Studien können keine Angaben zur Klassifikation der "Evidenz"-Klassen bzw. zur Empfehlungsstärken erfolgen.

  13. Hygienemaßnahmen
  14. Berichte über die iatrogene Übertragung des extrem resistenten CJK-Erregers auf Patienten haben dazu geführt, dass das Robert-Koch-Institut in Zusammenarbeit mit Experten bereits im Jahr 1996 bzw. 1998 "Empfehlungen zur Desinfektion und Sterilisation von chirurgischen Instrumenten bei Verdacht auf Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung" (Bundesgesundheitsblatt 8/96, S. 282-283) und "Krankenversorgung und Instrumentensterilisation bei CJK-Patienten und CJK-Verdachtsfällen" (Bundesgesundheitsblatt 7/98, S. 279-285) erarbeitet hat. Der aktuelle Stand der Empfehlungen kann abgerufen werden unter: www.rki.de (externer Link).
    Besonderheiten für Österreich: Auch in Österreich bestehen vom Hygienebeirat des Bundesministeriums für Gesundheit, Familie und Jugend erlassene "Richtlinien für den Schutz vor einer Übertragung der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit bei invasiven Eingriffen" (GZ: 20560/5-VIII/A/22/02).
    Besonderheiten für die Schweiz: Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat in der Schweiz Richtlinien zur Prävention der Übertragung der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit erlassen (www.bag.admin.ch/suchen/index.html?keywords=Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (externer Link)).

    Siehe auch: AWMF-Arbeitskreis "Krankenhaus- und Praxishygiene" Prophylaxe der Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung in Krankenhaus und Praxis, AWMF-Register Nr. 029/025


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Verfahren zur Konsensbildung

Erstellungsdatum:

04/2002

Letzte Überarbeitung:

10/2008

Nächste Überprüfung geplant:

k.A.


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Stand der letzten Aktualisierung: 10/2008
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