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Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen


 AWMF-Leitlinien-Register  Nr. 021/009   Entwicklungsstufe:  3 + IDA 
Zitierbare Quelle:
Zeitschrift für Gastroenterologie

Diagnostik und Therapie der Colitis ulcerosa

Ergebnisse einer "evidenz"-basierten Konsensuskonferenz

der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen zusammen mit dem Kompetenznetzwerk chronisch entzündliche Darmerkrankungen*

* Konsensus mitgetragen durch die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie, die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin, die Deutschen Gesellschaft für Pathologie, die Deutsche Gesellschaft für Koloproktologie, die Deutsche Gesellschaft für Viszeralchirurgie, die Deutsche Röntgengesellschaft, das Deutsche Kolloquium für psychosomatische Medizin und die Gesellschaft für pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung

Die Colitis Ulcerosa (CU) ist neben dem Morbus Crohn die wichtigste chronisch entzündliche Darmerkrankung (CED). Ihre Inzidenz liegt in Europa bei 5 bis 25 pro 100.000 Einwohner, wobei in Deutschland zuletzt 6 pro 100.000 Einwohner angegeben wurden [1]. Daraus ergibt sich rechnerisch eine Prävalenz von ca. 2,1/1000 Einwohner und eine Zahl von 168.000 Betroffenen allein in Deutschland. Nach Shivananda liegt in Europa die höchste alterspezifische Inzidenz bei den 20-34-jährigen vor [2]. Somit haben die meisten Patienten mit CU ihre Erkrankung während ihres gesamten beruflichen Lebens. Daraus folgt, dass durch die Erkrankung nicht nur direkte Kosten (Medikamente, Arztbesuche, Operationen, Krankenhausaufenthalte etc.) sondern auch in erheblichem Umfang indirekte Kosten (Rente, Arbeitsausfälle etc.) entstehen. Neueste Untersuchungen gehen davon aus, dass bei CED 69 % der Gesamtkosten den indirekten Kosten zuzuordnen sind [3]. Allein für direkte Kosten im ambulanten Sektor werden jährlich im Mittel 3.171 € für Patienten mit CU ausgegeben [4]. An Gesamtkosten wurden am Universitätsklinikum Ulm im Mittel knapp 17.000 € pro Jahr für einen Patienten mit CU errechnet. Im Durchschnitt liegen die tatsächlichen Kosten für Patienten mit CU vermutlich niedriger, weil die Kostenerhebung an einem Patientenkollektiv einer Universitätsambulanz erhoben wurde. Insgesamt entfielen 45 % der direkten Kosten allein auf Arzneimittelkosten [3]. Somit werden allein in Deutschland bis zu 3 Millarden € für die Versorgung von Patienten mit CU aufgewendet, davon 2/3 für Arbeitsausfall und Erwerbs- bzw. Berufsunfähigkeit. Bis zu 400 Millionen € werden allein für Medikamente von Patienten mit CU ausgegeben.
Der Verlauf und die Ausdehnung der Erkrankung sind sehr variabel. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit einer komplexen Diagnostik und abgestuften Therapie in der klinischen Praxis. Zur CU liegt bisher eine Leitlinie der DGVS vor [5], die mit der vorliegenden "evidenz"-basierten Form aktualisiert wird. Im Folgenden werden der organisatorische Ablauf sowie Besonderheiten zu einzelnen Patientenuntergruppen dargestellt, da diese Besonderheiten themenübergreifend von Bedeutung sind. Weiterhin betrifft eine mögliche Medikamenteninteraktion mehrere Kapitel und soll daher hier bereits erwähnt werden. So können 5-Aminosalizylate (Mesalazin, Sulfasalazin, Olsalazin oder Balsalazid) die Verstoffwechselung von Azathioprin und seinem Metaboliten 6-Mercaptopurin hemmen. Daher sollte bei gleichzeitigem Einsatz von 5-Aminosalizylaten und Azathioprin/6 Mercaptopurin besonders auf die Möglichkeit einer Leukopenie geachtet werden [6]. Manche Experten empfehlen sogar eine einschleichende Dosierung von Azathioprin immer dann, wenn ein dadurch späterer Wirkungseintritt klinisch vertretbar ist. Eine "Evidenz" durch eine entsprechende Studie zu dieser Empfehlung existiert jedoch nicht. Viele andere Experten empfehlen daher direkt die volle Azathioprin/6-Mercaptopurin-Dosis zu geben und sorgfältig das Blutbild zu kontrollieren. Da im Vorfeld die Methodik der Konsensusüberarbeitung neu gestaltet wurde, wird dieser Bereich in einem eigenen Artikel erläutert.

Inhalt:

I. Klinische Diagnostik
II. Histopathologische Diagnostik
III. Akuter Schub
IV. Ernährung
V. Fulminanter Schub
VI. Chronisch aktiver Verlauf
VII. Remissionserhaltung
VIII. Karzinom-Prophylaxe
IX. Chirurgie
X. Pouchitis
XI. Extraintestinale Manifestationen bei Colitis ulcerosa
XII. Psychosomatik
XIII. Komplementäre Therapien
Anhang

I. Klinische Diagnostik

U. Knebel, Klinikum der Stadt Ludwigshafen gGmbH, Medizinische Klinik C, Bremerstr. 79, 67073 Ludwigshafen, Germany
H.-J. Brambs, Universitätsklinikum Ulm, Abt. Diagnostische Radiologie, Steinhövelstr. 9, 89075 Ulm, Germany
J. Riemann, Klinikum der Stadt Ludwigshafen gGmbH, Medizinische Klinik C, Bremerstr. 79, 67073 Ludwigshafen, Germany

Korrespondenz:
Prof. Dr. J. Riemann, Klinikum der Stadt Ludwigshafen gGmbH, Medizinische Klinik C, Bremerstr. 79, 67073 Ludwigshafen, Germany
Tel. 0621/5034100
FAX 0621/5034114
e-mail: riemannj@klilu.de

  1. Klinik
  2. Empfehlung
    Vor einer weiterführenden Diagnostik sind eine anamnestische Erhebung und eine klinische Untersuchung obligat (C). Bei einer Colitis ulcerosa finden sich anamnestisch häufig eines oder mehrere der folgenden Symptome: blutige Diarrhoen, erhöhte Stuhlfrequenz, vermehrter Stuhldrang, nächtliche Defäkation, Tenesmen, Gefühl der inkompletten Stuhlentleerung, Fieber (B).
    Erläuterung
    Zunächst soll die Relevanz einer ausführlichen Anamneseerhebung sowie körperlichen Untersuchung vor jeglicher weiterführender Diagnostik unterstrichen werden. Hinsichtlich der anamnestisch erhebbaren Symptome finden sich relativ wenige Studien, die die Häufigkeit einzelner Symptome bei der Colitis ulcerosa untersucht haben. Blutige Diarrhoen stellen in den meisten Fällen das Leitsymptom der Colitis ulcerosa dar. Die Reihenfolge der weiteren Symptome entspricht nicht ihrer Häufigkeit, da hierzu kaum valide Daten existieren [1-4]. Die Symptomatik lässt nicht sicher auf das zu erwartende Befallsmuster bzw. die Ausdehnung der Erkrankung schließen. Die Daten sind inhomogen, insgesamt scheint jedoch eine stärkere Ausprägung der Symptome mit einer erhöhten endoskopischen Aktivität zu korrelieren [5-7].

  3. Labor
  4. Empfehlung
    Sowohl in der initialen laborchemischen Diagnostik als auch im Verlauf wird die Bestimmung von CRP (alternativ BKS) und Blutbild empfohlen. Die zusätzliche Bestimmung der ?-GT und der AP ist sinnvoll (B).
    Erläuterung
    Hinsichtlich der Labordiagnostik wurde die Empfehlung auf die zur Basisdiagnostik mindestens erforderlichen Parameter beschränkt. Hierbei steht die Bestimmung der Entzündungsaktivität im Vordergrund, repräsentiert durch CRP oder BKS als Surrogatmarker [1]. Die Bestimmung des Blutbildes dient einer weiteren Aktivitätseinschätzung (insbes. Hämatokrit) und kann darüber hinaus Hinweise auf infektiöse Komplikationen (Leukozytose) und Mangelerscheinungen (MCV, MCH) geben[2]. Die Bestimmung der gamma-GT und der AP dient weiterhin der Erkennung einer primär sklerosierenden Cholangitis, welche dann weitere diagnostische und evtl. therapeutische Konsequenzen nach sich zieht.
    Die Beschränkung des Konsensus auf diese Kernparameter schließt jedoch die in vielen Fällen sinnvolle Bestimmung weiterer Laborparameter in Abhängigkeit von der Klinik (z.B. Kreatinin, Harnstoff, Elektrolyte, Folsäure) zur Diagnostik der Colitis ulcerosa und ihrer Komplikationen nicht aus [8-10].

    Empfehlung bei Kindern
    Calprotektin oder Lactoferrin im Stuhl kann zur Bestimmung der inflammatorischen Aktivität erfolgen. Dies erlaubt aber keine Differenzierung zwischen infektiösen und chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (A).
    Erläuterung
    Zwei prospektive und mehrere retrospektive Studien konnten bei Erwachsenen und Kindern zeigen, dass Calprotektin oder Laktoferrin-Bestimmungen im Stuhl einen Hinweis auf das Vorliegen einer Entzündung geben können [11-16]. Dabei ist zu beachten, dass dadurch eine Differenzierung zwischen verschiedenen Formen entzündlicher Diarrhoen nicht möglich ist, insbesondere nicht zwischen Colitis ulcerosa, Morbus Crohn und infektiösen Diarrhoen. Die Indikation für die Durchführung einer endoskopischen Untersuchung könnte so, vor allem bei Kindern, strenger gestellt werden.

    Empfehlung
    Bei Colitis indeterminata kann die Bestimmung von pANCA (perinukleäre antineutrophile zytoplasmatische Antikörper) (Immunfluoreszenz), ASCA (anti-Saccharomyces cerevisiae Antikörper) (ELISA) und PAB (Pankreasantikörper) (Immunfluoreszenz) hilfreich sein, für die Routine kann jedoch keine generelle Empfehlung ausgesprochen werden (A).
    Erläuterung
    Die Untersuchung v.a. von ANCA ist sehr laborabhängig. Die Ergebnisse der Studien sind nicht einheitlich. Positive pANCA bei negativen ASCA legt die Diagnose einer Colitis ulcerosa sehr nahe. Eine große Zahl an Patienten mit Colitis indeterminata zeigte keine positiven Nachweise [17-19].

  5. Indices
  6. Empfehlung
    Die Anwendung klinischer Aktivitätsindices ist nicht erforderlich (B).
    Erläuterung
    Keiner der zahlreichen untersuchten Aktivitätsindices hat sich bisher in der klinischen Routine etablieren können [5-7, 20]. Ihr Stellenwert ist hinsichtlich Validität und Reliabilität fraglich. Trotzdem können die eingehenden Kriterien als Leitstruktur für eine qualitative Erhebung der Symptomatik und Abschätzung der Krankheitsaktivität im Rahmen der Anamnese, insbesondere im Rahmen von Studien, dienen.

  7. Mikrobiologische Untersuchungen
  8. Empfehlung
    Bakteriologische Stuhluntersuchungen sind in der Initialdiagnostik und beim fulminanten Schub obligat. Im Einzelfall sind sie auch beim Rezidiv notwendig. Gegebenenfalls sind bei klinischem Verdacht ergänzende mikrobiologische Untersuchungen in Serum, Stuhl und Biopsie erforderlich (B).
    Erläuterung
    Gerade in der initialen Diagnosestellung, aber auch bei Verschlechterung sind mikrobiologische Untersuchungen einschließlich Stuhlkultur und Stuhluntersuchungen auf Clostridium-difficile-Toxin A unverzichtbar. Dies betrifft in besonderem Maße den fulminanten Schub, bei dem zum frühestmöglichen Zeitpunkt eine begleitende oder zugrundeliegende intestinale Infektion mit pathogenen Keimen, Clostridium difficile und CMV ausgeschlossen werden muss. Eine CMV-Infektion kann durch eine Immunhistologie an einer Biopsie, durch Antigennachweis im Blut (pp65) oder eine PCR-Untersuchung (Blut, Stuhl oder Biopsie) erfolgen [21-26]. Gleiches gilt für Situationen, bei denen es trotz adäquater Therapie zu einer Krankheitsverschlechterung kommt. Dabei muss stets eine kritische Bewertung der pathogenetischen Relevanz nachgewiesener Keime und der sich daraus ergebenden therapeutischen Konsequenzen erfolgen, da sich das Spektrum pathogener oder fakultativ pathogener Keime grundsätzlich nicht von dem der Normalbevölkerung (Yersinia enterocolitica, Salmonella, Shigella, Campylobacter, E. coli, Clostridium difficile) unterscheidet. Gegebenenfalls sind bei klinischem Verdacht ergänzende mikrobiologische Untersuchungen in Blut, Stuhl und Biopsie (z.B. Amöben, Parasiten etc.) erforderlich [22, 27]. Infektiöse Enteritiden können das klinische Bild einer Colitis ulcerosa imitieren [28-30]. Insbesondere im Kindesalter sind infektiöse Gastroenteritiden sehr häufig und differentialdiagnostisch abzugrenzen.

  9. Endoskopische, sonographische und radiologische Diagnostik
  10. Empfehlung
    Zur Initialdiagnostik gehört eine komplette Ileokoloskopie mit Biopsien aus dem terminalen Ileum und jedem Kolonsegment, unabhängig vom Befallsmuster (B). Bei der akuten schweren initialen Erkrankung kann eine Sigmoidoskopie zunächst ausreichend sein.
    Erläuterung
    Zur Initialdiagnostik sollte eine Ileo-koloskopie immer erfolgen, unabhängig vom Befallsmuster (Diskontinuierlicher Befall gelegentlich auch bei CU möglich; Backwash-Ileitis) [31-33].
    Häufig zeigen sich in makroskopisch unauffällig erscheinenden Darmabschnitten histologisch entzündliche Veränderungen. Auf Grund dieser Tatsache wird die Krankheitsausdehnung endoskopisch häufig unterschätzt [34-38]. Da dies Einfluss auf die Therapie haben kann, werden Biopsien aus jedem Abschnitt des Ileocolon prinzipiell empfohlen [27, 36-40]. Biopsien aus allen Darmabschnitten sind ebenfalls notwendig um bei unklarer Colitis/Diarrhoe eine mikroskopische Colitis abzugrenzen [41-45].
    Nach langjährigem Verlauf müssen Stufenbiopsien zur Karzinomprävention entsprechend der Empfehlung im Kapitel "Karzinomprophylaxe" erfolgen. Routinemäßige Verlaufsendoskopien sind bis zum Zeitpunkt der Karzinomprophylaxe nicht notwendig.
    Obwohl Daten existieren, die keine erhöhte Komplikationsgefahr bei einer Ileokoloskopie im schweren Schub nachweisen konnten, bestand kein Konsens über die generelle Empfehlung einer solchen Maßnahme. Begründet wird dies vorwiegend dadurch, daß der Informationsgewinn durch eine komplette Ileokoloskopie im schweren Schub häufig keine Änderung des therapeutischen Regimes nach sich zieht. Zur morphologischen Aktivitätseinschätzung reicht in diesen Fällen eine Sigmoidoskopie aus [46-48].

    Empfehlung
    Zur Sicherung der Diagnose ist eine Kontrollendoskopie mit Biopsie in einem Intervall erforderlich (C).
    Erläuterung
    Bei der Colitis ulcerosa handelt es sich um eine chronische Erkrankung. Daraus ergibt sich, dass zur Diagnosesicherung bei jedem Patienten im Intervall eine erneute Endoskopie zu fordern ist. Dies wird auch empfohlen, wenn Patienten im Verlauf keine weiteren Beschwerden haben. Von dieser Empfehlung kann abgewichen werden, wenn bestimmte Patientengruppen, z.B. Kinder, bei Beschwerdefreiheit unter Abwägung von Vor- und Nachteilen eine erneute Koloskopie nicht zugemutet werden kann.

    Empfehlung
    Im Falle einer indeterminierten Colitis sollte nach einem Intervall eine erneute Ileokoloskopie mit Biopsien aus dem terminalen Ileum und allen Kolonsegmenten erfolgen (B). Die Zeitdauer zwischen initialer Untersuchung und Kontrolluntersuchung sollte sich nach dem jeweiligen Krankheitsverlauf richten.
    Erläuterung
    Eine in etwa 5-20% der Fälle initial beschriebene indeterminierte Colitis kann einer erneuten Ileokoloskopie mit Biopsien aus dem terminalen Ileum und allen Kolonsegmenten zugeführt werden. Das Intervall zwischen den Untersuchungen hängt vorwiegend von der klinischen Symptomatik ab, eine generelle Empfehlung kann aus den vorliegenden Studiendaten nicht abgeleitet werden [49]. Auffallend ist jedoch die Tatsache, dass im Verlauf in bis zu 10% auch eine Änderung der Erstdiagnose "Colitis ulcerosa" erforderlich ist [50]. Zum diagnostischen Procedere siehe auch die oben erwähnten Ausführungen zur Labordiagnostik.

    Empfehlung
    In der Diagnostik der Colitis ulcerosa sollten hochauflösende Videoendoskope heute als Standard eingesetzt werden (C).
    Erläuterung
    Eine hochauflösende Videoendoskopie erlaubt im Vergleich zu Fiberglasendoskopen eine Beurteilung von Schleimhautveränderung, insbesondere auch von neoplastischen Veränderungen (z.B. DALM). Inwieweit hochauflösende Videoendoskope jedoch eindeutige Vorteile in der Primärdiagnostik oder im Verlauf gegenüber Fiberglasendoskopen haben, ist bisher durch gute Studien nicht geklärt und wird kontrovers diskutiert. Die verbesserte Detektion von Dysplasien und DALM mittels Zoomendoskopie und Chromoendoskopie ist durch neuere Studien belegt [51-54]. Inwieweit diese Verfahren in die Praxis umsetzbar sind (z.B. Zeitaufwand), kann zum derzeitigen Zeitpunkt nicht abgeschätzt werden. Eine allgemeine Empfehlung kann hierzu daher bisher nicht erfolgen. Die Erfahrenheit des Untersuchers spielt eine große Rolle. Insbesondere die Nachsorgeuntersuchungen sollte von entsprechend erfahrenen Untersuchern durchgeführt werden.

    Empfehlung
    Zur Abklärung der Dignität ist bei endoskopisch nicht passierbaren Stenosen eine ergänzende Diagnostik erforderlich. Jede Stenose bei Colitis ulcerosa ist malignitätsverdächtig (C).
    Erläuterung
    Für diese spezielle Situation der nicht passierbaren Stenose kann keine generelle Empfehlung zum Ablauf und zur Wahl weiterer diagnostischer Maßnahmen gegeben werden. In Frage kommen primär der Wechsel auf ein pädiatrisches oder nasales Gerät, bei Erfolglosigkeit die Kontrastdarstellung der Stenose über einen Katheter im Rahmen der Endoskopie, die MR- oder CT-Colonographie sowie die chirurgische Exploration. Auch die Durchführung einer Sonographie als nichtinvasive Methode gibt häufig zusätzliche Informationen [55].
    Die Wahrscheinlichkeit einer malignen Stenose scheint mit zunehmender Krankheitsdauer und bei Vorliegen einer (Sub-) Ileussymptomatik deutlich zu steigen [56]. Daher ist eine Stenose bei Colitis ulcerosa prinzipiell malignitätsverdächtig und möglichst bioptisch abzuklären, das Procedere aber individuell festzulegen.

    Empfehlung
    Die routinemäßige Verwendung eines endoskopischen Aktivitätsindex ist nicht sinnvoll (B).
    Erläuterung
    Aktivitätsindices sind für klinische Studien als objektiver und reproduzierbarer Parameter sinnvoll. In Routine finden sie jedoch selten Anwendung, da die endoskopische Entzündungsaktivität nicht unbedingt mit der Symptomatik korreliert [5-7].

    Empfehlung
    Eine Ösophagogastroduodenoskopie mit Biopsien sollte bei differentialdiagnostischem Verdacht auf einen M. Crohn oder entsprechender klinischer Symptomatik durchgeführt werden (B).
    Erläuterung
    Sonderformen einer fokal betonten Gastritis oder Granulome sind zuweilen bei Patienten mit M. Crohn nachweisbar und können daher hilfreich sein in der Differentialdiagnose zwischen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, bei Oberbauchbeschwerden oder unklarer Diarrhoe [57, 58].

    Empfehlung
    Die hochauflösende abdominelle Sonografie sollte Bestandteil sowohl der Initial- als auch der Verlaufsdiagnostik sowie bei Verdacht auf Komplikationen sein (B).
    Erläuterung
    Der Ultraschall erlaubt die Beurteilung der Längenausdehnung einer Wandinfiltration und möglicher Komplikationen. Zwar sind die Erfahrungen und Expertisen in der Anwendung der Sonografie sehr heterogen, trotzdem muss auf Grund der Datenlage der abdominelle Ultraschall als integrale Methode in der Diagnostik der Colitis ulcerosa gelten [55, 59-62]. Vorteile sind die generelle Verfügbarkeit, die relativ geringen Kosten und das Fehlen von Nebenwirkungen. Die Sensitivität kann durch die Hydrokolonsonographie noch verbessert werden [63, 64]; dieses Verfahren ist aufgrund nicht genügend breiter Untersucher-Expertise für die Praxis realistisch jedoch nicht allgemein zu empfehlen. Die Kontrastmittelsonographie ist derzeit noch im experimentellen Stadium.

    Empfehlung
    Die EUS hat keinen generellen Stellenwert in der Diagnostik der CU (A).
    Erläuterung
    Die EUS hat sicherlich keinen generellen Stellenwert in der Diagnostik der CU. Bislang wurden nur kleine Studienpopulationen untersucht; es fehlen Standards. Ihr Einsatz ist jedoch sinnvoll im Staging von rektalen Tumoren und Abszessen [69-71].

    Empfehlung
    Die Dopplersonographie der Mesenterialarterien hat keinen festen Stellenwert. Für die Dopplersonographie der Darmwand ist die Datenlage noch unzureichend (B).
    Erläuterung
    Einige Arbeiten mit geringen Fallzahlen belegen eine Korrelation zwischen dem Mesenterialarterienfluß und der Krankheitsaktivität der Colitis ulcerosa, jedoch fehlen bislang Flußratenstandards. Auch aufgrund der erheblichen Untersucherabhängigkeit hat sich dieses Verfahren bis jetzt noch nicht durchgesetzt [65-68].

    Empfehlung
    Die Kolon-Doppelkontrastuntersuchung sollte in der Diagnostik der Colitis ulcerosa als Alternativverfahren zur Ileokoloskopie nicht durchgeführt werden (B).
    Erläuterung
    Als Alternativverfahren zur Ileokoloskopie, z.B. bei nicht-passierbarer Stenose, können heute radiologische Schnittbildverfahren, wie die CT- und MR-Colonographie, eingesetzt werden. Sie bieten neben der Abbildung des Darms zusätzliche Informationen über die intraabdominellen Organe und mögliche Begleitreaktionen bzw. Komplikationen [72-75]. Die Sonographie ist v.a. bei Kindern und zur Abklärung von Komplikationen alternativ vorzuziehen [59].

    Empfehlung
    Die MR-/CT-Colonographie sollte in der Primärdiagnostik nicht durchgeführt werden. Jedoch kann diese Untersuchung bei speziellen Situationen hilfreich sein (B).
    Erläuterung
    Die Datenlage für CT- und MR-Colonographie bei CED ist unzureichend. Sie stellt derzeit kein Routineverfahren dar. Es fehlen Standards. Bei ständiger Verbesserung der Software/Programme sollte jedoch in Studien eine weitere Evaluierung durchgeführt werden [72-75]. In speziellen Situationen, beispielsweise bei Patienten, die nicht endoskopierbar sind oder bei denen eine endoskopisch nicht eindeutig beurteilbare oder nicht passierbare Stenose vorliegt, kann eine CT- oder MR-Colonographie hilfreich sein. Studien hierzu liegen jedoch bisher nicht vor.

    Empfehlung
    MR-Enteroklysma / CT-Sellink/ konventionelles Enteroklysma sollte zur Abgrenzung von einem M. Crohn durchgeführt werden (B).
    Erläuterung
    MR-Enteroklysma ist im Gegensatz zum konventionellen Enteroklysma kein standardisiertes Verfahren; es liegen keine ausreichenden Daten für die Colitis ulcerosa vor [76-78]. Allerdings erbringt die MRT neben der Abbildung des Darms zusätzliche Informationen über die intraabdominellen Organe und mögliche Begleitreaktionen bzw. Komplikationen. In der Differentialdiagnose zum Morbus Crohn wird ihre Aussagekraft bezogen auf die Dünndarmdarstellung im Vergleich zum Röntgen Sellink oder CT-Sellink bei technisch adäquater Durchführung als mindestens gleichwertig eingeschätzt.

    Empfehlung
    Die Kapselendoskopie ist bei der Colitis ulcerosa nicht sinnvoll (A).
    Erläuterung
    Die Kapselendoskopie scheint in ersten Studien dem konventionellen- und CT-Enteroklysma in der Detektion von Dünndarmveränderungen bei M. Crohn überlegen. Zur Colitis ulcerosa sind derzeit keine Daten verfügbar [79-81]. Da bei fehlender Luftinsufflation eine Visualisierung des Kolons nicht möglich ist, erscheint dieses Verfahren zur Kolondiagnostik nicht geeignet.

    Empfehlung
    Die Durchführung einer Leukozytenszintigraphie hat keinen Stellenwert (B).
    Erläuterung
    Es liegen widersprüchliche Studien vor. Eine sichere Korrelation mit der Krankheitsaktivität konnte nicht gezeigt werden (geringe Sensitivität). Insbesondere kann sie nicht als Ersatz für die Koloskopie mit Biopsie im Rahmen der Erstdiagnose dienen [82].

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    Inhaltsverzeichnis

II. Histopathologische Diagnostik

C. Wittekind, Universitätsklinikum Leipzig, Institut für Pathologie, Liebigstr. 26, 04103 Leipzig, Germany
G. Rogler, Universitätsklinikum Regensburg, Klinik und Poliklinik für Innere Medizin I, Franz-Josef-Strauß-Allee 11, 93053 Regensburg, Germany

Korrespondenz:
Prof. Dr. C. Wittekind, Universitätsklinikum Leipzig, Institut für Pathologie, Liegigstraße 26, 04103 Leipzig, Germany
Tel. 0341/9715036
FAX 0341/9715009
e-mail: wittec@medizin.uni-leipzig.de

  1. Entzündungsdiagnostik
  2. Empfehlung
    Im Rahmen der Diagnosesicherung bilden histologische Untersuchungen von Biopsien einen wichtigen Baustein (B). Um die Möglichkeiten der histopathologischen Differentialdiagnostik effizient nutzen zu können, sind erforderlich:
    1. Biopsieentnahmen aus dem terminalen Ileum, dem Rektum und jedem Kolonsegment aus makroskopisch betroffenen und makroskopisch freien Abschnitten des Kolons (C)
    2. Berücksichtigung von Informationen über die vorausgegangene Therapie und Diagnostik (z. B. Stuhlkultur) (C)
    3. Berücksichtigung von Informationen über die Krankheitsdauer (C)
    4. Berücksichtigung des Endoskopiebefundes (C)
    Die Erhebung der oben genannten klinischen und endoskopischen Befunde sollten standardisiert erfolgen.
    Erläuterungen
    Einen Goldstandard für die Diagnose einer Colitis ulcerosa gibt es nicht. Als sicherste Methode wurde die Histologie am Darmresektat beurteilt. Die Zusammenschau vom klinischen Krankheitsverlauf (Anamnese incl. vorausgegangene Therapie und Medikamentenanamnese, Art der Symptome und Symptomdauer), vom endoskopischen Befund und der Histologie liefert die sicherste Diagnose. Es besteht Übereinstimmung, dass es keinen spezifischen Histologie-Befund gibt. Anhand einer charakteristischen Konstellation von histopathologischen Befunden in Biopsien kann die Diagnose einer Colitis ulcerosa einigermaßen zuverlässig gestellt werden. Bei Untersuchung nur von Einzelbiopsien (aus dem Rektum) kann die Diagnose mit einer Treffsicherheit von rund 70% gestellt werden [1-9]. Eine deutlich höhere Aussagekraft wird erreicht, wenn Stufenbiopsien untersucht werden, weil diese neben den einschlägigen histologischen Befunden zusätzlich auch die Verteilung der Läsionen in die Bewertung einbeziehen lassen ("kontinuierlich" vs. "diskontinuierlich"). So ist anhand von Stufenbiopsien die Diagnosestellung mit einer Spezifität und Sensitivität von 80% möglich [10, 11].
    Als histopathologische Charakteristika sind für die bioptische Diagnostik hervorzuheben [11]: Andere Einzelbefunde haben eine geringere differentialdiagnostische Spezifität [1, 7, 11]. Informationen zur vorausgegangenen Therapie sind erforderlich, weil das morphologische Erscheinungsbild durch die Therapie stark beeinflusst werden kann. Dies ist bei der Bewertung histopathologischer Befunde zu berücksichtigen. Als mögliche Varianten des morphologischen Erscheinungsbildes sind hervorzuheben: Eine Information zur Krankheitsdauer ist erforderlich, um histologische Fehlbewertungen zu vermeiden. Bei kurzer Erkrankungsdauer ist vor allem eine protrahiert abklingende infektiöse Colitis abzugrenzen [8, 17, 18]. Bei länger bestehender Erkrankung ist zu berücksichtigen, dass der morphologische Phänotyp einer CU nicht "statisch" bleibt, sondern "dynamisch" fortschreiten kann. Daher erfordert die Bewertung bioptisch-histologischer Befunde eine Zusammenschau auch mit der Anamnese.
    Heute sind viele Formen einer Colitis mit definierter Ätiologie bekannt [19, 20]. Manche dieser Colitiden (z.B. Diversions-Colitis; medikamentös-induzierte Colitis) haben morphologische Ähnlichkeit mit Colitis ulcerosa, und können teilweise erst epikritisch abgegrenzt werden.

  3. Intraepitheliale Neoplasien
  4. Empfehlung
    Die histopathologische Diagnostik schließt Untersuchungen zum Nachweis bzw. Ausschluss von intraepithelialen Neoplasien (früher: Dysplasien) mit ein. Die Klassifikation von intraepithelialen Neoplasien erfolgt gemäß den Kriterien der WHO. Die Diagnose einer intraepithelialen Neoplasie ist durch eine externe Referenzbegutachtung zu bestätigen (B/C).
    Erläuterung
    Intraepitheliale Neoplasien sind eindeutig neoplastische Epithelläsionen (27, 28). Definitionsgemäß sind sie von reaktiven Epithelatypien, z.B. im Rahmen einer akuten Entzündung, abzugrenzen. Theoretisch entsprechen intraepitheliale Neoplasien Vorläuferläsionen von Karzinomen [21, 22]. In der Praxis werden sie häufig als Mitläufer oder Ausläufer eines bereits manifesten Karzinoms diagnostiziert. Für die Abschätzung des individuellen Karzinomsrisikos ist ferner auch der makroskopische Befund von Bedeutung (flache vs. erhabene intraepitheliale Neoplasien) [21]. CU-assoziierte intraepitheliale Neoplasien kommen grundsätzlich in allen Abschnitten des Kolons und Rektums vor, einschließlich der analen Transitionalzone, sowie ferner auch im terminalen Ileum bzw. Ileostoma. Oftmals sind sie multifokal präsent, dabei können sie kontinuierlich oder diskontinuierlich verteilt sein. Es gibt kein konstantes oder präferentielles Verteilungsmuster [23]. Für eine Ausschlussdiagnostik von intraepithelialen Neoplasien sind daher Stufenbiopsien aus allen Abschnitten des Kolons erforderlich (siehe Abschnitt "Karzinomprophylaxe"). Die (Stufen)biopsien sollen möglichst in der Remmissionsphase entnommen werden, da es sonst zu Überdiagnose von regeneratorischen Hyperplasien kommen kann.
    Da auch niedriggradige intraepithelialen Neoplasien Konsequenzen für das weitere Vorgehen haben (siehe Abschnitt "Karzinomprophylaxe"), besteht Konsensus, dass die histopathologische Diagnose einer intraepithelialen Neoplasie bei Colitis ulcerosa in jedem Fall durch eine Zweitbegutachtung bei einem erfahrenen externen Referenzpathologen abgesichert werden soll [21]. Ergebnisse der Literatur haben gezeigt, dass eine relativ hohe inter- und intraindividuelle Variabilität in der Klassifikation besteht [24-26].
    Die Colitis ulcerosa-assoziierte intraepitheliale Neoplasie (insbesondere die DALM) sollte anhand makroskopischer und mikroskopischer Kriterien von sporadischen Adenomen mit intraepithelialen Neoplasien abgegrenzt werden [27].
    Unter DALM (Dysplasia associated lesion or mass) versteht man eine high-grade Läsion, die in 40% der Fälle mit einem bereits invasiven Karzinom einhergeht.

    Literatur

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    Inhaltsverzeichnis

III. Akuter Schub

A. Reißmann, Martin-Luther-Universitäts Halle-Wittenberg, Klinik und Poliklinik für Innere Medizin I, Ernst-Grube-Straße 40, 06120 Halle, Germany
S. C. Bischoff, Medizinische Hochschule Hannover, Abt. Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie, Carl-Neuberg-Straße 1, 30623 Hannover, Germany
W. Fleig, Martin-Luther-Universitäts Halle-Wittenberg, Klinik und Poliklinik für Innere Medizin I, Ernst-Grube-Straße 40, 06120 Halle, Germany

Korrespondenz:
Prof. Dr. W. Fleig, Martin-Luther-Universitäts Halle-Wittenberg, Klinik und Poliklinik für Innere Medizin I, Ernst-Grube-Straße 40, 06120 Halle, Germany
Tel. 0345/5572661
FAX 0345/5572253
e-mail: wolfgang.fleig@medizin.uni-halle.de

  1. Definitionen
  2. Therapie
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    Inhaltsverzeichnis

IV. Ernährung

S. Bischoff, Medizinische Hochschule Hannover, Abt. Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie, Carl-Neuberg-Straße 1, 30623 Hannover, Germany
W. Fleig, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Klinik und Poliklinik für Innere Medizin I, Ernst-Grube-Straße 40, 06120 Halle, Germany

Korrespondenz:
Prof. Dr. S. C. Bischoff, Medizinische Hochschule Hannover, Abt. Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie, Carl-Neuberg-Straße 1, 30623 Hannover, Germany
Tel. 0511/5322219
FAX 0511/5324896
e-mail: bischoff.stephan@mh-hannover.de

  1. Einfluss von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen auf den Ernährungszustand (Grundlagen)
  2. Aussagen
    Als Folge der Colitis ulcerosa sind sowohl globale Malnutrition als auch spezifische Mangelzustände beschrieben (C). In der Remission ist die orale Nahrungsaufnahme nicht reduziert. Im akuten Schub ist eine nicht bedarfsdeckende orale Aufnahme sowohl von Energie als auch von Eiweiß beschrieben (C). Wenn ein Patient mit Colitis ulcerosa im Schub einer Krankenhausbehandlung bedarf, führt eine gleichzeitige Malnutrition zu einer verlängerten Verweildauer (B). Es liegen jedoch keine Daten vor, die einen Einfluss der Krankheitsaktivität auf den Ernährungszustand belegen. An spezifischen Mangelzuständen sind Anämie, Eisenmangel, Folsäuremangel und Osteopenie beschrieben (A-B). Selenmangel, Kalziummangel oder allgemeiner Mangel an Antioxydanzien sind nicht beschrieben. Spezifische Mangelzustände werden wesentlich durch die Therapie bedingt, zum Beispiel Folsäuremangel durch Sulfasalazin oder Knochenstoffwechselstörungen durch Kortikosteroide (B).
    Erläuterung
    Die Angaben über die globale Mangelernährung bei Colitis ulcerosa beziehen sich im Wesentlichen auf Fallberichte. Epidemiologische Studien, die die Prävalenz von Untergewicht bzw. Gewichtsverlust genauer abschätzen lassen, fehlen. Gewichtsverluste werden im akuten Schub beobachtet und führen dann zu einer erhöhten Komplikationsrate [2]. Hinweise auf Gewichtsverluste in der Remission liegen nicht vor. Spezifische Angaben über Veränderungen der Körperzusammensetzung durch Colitis ulcerosa, d. h. Relation von Proteinverlust bzw. Fettverlust, liegen nicht vor [3].
    In 2 Publikationen konnte gezeigt werden, dass Patienten mit Colitis ulcerosa in Remission eine normale Nahrungsaufnahme aufweisen [4, 5]. Für eine Reduktion der oralen Nahrungsaufnahme während der akuten Phase liegen ebenfalls Studien an begrenzten Patientengruppen vor [6, 7]. Über den Einfluss der medikamentösen Therapie auf die Nahrungsaufnahme bei Colitis ulcerosa gibt es keine Untersuchungen.
    Bezüglich spezifischer Mangelzustände liegen einzelne Studien vor. So liegt bei CED-Patienten insgesamt in 55 % ein Eisenmangel und in 10 % ein Zinkmangel vor [8]. Epidemiologische Studien über die Prävalenz dieser Mangelzustände bei C. U. existieren nicht. Gesichert ist der Einfluss von Sulfasalazin auf die Folsäureresorption. Unter Sulfasalazintherapie ist ein Folsäuremangel belegt [9, 10]. Eine erniedrigte Knochendichte liegt bei bis zu 50% der Patienten mit Colitis ulcerosa vor, wobei chronisch-aktiver Verlauf bzw. Langzeittherapie mit Kortikosteroiden besondere Risikofaktoren darstellen [11, 12]. Ein Selenmangel oder allgemeiner Antioxidanzienmangel ist nicht beschrieben.
    Bezüglich der Ursache für spezifische Mangelzustände kam die Konsensuskonferenz dahingehend überein, dass Mangel an Spurenelementen und Vitaminen bei Colitis ulcerosa krankheitsbedingt keine relevante Rolle spielen, sondern wesentlich durch die Therapie bestimmt werden, zum Beispiel Kalzium- und Vitamin D-Mangel durch Kortikosteroide oder Folsäuremangel durch Sulfasalazineinnahme. Zur Bestimmung des Folsäurestatus ist bei Verdacht auf Folsäuremangel die Bestimmung in Erythrozyten notwendig, normale Plasmawerte schließen einen Mangel nicht aus.

  3. Erfassung von Ernährungs- und Mangelzuständen
  4. Empfehlung
    Zur Diagnose von etwaigen Mangelzuständen sollen das Körpergewicht, der Body Mass Index (BMI) bzw. bei Kindern die Gewichts- und Längenperzentilen erhoben und das Blutbild bestimmt werden (A). Im akuten Schub sollen zusätzlich das Albumin und bei klinischem Verdacht auf Elektrolytstörungen Natrium und Kalium bestimmt werden (A). Eine routinemäßige Messung von Vitaminen und Spurenelementen ist nicht erforderlich (C). Insbesondere bei Verschlechterung des Krankheitsbildes, Gewichtsverlust und Verdacht auf selektive Mangelzustände sollte zusätzlich eine Ernährungsanamnese durchgeführt werden, vor allem, um einseitige Ernährungsweisen durch diätetische Maßnahmen auszuschließen (C).
    Erläuterung
    Besonderheit in der Pädiatrie: Da die Körpermaße altersabhängig variieren, ist bei pädiatrischen Patienten die Beachtung von Perzentilenkurven erforderlich. So schwankt die 50. Perzentile des BMI zwischen 15,5 (5-jähriger Junge) und 21,4 (18-jähriger Adoleszent) [13]. Die Erhebung der Körperdaten erfolgt jedoch erfahrungsgemäß nur sehr lückenhaft [14].
    In einer Studie konnte gezeigt werden, dass das Körpergewicht und der BMI (kg/m2) bei Colitis ulcerosa vermindert ist im Vergleich zu einer Kontrollgruppe, und dass die orale Aufnahme von Eiweiss, Kalzium und Phosphat reduziert ist [15]. Zur Kontrolle des Ernährungszustandes ist das oben angeführte Minimalprogramm ausreichend. Vor allem sollte darauf hingewiesen sein, dass regelmäßige Bestimmungen von Vitaminen und Spurenelementen nicht erforderlich sind. Darüber hinaus ist die Feststellung selektiver Spurenelement- oder Vitaminmangelzustände durch die Serumkonzentrationsbestimmung häufig nicht möglich.

  5. Indikation zur Ernährungstherapie
  6. Empfehlung
    Bei Mangelzuständen, gleichgültig ob es sich um generelle Mangelernährung, spezifische Mängel oder auch inadäquater Nahrungszufuhr handelt, sollte eine Ernährungstherapie begonnen werden (A). Präoperativ liegt eine Indikation zur Ernährungstherapie bei Erwachsenen vor, wenn ein Gewichtsverlust von mehr als 10 % in den letzten 6 Monaten vor der Operation stattgefunden hat und das Serumalbumin £ 30 g/l liegt (C).Bei Kindern liegt eine Indikation zur Ernährungstherapie bei einem Perzentilensprung vor (B).
    Eine Substitution von Eisen ist bei nachgewiesenem Eisenmangel und Anämie (d.h. bei Frauen: < 12 g/dl bzw. 7,4 mmol/l oder Männer < 13,5 g/dl bzw. 8,3 mmol/l) indiziert (A).
    Bei nachgewiesenem Vitamin-, Kalzium- oder Spurenelementmangel bzw. bei Risikogruppen sollte nach den üblichen klinischen Kriterien substituiert werden (C).
    Erläuterung
    Ein Zusammenhang zwischen Malnutrition bei Colitis ulcerosa und einem längeren Krankenhausaufenthalt ist beschrieben [2]. Außerdem vermindert eine perioperative Ernährungstherapie postoperative Gewichtsverluste auch über die Ernährungstherapie hinaus [16]. Dagegen fand sich keine Korrelation zwischen präoperativem Gewichtsverlust und postoperativer Komplikationsrate [17-19].
    Bezüglich spezifischer Mängel gibt es bei M. Crohn und Colitis ulcerosa Untersuchungen zum Eisenmangel bzw. zur Anämie. Dabei zeigte sich, dass die Lebensqualität und die Krankheitsaktivität sich allein durch Eisensubstitution bzw. Erythropoetintherapie besserten [20, 21]. Daraus wird die Empfehlung zur Eisensubstitution bei Nachweis einer Anämie bei gleichzeitigem Eisenmangel abgeleitet.

  7. Durchführung der Ernährungs- bzw. Substitutionstherapie
  8. Empfehlung
    Wie bei allen Erkrankungen gelten auch bei der Colitis ulcerosa die ernährungstherapeutischen Grundsätze einer Stufentherapie: Ernährungsberatung, zusätzliche Ernährung durch Trinknahrung, Sondennahrung, parenterale Ernährung (A).
    Bei nachgewiesenem Eisenmangel kann in der Remissionsphase primär oral substituiert werden (C). Bei Unverträglichkeit oraler Präparate oder unzureichendem Anstieg des Hbs ist insbesondere bei ausgeprägter Anämie oder akutem Entzündungsschub eine parenterale Substitution erforderlich (A). Bei Mangel von Vitaminen und Spurenelementen bzw. bei Risikogruppen sollte primär oral substituiert werden.
    Erläuterung
    Bei Colitis ulcerosa ist Ernährungsberatung zur Empfehlung einer ausgewogenen und ausreichenden Kost entsprechend der leichten Vollkost (DGE) sowie zum Ausschluss einseitiger Ernährung sinnvoll. Spezifische Diätformen sind im Allgemeinen zur Erhaltung oder Optimierung des Ernährungszustandes bei Colitis ulcerosa nicht erforderlich. Über eine Supplementierung durch Trinknahrung gibt es zu Colitis ulcerosa keine Studien. Im Analogieschluss zu Studien bei Morbus Crohn kann jedoch die Supplementierung mit ca. 600 kcal Trinknahrung/Tag bei Vorliegen einer Malnutrition als sinnvoll betrachtet werden [22]. Sondenernahrung sollte bei Colitis ulcerosa lediglich in Ausnahmefällen verwendet werden. Hinweise dafür, dass Elementardiäten oder Spezialprodukte einen Vorteil gegenüber hoch molekularen Standarddiäten böten, gibt es derzeit nicht. Die parenterale Ernährung ist auf den fulminanten Schub mit Unmöglichkeit der adäquaten oralen bzw. enteralen Ernährung bzw. auf die prä- und postoperative Situation beschränkt.
    Außerdem sollte auf die Supplementierung von Eisen geachtet werden. Bei Eisenmangel kann primär mit einer oralen Eisenzufuhr von ca. 100 mg/d für 4 Wochen (für pädiatrische Patienten: 5 mg/kg KG pro Tag) begonnen werden. Bei Intoleranz oder unzureichendem Hb-Anstieg, d. h. fehlende Normalisierung des Serumeisens und Hb bzw. einem Anstieg von weniger als 2 g/dl in 4 Wochen, sollte auf eine intravenöse Eisentherapie umgestellt werden. Eine solche Umstellung sollte insbesondere bei ausgeprägter Anämie (Frauen < 10 g/dl bzw. 6,2 mmol/l oder Männer < 12 g/dl bwz. 7,4 mmol/l) erfolgen, da es unter der intravenösen therapie in einem hohen prozentsatz der patienten zur besserung der anämie kommt, auch wenn diese auf die orale eisensubstitution nicht angesprochen haben [21]. in einer kontrollierten studie wurden 200 mg fe3+ in 250 ml 0,9 %-igem nacl als kurzinfusion an 2 tagen pro woche über 2 wochen gegeben, dann nur noch an einem tag pro woche für weitere 14 wochen [20]. zur intravenösen therapie sollte eisen-saccharat gegeben werden [21]. Über die art und weise der eisensubsitution gibt es keine einheitlichen empfehlungen. während bislang bei patienten in remission mit mässiger anämie (hb 10-12 g/dl bei frauen, 11,5-13,5 bei männern) primär eine orale therapie empfohlen wurde, lassen neuere daten den schluss zu, dass eine i.v. substitution grundsätzlich bervorzugt werden sollte [23]. obwohl erythropoitin in zwei prospektiven kontrollierten studien additiv zu eisen wirkte [20, 21, 24], kann dies bisher nicht generell empfohlen werden.
    Eine generelle Vitamin- oder Spurenelementsubstitution ist bei Colitis ulcerosa nicht sinnvoll. Bei langfristiger Steroidtherapie, d. h. mehr als 6 Monate, sollte Kalzium in einer Dosis von 1000 mg/Tag sowie Vitamin D (1000 IE/Tag) substituiert werden. Ob eine Folsäuresubstitution einen protektiven Effekt auf die Entstehung von Colitis-assoziierten Karzinomen hat, ist umstritten (siehe auch Abschnitt "Karzinomprophylaxe") [25]. Für die sonstige Vitamin- und Spurenelementsubstitution gelten die allgemeinen Empfehlungen.

  9. Ernährungstherapie des akuten Schubs
  10. Empfehlung
    Ein Einfluss ernährungstherapeutischer Maßnahmen (Diätberatung, Trinknahrung, enterale Ernährung oder parenterale Ernährung) auf die Krankheitsaktivität in der akuten Phase oder bei chronisch-aktiver Colitis ulcerosa ist generell nicht belegt (A).
    Trotzdem kann die total-parenterale oder enterale Ernährung insbesondere bei fulminanter Colitis ulcerosa mit einem Standardregime zur Sicherstellung einer adäquaten Nährstoffversorgung indiziert sein (C).
    Der Wert spezifischer Substrate (omega-3-Fettsäuren, Glutamin oder Butyrat) auf die Krankheitsaktivität bei Colitis ulcerosa ist nicht belegt (A).
    Erläuterung
    Die parenterale Ernährung als Primärtherapie der akuten Colitis ulcerosa ist nicht wirksam [26, 27]. Trotzdem wird die total-parenterale Ernährung bei fulminanter Colitis als indiziert angesehen (siehe Abschnitt "Fulminanter Schub"). Dazu werden Standardregime mit einer Energiezufuhr von ca. 25 kcal/kg Körpergewicht/ Tag, einer Fett-Kohlenhydrat-Relation von 50/50 % der Nichteiweißkalorien und einer Aminosäurenzufuhr zwischen 1,2 und 1,6 g Aminosäuren/kg Körpergewicht/Tag empfohlen. Die Indikation der parenteralen Ernährung ist offensichtlich eher durch die Erhaltung des Ernährungszustandes und Vermeidung der Katabolie als durch eine spezifische Wirkung auf die Entzündungsaktivität gegeben. In einer kontrollierten Studie konnte gezeigt werden, dass enterale Ernährung gleichwertig zur parenteralen Ernährung in der Behandlung des akuten Schubs ist [28].
    Bezüglich der spezifischen Substrate gibt es kontroverse Daten. Es konnte gezeigt werden, dass ?3-Fettsäuren den histologischen Index sowie die LTB4-/LTB5-Relation verbessern [29]. Eine klinische Wirksamkeit ist jedoch nicht gesichert [30]. Für die parenterale Verabreichung von ?3-Fettsäuren liegen derzeit lediglich Kasuistiken vor. Über die Wirkung von Glutamin bei Colitis ulcerosa liegen keine Daten vor. Ebenso gibt es keine gesicherten Daten über den Einfluss komplexer Kohlenhydrate, die im Kolon zu kurzkettigen Fettsäuren metabolisiert werden. Über die Wirksamkeit topisch verabreichter kurzkettiger Fettsäuren liegen widersprüchliche Ergebnisse vor. Eine generelle Therapieempfehlung kann daher nicht gegeben werden.
    Kürzlich wurden Daten zur Wirksamkeit einer supplementären Therapie mit einem präbiotischen Nahrungsmittel (Gerstenkeime) für die Behandlung der mässig aktiven Colitis ulcerosa publiziert [31, 32]. Aufgrund der kleinen Fallzahlen in beiden Studien kann noch keine allgemeine Empfehlung abgeleitet werden.

  11. Ernährungstherapie zur Remissionserhaltung
  12. Empfehlung
    Für die Wirksamkeit einer speziellen Diät oder Ernährungstherapie zur Remissionserhaltung liegen keine gesicherten Daten vor (A). Erste Untersuchungen weisen auf eine remissionserhaltende Wirkung von Plantago-ovata-Samenschalen hin. Eine generelle Therapieempfehlung kann daraus jedoch derzeit noch nicht abgeleitet werden (C).
    Erläuterung
    Spezifische Diätstudien, wie sie bei Morbus Crohn zur Remissionserhaltung durchgeführt wurden, fehlen bei der Colitis ulcerosa. Für ?3-Fettsäuren und andere essentielle Fettsäuren konnte kein klinischer Nutzen erbracht werden [30, 33, 34]. In der bisher einzigen Studie zur Wirkung von Plantago-ovata-Samenschalen konnte eine Gleichwertigkeit zu Mesalazin in der Remissionserhaltung festgestellt werden [35]. Die Mitglieder der Konsensuskonferenz kamen jedoch zu der Meinung, dass daraus eine generelle Therapieempfehlung noch nicht abgeleitet werden kann. Zur nachgewiesenen Wirksamkeit von Probiotika (E. coli Nissle) wird auf den Abschnitt "Remissionserhaltung" verwiesen, da es sich hierbei nicht um eine ernährungstherapeutische Massnahme im eigentlichen Sinne handelt.

  13. Ernährung nach Kolektomie und Pouch-Anlage
  14. Empfehlung
    Spezielle Ernährungsempfehlungen nach Kolektomie mit oder ohne Pouch-Anlage können nicht gegeben werden (B/C).
    Erläuterung
    Manchmal besteht nach Kolektomie das Problem von hohem Flüssigkeits- und Elektrolytverlust. In diesen Fällen sollte wie bei Kurzdarmsyndrom vorgegangen werden: Vermeidung der Zufuhr von freiem Wasser (Tee und Mineralwasser), stattdessen Zufuhr einer oralen Rehydratationslösung. Die Menge der Flüssigkeitszufuhr kann am besten an der Harnmenge abgeschätzt werden. Es sollte so viel oral zugeführt werden, bis eine Harnmenge über 1,5 l/Tag erreicht wird. Die Zufuhr von löslichen Ballaststoffen hat bei diesen Patienten keinen Einfluss auf die Stuhlfrequenz [36]. Derzeit scheint es keinen ernährungstherapeutischen Ansatz zur Therapie der Pouchitis zu geben.
    Das Präbiotikum Inulin führt laut einer kürzlich publizierten, randomisierten, kontrollierten Studie zu einer Verminderung der Entzündung in der Pouch-Mukosa [37]. Aufgrund dieser singulären Studie kann derzeit noch keine einheitliche Empfehlung gegeben werden.

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Inhaltsverzeichnis

V. Fulminanter Schub

J.C. Hoffmann, Medizinische Klinik I mit Schwerpunkt Gastroenterologie/Infektiologie/Rheumatologie, Charité, Universitätsmedizin Berlin, Campus Benjamin Franklin, Hindenburgdamm 30, 12200 Berlin, Germany
O. Schwander, Universität zu Lübeck, Chirurgische Klinik, Ratzeburger Allee 160, 23558 Lübeck, Germany
H.-P. Bruch, Universität zu Lübeck, Chirurgische Klinik, Ratzeburger Allee 160, 23558 Lübeck, Germany

Korrespondenz:
Priv,-Doz. J. C. Hoffmann, Medizinische Klinik I mit Schwerpunkt Gastroenterologie/Infektiologie/Rheumatologie, Charité, Universitätsmedizin Berlin, Campus Benjamin Franklin, Hindenburgdamm 30, 12200 Berlin, Germany
Tel. 030/84453950
FAX 030/84454481
e-mail: joerg.hoffmann@charite.de

  1. Definition
  2. Empfehlung
    Der fulminante Schub ist definiert durch die klinische Symptomatik mit systemischer Beteiligung wie Fieber, Tachykardie und Anämie sowie erhöhte Entzündungsparameter. Entscheidende Symptome sind häufige blutige Diarrhoe, Fieber > 38,5° und reduzierter Allgemeinzustand sowie Gewichtsabnahme (C). Im Labor finden sich in der Regel das Hb < 10 g/dl (6,2 mmol/l), eine Leukozytose, ein CRP > 45 mg/l sowie ein niedriges Albumin (< 30 g/l) (C). Eine Abdomenübersicht sollte mit der Fragestellung nach einer Kolondilatation (evtl. Megakolon) und/oder Überblähung des Dünndarms erfolgen (C).
    Ein Megakolon liegt bei einem Durchmesser von ? 6 cm in der Röntgenabdomenübersicht vor (B). Die hochauflösende Sonographie durch einen erfahrenen Untersucher kann die Primärdiagnostik sinnvoll ergänzen (B). Eine Rektosigmoidoskopie sollte zur Differentialdiagnostik und Beurteilung des endoskopischen Schweregrades durchgeführt werden (B).
    Da eine fulminante Colitis oder ein toxisches Megakolon auch auf dem Boden einer intestinalen Infektion auftreten kann, sollten Stuhlkulturen auf pathogene Keime (C) und Clostrium difficile Toxin A (B) sowie eine adäquate CMV- Diagnostik (C) primär erfolgen.
    Das toxische Megakolon sowie die akute untere gastrointestinale Blutung im Rahmen der Colitis ulcerosa stellen Sonderformen des fulminanten Schubes dar (A). Ein Fehlen eines oder mehrerer dieser Parameter schließt einen fulminanten Schub nicht aus (C).
    Erläuterung
    Es bestand bei der Konsensuskonferenz Übereinkunft, dass der fulminante Schub vor allem über die klinische Symptomatik definiert wird, allerdings unter Berücksichtigung der Laborwerte und der radiologischen Befunde. Eine international verbindliche Definition liegt nicht vor [1, 2], die oben genannte Beschreibung hat daher konventionellen Charakter. Die bisher vorliegenden Aktivitätsindizes sind nicht hinreichend validiert, der verbreitete Truelove und Witts-Index subsumiert den fulminanten unter den schweren Schub [3]. Da der fulminante Schub aber im Gegensatz zu den blanderen Formen des schweren Schubes immer stationär therapiert wird und u.U. eine Kolektomie indiziert ist, wird er hier getrennt besprochen.
    Die oben genannten Parameter orientieren sich an der vorliegenden Literatur. Bezüglich des roten Blutbildes liegen die Grenzen ähnlich wie bei Truelove und Witts bei 75% des Normalhämoglobins. Die BSG gibt keine zusätzliche Information zum CRP.
    Der Stellenwert der Endoskopie wird kontrovers diskutiert. Obwohl sogar die vollständige Koloskopie durch einen erfahrenen Untersucher kein hohes Risiko trägt [4] und die Frage nach tiefen Ulcera ein wesentlicher prognostischer Faktor darstellt [5], besteht kein Konsens, ob eine Sigmoidoskopie oder Koloskopie durchgeführt werden sollte. Insbesondere bei einer Erstmanifestation oder einem atypischen Verlauf kann eine endoskopische Diagnostik mit Histologie im Rahmen der Differentialdiagnose und für die Therapieentscheidung wegweisend sein [4-6].
    Von wesentlicher Bedeutung ist die Abdomenübersicht mit Messung des Durchmessers im Kolon transversum zur rechtzeitigen Erfassung des (drohenden) toxischen Megakolons, auch wenn hierzu keine guten Studien vorliegen. Als oberen Normgrenze wurde jedoch 5,5 cm im Kolon transversum ermittelt. Relevant ist auch der Dünndarmmeteorismus [7, 8], während sich die Darstellung nach Luftinsufflation [9] nicht durchgesetzt hat.
    Neben einer Colitis ulcerosa können auch infektiöse Colitiden einen fulminanten Verlauf nehmen und sich teilweise als toxisches Megakolon präsentieren. Dies ist durch Fallberichte für die Salmonellencolitis [10] und durch große Studien für die pseudomembranöse Colitis [11, 12] sowie die CMV-Colitis belegt [13-17]. Insgesamt deutlich seltener findet sich in Europa ein fulminanter Verlauf im Rahmen einer Amöbeninfektion [18]. Eine entsprechende Diagnostik muss jedoch bei Hinweisen in der Anamnese oder beim Versagen der Primärtherapie erfolgen.

    Empfehlung
    Die Prognose lässt sich nach drei Tagen anhand der Stuhlfrequenz, dem CRP und der Temperatur weitgehend abschätzen (C). Ein gegenüber der Standardtherapie (Corticosteroide) refraktärer Verlauf sollte zu einer frühzeitigen Ausweitung der Therapie führen (A).
    Erläuterung
    Die durchschnittliche Zeitdauer bis zum Ansprechen auf die klassische intravenöse Corticosteroidtherapie liegt bei 7.5 Tagen [19]. Bei fehlendem Ansprechen wurde in der einzigen kontrollierten Studie zu Immunsuppressiva, nach mindestens 7 Tagen auf Cyclosporin umgestellt [20]. Fallserien legen nahe, dass die Prognose bereits nach 3 Tagen abgeschätzt werden kann [21, 22]. Die Schwere des Ausgangsbildes sowie der individuelle Verlauf sind entscheidend für Beurteilung der Therapierefraktärität.

  3. Therapie
  4. Empfehlung
    Die Behandlung erfolgt stationär und in enger interdisziplinärer Abstimmung zwischen Internisten bzw. Pädiater und Chirurgen (C). Eine konservative Schubtherapie wird nur dann eingeleitet, wenn keine Indikation zu einer Operation (siehe Abschnitt "Chirurgie") besteht (C).
    Erläuterung
    Zur Indikationsstellung und zeitlichen Planung einer Kolektomie ist eine enge interdisziplinäre Abstimmung zwischen Innerer Medizin und Chirurgie unabdingbar. Falls eine Notfallindikation zu einem raschen Eingriff besteht, sollte auf eine präoperative Schubtherapie, z.B. mit Corticosteroiden, verzichtet werden, um das Risiko von postoperativen Komplikationen zu vermeiden.
    Bei toxischem Megakolon kann eine Dekompression durch endoskopische Einlage einer Dekompressionssonde oder durch spezielle Lagerung grundsätzlich erfolgen [23-25]. Dies setzt voraus, dass die Koloskopie durch einen erfahrenen Endoskopiker durchgeführt wird. Es liegen hierzu jedoch keine ausreichenden Studien vor und ein solches Vorgehen kann daher nicht generell empfohlen werden.

    Empfehlung
    Der fulminante Schub wird sofort und primär mit intravenösen systemischen Steroiden behandelt (A). Beim Vorliegen einer Kontraindikation kann primär intravenös Cyclosporin A eingesetzt werden (A). Die Steroidgesamttagesdosis sollte 1 bis 1,5 mg Prednisolonäquivalent/kg Körpergewicht /Tag betragen und kann auf mehrere Dosen verteilt werden (B).
    Erläuterung
    Zur systemischen Corticosteroidtherapie der Colitis ulcerosa liegen vier kontrollierte Studien [19, 26-28] sowie Verlaufsbeobachtungen vor [22, 29]. Die Ansprechrate beim schweren Schub in den größeren Verlaufsbeobachtungen lag bei 56-61% [29-31], in der Studie von Travis et al [22] erreichten nur 42% eine komplette Remission. Die orale Gabe ist durch eine unkontrollierte Studie von Kjeldsen [32] abgesichert, in der 47% der Patienten mit schwerem Schub in Remission gingen. Meist wird mit der intravenösen Applikation begonnen und nach dem Ansprechen auf die orale Medikation umgestellt.
    Die Wahl des Steroidpräparates sollte auf ein systemisch wirksames Corticosteroid fallen. Budesonid ist wegen seiner Galenik mit vorwiegend im Dünndarm und proximalen Colon gelegener Wirkung (zumindest bei den derzeit zur Verfügung stehenden Präparaten) nicht indiziert. Über die optimale Dosis und deren Verteilung auf den Tagesverlauf liegen keine vergleichenden Studien vor. In publizierten Studien wurden allgemein 1-1,5 mg Prednisolonäquivalent pro kg Körpergewicht verwendet, ohne dass systematische Untersuchungen hierzu vorliegen, wobei sich in einer kleinen Studie 1,5 mg/kg als etwas effektiver zeigte [28]. Insbesondere bei nächtlichen Diarrhoen erscheint eine Verteilung auf 2 oder 3 Dosen sinnvoll.
    Sofern eine strenge Kontraindikation für Steroide besteht (z.B. frühere Steroidpsychose) kann primär intravenös Cyclosporin mit zumindest gleich hoher Wirksamkeit eingesetzt werden [33].

    Empfehlung
    Zusätzlich sollte zur Flüssigkeits- und Elektrolytsubstitution eine parenterale Ernährung erfolgen (C). Diese war allerdings in kontrollierten Studien der enteralen Ernährung nicht überlegen und ist daher nur bei Subileus/Ileus und präoperativ gesichert indiziert (B/C).
    Erläuterung
    Die Infusionstherapie erfolgt unter dem Gesichtspunkt der Kompensation enteraler Verluste, nicht aber unter dem therapeutischen Aspekt der Ruhigstellung des Darmes ("bowel rest"). Letzteres Konzept hat sich in kontrollierten und unkontrollierten Studien nicht bewährt [34-38].

    Empfehlung
    Kontrollierte Studien zeigen keinen Vorteil einer zusätzlichen Antibiotikagabe, daher ist diese nur bei Anhalt für eine Infektion gesichert indiziert (A).
    Erläuterung
    Geprüft im Rahmen kontrollierter Studien wurden zusätzlich zu systemischen Steroiden bisher intravenöses Metronidazol [38], orales Vancomycin [39], Tobramycin plus Metronidazol [40] sowie intravenöses Ciprofloxacin [41]. In keiner dieser Studien konnte ein Vorteil dieser antibiotischen Therapie nachgewiesen werden. Daraus ist zu schließen, dass der fulminante Schub per se keine Indikation für eine Antibiotikagabe darstellt. Bei Anhalt für eine Infektion spricht allerdings nichts gegen einen Therapieversuch, da die Antibiotikagabe auch nicht nachteilig war. Bei Erstpräsentation mit Fieber und systemischer Manifestation ist es zudem schwierig eine Infektion auszuschließen, da das Ergebnis von Kultur und Serologie erst später vorliegt.

    Empfehlung
    Die zusätzliche Gabe von Aminosalizylaten ist nicht sinnvoll (C).
    Erläuterung
    Es fehlen bei fulminanter Colitis entsprechende Studien. Insbesondere erscheint eine orale und/oder rektale Applikation wenig praktikabel.

    Empfehlung
    Nach Versagen der Primärtherapie sollte, nach Abwägen einer Operationsindikation, eine additive immunsuppressive Therapie mit Cyclosporin eingeleitet werden (A). Cyclosporin wird in einer Dosis von 2-4 mg/kg pro die (als Dauerinfusion) intravenös eingesetzt (A). Alternativ kommt Tacrolimus (0.01 mg/kg KG pro die i.v.) in Frage (B). Die Kontrolle der Wirkspiegel und ggf. Dosisanpassung ist zur Vermeidung von toxischen Spiegeln notwendig (C).
    Erläuterung
    Die Effektivität von intravenösem Cyclosporin bei steroidrefraktärem Verlauf ist in drei kontrollierten [26, 33, 42] und zahlreichen unkontrollierten Studien gesichert [43-46]. Vor Einsatz von Cyclosporin (oder Tacrolimus) sollte erneut der CMV-Status überprüft werden, da sich dieser unter einer Steroidmedikation verändert haben könnte. Der Wirkungseintritt von Cyclosporin bzw. Takrolimus liegt meist bei 7-10 Tagen. Der initiale Erfolg mit Remission lag bei 63- 91%. Vor dem Einsatz von Cyclosporin sollte eine Hypomagnesiämie und eine Hypocholesterinämie wegen deutlich erhöhte Anfallsneigung ausgeschlossen werden [47]. Zumindest sollte eine entsprechende Substitution erfolgen. Fallserien und Fall-Kontroll-Studien deuten an, dass orales Cyclosporin als Microemulsion parenteral verabreichentem Cyclosporin in der Wirkung vergleichbar ist [48-50].
    Die Wirksamkeit von intravenösem und oralem Takrolimus ist nur in unkontrollierten Studien dokumentiert [51-53], auch bei Kindern [54, 55].

    Empfehlung
    Nach Überwinden der Akutphase soll auf die orale Medikation umgesetzt und je nach klinischem Ansprechen, meist für 3-6 Monate, angewendet werden (C). Nach dem Ansprechen sollte Azathioprin als Erhaltungstherapie (2 - 2,5 mg / kg) begonnen werden (A). Eine Pneumocystis carinei/jiroveci Prophylaxe kann während einer Dreifach-Immunsuppression (Cyclosporin, Azathioprin und systemische Steroide) erfolgen (B).
    Erläuterung
    Der Übergang auf eine orale Cyclosporin- bzw. Takrolimusgabe erfolgt empirisch auf Grund von prospektiven Therapiestudien für mehrere (3-6) Monate [26, 43-46, 50, 53]. Als Erhaltungstherapie wird nach Erreichen der Remission zusätzlich Azathioprin oder 6 Meraptopurin ergänzt [46, 56-60].
    In der bisher umfangreichsten Beobachtung an insgesamt 42 Patienten konnte in 80% der Fälle mit einer Kombinationstherapie von Azathioprin plus Steroiden eine Colektomie vermieden werden [46]. Azathioprin ist beim chronisch aktiven Verlauf durch kontrollierte und unkontrollierte Studien etabliert [56, 58, 61, 62], die überlappende Therapie mit oralem Cyclosporin beruht auf dem späten Wirkungseintritt von Azazhioprin nach erst 3-6 Monaten. In Analogie zur Transplantationsmedizin wird im Rahmen einer Triple-Immunsuppression eine Pneumocystis carinei-Prophylaxe befürwortet [63].

    Empfehlung
    Bei Therapieversagen ist die Operation indiziert (A).
    Erläuterung
    Der fulminante Schub wird bei Versagen von einer alleinigen intravenösen Steroidtherapie additiv mit i.v. Cyclosporin behandelt. Unter der Therapie mit Cyclosporin plus Cortikosteroiden wurde in einer retrospektiven Studie keine erhöhte perioperative Komplikationsrate gefunden [64]. Bisher liegen keine Daten vor über die perioperative Komplikationsrate einer Triple-Immunsuppression (Steroide, Azathioprin und Cyclosporin) vor. In Analogie zur Transplantationsmedizin, bei der die perioperative Komplikationsrate allenfalls gering erhöht ist, sollte trotz Immunsuppression direkt operiert werden. Obwohl für Tacrolimus keine Studien vorliegen kann analog zu Cyclosporin verfahren werden.

    Empfehlung
    Cyclosporin/Tacrolimus und Azathioprin bzw. 6-Mercaptopurin sollte bei Kindern analog wie bei Erwachsenen eingesetzt werden (B).
    Erläuterung
    Die Ergebnisse mit diesen immunsuppressiven Therapie bei Kindern sind prinzipiell ähnlich wie bei Erwachsenen [61, 65, 66]. Damit scheint sich die Annahme zu bestätigen, dass eine analoge Wirksamkeit angenommen werden kann.

    Empfehlung
    Die Wirksamkeit von Infliximab ist nicht belegt. Eine Anwendung außerhalb von Studien sollte nicht erfolgen (A).
    Erläuterung
    Es gibt eine Vielzahl von zumeist positiven Fallserien. Die einzige prospektive randomisierte Studie bei steroidrefraktären Patienten war negativ [67].

    Empfehlung
    Der Stellenwert der Leukozytenapharese ist nicht belegt. Eine Anwendung außerhalb von Studien sollte nicht erfolgen (B).
    Erläuterung
    Die einzige bisher vorliegende prospektive randomisierte Studie hat keine Patienten mit fulminantem Schub beinhaltet. Diese Studie zeigte bei mäßiger bis schwerer Krankheitsaktivität eine Wirksamkeit [68]. Eine retrospektive Analyse mit einem ähnlichen Verfahren hat beim schweren Schub zusätzlich zu Steroiden keinen Vorteil nachweisen können [69].

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Inhaltsverzeichnis

VI. Chronisch aktiver Verlauf

A.U. Dignass, Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Hepatologie und Gastroenterologie, Charité, Universitätsmedizin Berlin, Campus Virchow-Klinikum, Augustenburger Platz 1 30, 13353 Berlin, Germany
K. Herrlinger, Robert-Bosch-Krankenhaus, Zentrum für Innere Medizin, Auerbachstraße 110, 70376 Stuttgart, Germany
J. Schölmerich, Universitätsklinikum Regensburg, Klinik und Poliklinik für Innere Medizin I, Franz-Josef-Strauß-Allee 11, 93053 Regensburg, Germany

Korrespondenz:
Prof. Dr. A.U. Dignass, Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Hepatologie, Gastroenterologie, Endokrinologie und Stoffwechsel, Charité, Universitätsmedizin Berlin, Campus Virchow-Klinikum, Augustenburger Platz 1 30, 13353 Berlin, Germany
Tel. 030/450553022
FAX 030/450553929
e-mail: axel.dignass@charite.de

  1. Definition
  2. Empfehlung
    Ein chronisch aktiver Verlauf ist gekennzeichnet durch eine Persistenz der klinischen Symptome trotz einer adäquaten medikamentösen Therapie, die zwar eine Besserung, jedoch keine vollständige und dauerhafte (< 2 Rezidive pro Jahr) Remission bewirkt. Der Begriff der chronischen Aktivität kann entsprechend einer medikamentösen Stufentherapie auf verschiedene Therapieprinzipien bezogen werden (C).
    Erläuterung
    Es bestand bei der Konsensus-Konferenz Übereinkunft, dass die chronische Aktivität vor allem über die klinische Symptomatik, die trotz einer adäquaten Therapie (s. Abschnitt "Aktiver Schub, Remissionserhaltung und fulminanter Schub") weiterbesteht, definiert wird. Eine international verbindliche Definition liegt nicht vor, die Angaben zur Häufigkeit variieren (1-3) und die Einschlusskriterien für entsprechende Studien sind unterschiedlich (3-11). In der Regel wird eine vergebliche Therapie mit Glucokortikoiden (Steroidrefraktärität) oder die Notwendigkeit einer dauerhaften Glukokortikosteroidgabe (Steroidabhängigkeit) gefordert.

  3. Diagnostik
  4. Empfehlung
    Die Diagnose eines chronisch aktiven Verlaufs stützt sich auf die Persistenz der klinischen Symptomatik (Diarrhoe, Blutbeimengungen zum Stuhl, Schmerzen). Stuhlkulturen einschließlich des Nachweises von Clostridium difficile-Toxin zum Ausschluss einer bakteriellen Superinfektion und bei einem steroidrefraktären Verlauf eine adäquate CMV-Diagnostik sind notwendig. Die Endoskopie mit Histologie ist im Einzelfall hilfreich. Sonographie und Aktivitätsindizes sind in der Regel nicht erforderlich und nur besonderen Indikationen vorbehalten. Konventionelle Röntgenverfahren (Kolon-Kontrasteinlauf, Abdomenübersicht), Computertomographie und Magnetresonanztomographie haben keine Indikation in diesem Zusammenhang (C).
    Erläuterung
    Nach Ausschluss von anderen Ursachen der Symptome wie einer Superinfektion, einer Laktoseintoleranz oder einer begleitenden Reizdarmkomponente ist davon auszugehen, dass die Beschwerden durch die bekannte Colitis verursacht sind und trotz der durchgeführten Therapie persistieren (siehe Abschnitt "klinische Diagnostik"). In Einzelfällen kann die Abgrenzung einer chronisch aktiven Colitis von einem Reizdarmsyndrom schwierig sein. Hier kann die Endoskopie im Einzelfall sehr nützlich sein. Aufgrund der eingeschränkten Wertigkeit der Sonographie in der Beurteilung von Rektumveränderungen ist der Stellenwert der Sonographie nachgeordnet. Sowohl Histologie als auch Sonographie, Computertomographie und Magnetresonanztomographie vermögen zweifelsfrei Veränderungen der Schleimhaut oder der Darmwand darzustellen, ihre Befunde tragen aber nicht wesentlich zur weiteren Entscheidungsfindung bei. Vor allem bei therapierefraktärem Verlauf unter Immunsuppression muss differentialdiagnostisch auch an eine CMV-Colitis gedacht und eine entsprechende Diagnostik (siehe Abschnitt "fulminanter Schub") veranlasst werden (12,13).

  5. Therapie
  6. Empfehlung
    Orale systemische Steroide sind zur Dauertherapie aufgrund ihrer Nebenwirkungen in der Regel nicht indiziert (C). Bei distaler Colitis ist die längerfristige rektale Gabe von Steroiden mit geringer systemischer Bioverfügbarkeit möglich (C).
    Erläuterung
    Bei steroidabhängigem Verlauf der Colitis ulcerosa ist eine systemische Steroidgabe langfristig wegen der Nebenwirkungen nicht zu vertreten und eine immunsuppressive Therapie einzuleiten. Die rektale Gabe von Budesonid oder Hydrocortisonschaum bei distaler Colitis ist mit wenig systemischen Nebenwirkungen behaftet und kann daher im Gegensatz zu systemischen Steroiden auch längerfristig und rezidivierend gegeben werden. Daten zur Anwendung bei chronisch aktivem Verlauf liegen nicht vor, die Verträglichkeit ist durch Studien zu anderen Indikationen gesichert.

    Empfehlung
    Bei chronisch aktivem Verlauf ist neben der Option einer Colektomie die Gabe von Azathioprin / 6-Mercaptopurin als Therapie etabliert (A/C). Die Dosis liegt für Azathioprin bei 2-2,5 mg/kg/Tag, für 6-Mercaptopurin bei 1-1,5 mg/kg/Tag (A/C). Für Kinder liegt die Dosis bei 1,5-2,5 mg/kg/Tag für Azathioprin und bei 1-1,5 mg/kg/Tag für 6-Mercaptopurin (C/C).
    Ein Therapieversagen kann frühestens nach 6 (4) Monaten bewertet werden (A).
    Erläuterung
    Es liegen zwei positive kontrollierte Untersuchungen zur Therapie der chronisch aktiven Colitis ulcerosa mit Azathioprin vor (5,6), eine dritte negative Studie verwendete eine zu niedrige Dosis (4). 6-Mercaptopurin wurde nur in retrospektiven Serien beurteilt (7,8). Ein Steroidspareffekt ist für beide Medikament gut dokumentiert (5-9). Angesichts unterschiedlicher angewandter Dosen stützen sich die Empfehlung zur Dosis und zur Mindesttherapiedauer auf Langzeitbeobachtungen und Äquivalenzberechnungen bei Patienten mit Colitis ulcerosa (7-10,14) und Morbus Crohn (15). Die pädiatrischen Dosisempfehlungen beruhen auf retrospektiven Studien bei Kindern mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (11,16-18), die Studienlage zu Azathioprin ist dabei sehr beschränkt.
    Aus Erfahrungen mit der schnellen intravenösen Aufsättigung mit Azathioprin bei der Colitis ulcerosa (19) und beim Morbus Crohn (20,21) kann gefolgert werden, dass ein Einschleichen der Therapie keinen Vorteil bezüglich der Toxizität bietet. Da dadurch eventuell der Wirkungseintritt verzögert wird, wird ein einschleichender Therapiebeginn nicht empfohlen.

    Empfehlung
    Der Versuch einer Optimierung des Therapieerfolges von Azathioprin durch Bestimmung der Leukozytenzahl oder des Metaboliten 6-TGN ist klinisch nicht sinnvoll (C).
    Erläuterung
    Die Datenlage zur Bestimmung des Thiopurin-Metaboliten 6-Thioguanin (6-TGN) zur Optimierung des Therapieerfolges bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen ist umstritten (22-25) und für die Colitis ulcerosa isoliert betrachtet bei sehr begrenzter Fallzahl negativ (22). Zur Dosissteuerung mit Hilfe der Leukozytenzahlen liegen keine gesicherten Daten vor. Die Beurteilung des MCV kann als ein einfacher Parameter zur Überprüfung der Compliance unter Thiopurintherapie genutzt werden (26). Bei Zweifel an der Compliance kann auch 6-TGN bestimmt werden.

    Empfehlung
    Bei Nebenwirkungen von Azathioprin kann außer im Fall einer Azathioprin-induzierten Pankreatitis und Leukopenie ein Therapieversuch mit 6-Mercaptopurin durchgeführt werden (C).
    Erläuterung
    Einzelfallberichte belegen, dass ein Wechsel von Azathioprin auf 6-Mercaptopurin bei der allergischen Azathioprinunverträglichkeit (allerdings nicht bei der dosisabhängigen Leber- und Knochenmarktoxizität) in einem gewissen Prozentsatz vertragen wird (27,28). Für die Azathioprin-induzierte Pankreatitis gibt es diesbezüglich keine gesicherten Daten. Da die Pankreatitis eine ernste Nebenwirkung darstellt, auch unter 6-Mercaptopurin beobachtet wird und hier unter Reexposition obligat rezidiviert (29), sollte ein erneuter Therapieversuch bei Pankreatitis vermieden werden.

    Empfehlung
    Bei Ansprechen der Therapie soll eine Therapiedauer von 3-5 Jahren angestrebt werden (C).
    Erläuterung
    Über die notwendige Dauer einer Azathiopringabe liegen für die Colitis ulcerosa keine kontrollierten Daten vor. Die Empfehlung stützt sich auf retrospektive Beobachtungen bei der Colitis ulcerosa (8) und Erfahrungen beim Morbus Crohn (30).
    Die Gabe von Azathioprin während der Schwangerschaft wird aufgrund der vorliegenden Daten als sicher eingeschätzt und wird bei therapeutischer Notwendigkeit dem Abbruch der Therapie vorgezogen (31,32). Die Datenlage zur paternalen Einnahme von Azathioprin ist kontrovers (32,33), unter Berücksichtigung der Erfahrungen aus der Transplantationsmedizin und bei Patienten mit rheumatischen Erkrankungen scheint das Risiko sehr gering zu sein (34).

    Empfehlung
    Bei der Gabe von Azathioprin/ 6-Mercaptopurin müssen das Blutbild und die Leberwerte regelmässig kontrolliert werden, bei Bauchschmerz zusätzlich die Lipase (A).
    Erläuterung
    Nach Beginn der immunsuppressiven Therapie sollte nach 1, 2, 4, 8, 12 Wochen, danach alle 12 Wochen das Blutbild und die GPT kontrolliert werden. Die Angaben zu diesen Kontrolluntersuchungen stützen sich auf Langzeitbeobachtungen bei Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, teilweise bei Morbus Crohn (18,30,35).
    Unter Azathioprin kann es zu einer Knochenmarksdepression kommen, die durch die Blutbildbestimmungen rechtzeitig erfasst werden muss. Bei Leukozytenzahlen < 2500 sollte azathioprin abgesetzt werden. nach normalisierung der werte kann ein erneuter therapieversuch in niedriger dosis (z.b. 50 mg/die) unter engmaschiger kontrolle erneut unternommen werden. eine im späten verlauf der therapie auftretende knochenmarksdepression ist oft durch einen konkomitanten virusinfekt bedingt und bedarf höchster aufmerksamkeit.
    Eine Pankreatitis tritt meist in den ersten Wochen der Behandlung auf und erfordert das Absetzen der Therapie (s.o.). Geringgradige Pankreasenzymerhöhungen ohne klinische Symptomatik werden häufig bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen beobachtet (36,37), ihre Relevanz ist unklar, eine beobachtende Haltung ist vertretbar.
    Ein progredienter Anstieg der Leberenzyme unter Therapie muss ebenfalls Anlass zur Beendigung der Therapie sein.

    Empfehlung
    Die Gabe von Methotrexat kann im Einzelfall bei Erwachsenen und auch Kindern erwogen werden (C). Die initiale Dosis beträgt 20-25 mg (oral, i.m., s.c.) je Woche (Kinder: 15mg/m2 KOF) (C). Nach Therapieansprechen sollte eine Dosisreduktion auf 10-15mg/ Woche erfolgen (C).
    Erläuterung
    Die bisher einzige kontrollierte Studie mit Methotrexat zur Behandlung der Colitis ulcerosa fiel negativ aus (38). Diese Studie war allerdings mit 12,5 mg Methotrexat pro Woche in oraler Form wahrscheinlich unterdosiert. Im Gegensatz dazu haben mehrere unkontrollierte Studien mit höherer Dosis (15-25 mg/Woche) einen guten Effekt gezeigt (39-44). Dabei wurde bei den meisten Patienten eine Dosierung von 20-25 mg/Woche verwendet. In Analogie zum Morbus Crohn (45) sollte die Applikation parenteral (i.m. oder s.c.) erfolgen. Nach 12 Wochen kann dann die Therapie unter Dosisreduktion in oraler Applikation weitergeführt werden (39,46). Die pädiatrische Dosisempfehlung ergibt sich in Analogie zu Erfahrungen bei Morbus Crohn (47).
    In Analogie zu den Empfehlungen in der Rheumatologie (48) sollte unter Methotrexattherapie eine Folsäuresubstitution in einer Dosis von 5mg/Woche durchgeführt werden. Regelmässige Blutbildkontrollen müssen auch unter einer Therapie mit Methotrxat erfolgen.
    Zum Monitoring der potentiellen Hepatotoxizität sollte eine regelmässige Kontrolle der Leberenzyme durchgeführt werden. Eine chronische Lebererkrankung und eine vorbestehende chronische Lungenerkrankung stellen Kontraindikationen für die Therapie dar. Ein gleichzeitig bestehender Diabetes mellitus, ein Body Mass Index > 30 sowie eine Hypalbuminämie stellen relative Kontraindikationen dar. Im Falle einer sich unter Therapie mit Methotrexat entwickelnden pulmonalen Symptomatik oder Auffälligkeiten im Röntgen-Thorax sollte wegen der potentiellen pulmonalen Toxizität eine Lungenfunktionsprüfung mit Messung der Diffusionskapazität durchgeführt werden. Empfehlungen zur Therapie bei gleichzeitig bestehender Arthritis sind dem Abschnitt "Extraintestinale Manifestation" zu entnehmen.
    Eine effektive Kontrazeption ist unter einer Therapie mit Methotrexat obligat, bei Schwangerschaft unter Methotrexat muss ein Schwangerschaftsabbruch erwogen werden (34).

    Empfehlung
    Die Gabe von rektalem Cyclosporin, Faktor XIII und pegylierten Interferon ? ist nicht indiziert (A).
    Erläuterung
    Die vorliegenden Studien sind eindeutig negativ (49-51).

    Empfehlung
    Die orale Gabe von Tacrolimus (0,1-0,2 mg/kg Körpergewicht) (C) und der Einsatz einer Leukozytenapherese (B) kann im Einzelfall erwogen werden.
    Erläuterung
    Zur Gabe von oralem Tacrolimus bei chronisch aktiver Colitis ulcerosa liegen mehrere unkontrollierte Studien mit begrenzten Fallzahlen vor, die therapeutische Effekte zeigten (52-55).
    Zur Therapie der chronisch aktiven Colitis ulcerosa durch Leukozytenapherese liegen insbesondere Daten aus Japan, aber auch aus Europa vor (56-59), die die Sicherheit und gute Verträglichkeit sowie die therapeutische Effizienz dieses Verfahrens belegen. Da in den vorliegenden Studien keine Kontrollgruppen mit einer Scheinapherese untersucht wurden, wird die aktuelle Datenlage als derzeit noch nicht ausreichend angesehen, um die Leukozytenapherese generell empfehlen zu können.

    Empfehlung
    Die Anwendung von Infliximab ist zur Zeit nicht indiziert (A).
    Erläuterung
    Die Datenlage zu Infliximab bei chronisch aktiver Colitis ulcerosa liegen zahlreiche Fallserien und eine prospektiv randomisierte Studie mit Infliximab (60-63) vor. In der einzigen prospektiv randomisierten Studie von Probert mit kleiner Fallzahl zeigte sich kein signifikanter Effekt, so dass diese Therapie derzeit nicht empfohlen wird.

    Empfehlung Eine Therapie mit Interferon-???C), Basiliximab, Daclizumab, Visilizumab, Mycophenolat-Mofetil (A/C), 6-Thioguanin, Heparin (C) und DHEA (C) soll nur im Rahmen von Studien erfolgen.
    Erläuterung
    Kontrollierte und unkontrollierte Beobachtungen an kleinen Patientenzahlen liegen für Mycophenolat (64,65), Heparin (66,67), Interferon ß (68) und DHEA (69) vor, rechtfertigen aber keine generelle Therapieempfehlung. Zu den humanisierten Antikörpern Basiliximab, Daclizumab und Visilizumab liegen derzeit nur Ergebnisse aus Phase I-II Studien mit geringer Fallzahl in Abstractform vor. Diese rechtfertigen ebenfalls keine generelle Therapieempfehlung.

    Empfehlung
    Zum Einsatz von Antibiotika kann bisher keine eindeutige Empfehlung gegeben werden (D).
    Erläuterung
    Die additive Gabe von Ciprofloxacin zu einer Steroidtherapie zeigt in einer kontrollierten Studie über 6 Monate positive Effekte (70). Diese Datenlage erscheint jedoch nicht für eine allgemeine Empfehlung ausreichend.

    Empfehlung
    Ernährungstherapeutische Maßnahmen (Diätberatung, Trinknahrung, enterale Ernährung oder parenterale Ernährung) haben keinen Stellenwert (A).
    Erläuterung
    In zwei Studien konnte gezeigt werden, dass die parenterale Ernährung als Primärtherapie der Entzündung bei Colitis ulcerosa nicht wirksam ist (71,72).

    Empfehlung
    Als Alternative zur bzw. bei Versagen einer medikamentösen Dauertherapie ist die Möglichkeit einer Colektomie zu besprechen (C).
    Erläuterung
    Bei Versagen einer immunsuppressiven Therapie oder bei Unzufriedenheit des Patienten mit der medikamentösen Dauertherapie stellt die Colektomie eine sinnvolle Therapieoption dar. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass unter einer Therapie mit Azathioprin in einer retrospektiven Fallkontrollstudie keine erhöhte postoperative Komplikationsrate gefunden wurde (73). Bei Kindern ist ein Wachstumsstopp von über 12 Monaten Dauer ebenfalls Anlass, eine Operation zu diskutieren (74,75).

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Inhaltsverzeichnis

VII. Remissionserhaltung

W. Kruis, Evangelisches Krankenhaus Köln-Kalk, Abt. Innere Medizin, Buchforststraße 2, 51103 Köln
S. Schreiber, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, I. Medizinische Klinik, Schittenhelmstraße 12, 24105 Kiel, Germany

Korrespondenz:
Prof. Dr. W. Kruis, Evangelisches Krankenhaus Köln-Kalk, Abt. Innere Medizin, Buchforststraße 2, 51103 Köln, Germany
Tel. 0221/8289-5289
FAX 0221/8289-5291
e-mail: kruis@evkk.de

  1. Definition
  2. Empfehlung
    Die Remission der CU wird klinisch definiert. Kriterien der Remission sind Abwesenheit von Diarrhoe (nicht > 3 Stühle/d), kein sichtbares Blut im Stuhl sowie keine durch die CU bedingten intestinalen oder extraintestinalen Beschwerden (C).
    Erläuterung
    Von den verschiedenen Kriterien Klinik, Morphologie und Labor ist das klinische Kriterium als einziges in allen wissenschaftlichen Untersuchungen, die für die Therapieentscheidung herangezogen werden, enthalten. Keine Einigkeit besteht in der Wahl eines bestimmten Aktivitätsindex zur Definition der Remission oder Definitionen basierend auf Laborwerten oder einer Koloskopie. Definition der Remission auf Grund von Rektoskopie/Sigmoidoskopie oder von Histologie oder von Sonographie allein sollte nicht erfolgen. Die Remission darf nicht auf Grund eines Kontrasteinlaufes definiert werden (siehe auch "Klinische Diagnostik"). Es gibt Hinweise dafür, dass das zusätzliche Vorhandensein einer endoskopischen und histologischen Remission auch mit einer stabileren (d.h. länger dauernden) klinischen Remission einhergeht [1-3].

  3. Therapie der ersten Wahl zur Remissionserhaltung
  4. Empfehlung
    Bei gesicherter Diagnose der CU sollte eine remissionserhaltende Therapie erfolgen. Mittel der ersten Wahl sind Aminosalizylate oral/rektal (A).
    Erläuterung
    Nicht geeignet sind systemische Steroide, Steroide rektal, Budesonid p.o. oder rektal, Infliximab, Diät und Quellmittel. Obwohl mittlerweise in 3 kontrollierten Studien als effizient belegt, findet der primäre Einsatz von E. coli Nissle, aufgrund der im Vergleich zu Aminosalizylaten weniger umfangreichen Studienlage, keine einheitliche Bewertung. Die primäre Verwendung von Aminosalizylaten ist wissenschaftlich gut begründet [4, 5]. Bisher gibt es keinen wissenschaftlichen Beleg für eine bessere Therapie in dieser Situation.

  5. Versagen der primären Remissionserhaltung
  6. Alternativen zur Primärtherapie
  7. Empfehlung
    Bei Unverträglichkeit von Aminosalicylaten oder beim Vorliegen anderer Gründe sollte der apathogenen Escherichia coli Stamm Nissle 1917 eingesetzt werden (A).
    Erläuterung
    Die zurückhaltende Einstufung der Therapie mit E. coli Nissle als Alternative zu Aminosalizylaten beruht auf der geringeren Zahl durchgeführter Studien. Es sind drei kontrollierte Studien erschienen, die die Wirksamkeit von Escherichia coli Stamm Nissle 1917 in einer Dosierung von 2 x 100 mg/d in der Remissionserhaltung belegen [27-29] . Keine Empfehlung wird ausgesprochen für systemische Glukokortikoide, orales oder rektales Budesonid, Cromoglycinsäure, Plantago ovata systemische Antibiose, transkutane Nikotintherapie, Weihrauchpräparate [25, 30].

  8. Karzinomprophylaxe
  9. Empfehlung
    Eine Langzeittherapie mit Aminosalicylaten ist mit einer geringeren Inzidenz des Colitis-assoziierten colorektalen Carcinoms assoziiert (A).
    Erläuterung
    Mehrere epidemiologische Studien haben gezeigt, dass eine längerfristige Behandlung mit anti-inflammatorisch wirksamen Substanzen mit einem gegenüber nicht behandelten Patienten und auch im Vergleich zur gesunden Bevölkerung verminderten Dickdarmkrebsrisiko assoziiert sind [31-33]. Keine spezifische Empfehlung kann gegeben werden, ob die remissionserhaltende Therapie bei Hochrisikopatienten für die Entwicklung eines Colitiscarcinoms (totale Kolitis, > 10 Jahre, PSC) oder bei Pat. mit > 10 Jahren Krankheitsverlauf) adaptiert werden muss.

  10. Literatur
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Inhaltsverzeichnis

VIII. Karzinom-Prophylaxe

W. Schmiegel, Ruhr-Universität Bochum, Medizinische Klinik, Universitätsstraße 150, 44780 Bochum, Germany
C. Pox, Ruhr-Universität Bochum, Medizinische Klinik, Universitätsstraße 150, 44780 Bochum, Germany
A. Kroesen, Chirurgische Klinik I, Charité, Universitätsmedizin Berlin, Campus Benjamin Franklin, Hindenburgdamm 30, 12200 Berlin, Germany

Korrespondenz:
Prof. Dr. W. Schmiegel, Ruhr-Universität Bochum, Medizinische Klinik, Universitätsstraße 150, 44780 Bochum, Germany y
Tel. 0234/2993400
FAX 0234/2993409
e-mail: wolffschmiegel@rz.ruhr-uni-bochum.de

  1. Risikokonstellation
  2. Chemoprävention
  3. Überwachung und Therapie
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Inhaltsverzeichnis

IX. Chirurgie

H.-J. Buhr, Chirurgische Klinik I, Charité, Universitäsmedizin Berlin, Campus Benjamin Franklin, Hindenburgdamm 30, 12200 Berlin, Germany
M. Utzig, Chirurgische Klinik I, Charité, Universitäsmedizin Berlin, Campus Benjamin Franklin, Hindenburgdamm 30, 12200 Berlin, Germany
E. Stange, Robert-Bosch-Krankenhaus, Zentrum für Innere Medizin, Auerbachstraße 110, 70376 Stuttgart, Germany

Korrespondenz:
Prof. Dr. H.-J. Buhr, Chirurgische Klinik I, Charité, Universitäsmedizin Berlin, Campus Benjamin Franklin, Hindenburgdamm 30, 12200 Berlin, Germany
Tel. 030/84452541
FAX 030/84452740
e-mail: heinz.buhr@charite.de

  1. Indikation zur Notfalloperation
  2. Empfehlung
    Die freie oder gedeckte Perforation stellt eine Notfallindikation dar, sobald der Patient, ggf. durch intensivmedizinische Maßnahmen, in narkosefähigem Zustand ist (A). Gleiches gilt für die vital bedrohliche Blutung trotz maximaler konservativer Therapie (A).
    Erläuterung
    Die freie oder gedeckte Perforation ist die schwerste Komplikation der toxischen Verlaufsform der Colitis ulcerosa. Die klinische Symptomatik wird durch die bestehende Immunsuppression und / oder Kortikoidmedikation häufig larviert. Trotz Operation beträgt die Mortalität derzeit bis zu 20% [1], im Gegensatz zu 4% beim toxischen Megakolon, aber noch nicht eingetretener Perforation. In der Hälfte der Fälle geht der Perforation jedoch kein Megakolon voraus. Um die Mortalität dieser schwersten Komplikation zu senken, stellt die rechtzeitige Operation die entscheidende Maßnahme dar [2].
    Die Inzidenz der schweren Blutung beträgt bis zu 4,5% [3]. Sie ist verantwortlich für 5% - 10% der Notfalleingriffe [1, 4-9]. Als Operationsindikation werden entweder eine massive initiale Blutung mit Kreislaufinstabilität und Katecholaminpflichtigkeit oder im Verlauf ein Transfusionsbedarf von mehr als 4 Erythrozytenkonzentraten pro 24 Std. angesehen.

  3. Indikation zur dringlichen Operation
  4. Empfehlung
    Der medikamentös therapierefraktäre fulminante Schub stellt eine Indikation zur dringlichen chirurgischen Intervention dar (C). Ebenfalls eine Indikation stellt das therapierefraktäre toxische Megakolon dar (C). Eine anhaltend therapierefraktäre Blutung stellt ebenfalls eine dringliche Operationsindikation dar (C).
    Erläuterung
    Das Megakolon wird definiert als Kolondurchmesser von > 6 cm in der Röntgenabdomenübersicht. Gemäß Konsens wird der Begriff "dringlich" als eine Zeitspanne von maximal 72 Stunden definiert. In dieser Zeitspanne sollte mit maximalen medikamentösen und intensivmedizinischen Mitteln versucht werden, den Patienten von der drohenden Notfall- in eine möglichst elektive Situation zu bringen. Bezüglich der medikamentösen Therapie wird auf die Abschnitte "Fulminanter Schub" und "Akuter Schub" verwiesen.
    Die Diagnose und Therapie eines medikamentös therapierefraktären Schubes wird interdisziplinär gestellt.
    Bezüglich der Möglichkeit von Dekompressionsmaßnahmen bei toxischem Megakolon wird auf den Abschnitt "Fulminanter Schub" verwiesen.

  5. Absolute Indikation zur elektiven Operation
  6. Operationsverfahren
  7. Empfehlung
    Die restaurative Proktokolektomie mit ileo-pouch-analer Anastomose (IPAA) und Anlage eines passageren, protektiven Ileostomas in Form eines doppelläufigen Stomas (sog. loop-ileostomy) sollte als Standardverfahren durchgeführt werden (C). Die Koloproktektomie mit Anlage eines definitiven Stomas ist alternativ in bestimmten Situationen möglich (C).
    Kontraindikationen für eine primäre restaurative Proktokolektomie sind eine Inkontinenz oder ein Rektumkarzinom des Stadiums cT4 (A).
    Beim Rektumkarzinom (UICC-Stadium II und III) sollte neoadjuvant vorbehandelt werden. Dies erlaubt die gleichzeitige Proktokolektomie mit TME und Pouchanlage (B).
    Erläuterung
    Patienten sollten präoperativ über generelle Folgen der Operation, z.B. Folgen für Fertilität, Schwangerschaft u. Entbindung, Gefahr des Stuhlschmierens, der Möglichkeit incl. Therapierbarkeit einer Pouchitis und der erhöhten Stuhlfrequenz aufgeklärt werden.
    Die Erstellung der IPAA kann mittels Handnaht oder Staplertechnik erfolgen [18-21]. Die Rückverlegung des protektiven Stomas sollte 6 - 12 Wochen nach dem Primäreingriff erfolgen. Im Einzelfall (geringe Kortikoiddosis (< 20mg Prednisolon), vollständig spannungsfreie anastomose mit sehr guter durchblutung, keine größere co-morbidität) kann auf das protektive stoma im rahmen des primäreingriffes verzichtet werden [22, 23].
    Die Proktokolektomie mit Anlage eines definitiven Ileostomas weist vergleichbare Ergebnisse in Bezug auf die Heilung und Lebensqualität auf [17]. Ausnahme sind junge Patienten, welche in der Regel die äußere körperliche Integrität der restaurativen Proktokolektomie mit IPAA dem permanenten Ileostoma vorziehen.
    Unter Einhaltung der allgemeinen onkologischen Kriterien ist im oberen und mittleren Rektumdrittel bis einschließlich des endosonographischen Tumorstadiums uT3, im unteren Rektumdrittel bis einschließlich des Tumorstadiums uT2 die primäre restaurative Proktokolektomie mit IPAA möglich. Zu berücksichtigen ist, dass die Abgrenzung der endosonographischen Stadien uT2 / uT3 bei entzündlichen Wandverhältnissen schwierig sein kann. Die Indikationen einer Zusatztherapie in Form einer Radio-/Chemotherapie sind in gleicher Weise zu berücksichtigen wie bei dem Nicht-Colitis ulcerosa assoziierten kolorektalen Karzinom.
    Bei der Tumorausdehnung T3, dringlichen oder Notfallindikationen ist im Zweifel die Kolektomie mit Rektumstumpfverschluß oder die Bildung eines distalen Sigmoidostomas als Schleimfistel der primären restaurativen Proktokolektomie vorzuziehen. Ggf. ist eine IPAA sekundär durchführbar.
    Im Einzelfall ist eine Kolektomie mit Ileorektostomie nach wie vor gerechtfertigt.
    Die laparoskopisch assistierte restaurative Proktokolektomie ist an Zentren mit entsprechender Erfahrung möglich.
    Segment- oder Teilresektionen sind mit Ausnahme des endoskopisch nicht abtragbaren, in seiner Dignität suspekten Adenoms obsolet. Hier kann eine Segmentresektion durchgeführt werden, falls das übrige Kolorektum frei von IEN oder höhergradiger Entzündung ist, andernfalls sollte eine restaurative Proktokolektomie durchgeführt werden.
    Im Einzelfall ist eine Kolektomie mit Ileorektostomie nach wie vor gerechtfertigt beim jungen Patienten mit Wunsch nach bestmöglicher Fortpflanzungssicherheit; ferner in Abhängigkeit von den intraoperativen anatomischen Verhältnissen beim sehr adipösen Patienten. Es besteht die Möglichkeit sekundär eine Rektum- bzw. Rektosigmoidresektion und Anlage einer IPAA durchzuführen.
    Bei der laparoskopisch assistierten restaurativen Proktokolektomie sind bisher lediglich kosmetische Vorteile bezüglich der Bauchdeckennarben belegbar.

  8. Symptomatische Therapie nach Pouchanlage
  9. Empfehlung
    Die persistierende perianale Hautreizung kann mit zinkhaltiger Salben, Chiron-Salbe, oder Colestyraminsalbe behandelt werden (C).
    Bei persistierend hoher Stuhlfrequenz ohne Nachweis einer Pouchitis oder einer chirurgischen Komplikation empfiehlt sich symptomatische Gabe von Loperamid oder Tinctura opii, alternativ Quellsubstanzen (Pektine, Flohsamen) (C). Budenosid kann die Stuhlfrequenz durch Sekretionshemmung senken (C).

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X. Pouchitis

E. F. Stange, Robert-Bosch-Krankenhaus, Zentrum für Innere Medizin, Auerbachstraße 110, 70376 Stuttgart, Germany
H.-J. Buhr, Chirurgische Klinik I, Charité, Universitätsmedizin Berlin, Campus Benjamin Franklin, Hindenburgdamm 30, 12200 Berlin, Germany

Korrespondenz:
Prof. Dr. E. F. Stange, Robert-Bosch-Krankenhaus, Zentrum für Innere Medizin, Auerbachstraße 110, 70376 Stuttgart, Germany
Tel. 0711/81013406
FAX 0711/81013793
e-mail: eduard.stange@rbk.de

    Präambel

    Insgesamt ist die Datenlage zur Definition, Therapie und Prognose der Pouchtitis sehr begrenzt. Bessere Daten liegen zur langjährigen Nachbeobachtung vor [1-11].
    Da der Begriff "Pouchitis" jedwede Form einer Entzündung umschreibt unabhängig von der Ursache, sollte eine bessere Nomenklatur (Pouchitis im engeren Sinne, idiopathische Pouchitis, prim./sek. Pouchitis) erarbeitet werden [12]. Im vorliegenden Text wird unter dem Begriff "Pouchitis" ausschliesslich die idiopathische bzw. primäre Pouchitis gefasst. Die Verlaufsformen der Pouchitis sind ebenfalls in der Literatur nicht einheitlich definiert, wodurch insbesondere bei der Therapie kaum verwertbare Daten existieren. Es wird versucht, eine plausible und klinisch relevante Klassifikation vorzuschlagen. Auf der Basis von klinischen und experimentellen Untersuchungen muss davon ausgegangen werden, dass die Pouchitis eine Remanifestation der chronisch entzündlichen Darmerkrankung unter neuen Bedingungen darstellt. Die Proktokolektomie bei Colitis ulcerosa führt daher nicht zu einer Heilung der Grunderkrankung. Die restaurative Proktokolektomie mit ileoanaler Pouchanlage schafft letztlich die Bedingungen zur Entstehung der Pouchitis mit bisher nicht sicher abzuschätzender Häufigkeit und Langzeitprognose. Unbeschadet hiervon ist dieser Eingriff die Methode der Wahl bei klarer Indikation bei Patienten mit Colitis ulcerosa. Der Wert dieses Eingriffs und der Benefit für die Patienten in definierten klinischen Situationen ist unbestritten.

  1. Definition und Diagnostik
  2. Empfehlung
    Die Pouchitis wird definiert als Entzündung im Pouch nach Ausschluss operativer Komplikationen oder anderer sekundärer Ursachen. Die akute, akut-rezidivierende und chronisch atrophische Pouchitis sollten aus klinischen und prognostischen Gründen unterschieden werden (C). Die Diagnose einer akuten Pouchitis wird gestellt auf der Basis der klinischen Symptomatik (Stuhlfrequenz, Blutung, Fieber) ergänzt durch Endoskopie (Rötung, Ödem, Erosionen, Ulzerationen, Spontaneinblutungen, Fibrinbeläge), Histologie (Ulzerationen, Kryptenabszesse, Infiltration durch Granulozyten) und der klinischen, insbesondere der rektal digitalen, Untersuchung (C). Die akut-rezidivierende Pouchitis ist durch wiederholt auftretende akute Schübe einer Pouchitis gekennzeichnet (C). Die Diagnose einer chronischen Pouchitis wird gestellt bei einer entzündlichen Reaktion im Pouch, deren Klinik und endoskopischer/ histologischer Befund über mehr als 3 Monate anhält (C).
    Erläuterung
    Bei der (idiopathischen bzw. primären) Pouchitis handelt es sich um eine ätiologisch unklare Entzündung des Pouches, die unabhängig von eventuell vorhandenen chirurgischen Komplikationen auftritt [12]. Eine international verbindliche Definition der Pouchitis und ihrer Verlaufsformen sollte erarbeitet werden.
    Entsprechend grösserer Nachbeobachtungsserien [2, 4-10] beträgt das Risiko, eine akute Pouchitis zu erleiden, bei Patienten mit Colitis ulcerosa bis zum 2. Jahr etwa 30%, um danach verlangsamt auf bis zu 50% und mehr weiterzusteigen. Bei ca. 5-10% der Patienten geht die akute Pouchitis in eine chronische Form über. Bei Patienten mit familiärer Polyposis (FAP) ist die Pouchitis mit weniger als 5% als sehr seltenes Ereignis anzusehen [10, 13]. Risikofaktoren für die Entwicklung einer Pouchitis sind extraintestinale Manifestationen, insbesondere die PSC [3, 10, 14-16]. Bezüglich der ANCA-Positivität liegen widersprüchliche Daten vor [17-21]. Auch die Rolle einer zuvor vorhandenen "back wash" Ileitis wird kontrovers beurteilt [22, 23].
    Bei der Stellung der Diagnose "Pouchitis" werden Ausschlussuntersuchungen zum Ausschluss sekundärer Pouchitisformen empfohlen. Für den Ausschluss chirurgischer Komplikationen sind Computertomographie [24], Kernspintomographie [25], Kontrasteinlauf [24, 26] und Endosonographie [27] (in individueller Reihenfolge) notwendig und geeignet. Die Parameter zur Diagnose der akuten Pouchitis werden durch den Pouchitis Disease Activity Index (PDAI) zusammengefasst [28]; er stellt daher ein wichtiges Hilfsinstrument für Studien dar. Für die chronische Pouchitis ist in keiner der vorliegenden Studien eine Dauer definiert. Unklar ist auch, wie eine chronische endoskopische/histologische Entzündung ohne klinische Symptomatik zu bewerten ist.
    Zum histologischen Erscheinungsbild der Pouchitis liegen mehrere Studien vor [29-36], vergleichbar validierte Kriterien wie für die Colitis ulcerosa bzw. den M. Crohn sind bisher nicht erarbeitet worden. Es bestand Übereinkunft, dass die Wertigkeit der Plasmazellinfiltration bei der Diagnose der akuten Pouchitis nicht gesichert ist, dass sie für die Diagnose der chronischen Pouchitis jedoch einen wichtigen Befund darstellt. Für klinisch relevant wird erachtet, dass das Ausmass der Kryptenhyperplasie bzw. der Zottenatrophie einen wichtigen Parameter zur Einteilung der Pouchitisformen und ihres Verlaufes darstellt [30-33, 35, 37, 38]. Aufgrund der Assoziation zwischen schwerer Zottenatrophie und Dysplasieentwicklung im Pouch [31, 32, 37, 39, 40] sollte bei jeder histologischen Begutachtung als Minimum eine semiquantitative Aussage zur Zottenhöhe erfolgen. Die Notwendigkeit von Stufenbiopsien muss prospektiv evaluiert werden, da der fokal segmentale Charakter der Entzündung von Bedeutung zu sein scheint [34].
    Wenn sich trotz entsprechender klinischer Symptomatik nach endoskopischen und histologischen Kriterien kein Anhalt für eine Pouchitis findet und andere Krankheiten ausgeschlossen wurden, kann die Diagnose eines irritabelen Pouchsyndroms gestellt werden [41].

  3. Therapie
  4. Empfehlung
    Zur Therapie der akuten Pouchitis bzw. eines akuten Schubes einer rezidivierenden Pouchitis sind primär Antibiotika (in erster Linie Metronidazol oder Ciprofloxacin) einzusetzen (A). Bei Versagen der Primärtherapie ist ein Antibiotikawechsel vorzunehmen (A). Alternativ kann mit einer Antibiotikakombination therapiert werden (B). Wirksam sind auch Budesonidklysmen (A). Eine antiinflammatorische Therapie mit 5-Aminosalizylsäure-Klysmen bzw. Suppositorien kann versucht werden (C).
    Obwohl eine einzelne kontrollierte Studie für einen positiven Effekt von VSL#3 spricht, kann zu einer generellen Primärprophylaxe der Pouchitis derzeit keine empfehlende Aussage gemacht werden (D). Zur Therapie der chronischen rezidivierenden oder refraktären Pouchitis kann VSL#3 eingesetzt werden (A). Eine immunsuppressive Behandlung kann allenfalls im individuellen Fall erwogen werden (B).
    Indikationen zum Deviationsstoma bzw. zur Pouchexstirpation sind nicht beherrschbare Komplikationen, nicht beherrschbare Entzündung sowie der Patientenwunsch (A).
    Erläuterung
    Die Datenlage zur Therapie der Pouchitis ist ungenügend. Ein Vergleich der Studien wird zudem durch eine uneinheitliche Definition der Pouchitisformen erschwert. Dosisfindungsstudien liegen nicht vor, anekdotisch berichtete Dosierungen weisen hohe Schwankungsbreiten auf. Insgesamt sind lediglich 4 randomisierte kontrollierte Studien zur medikamentösen Therapie der Pouchitis publiziert (systematische Übersicht [42, 43].
    Eine Plabebo-kontrollierte Studie zur Behandlung der akuten, erstmanifestierten Pouchitis ist nicht publiziert. Die Empfehlung zur Therapie der akuten Pouchitis mit Antibiotika (Metronidazol, Ciprofloxazin) wird durch insgesamt 3 offene, unkontrollierte Studien [13, 44, 45] und eine randomisierte nicht-verblindetete Studie [46] gestützt. Zu Dosis und Dauer der Antibiotika-Therapie liegen keine gesicherten Daten vor, sie müssen individuell getestet werden. Üblich ist eine orale Therapie mit Metronidazol 2-3x 400 mg oder Ciprofloxazin 2 x 250 bis 2 x 500 mg/d für 1-2 Wochen. Bei Unverträglichkeit von oralem Metronidazol stellt topisch angewendetes Metronidazol eine Alternative dar [47]. Bei 8 von 11 Patienten, die auf eine Therapie mit Metronidazol nicht ausreichend ansprachen oder diese nicht tolerierten, war die Therapie mit Ciprofloxazin effektiv [13].
    Bisher liegt lediglich eine prospektive randomisierte Studie zur Primärprophylaxe der Pouchitis mit dem Probiotikagemisch VSL#3 vor [48]. Das gleiche Präparat wurde erfolgreich in einer prospektiven randomisierten Studie zur Therapie der chronischen Pouchitis eingesetzt [43]. Somit stellt dieses Probiotikagemisch eine Therapieoption in dieser Situation dar.
    Alternativ kann bei diesen Indikationen Metronidazol p.o. [49], eine orale Kombinationstherapie aus Ciprofloxazin und Metronidazol [50], eine orale Kombinationstherapie aus Ciprofloxazin und Rifaximin [51] sowie Glutamin- und eventuell in geringerem Maße Butyrat Suppositorien [52] eingesetzt werden. Butyrat- und Glutamin-Suppositorien sind in Deutschland nicht kommerziell erhältlich.
    Neben Antibiotika und Probiotika stellt die lokale Applikation von Budesonid eine wirksame Therapieoption bei aktiver Pouchitis dar. Hierzu liegt eine prospektive randomisierte doppelblinde Studie vor, in der Budesonid-Klysmen mit Metronidazol verglichen wird. Gemessen an der Wirksamkeit und dem Nebenwirkungsprofil war in dieser kleinen Studie Budesonid (2 mg/100 ml) Metronidazol p.o. 2 x 0,5 g/d überlegen.
    Zum lokalen Einsatz von Mesalazin liegen lediglich Fallserien vor als möglicher Hinweis auf Wirksamkeit [53, 54]. Eine allgemeine Empfehlung kann daraus nicht abgeleitet werden.
    Zu Immunsuppressiva bei Pouchitis sind bisher nur Fallserien veröffentlicht, die uneinheitliche Ergebnisse zeigen. Eine Serie von 4 Patienten zeigte günstige Ergebnisse unter Azathioprin [55] während auch unter intensivierte Immunsuppression Patienten mit gleichzeitiger Lebertransplantation zumeist nicht profitierten [56, 57].

  5. Nachsorge
  6. Empfehlung
    Die Nachsorge sollte vom individuellen Verlauf abhängig gemacht werden, da die erhobenen Daten nicht die Notwendigkeit einer engmaschigen Kontrolle begründen (C).
    Nach etwa 3 Jahren sollte auch bei asymptomatischen Patienten eine Pouchoskopie mit Histologie durchgeführt werden (C).
    Bei Patienten mit schwerer Zottenatrophie sollte eine Diagnostik auf intraepitheliale Neoplasien (Stufenbiopsien aus dem Pouch wie bei langjähriger ausgedehnter Colitis ulcerosa) erfolgen (C). Eine spezielle Nachsorge sollte sich auch auf chirurgisch operative funktionelle Folgezustände beziehen (C).
    Erläuterung
    Eine Malabsorption durch die Pouchanlage ist nicht zu erwarten. Entsprechende Laborkontrollen sind daher nicht erforderlich. Das wesentlichste Problem stellt die Remanifestation der Entzündung und ihre eventuellen Folgen, insbesondere die Malignomentwicklung, dar. Allerdings kann im Rahmen einer Pouchitis eine Malabsorption für fettlösliche Vitamine und Vitamin B12 auftreten, insbesondere, wenn der proximale Schenkel betroffen ist [30]. Damit im Zusammenhang steht vermutlich auch eine gegenüber Patienten ohne Entzündung etwas verminderte Knochendichte [58], auch wenn 25 Hydroxy-Vitamin-D-Spiegel in Population insgesamt nicht signifikant erniedrigt waren.
    Zur Entstehung von Pouchkarzinomen liegen bisher nur drei Fallberichte vor [59-61]. Weitaus häufiger sind Karzinome in der noch verbliebenen Rektumschleimhaut beschrieben [62-64]. Aufmerksamkeit im Rahmen der Nachsorge muss der Entwicklung von Dysplasien im Pouch von Patienten mit chronisch-atrophischer Pouchitis gelten, auch wenn die vorliegenden Daten eine Dysplasie-Karzinom-Sequenz wie bei der Colitis ulcerosa nicht eindeutig belegen [31, 32, 35, 37, 65]. So wird das Auftreten von Dysplasien von manchen Gruppen bei langen Nachbeobachtungszeiten mit bis zu 71 % dagegen von anderen gar nicht beschrieben [35, 37]. Eine Studie aus der Mayo Klinik konnte zeigen, dass Patienten mit PSC eine doppelt so hohe Pouchitis-Rate haben verglichen mit Patienten ohne PSC [16]. Eine vorhergegangener Backwash-Ileitis dagegen wird zuweilen als Risikofaktor angenommen, konnte aber in einer Fallserien nicht bestätigt werden [23].

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Inhaltsverzeichnis

XI. Extraintestinale Manifestationen bei Colitis ulcerosa

M. Reinshagen, Universität Ulm, Abt. Innere Medizin I, Robert-Koch-Straße 8, 89070 Ulm, Germany
U.R. Fölsch, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, I. Medizinische Klinik, Schittenhelmstraße 12, 24105 Kiel, Germany

Korrespondenz:
Priv.-Doz. M. Reinshagen, Universität Ulm, Abt. Innere Medizin I, Robert-Koch-Straße 8, 89070 Ulm, Germany
Tel. 0531/5952430
FAX 0531/5952653
e-mail: m.reinshagen@klinikum-braunschweig.de

  1. Definition extraintestinaler Manifestationen bei Colitis ulcerosa
  2. Aussage
    Erkrankungen bei Patienten mit Colitis ulcerosa außerhalb des GI-Traktes, bei denen aufgrund der klinischen Assoziation oder pathogenetischer Mechanismen ein Zusammenhang mit der entzündlichen Darmerkrankung besteht oder vermutet werden muss (C).Hiervon werden extraintestinale Begleiterkrankungen (Gallensteine, Nierensteine) und nicht krankheitsspezifische Komplikationen (Osteoporose, thromboembolische Komplikationen) abgegrenzt (C).

  3. Gelenkmanifestationen
  4. Manifestation an der Leber und den Gallenwegen
  5. Hautmanifestationen bei Colitis ulcerosa
  6. Augenmanifestationen bei Colitis ulcerosa
  7. Osteoporose
  8. Seltene extraintestinale Manifestationen und extraintestinale Begleiterkrankungen
  9. Aussage
    Neben den oben behandelten gut definierten extraintestinalen Manifestationen bei Colitis ulcerosa gibt es zusätzlich noch weniger gut definierte kasuistisch belegte extraintestinale Manifestationen im Bereich der Lunge, dem Herz, dem Pankreas, den Nieren sowie neurologische Manifestationen. Zusätzlich treten im Sinne von extraintestinalen Begleiterkrankungen im Vergleich zur Normalbevölkerung häufiger Gallensteine, Nierensteine sowie thrombemolische Komplikationen auf.
    Zu diesen Themen wird aufgrund der niedrigen Prävalenz und der uneinheitlichen Datenlage bei Patienten mit Colitis ulcerosa auf den entsprechenden Text in den Leitlinien Morbus Crohn - Extraintestinale Manifestationen verwiesen [55].

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XII. Psychosomatik

G. Moser, Medizinische Universität Wien, Universitätsklinik für Innere Medizin IV, Währinger Gürtel 18 - 20, 1090 Wien, Austria
G. Jantschek, Universität zu Lübeck, Medizinische Klinik II, Ratzeburger Allee 160, 23538 Lübeck, Germany

Korrespondenz:
Prof. Dr. G. Moser, Medizinische Universität Wien, Universitätsklinik für Innere Medizin IV, Währinger Gürtel 18 - 20, 1090 Wien, Austria
Tel. +43/1/404004741
FAX +43/1/404004942
e-mail: gabriele.moser@akh-wien.ac.at

     

    Aussage
    Der Einfluß psychosozialer Faktoren auf die Entstehung der Colitis ulcerosa scheint gering zu sein, es wird aber ein mäßiger Einfluß psychosozialer Faktoren auf den Verlauf der Colitis ulcerosa angenommen. Auffällige Persönlichkeitsmerkmale können eher als sekundäre, krankheitsbedingte Veränderungen interpretiert werden (A).
    Erläuterung
    In der Literatur gibt es nur wenige Hinweise (mit hypothetischer Interpretation) zum Einfluß psychosozialer Faktoren auf die Entstehung der Colitis ulcerosa [1-4].

    Psychosoziale Faktoren und Betreuung

    Empfehlung
    Psychosoziale Faktoren sind in der Betreuung zu berücksichtigen. Bewältigungsstrategien der Patienten haben einen mäßigen Einfluß auf den Krankheitsverlauf. Es konnte bisher zwar kein Einfluß von Schulungsprogrammen auf den Krankheitsverlauf nachgewiesen werden, sie scheinen aber die Compliance der Betroffenen positiv zu verändern (A).
    Erläuterung
    Experten berücksichtigen psychosoziale Faktoren in der Betreuung von Patienten mit Colitis ulcerosa zumindest in der Form, dass in ihrem Bereich mehrheitlich die Möglichkeit einer simultan-medizinischen und psychosomatischen Betreuung besteht. Zu Bewältigungsstrategien an sich und zur Bedeutung der Arzt-Patienten-Interaktion gibt es nur wenige publizierte Studien [16, 17]. Die Lebensqualität, Sorgen und Ängste der Patienten korrelieren mit dem Informationsstand über die Krankheit [18]. Entgegen der Meinung von ExperInnen konnte in Langzeituntersuchungen bisher kein Nachweis für einen positiven Einfluß von Schulungsprogrammen auf den Krankheitsverlauf erbracht [19, 20, 21], aber auf die Compliance der Patienten [17].

    Psychische Störungen

    Aussage
    Die Krankheit hat einen Einfluss auf die psychische Situation der Patienten, wobei psychische Störungen ebenfalls den Krankheitsverlauf und die Lebensqualität beeinflussen. Bei früher Erstmanifestation in der Kindheit scheint das Risiko für die Entwicklung einer psychischen Störung erhöht zu sein (A).
    Erläuterung
    Einen Zusammenhang zwischen psychischen Störungen und Verlauf der entzündlichen Darmerkrankung wiesen einige prospektive Studien nach [3, 11, 13]. Engström und Lindquist fanden, dass Kinder und Jugendliche ein höheres Risiko für die Entwicklung psychischer Störungen, insbesondere depressive und Angststörungen haben [22, 23]. Psychische Störungen wie Angst und Depression beeinträchtigen auch unabhängig von der Schwere der Colitis die Lebensqualität [24] und können sehr frühzeitig nach bzw. schon vor der Diagnosestellung (eventuell aufgrund noch unklarer Symptome) der Erkrankung auftreten [4].

    Psychotherapie

    Empfehlung
    Psychotherapie hat einen positiven Effekt auf die Krankheitsbewältigung, das psychische Befinden und die Schmerzreduktion.
    Die Diagnose Colitis ulcerosa an sich stellt keine Indikation für eine Psychotherapie dar, bei bestimmten Indikationen sollte eine psychotherapeutische bzw. psychosomatische (Mit-) Behandlung durchgeführt werden (A):
    Mangelnde Krankheitsverarbeitung, partnerschaftliche oder familiäre Konflikte, Belastungssituationen (Arbeitsplatz oder Schule), soziale Isolation und/oder eine psychische Co-Morbidität wie depressive Störungen oder Angst. Die Indikation und Wahl der adäquaten Psychotherapie soll je nach der vorhandenen Störung bzw. nach Einholung einer Fachmeinung erfolgen. Entspannungsübungen werden als sinnvoll erachtet.
    Erläuterung
    In den kontrollierten Psychotherapiestudien werden vorwiegend positive Effekte auf die Krankheitsbewältigung, das Schmerzempfinden und auf das psychische Befinden beschrieben [25-28]. Eine Studie mit Colitis ulcerosa- und Morbus Crohn-Patienten als gemeinsame Studienpopulation, die allerdings Mängel bei der Randomisierung aufweist, zeigte auch einen Einfluss von Psychotherapie auf die Krankheitsaktivität [29]. Die in der Leitlinie angeführten Indikationsstellungen beruhen vorwiegend auf den Ergebnissen der zitierten Studien und den Erfahrungen der ExpertInnen [30, 31].

    Literatur

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XIII. Komplementäre Therapien

H. Matthes, Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe, Klinik für anthroposophisch erweiterte Heilkunst, Kladower Damm 221, 14089 Berlin, Germany
1, G. Moser, Universität Wien, Universitätsklinik für Innere Medizin IV, Währinger Gürtel 18 - 20, 1090 Wien, Austria
G. Jantschek, Universität zu Lübeck, Medizinische Klinik II, Ratzeburger Allee 160, 23538 Lübeck, Germany

Korrespondenz:
Dr. H. Matthes, Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe, Klinik für anthroposophisch erweiterte Heilkunst, Kladower Damm 221, 14089 Berlin, Germany
Tel. 030/36501343
FAX 030/36501455
e-mail: hmattes@havelhoehe.de

    Präambel

    Definition

    Unkonventionelle Therapien sind alle Verfahren, die als nicht anerkannt und/oder überprüft gelten. Komplementärmedizinische Verfahren (z.B. Homöopathie, Naturheilverfahren, traditionelle chinesische Medizin (TCM) inklusive Akupunktur, Anthroposophische Therapieverfahren und Ayurvedische Medizin) werden als Ergänzung zu konventionellen Standardtherapien angewendet.
    Verfahren, die die konventionellen Standardtherapien ausschließen, werden als alternative Therapieverfahren bezeichnet.

    Erläuterung
    Die Definition wurde während der Konsensuskonferenz 1999 zum Verständnis der unterschiedlichen Begriffe beschlossen und wird entsprechend in der Literatur verwendet [1].

    Methodik

    Methodik und Fragestellung bestimmen gemäß CONSORT Konsens die Bewertung einer Evidence Based Medicine (EBM)-Hierarchisierung. Dieses ist bei der Bewertung komplementärmedizinischer Literatur zu berücksichtigen.

    Erläuterung
    Einige komplementäre Therapieverfahren beziehen sich auf das salutogenetische Potential des Patienten und schließen die Arzt-Patienten Beziehung als Wirkprinzip ein. Ein Randomised Controlled Trial (RCT)-Studiendesign ist daher nicht immer durchführbar und ist bei einer EBM-Hierachisierung zu berücksichtigen [2, 3].

  1. Indikationen
  2. Empfehlung
    Entsprechend der in der Präambel genannten Definition sind alle alternativen Therapieverfahren abzulehnen, da sie die konventionellen Standardtherapien ausschließen (A).

  3. Häufigkeit der Anwendung
  4. Aussage
    Mindestens die Hälfte der CED Patienten wendet komplementäre Heilmethoden an. Unzufriedenheit mit der konventionellen Therapie, (relatives) Therapieversagen, Ängste und subjektiver Benefit (durch komplementärmedizinische Verfahren) werden als häufigste Gründe für die Anwendung komplementärmedizinischer Verfahren beschrieben. Ein ähnlich hoher Gebrauch unkonventioneller Therapieverfahren findet sich bei Kindern mit CU.

    Empfehlung
    Patienten sollten daher über die Anwendung komplementärer Heilmethoden befragt werden (B).

    Erläuterung
    Die Experten schätzen den Gebrauch unkonventioneller Methoden bei Patienten mit CU realistisch und im Einklang mit der Literatur ein [4-9].
    Die Mehrheit der Experten weiß um das Verschweigen des Gebrauchs unkonventioneller Methoden durch die Patienten gegenüber dem behandelnden Facharzt. Patienten sollten in einer nicht wertenden Weise darüber befragt werden, um die Beweggründe für die Anwendung zu erheben und besprechen zu können. Am häufigsten beruht dies auf Unzufriedenheit mit der konventionellen Therapie und ist auf Ängste des Patienten zurückzuführen. [4, 5, 10, 11].

  5. Methoden und Anwendungsempfehlung
  6. Empfehlung
    Für viele komplementäre Therapieverfahren wie die meisten Phytopharmaka und Homöopathika fehlt bisher ein Wirksamkeitsnachweis bei CU, so dass die CU bisher keine Therapieindikation für diese Medikamente darstellt (C). Wirksam sind Probiotika, die bisher in der Komplementärmedizin geführt wurden (A). Seit kurzem liegen Studien zur Wirksamkeit verschiedener Probiotika bei CU und Pouchitis vor, so dass dieses Therapieprinzip in den entsprechenden Therapieempfehlungen dieser Leitlinie abgehandelt wird (siehe "Remissionserhaltung").
    Für das Phythopharmakon Jiang Pi Ling Tabletten aus der traditionellen chinesischen Medizin, Akupunktur mit Moxibustion und Plantago ovata hat sich eine Wirksamkeit bei leichten bis mittelgradigem Schub der CU gezeigt. Außerhalb der TCM sollte Jiang Pi Ling Tabletten nicht gegeben werden, weil wenige Erfahrungen in Europa vorliegen (B).
    Erläuterung
    Aufgrund der hohen Anwenderzahl und vermehrter Literaturhinweise sollte man sich den unkonventionellen Therapiemethoden nicht verschließen, wenn auch für viele Therapieverfahren ein Wirksamkeitsnachweis bisher nicht erbracht wurde.
    Die Kombination von Probiotika mit Mesalazin wird häufig von Patienten eingesetzt und ist aufgrund der unterschiedlichen Wirkmechanismen möglicherweise sinnvoll, aber bisher nicht in Studien überprüft.
    Das Phythopharmakon Jiang Pi Ling Tabletten aus der traditionellen chinesischen Medizin sowie die Akupunktur mit Moxibustion sind einer SASP Therapie bei leichten bis mittelschweren CU Schüben in der untersuchten Population überlegen [12-14]. Bisher ist jedoch unklar, inwieweit Ergebnisse aus China auf europäische Verhältnisse übertragen werden können.
    Plantago ovata zeigt eine äquipotente Remissionserhaltung wie Mesalazin [15].
    Ob Boswellia serrata (H15®) bei CU einen ähnlich anti-inflammatorischen Effekt wie Mesalazin hat, wurde durch Studien nicht belegt und kann allenfalls indirekt aus Vergleichen mit M. Crohn mit Dickdarmbefall abgeleitet werden. Eine Empfehlung für Boswellia serrata bei CU kann selbst bei Mesalazin-Unverträglichkeit daher nicht allgemein gegeben werden.
    Bei leichter bis mittelgradiger Aktivität einer CU weist Escherichia coli Nissle 1913 eine remissionsinduzierende Wirksamkeit und einen mäßigen remissionserhaltenden Effekt auf [16, 17]. Auch Bifidobacteria zeigten sich in einer kleinen randomisierten Studie gegenüber Placebo in der Remissionserhaltung signifikant überlegen [18]. Bei einer Pouchitis stellen Probiotika eine gute Therapieoption dar (siehe "Pouchitis").

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Inhaltsverzeichnis


Anhang

Erstellungsdatum:

November 2000

Letzte Überarbeitung:

02/2004

Nächste Überprüfung geplant:

2009

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Textfassung: 02/2004
© Dt. Ges. f. Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten
Autorisiert für elektronische Publikation: AWMF online
HTML-Code aktualisiert: 09.10.2009; 11:30:28