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| Arbeitsgemeinschaft der
Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften |
| AWMF-Leitlinien-Register | Nr. 016/001 | Entwicklungsstufe: | 2k |
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Als Keyword zur Recherche diente chronic pelvic pain. Zur Erarbeitung spezieller Kapitel wurden ergänzende Schlüsselwörter verwendet. Zusätzlich erfolgte eine Durchsicht der Referenzangaben der gefundenen Veröffentlichungen mit Übernahme relevanter Publikationen in die Auswertung. Nationale Leitlinien internationaler gynäkologischer und geburtshilflicher Gesellschaften wurden ebenfalls berücksichtigt. Siehe zur ausführlichen Beschreibung der Methodik den Methodenreport.
Zugleich ergibt sich die grundsätzliche Schwierigkeit, vom Symptom "anhaltender Schmerz im Unterbauch" zu einer eindeutigen Diagnose zu kommen.
Da für diesen Quellentext sowohl körperliche als auch psychische Gesichtspunkte in die Definition mit einzubeziehen sind, wird folgende Definition zu Grunde gelegt, für die es jedoch keine ICD-10 oder DSM IV-Klassifizierung gibt:
| Der chronische Unterbauchschmerz ist ein andauernder, schwerer und quälender Schmerz der Frau mit einer Dauer von mindestens 6 Monaten. Er kann sich zyklisch, intermittierend-situativ oder nicht zyklisch chronisch ausprägen. Dieser Schmerz führt zu einer deutlichen Einschränkung der Lebensqualität. Bei einem Teil der Patientinnen können körperliche Veränderungen/Störungen als überwiegend ursächlich anzusehen sein. Bei anderen Patientinnen können emotionale Konflikte oder psychosoziale Belastungen als entscheidende ursächliche Faktoren gelten. |
Man geht davon aus, dass auf 60 - 80 % der Patientinnen mit chronischem Unterbauchschmerz die Diagnosekriterien der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung der ICD 10 (F 45.4): zutreffen.
In der US-amerikanischen Literatur wird davon ausgegangen, dass 15% aller Frauen vom chronischen Unterbauchschmerz betroffen sind und dass ca. 10% aller gynäkologischen Konsultationen aufgrund solcher Beschwerden erfolgen (2-6).
Für Europa und Deutschland liegen wenige Daten zur Prävalenz vor (7-10).
Verbindliche epidemiologische Daten für Deutschland liegen derzeit nicht vor. Die einzige bisher in Deutschland durchgeführte Prävalenzstudie zum chronischen Unterbauchschmerz ermittelte eine altersassoziierte Häufigkeit von 12% mit häufigerem Auftreten bei jüngeren Patientinnen (11).
Die Daten zur Prävalenz und Inzidenz des Auftretens chronischer Unterbauchschmerzen sind unzureichend und weitere gezielte prospektive epidemiologische Studien sind erforderlich. Es wird jedoch davon ausgegangen, dass die Prävalenz weit höher liegt, als gegenwärtige Studien bisher ermitteln konnten.
Untersuchungen zur Bedeutung der neuronalen Plastizität für die Chronifizierung von Schmerzen bei chronischen Rückenschmerzpatienten (12) sind für die Entstehung chronischer Unterbauchschmerzen nicht bekannt. Man geht aber heute davon aus, dass im Rahmen der Entstehung chronischer Schmerzen das Nervensystem mit seinen Rezeptoren unter anderem durch chemische und entzündliche Mediatoren sowie Hormone beeinflusst wird (13;14).
Die Meta-Analyse ergab ein erhöhtes Risiko für das Auftreten nicht-zyklischer chronischer Unterbauchschmerzen, wenn folgende Faktoren vorlagen: lange Blutungsdauer, gesicherte Endometriose, pelvic inflammatory disease, Adhäsionen, Z. n. Sectio caesarea, Z. n. Abort, körperlicher oder sexueller Missbrauch in der Kindheit, sexueller Missbrauch im Erwachsenenalter, Alkohol- und Drogenmissbrauch, Angst, Depression, Hysterie und Somatisierungsstörungen.
Keine Assoziation fand sich dagegen zu folgenden Faktoren: Ausbildungsstand, Erwerbstätigkeit, Familienstand, Parität, Zyklusdauer, Z. n. Abruptio, Z. n. Sterilisation, Infertilität, pelvine Varikosis und verschiedene psychologische Symptome und Erkrankungen. Die dargestellte Reihenfolge stellt keine Wertung der einzelnen Faktoren dar.
| Ursachen und Befunde | |
|---|---|
| Gynäkologische Erkrankungen | Endometriose/Adenomyosis Maligne gynäkologische Erkrankungen Pelvic inflammatory disease und deren Folgen (PID) Ovarian retention syndrome/Ovarian remnant syndrome (residual ovary syndrome) Adhäsionen Leiomyome Zervikale Stenose (31) mit Hämatometra Dysmenorrhoe Ovulationsschmerz Fehlbildungen (z. B. akzessorische Ovarien, Uterus duplex (32)) Venöse Stauung im kleinen Becken (pelvine Varikosis) |
| Urologische Erkrankungen | Interstitielle Zystitis Urethralsyndrom (33) Maligne urologische Erkrankungen Blasenfunktionsstörungen Chronische Harnwegsentzündungen Urolithiasis |
| Gastrointestinale Erkrankungen | Reizdarmsyndrom Chronische Obstipation Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen Maligne intestinale Erkrankungen Dünn- oder Dickdarmstenosen Chronische intestinale Pseudoobstruktion |
| Erkrankungen des Muskel/Skelettsystems und des Bindegewebes | Fibromyalgie (34) Myofasziale Schmerzen, Triggerpunkte (35) chronische Rückenschmerzen Neuralgien/Neuropathisches Schmerzsyndrom (36) Beckenbodendysfunktion Narbenschmerzen Maligne Erkrankungen des Muskel/Skelettsystems und des Bindegewebes Nervenkompressionssyndrome Hernien (37) |
| Psychische Störungen | Somatoforme Störungen Anpassungsstörungen Affektive Störungen Schizophrene, schizotype und wahnhafte Störungen |
Hurd et al postulierte drei Kritierien, nach denen angenommen werden kann, dass ein chronisch-pelviner Schmerz durch Endometriose verursacht wird.
Wegen des mannigfaltigen inspektorisch-visuellen Spektrums peritonealer Veränderungen ist der histologische Nachweis zur Differentialdiagnose bei Endometrioseverdacht grundsätzlich zu fordern (38;44-47) (LOE 2b).
Eine gewisse Sonderstellung nimmt die Adenomyosis uteri ein, die klinisch durch Dysmenorrhoe, Hypermenorrhoe, azyklische Blutungen und Sterilität in Erscheinung tritt (46).
6.3.2 Adhäsionen; Pelvic Inflammatory Disease (PID)
Zwar finden sich bei Patientinnen mit chronischen Unterbauchschmerzen in 36 % Adhäsionen, aber auch zu 15 % bei Frauen ohne Schmerzanamnese. Ausprägungsgrad und Lokalisation unterscheiden sich nicht (50;51) und ob die mit Adhäsionen verbundenen Traktionen und Tensionen peritoneale Schmerzrezeptoren aktiveren, kann nur vermutet werden (52) (LOE 3b).
Trotzdem zeigen zahlreiche Studien eine Verbesserung oder ein Sistieren der Symptomatik nach vollständiger und/oder partieller Adhäsiolyse (53-66) (LOE 2b).
6.3.3 Pelvine Varikosis
6.3.4 Ovarian Retention-Syndrome / Ovarian Remnant Syndrome
6.4.2 Bladder pain Syndrome/Interstitielle Zystitis
Die European Society for the Study of IC/BPS (ESSIC) definiert das Bladder Pain Syndrome auf der Basis eines chronischen pelvinen Schmerzes, Druckgefühls oder Unbehagens, welches als blasenbezogen empfunden wird. Das Bladder Pain Syndrome wird von wenigstens einem weiteren Harnwegssymptom wie persistierendem Harndrang oder einer erhöhten Miktionsfrequenz begleitet. Verwechselbare Erkrankungen als Ursache der Symptome müssen ausgeschlossen werden. Eine Klassifikation des Bladder Pain Syndromes kann mithilfe von Hydrodistensionsbefunden und morphologischen Veränderungen in Blasenbiopsien erfolgen (80). Unverzichtbar ist ein Miktionsprotokoll zur Erfassung und Beurteilung der Schwere der Pollakisurie. Weitere Untersuchungen (Zystoskopie, Hydrodistension in Narkose, histomorphologische Untersuchungen der Harnblasenschleimhaut) sind differentialdiagnostisch sinnvoll, aber nicht zwingend erforderlich. Gleiches gilt auch für den Kaliuminstillationstest. Die Prävalenz des Bladder Pain Syndromes in der Gesamtbevölkerung wird mit circa 10 bis 25 % angegeben (78;81-83).
| Statement Dem Bladder Pain Syndrome kommt beim chronischen Unterbauchschmerz eine große Bedeutung zu. Dieses Krankheitsbild sollte als Ursache/Mitursache für chronische Unterbauchschmerzen in Betracht gezogen werden. |
6.4.3 Myofasziale Schmerzsyndrome
6.4.4 Fibromyalgiesyndrom
und den klinischen Befund einer schmerzhaften Palpation von mindestens 11/18 Tender Points definiert (84). Chronische Unterbauchschmerzen können ein Symptom des FMS sein. Eine Assoziation von FMS und CPP wird in bis zu 20% der Patientinnen beschrieben (85).
Immer wieder weisen aber Artikel darauf hin, dass bei Patientinnen mit chronischen Unterbauchschmerzen psychologische Befunde vorliegen (88).
Es zeigte sich in der WHO-Meta-Analyse ein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen einer Depression und dem chronischen Unterbauchschmerz (28). Dennoch existieren Studien, die eine Depression nicht als Risikofaktor für die Entstehung des chronischen Unterbauchschmerzes ausmachen konnten (23).
Auch Somatisierungsstörungen konnten vermehrt bei Patientinnen mit chronischen Unterbauchschmerzen festgestellt werden (28;89-96). Die WHO-Meta-Analyse untersuchte zum Thema Somatisierungsstörungen acht Studien und fand ein statistisch signifikant gehäuftes Auftreten von Somatisierungen bei Patientinnen mit chronischen Unterbauchschmerzen (28).
Nicht zuletzt scheint ein anamnestisch vorliegender Alkohol- oder Drogenabusus für das Auftreten chronischer Unterbauchschmerzen verantwortlich zu sein (28;89;93).
In einer anderen Studie untersuchte Walker et al. Copingmechanismen in Verbindung mit chronischen Unterbauchschmerzen (97). Sie vermuteten eine stärkere Dissoziierungstendenz bei Unterbauchschmerz-Patientinnen.
Insgesamt lässt sich sagen, dass die Forschung zur psychologischen Morbidität problematisch ist. Viele Studien weisen methodische Mängel auf (98-100).
| Statement Eine Komorbidität zu psychologischen Faktoren wie Angststörungen, Substanzabhängigkeit oder depressiven Störungen liegt häufig vor. |
6.5.2 Soziale Faktoren
| Statement Eine eindeutige Zuordnung sozialer Faktoren zu chronischen Unterbauchschmerzen ist nicht nachgewiesen. |
6.5.3 Körperlicher und sexueller Missbrauch
Eine prospektive Studie hat Kinder mit Gewalterfahrungen untersucht (109), hierbei zeigte sich kein vermehrtes Auftreten von ungeklärten Schmerzsyndromen. Hierzu muss angemerkt werden, dass durch die Aufnahme in die Studie, der Missbrauch und die Gewalt aufgedeckt, enttabuisiert und beendet wurde. Dies ist sicher ein wesentlicher schützender Faktor, der eine Ausbildung eines chronischen Schmerzsyndroms entgegenwirkt. Frauen die später dennoch ein Schmerzsyndrom entwickelten, hatten ein ausgeprägtes wenig steuerbares Erinnerungsvermögen, hinsichtlich ihrer Gewalterfahrungen.
Die Zusammenhänge zwischen Gewalterfahrung und sexuellen Missbrauch sind einerseits eindeutig belegt, andererseits können einige Fakten wissenschaftlich noch nicht abschließend bewertet werden. Die klinische Relevanz ist unumstritten.
6.5.4 Der Einfluss der Arzt-Patientin/Beziehung
Bei dem häufig lebensgeschichtlich traumatischen Hintergrund der Patientin, muss die Überzeugung einer organischen Ursache, die dysfunktionale Interaktion über das Phänomen Schmerz und die Abwehr einer gefühlsmäßigen Beteiligung an der Krankheitsursache, als eine schützende und stabilisierende Funktion Anerkennung finden. Diese innere Haltung kann den Untersucher entlasten und darüber zu einer Arzt-Patientin/Beziehung führen, in der sich die Patientin verstanden und Ernst genommen erlebt. Diese beiden Voraussetzungen sind die Grundlage einen beruhigenden Einfluss auszuüben und Zusammenhänge im Sinne des bio-psycho-sozialen Models zu vermitteln. Dabei würde sich die ambulante Behandlung von Patientin mit chronischen Unterbauchschmerz sicher verbessern.
| Statement Eine tragfähige Arzt-Patientin-Beziehung ist die Vorraussetzung für die frühzeitige Erkennung einer psychosomatischen Beteiligung. Die Komplexität des Krankheitsbildes sollte dem behandelnden Arzt hinreichend bekannt sein. |
| Statement Eine ausführliche Anamneseerhebung ist unerlässlich. Nach weiteren Begleitsymptomen und Beeinträchtigungen sollte aktiv gefragt werden. Die psychologische Diagnostik erfolgt dabei im Rahmen der Gesprächsführung gemäß der Psychosomatischen Grundversorgung. |
| Statement Die pelvine Untersuchung soll grundsätzlich Bestandteil der Diagnostik sein. |
| Statement Laborchemische Untersuchungen sollen zum Ausschluss entzündlicher Prozesse durchgeführt werden und Leukozyten, CRP und einen Urinstatus umfassen. |
Im Einzelfall ist die Einschätzung äußerst schwierig, ob ein intraoperativ erhobener pathologischer Befund auch tatsächlich als kausale Erklärung für ein entsprechendes Symptom geeignet ist, da eine direkte Korrelation zwischen intraoperativem Befund und der Schmerzstärke bei einigen Krankheitsbildern (z. B. Endometriose) nicht nachgewiesen ist.
"Pain mapping" bleibt bisher den Nachweis seiner Effektivität und Reproduzierbarkeit schuldig, es muss als experimentelle Medizin eingeschätzt werden (115-117).
Insgesamt stellt die diagnostische Laparoskopie einen wichtigen Schritt bei der Abklärung des chronischen Unterbauchschmerzes dar (118). Sie ist umso dringlicher indiziert, je klarer bereits klinisch von einer relevanten intraabdominalen Pathologie auszugehen ist, wie z. B. bei Verdacht auf Endometriose oder Raumforderung. Ein unschätzbarer Vorteil ist die Möglichkeit, bei Vorliegen einer morphologisch fassbaren Störung in derselben Sitzung auch die operative Therapie durchzuführen - falls dies sinnvoll und die Patientin entsprechend vorbereitet ist.
| Statement Insgesamt stellt die Laparoskopie eine sinnvolle diagnostische Methode dar. Sie ermöglicht aber lediglich eine intraperitoneale Diagnostik. Retroperitoneale Erkrankungen werden nicht gleichermaßen erfasst. |
7.3.2 Zusätzliche operative Diagnostik
| Statement Spezielle operativ-diagnostische Maßnahmen bleiben bestimmten Fragestellungen vorbehalten, sollen aber in der Routinediagnostik keine Rolle spielen. |
Computertomographie (CT), Kernspintomographie (MRT), Positronenemissions-tomografie (PET)
CT, MRT und PET bleiben speziellen Fragestellungen vorbehalten und spielen in der Routinediagnostik keine Rolle.
Erfolgt durch den primären Behandelnden die Überweisung in ein spezialisiertes Zentrum, ist darauf zu achten, dass er in die weitere Behandlungsplanung und Therapie mit einbezogen wird. Der primäre Behandelnde stellt im Allgemeinen die langfristige, verlässliche und haltgebende Arzt/Patienten-Beziehung her, die als Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung anzusehen ist.
Der Heilungsverlauf stellt an alle Beteiligten eine hohe Herausforderung an das Zeitmanagement, Bewältigung von Rückschlägen und Frustration dar. Die dabei ausgelösten oft unbewussten emotionalen Empfindungen, können schwerwiegende Auswirkungen auf die Arzt/Patienten-Beziehung haben und im extremen von vernachlässigender Diagnostik und Therapie bis zu nicht gerechtfertigten invasiven Eingriffen führen.
Bisher zeigt die Datenlage hierzu empirische Studien oder multimodale Behandlungskonzepte. In einer randomisierten plazebokontrollierten Studie kam es bei Patienten mit einer pelvinen Varikosis (123) durch die Behandlung mit Progesteron zu einer signifikanten Schmerzreduktion, diese besserte sich durch eine begleitende Psychotherapie nochmals. Auch in der placebokontrollierten Gruppe führte Psychotherapie zur Schmerzreduktion. Peters et al. (64) verglich eine Patientengruppe die eine gynäkologische Standardtherapie erhielten, mit einem multidisziplinären Therapiekonzept. In dem multidisziplinären Therapiekonzept unter Einbeziehung psychosomatischer oder psychologisch-psychiatrischer Faktoren, zeigten sich statistisch signifikant bessere Therapieeffekte. Albert et al (124) konnte durch eine Gruppentherapie nachweisen, dass es zu einer Abnahme der Schmerzen, Reduktion von Analgetikaeinnahme, weniger Arztbesuchen und Zunahme der Arbeitstätigkeit kam.
Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie ist eine tragfähige und haltgebende Arzt/Patienten-Beziehung. Hierunter können bio-psycho-soziale Aspekte vom Arzt der Patientin zunächst einmal vermittelt werden, damit die Patientin erstmals eine Vorstellung über die beteiligten Hintergründe entwickeln kann und in einer vertrauensvollen Atmosphäre durch den Arzt in psychosozialen Belastungssituationen Unterstützung annehmen kann (125-128). Die erfolgreiche Etablierung multidisziplinärer Behandlungskonzepte unter Einbeziehung psychotherapeutischer Maßnahmen würde sich unter diesen Voraussetzungen deutlich verbessern.
8.2.1 Somatokognitive Therapie nach Mensendieck
8.3.1 Analgetika
8.3.2 Antidepressiva
Studien aus Österreich zeigen eine signifikante Schmerzreduktion unter Amitriptylin (136), Gabapentin oder Amitriptylin und Gabapentin.
8.3.3 Andere medikamentöse Therapieansätze
Eine besonders kritische Abwägung ist bei Indikationsstellung zu wiederholten laparoskopischen Eingriffen erforderlich.
Adhäsiolyse
Trotz kontroverser Bewertung der kompletten oder partiellen Adhäsiolyse existieren zahlreiche Studien zur Effizienz einer laparoskopischen Adhäsiolyse. Die Literaturangaben bewegen sich zwischen keinem Effekt auf die Schmerzsituation bis zu 88 %iger post operativer Schmerzfreiheit (57;65;66;138-141) (LOE 2b)
Hinsichtlich der Methodik sollte der Laparoskopie der Verzug gegeben werden, da per laparotomiam der Erfolg möglicherweise geringer ist (142) (LOE 1b).
Hysterektomie
Eine Hysterektomie ist eine radikale therapeutische Option, welche nur bei deutlicher Organveränderung, unter Berücksichtigung aller histologischen, psychologischen und sozialen Faktoren in Erwägung gezogen werden sollte.
Obwohl die Datenlage zur Hysterektomie im Zusammenhang mit chronischem Unterbauchschmerz begrenzt ist, scheint es, dass die Hysterektomie wegen chronischem Unterbauchschmerz in 70 bis 90 % mit einer dauerhaften Schmerzreduktion einhergeht (29;143-145) (LOE 2b).
Frauen mit einer Adenomyosis uteri oder symptomatischem Uterus myomatosus kann eine Hysterektomie empfohlen werden (46).
Zu den Schwierigkeiten der präoperativen Diagnostik einer Adenomyosis uteri sei auf die DGGG-Leitlinie Endometriose verwiesen.
8.4.2 Operative Eingriffe zur Beeinflussung der Schmerzübertragung
Medikamentöse Therapie der Endometriose
Endometriose-assoziierte Beschwerden können, erstens, spezifisch durch das Erreichen eines azyklischen hormonellen Zustandes behandelt werden, d. h., durch die Induktion einer therapeutischen Amenorrhoe und, zweitens, unspezifisch mit Analgetika (46).
Durch die Unterdrückung der ovariellen Funktion kann eine Regression von Endometrioseimplantaten erreicht werden, wobei GnRH-Analoga effektiver als orale Antikonzeptiva und Gestagene sind (146) (LOE 1b). Eine Besserung der endometriose-assoziierten Beschwerden kann mit den genannten Hormonen in gleicher Weise erreicht werden, allerdings sind die Nebenwirkungen unterschiedlich (147-149) (LOE 1a). Die Therapie mit GnRHa dauert hierbei in aller Regel sechs Monate. Beendet man die Therapie nach drei Monaten ist der Effekt auf die Schmerzen gleich bei jedoch kürzerem rezidivfreiem Intervall (150;151)(LOE 1b). Bei einer Langzeittherapie mit GnRHa ist eine Begleitmedikation zur Knochenprotektion angezeigt.
Eine Alternative zur Schmerzreduktion bei Endometriose ist die Applikation eines levonorgestrel- freisetzenden IUP (152) (LOE 2b).
Nichtsteroidale Antiphlogistika können unspezifisch zur Therapie von Endometriose-assoziierten Schmerzen eingesetzt werden (153) (LOE 1b).
Operative Therapie der Endometriose
Die komplette chirurgische Entfernung der Implantate bzw. der Endometriosemanifestationen an den jeweils befallenen Organen gilt nach derzeitigem Wissenstand als die Therapie der Wahl bei symptomatischer Endometriose (46;154;155) (LOE 1b, LOE 1a).
Allerdings muss bei Frauen mit Kinderwunsch oft ein Kompromiss eingegangen werden, da der Organerhalt im Genitale hier oberstes Gebot und die aus Sicht der Erkrankung wünschenswerte komplette Resektion dann u. U. unmöglich ist. Bei einer solchen Patientin muss die Radikalität der Operation bewusst eingeschränkt werden (46).
Unterschiedliche Zahlen existieren in der Literatur bezüglich der Rezidivhäufigkeit der Endometriose und der damit verbundenen Schmerzen. Die Angaben in der Literatur bewegen sich zwischen 15 und 100% (29;156;157).
8.5.2 Fibromyalgiesyndrom
8.5.3 Reizdarmsyndrom
8.5.4 Muskuloskelettale Schmerzen
Eine multimodale Schmerztherapie nach dem deutschen Operationen- und Prozedurenschlüssel OPS Ziffer 8-918.x erfordert eine interdisziplinäre Diagnostik (173).
| Statement Die Therapie chronischer Unterbauchschmerzen erfordert eine individuell erstellte Behandlungsstrategie. In einem multimodalen Konzept sollten psychosomatische Therapieansätze mit eingeschlossen sein. |
Federführung:
Friederike Siedentopf
Petra Kölm
Heribert Kentenich
unter Mitarbeit von
Bernd Bergander
Winfried Häuser
Werner Mendling
Oliver Moormann
Rüdiger Müller
Martina Rauchfuß
Dietmar Richter
Helmut Sitter
Uwe Ulrich
Kontaktadresse:
Dr. med. Friederike Siedentopf
DRK Kliniken Berlin Westend
Gynäkologie und Geburtshilfe
Spandauer Damm 130
14050 Berlin
Tel.: ++49-(0)30-3035-4405
Fax: ++49-(0)30-3035-4409
E-Mail: f.siedentopf@drk-kliniken-westend.de
