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| Arbeitsgemeinschaft der
Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften |
| AWMF-Leitlinien-Register | Nr. 013/038 | Entwicklungsstufe: | 1 |
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1.1.2 Koagulase negative Staphylokokken (S. epidermidis, S. saprophyticus etc): Die Koagulase-negativen Staphylokokken sind primär Bestandteil der normalen Hautflora und sind fakultativ pathogen, d.h. sie können nur bei lokaler oder generalisierter Abwehrschwäche Infektionen bei ihrem Wirt auslösen. Hierzu zählen (Gefäß-) Katheter-assoziierte Infektionen oder Infektionen von Kunststoffimplantaten, die auf die Fähigkeit der Erreger an diesen Fremdkörpermaterialien zu adhärieren und sogenannte Biofilme auszubilden, zurückzuführen sind. Ausgangspunkt solcher Infektionen ist fast ausschließlich die körpereigene Flora des Patienten.
1.3.2 Topisch
Nur sehr oberflächliche Staphylokokkeninfektionen, z.B. superfizielle Follikulitiden, können ausschließlich topisch behandelt werden. Alle tiefer reichenden Infektionen und die möglicherweise durch eine Streptokokkenmischinfektion bedingte Impetigo contagiosa bedürfen einer systemischen antibiotischen Behandlung.
Die zusätzliche topische Therapie durch Antibiotika (siehe Tabelle 2) oder Antiseptika soll neben der Verminderung der lokalen Keimzahl (Verhinderung weiterer Autoinokulationen) vor allem auch adstringierende, austrocknende und krustenlösende Eigenschaften besitzen. Die dermatologischen Grundregeln der topischen Therapie (z.B. "feucht auf feucht") sind bei der Wahl der Grundlagen zu beachten. Die topischen Antibiotika Fusidinsäure [Spelman 1999], Bacitracin und Neomycin sind sehr gut gegen Staphylokokken wirksam. Sie sollten aber möglichst nur kurzzeitig eingesetzt werden (Gefahr der Resistenzentwicklung). Mupirocin sollte nur intranasal zur MRSA Eradikation eingesetzt werden.
Die direkte, topische Anwendung von Antibiotika erzielt wesentlich höhere Wirkstoffkonzentrationen, als diese bei einer systemischen Behandlung erreicht werden können. Eine Empfindlichkeitstestung ist daher bei topischen Antibiotika mit Ausnahme von Mupirocin für die therapeutische Anwendung nicht relevant [Bojar 1995].
Bei der Wahl topischer Antibiotika/Desinfizienzien ist neben den galenischen Eigenschaften auch ihr Sensibilisierungspotential zu berücksichtigen. Stoffe die leicht sensibilisieren (z.B. Neomycin, Parastoffe) und solche, die evtl. auch systemisch eingesetzt werden müssen (Penicilline, Cephalosporine und Sulfonamide) sollten möglichst nicht topisch angewandt werden [Korting 1995, Schnuch 2002, Heise 2002].
Zur topischen Anwendung steht auch eine Vielzahl von Antiseptika wie Chlorhexidin, Polyhexanid, Povidon-Jod, Octenidin, Wasserstoffperoxid, Silbersulfadiazin oder Clioquinol in Form von alkoholischen und wässrigen Lösungen, Suspensionen, Emulsionen, Gelen, Cremes und Salben, teils als Fertigpräparate, aber auch in vielen standardisierten Magistralrezepturen (s.a. Neues Rezeptformulatorium, NRF-Rezepturen) zur Verfügung. Da es sich überwiegend um sogenannte "Altpräparate" handelt, besteht zwar in der Dermatologie sehr viel Erfahrung in der Anwendung dieser Substanzen, auf kontrollierte klinische Studien, die eine Wertung, oder gar eine vergleichende Wertung der Antiseptika erlauben, kann jedoch nicht zurückgegriffen werden.
Großblasige Impetigo:
1-2 cm große subkorneale Blasen auf gerötetem Grund, die erst klar sind und sekundär eintrüben (manchmal hypopyonartige Sedimentierung der Leukozyten). Nach Platzen der Blase, Ausbildung einer Collerette*-artigen Schuppung und narbenlose Abheilung [*schmale, halskrausenartige Schuppung].
Komplikationen der staphylogenen Impetigo-Erkrankungen:
Bei unbehandelten Fällen sind invasive Infektionen der Weichteile, Lymphangitis und eine Sepsis möglich.
Differentialdiagnosen:
Kleinblasige Impetigo, Hereditäre Epidermolysen und Porphyrien, Erythema exsudativum multiforme, bullöse Insektenstichreaktionen, Pemphigus vulgaris, bullöses Pemphigoid
Therapie:
Nur in leichten Fällen antiseptische oder antibiotische Lokaltherapie. Bei mehreren oder ausgedehnten Läsionen sowie bei Verdacht auf Mischinfektion mit Streptokokken ist eine systemische antibiotische Behandlung indiziert (s. oben). Zusätzlich gründliche Körperhygiene und Waschen der Kleidung und Bettwäsche (möglichst mit 60°C).
Kleinblasige Impetigo (Impetigo bullosa streptogenes):
Da überwiegend durch Streptokokken bedingte Erkrankung: Siehe Leitlinie "Streptokokkeninfektionen der Haut und Schleimhäute" (Staphylogene Infektionen und Mischinfektionen kommen vor).
Ekthyma
Da selten staphylogen bedingte Infektion: Siehe Leitlinie "Streptokokkeninfektionen der Haut und Schleimhäute" (Mischinfektionen kommen vor).
2.2.2 Oberflächliche Follikulitis (Ostiofollikulitis Bockhart)
Definition:
Im Haarfollikelausgang lokalisierte staphylogene Infektion
Klinik:
Follikulär gebundene Pusteln
Therapie:
Antiseptische oder antibiotische Lokaltherapie (Lösungen, Umschläge). Ausschaltung prädisponierender Faktoren.
2.2.3 Follikulitis/Perifollikulitis
Definition:
Tiefer in den Haarfollikel vordringende staphylogene Infektion mit Begleitentzündung (Perifollikulitis). Sonderformen: Folliculitis barbae, Sycosis barbae.
Klinik:
Follikulär gebundene Papeln und Pusteln mit perifollikulärem Erythem
Einzel oder disseminiert auftretend, bevorzugt an den Extremitäten, im Gesicht und am Kapillitium. In der Bartregion oft dichte oberflächliche Aussaat (Folliculitis barbae), aber auch tiefreichende, die Follikel zerstörende chronische Entzündungen (Sycosis barbae).
Differentialdiagnose:
Acne vulgaris, Rosazea, Follikulitiden durch Streptokokken, gramnegative Keime, Demodex folliculorum, Malassezia furfur und andere Hefen, Trichophytia profunda, nichtinfektiöse Follikulitiden (z.B. arzneimittelbedingt)
Therapie:
Wie Ostiofollikulitis. Bei disseminierten Follikulitiden empfehlen sich zusätzlich Wannenbäder mit hochverdünntem Kaliumpermanganat-Zusatz.
2.2.4 Furunkel, Furunkulose und Karbunkel
Definition:
Furunkel: Schmerzhafte, den gesamten Haarfollikel erfassende, zentral abszessartig eitrig einschmelzende, staphylogene Infektion.
Furunkulose: Multiples oder schubweises Auftreten von Furunkeln.
Karbunkel: Konglomerat mehrerer benachbarter Furunkel.
Klinik:
Zunächst schmerzhafter, prall gespannter Knoten mit einem Durchmesser von 0,5 bis 2cm. Im Stadium der Reifung Fluktuation, zentrale Nekrose und anschließend spontane Entleerung von Pus und einem zentralen Pfropf. Fehlende oder leichte Allgemeinsymptome [Korting 1995, Abeck 1998), bei Karbunkeln jedoch ausgeprägt möglich (evtl. Lymphangitis/Lymphadenitis, Sepsis). Abheilung mit eingezogenen Narben. Prädilektionsstellen: Gesicht, Nackenregion, Axillen, Anogenitalregion, Oberschenkel. Furunkel/Karbunkel der Zentrofazialregion können zu Orbitaphlegmonen, Sinus cavernosus-Thrombosen und Meningitiden führen.
Differentialdiagnosen:
Infizierte Epidermoidzysten, Acne cystica, Trichophytia profunda, Hidradenitis suppurativa, Myiasis.
Therapie:
Ruhigstellung, Manipulationsverbot. Lokal desinfizierende/antibiotische Maßnahmen. Feuchte Wärme und Zugsalben beschleunigen die "Reifung". Reife (fluktuierende) Einzelherde werden inzidiert. Antiphlogistika, orale antibiotische Behandlung mit penizillinasefesten Antibiotika (z.B. Cefalexin, Dicloxacillin, Sultamicillin, Amoxicillin/Clavulansäure, s. Tab. 2); bei ausgedehntem Befund oder Gesichtsfurunkeln intravenös und stationär. Bei Penicillinallergie Clindamycin oder Cephalexin. Furunkulose: Diagnostik und möglichst Elimination prädisponierender Faktoren (Sanierung von Erregerreservoirs, Diabeteseinstellung).
[Zur speziellen Problematik des Nasenfurunkels gibt es eine Leitlinie der Dt. Ges. f. Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde (s. AWMF-Leitlinienregister Nr. 017/014)]
2.2.5 Kutane Abszesse
Definition:
Abgekapselter, durch Gewebszerstörung entstandener, mit Pus gefüllter Hohlraum in Korium und/oder Subkutis durch Inokulation oder hämatogene Streuung von S. aureus.
Klinik:
Düsterrote, pralle, fluktuierende, schmerzhafte hypertherme Schwellung mit meist intakter Epidermis.
Differentialdiagnosen:
Entzündliche Epidermoidzysten, Abszesse durch andere Erreger (atypische Mykobakterien, Pseudomonas aeruginosa u.a.)
Therapie:
Inzision und Offenhalten durch Drainage, Antibiotische Behandlung (s. Furunkel), evtl. großzügige operative Ausräumung (bei periproktitischen Abszessen obligat).
2.2.6 Phlegmonen
Definition:
Durch S. aureus, aber auch durch Gruppe A Streptokokken ausgelöste, schwer verlaufende Infektion tieferer Hautschichten und (fortgeleitet) darunterliegender Gewebe (Faszien, Muskeln, Sehnen) mit nekrotisierender Einschmelzung.
Klinik:
Ödematöse, hypertherme Rötung und Schwellung ausgedehnter Hautareale, diffuse Ausbreitung. Schweres Krankheitsbild, Fieber, Schmerzen, Lymphangitis/Lymphadenitis. CRP Anstieg, Leukozytose mit Linksverschiebung. Unbehandelt Weiterentwicklung zur Sepsis.
Differentialdiagnose:
Erysipel, nekrotisierende Fasziitis
Therapie:
Großzügige operative Eröffnung, inklusive Spaltung der Faszien. Hochdosierte, intravenöse antibiotische Behandlung mit Clindamycin oder Cephalosporinen der Gruppe 1 oder 2 (z.B. Cefazolin oder Cefuroxim).
2.2.7 Paronychie und Panaritium
Definitionen:
Paronychie (Nagelfalzentzündung): Staphylogene (selten streptogene) Entzündung des lateralen und/oder proximalen Nagelwalls. Ausgelöst durch Mikrotraumen, Mazeration, eingewachsene Nägel.
Panaritium: Lokalisierte, eitrig einschmelzende (phlegmonöse)Entzündung an der Fingerkuppe oder der Volarseite eines Fingers oder einer Zehe. Ausgelöst durch Trauma, hämatogene Aussaat oder aus der Umgebung übergreifend. Je nach Ausbreitungsmuster verschiedene Bezeichnungen (P. paraunguale, subunguale, cutaneum, subcutaneum, tendinosum, periostale, ossale, articulare).
Klinik:
Paronychie: Entzündliche, druckschmerzhafte Rötung der Nagelwälle, eitrige Einschmelzung möglich.
Panaritium: Umschrieben druckempfindliche, nach proximal progrediente Schwellung mit klopfenden Schmerzen, Bewegungseinschränkung sowie Lymphangitis/Lymphadenitis möglich
Differentialdiagnose:
Paronychien durch Herpes simplex, aber auch durch Streptokokken, Pseudomonas aeruginosa und Candida albicans, Bulla repens
Therapie:
Desinfizierende/antibiotische Lokaltherapie und systemische Antibiotika. Panaritium: Ruhigstellung, bei Progredienz chirurgische Eröffnung und Drainage (Komplikationen: Osteomyelitis, Handphlegmone). Beseitigung prädisponierender Faktoren (z.B. Diabeteseinstellung)
2.2.8 Bulla repens (Umlauf)
Definition:
Durch S. aureus oder Streptokokken bedingte subepidermale Infektion der Fingerkuppen
Klinik:
Durch eine feste Epidermis (straffe Leistenhaut an den Fingerkuppen) durchscheinende, serös-eitrige Blase mit entzündlich geröteter Umgebung. Das feste Blasendach ermöglicht eine Ausbreitung in der gesamten Zirkumferenz eines Fingers (Umlauf). Durch Befall des Nagelbettes Nagelablösung möglich.
Differentialdiagnose:
Herpes simplex Infektionen, Panaritium (tiefer im Gewebe liegend)
Therapie:
Abtragung des Blasendachs, desinfizierend/antibiotische Lokaltherapie. Systemische Antibiotika (betalaktamase-feste Penizilline, s. Tabelle 1) nur bei ausgedehntem Befund erforderlich.
Tabelle 1: Systemische Therapie bei staphylogenen Hautinfektionen
1.1 Durch Oxacillin-sensible Staphylokokken (Mittel der ersten Wahl)
| Wirkstoff | Applikationsform | Mittlere Tagesdosierung* (Erwachsene) | Besonderheiten, Indikationen |
|---|---|---|---|
| Cefalexin (1. Generation Cephalosporin) | p.o. | 3 x 1g | Nahezu 100% bioverfügbar |
| Cefazolin (1. Generation Cephalosporin) | i.v., | 2-3 x 2g | |
| Cefuroxim | i.v. | 3 x 1,5g | |
| Clindamycin | p.o. i.v. | 3 x 600mg 3 x 600mg |
1.2 Durch Oxacillin-sensible Staphylokokken (Mittel der zweiten Wahl)
| Wirkstoff | Applikationsform | Mittlere Tagesdosierung* (Erwachsene) | Besonderheiten, Indikationen |
|---|---|---|---|
| Amoxicillin/Clavulansäure | p.o. i.v. | 3 x 1g 3 x 1,2-2,2g | Hepatotoxizität |
| Sultamicillin | p.o. | 3 x 750mg | Hepatotoxizität |
| Ampicillin/Sulbactam | i.v. | 3 x 3g | Hepatotoxizität |
| Dicloxacillin | p.o. | 3-4 x 1g | Hepatotoxizität |
| Flucloxacillin | p.o. i.v. | 3- 4 x1g 3-4 x 1g | Hepatotoxizität |
1.3. Durch Oxacillin-resistente Staphylokokken (MRSA)
| Wirkstoff | Applikationsform | Mittlere Tagesdosierung* (Erwachsene) | Besonderheiten, Indikationen |
|---|---|---|---|
| Linezolid | p.o. i.v. | 2 x 600mg 2 x 600mg | Hämatotoxizität (BB-Kontrollen),MAO-Hemmung ! |
| Rifampicin | p.o. i.v. | 2 x 450-600mg, 2 x 450-600mg (10mg/kg KG) | Nur in Kombination (z.B. mit Fosfomycin, Glykopeptiden oder Fusidinsäure) Interaktionen!, Hepatotoxizität |
| Fusidinsäure | p.o. i.v. | 3 x 0,5g 3 x 0,5g | Reserveantibiotikum Nur in Kombination Hepatotoxizität Nur als Import nach § 73 AMG durch die Apotheke erhältlich! |
| Quinupristin/Dalfopristin | i.v. | 3 x 7,5mg/kg KG | Reserveantibiotikum |
| Fosfomycin | i.v. | 3 x 5g | Hohe Natriumbelastung, cave renale Insuffizienz |
| Cotrimoxazol1 (Trimethoprim + Sulfamethoxazol) | p.o. i.v. | 2 x 960mg (2 x 1 Tbl.forte) 2 x 960mg | Hoher Sulfonamidanteil, Sensibilisierungen |
| Cotrimerazin1 (Trimethoprim + Sulfamerazin) | p.o. | 2 x 400mg (2 x 2 Tbl.) | Sensibilisierungen |
| Teicoplanin# | i.v. | Initial 2 x 400mg (12 Stunden Abstand), dann 200-400 mg/Tag | nephrotoxisch |
| Vancomycin# | i.v. | 2 x 1g | Red neck Syndrom (Histaminrelease) nephrotoxisch |
Tabelle 2: Lokaltherapie bei staphylogen Pyodermien *
(I. d. Regel immer in Kombination mit systemischer Antibiotikatherapie.
Ausnahme: umschriebene oberflächliche Follikulitiden)
2.1 Antibiotika
| Wirkstoff | Applikationsform | Konzentration | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| Fusidinsäure/Fucidine® | Creme, Salbe, Gaze | 2,0% | Gegen S. aureus und MRSA +++, sekundäre Resistenzen seit 30 Jahren konstant (2-3%), selten sensibilisierend, keine Kreuzresistenzen |
| Mupirocin (Pseudomonilsäure)/Turixin® InfectoPyoderm® Salbe | Nasensalbe Salbe | 2% | Bakteriostatisch, in Deutschland: Präparat für S.aureus- und MRSA-Elimination (Nase); keine Kreuzresistenzen |
| Sulfadiazin-Silber/ Flammazine®, Brandiazin® | Creme | 1% | Kontaktsensibilisierung (Kreuzallergien gegen andere Sulfonamide), UVB-Photosensibilisier-ung, Argyrose |
| Thyrothricin (Gramicidin+Tyrocidin) | Gel, Puder | 0,1% | Bakterizid gegen grampositive Kokken, selten sensibilisierend |
2.2 Antiseptika*
| Arzneistoff | Applikationsform | Konzentration | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| 8-Chinolinolsulfat Leioderm® Chinosol® | Creme, Tabl. zum Herstellen von Lösungen | ||
| Clioquinol/Chloriodhydoxychinolin Linola-sept® | Creme | 0,5%-1%, kleinflächig 2-3% | Grampositive Kokken ++, färbend (gelb), unter Okklusion: Resorption |
| Dequaliniumchlorid Evazol® | Creme | 0,4% | |
| Di-Silber-2-aminoethylphosphat Dermazellon® | Salbe, Gel, Puder | 3-5% | |
| Ethacridinlactat Rivanol® u.a. Fertigarzneimittel | Lösung Tabl. zum Herstellen von Lösungen | 0,05-0,1% | |
| Povidon-Iod Diverse Fertigarzneimittel | Lösung, Salbe | 0,5-10% | bakterizid, fungizid, viruzid, [Yasuda1993], cave Jodresorption, Sensibilisierung |
| Wasserstoffperoxid/Dihydrogenperoxid Crystacide® u.a. Fertigarzneimittel | Creme Lösungen NRF 11.103 | 1-3% | Nicht mit Jod oder Oxidationsmitteln (Permanganat u.a.) kombinieren, nicht sensibilisierend, keine Resistenzen |
Definition:
1878 von Baron Gottfried Ritter von Rittershain beschriebene, akut auftretende infektiöse Epidermolyse mit massiver Reduktion des Allgemeinbefindens [Ritter1878]. Polyklonale T-Lymphozytenaktivierung [Monday1999,Veien1998] durch S. aureus-Superantigene, akantholytische subkorneale Spaltbildung durch Epidermolysin/Exfoliatin [Amagai2000].
Synonyme:
Staphylococcal scalded skin syndrome (SSSS), Dermatitis exfoliativa neonatorum Ritter von Rittershain, Subkorneales Staphylokokken-Schälsyndrom.
Erreger:
Staphylococcus aureus
Übertragungswege:
Im Säuglingsalter und Kleinkindesalter bei unzureichender Nierenfunktion auftretend oder von der Mutter übertragen.
Bei immundefizienten Erwachsenen von okkulten Hautinfektionen oder eitriger Konjunktivitis, Otitis, Rhinitis oder Pharyngitis ausgehend.
Klinik:
Typischerweise periorifiziell beginnendes, sich rasch ausbreitendes, skarlatiniformes Exanthem. Schleimhäute meist unbeteiligt. Innerhalb 1-2 Tage Umwandlung in bullöses Exanthem mit schlaffen, dünnwandigen Blasen. Nach Ruptur kombustiformes Bild mit groblamellöser Ablösung der Blasenreste. Nikolski Zeichen positiv, reduzierter Allgemeinzustand. Reepithelisierung ohne Narben.
Komplikationen:
Fortschreiten der Infektion bis zur Sepsis, Pneumonien, letaler Ausgang bei ca. 1%.
Histopathologie:
Subkorneale Blasen, akantholytische Spaltbildung innerhalb des Stratum granulosum., weitere Epidermis und Korium weitgehend unverändert. Keine Entzündungszeichen oder Zellnekrosen.
Diagnose:
Nachweis der subkornealen Blasenbildung im Kryostatschnitt des Blasendachs (Histologie). Akantholyse-Zellen im Blasenausstrich (Tzanck-Test positiv). Nachweis von S. aureus aus fokalen Infektionsherden (Augen, Ohr, Rachen u.a.). Positives Nikolski Zeichen.
Differentialdiagnose:
Medikamentöses Lyell-Syndrom (Toxische epidermale Nekrolyse = TEN) mit subepidermaler Spaltbildung. Kryostatschnitt zeigt komplette (nekrotische) Epidermis als Blasendach.
Großblasige Impetigo contagiosa, Phemphigus neonatorum, skarlatiniforme Exantheme
Therapie:
Initial topische Antiseptika (z.B. Chlorhexidin- oder Lavasept-Lösung, s. Tabelle 2) [Abeck2001] gefolgt von Fusidinsäure-haltigen Externa [Koning 2002, Wilkinson 1998]. Bei MRSA Besiedlung der Nase: Erregerelimination mit Mupirocin Salbe [Bass 1997, Harbarth 1999, Metz 1989]. Bei ausgedehntem Befund Bilanzierung und Behandlung von Flüssigkeits-, Elektrolyt- und Eiweißverlusten, Kontrolle der Herz- und Kreislauftätigkeit, Wärmezufuhr, Vermeidung von Sekundärinfektionen, Frühbehandlung bei Schleimhautveränderungen, Lagerung auf nicht klebenden Folien. (s. a. Aktuelle Leitlinien zur Behandlung von Verbrennungsopfern: leitlinien.net/044-001.htm).
Systemische Therapie initial mit betalaktamase-stabilen Antibiotika (Flucloxacillin, Cephalosporine 1. oder 2. Generation (PEG-Klassifikation: Naber et al. 1993), sobald verfügbar nach Antibiogramm. Bei Penicillinallergie: Cefalexin, Clindamycin oder Fusidinsäure [Veien 1998].
Glukokortikoide sind weder topisch noch systemisch indiziert.
Abstimmung mit wissenschaftlichen Fachgesellschaften:
1. Deutsche Gesellschaft für Infektiologie (DGI)
2. Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM)
3. Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie
4. Paul Ehrlich Gesellschaft (PEG)
Korrespondierender Autor:
Prof. Dr. med. H. Schöfer
Zentrum der Dermatologie und Venerologie
Johann-Wolfgang-Goethe-Universität
Theodor-Stern-Kai 7
60596 Frankfurt am Main
Tel.: 069/6301 68 33 od. 57 04
Fax: 069/6301 59 81
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