AWMF online

Arbeitsgemeinschaft der
Wissenschaftlichen
Medizinischen
Fachgesellschaften

Leitlinien der Dt. Dermatologischen Ges. (DDG),
des Dt. Kollegium f. Psychosomatische Medizin (DKPM),
der Dt. Ges. f. Psychotherapeutische Medizin (DGPM) und
der Allg. Ärtzl. Ges. f. Psychotherapie (AÄGP)


 AWMF-Leitlinien-Register  Nr. 013/024   Entwicklungsstufe:   2 + IDA 

Psychosomatische Dermatologie
(Psychodermatologie)

  1. Anliegen der Leitlinie
  2. Ziel der Kurzfassung der "Leitlinie psychosomatische Dermatologie" ist die Darstellung und Entwicklung inhaltlicher und struktureller Standards für den Bereich psychosomatische Dermatologie in der Versorgung von Hautkranken. Auf der Basis empirischer Untersuchungen zur Prävalenz und zur aktuellen Versorgungssituation werden wissenschaftlich fundierte Daten zu bedarfsgesteuerten Anforderungen hinsichtlich Struktur-, Prozeß- und Ergebnisqualität dargestellt. Hieraus resultierende Empfehlungen für die Weiterbildung zur Implementierung von psychosomatischer Dermatologie und deren Evaluation schließen die Leitlinie ab.

    1.1 Auftraggeber

    1.2 Zielgruppen

    1.3. Technisches Vorgehen

    1.4. Beziehungen zu anderen Leitlinien

  3. Definition des Bereichs Psychosomatische Dermatologie
  4. Die psychosomatische Dermatologie beschäftigt sich mit Hautkrankheiten, bei denen psychosoziale Ursachen, Folgen oder Begleitumstände einen wesentlichen und therapeutisch bedeutsamen Einfluß haben. Dermatosen werden in dieser Hinsicht unter einem bio-psycho-sozialen Modell ganzheitlich/systemisch gesehen. Psychosomatische Dermatologie ist im weiteren Sinne jeder Aspekt der intra- und interpersonellen Probleme von Patienten mit Hautkrankheiten. Sie befasst sich mit den psychosozialen Auslösemechanismen bzw. der Krankheitsverarbeitung von Dermatosen und umfasst auch die Auswirkungen (förderliche und hemmende Kontextfaktoren i.S. der ICF, "Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit" der Weltgesundheitsorganisation) der Interaktion zwischen dem hautkranken Menschen und seiner sozialen Umgebung. Kommentar: Damit ist sowohl die förderliche soziale Unterstützung gemeint, aber auch die Belastungen bei Eltern von Kinder mit Neurodermitis, die selbst wohlmöglich psychosomatisch erkranken.

    Prozessqualität einzelner Problembereiche

  5. Prävalenz und versorgungsrelevanter Bedarf
  6. Die Häufigkeit psychischer Probleme bei Hautpatienten wird mit 25 - 30% nach methodisch gut dokumentierten Erhebungen angegeben (ebmII). In einer Umfrage an deutschen Hautkliniken geben ca. 25% aller Chefärzte an, daß psychische Faktoren in der Behandlung eine Rolle spielen (ebmIII). Im psychosomatischen Konsildienst werden im Durchschnitt nur 0,1 - 0,6% aller Patienten psychosomatisch mitbetreut. Dermatologische Konsile werden nach Statistiken verschiedenster Kliniken in 7% aller Konsilanforderung beansprucht. Mögliche organisatorische Verbesserung der Versorgung ist ein integratives Konzept im Sinne der Liaison-Psychosomatik (ebmII).

    Der Vorteil eines integrativen Behandlungskonzeptes liegt darin, daß weder somatische noch psychotherapeutische Gesichtspunkte außer acht gelassen werden. Die Tatsache, daß integrative Modelle der Zusammenarbeit zwischen Hautkliniken und Psychosomatik erst an wenigen Kliniken etabliert sind, mag auch einen Grund darin haben, daß Hautpatienten konflikthafte Themen meiden und sich auf ihr Hautorgan zurückziehen und somatische Aspekte in den Vordergrund stellen. Auch sind nicht sämtliche Patienten, bei denen eine psychosomatische Hauterkrankung vorliegt, zu einer Psychotherapie motiviert. Einen wichtigen Gesichtspunkt bei der Indikationsstellung zu einer Psychotherapie stellt die Psychotherapiemotivation des Patienten dar. Diese ist bei Hautpatienten im Vergleich zu anderen psychosomatischen Patienten hochsignifikant verringert (ebmI).

    In einer 1999 durchgeführten Umfrage an 69 Hautkliniken Deutschlands zeigte sich ein deutlicher Trend psychosomatische Aspekte bei der Behandlung der Hautkranken zu berücksichtigen.
    In den Hautkliniken, die den Fragebogen zurückgeschickte hatten (51%) gaben ca. 80% der Kliniken an, daß sie psychosomatische Aspekte in der Therapie der Hautpatienten berücksichtigen. Insgesamt 5% aller in Hautkliniken arbeitenden Mitarbeiter haben nach diesen Angaben eine qualifizierte Ausbildung in einem psychotherapeutischen Verfahren oder der psychosomatischen Grundversorgung.
    Am häufigsten werden Konsilangebote aus der Psychiatrie (71%), von niedergelassenen Psychotherapeuten (43,5%) oder vom psychosomatischen Konsildienst (30,4%) angenommen, so daß insgesamt von einer guten Zusammenarbeit auszugehen ist.

    Allerdings sind nur 46% der Hautkliniker der Meinung, daß ihre psychosomatische Versorgung ausreicht. Stationär arbeitende Dermatologen waren im Durchschnitt der Ansicht, daß bei knapp einem Viertel der Hautkranken ein psychosomatisches Therapieangebot notwendig ist. Diese Schätzung liegt nur marginal unter den aus Studien bekannten Prozentzahlen. Der Anteil an somatoformen Störungen bei der differentialdiagnostischen Erfassung wird mit knapp 10% zu niedrig eingeschätzt, da diagnostische Erhebungen gezeigt haben, daß mit ca. 18% aller Patienten zu rechnen ist, die eine sogenannten somatoforme Störung haben und damit den herkömmlichen Therapieansätzen meist sich widersetzen (ebmII).

    Betrachtet man die differenzierte Bewertung der Dermatologen zu den einzelnen vorgegebenen Krankheitsbildern so wird deutlich, dass es bei deren diagnostischer Beurteilung unterschiedliche Antworten hinsichtlich der Annahme gibt, ob die Erkrankung kausal bzw. wesentlich von psychosomatischen Faktoren beeinflusst wird, und ob eine adjuvante oder begleitende psychosomatische Intervention oder keine Intervention für erforderlich gehalten wird. Während bei Krankheitsentitäten wie Dermatozoenwahn, Trichotillomanie, Artefakt-Krankheit, Acne excoriée und Pruritus sine materia meist eine kausale oder mindestens adjuvante Intervention für erforderlich gehalten wird, geben die stationär behandelnden Dermatologen bei Erkrankungen wie Tinea pedum, Basaliom, Verrucae vulgaris, seborrhoischem Ekzem und Virusinfektionen keine Begleittherapie als sinnvoll an. Hier erweist sich die bisherige Abschottung klinischer Disziplinen im stationären Sektor als Hindernis eines notwendigen fachübergreifenden Krankheits- und Behandlungsverständnisses. Bei den chronischen entzündlichen Dermatosen wie Neurodermitis, Psoriasis, Urticaria, Acne vulgaris aber auch Sklerodermie und Melanom wird eine adjuvante Intervention als sinnvoll angesehen. Bei den Dermatosen: Lichen ruber, Hyperhidrosis, Rosacea und dyshidrosiformes Ekzem werden von den Dermatologen sehr unterschiedliche Bewertungen zu psychosomatischen Aspekten abgegeben.

    In der Umfrage stellte sich heraus, daß als häufigstes Therapieverfahren die Gabe von Psychopharmaka mit fast 80% angegeben wird. Psychotherapeutisch vertiefte Gespräche werden in 72,5% angewendet. Diese Zahlen lassen allerdings eine gewissen Unkenntnis der Somatiker vermuten, da gleichzeitig kassenärztlich anerkannte Psychotherapieverfahren wie Verhaltenstherapie nur mit 36,2% und psychodynamische fundierte Therapieverfahren nur mit 20,3% angegeben werden. Eine größere Bedeutung haben offenbar Entspannungsverfahren.

    Beim Vergleich der Einschätzung zur Bedeutung psychischer Faktoren bei einzelnen Krankheitsbildern mit einer Befragung 10 Jahre vorher zeigte sich, daß nahezu bei allen Dermatosen, die abgefragt wurden, die Bedeutung psychischer Faktoren höher eingeschätzt wurde als vor 10 Jahren. Lediglich bei zwei Dermatosen (seborrhoisches Ekzem und Hyperhidrosis) wurden weniger Prozentpunkte im Durchschnitt vergeben. Dies könnte darin begründet sein, daß bei diesen Erkrankungen Hinweise auf eine Erregerbedingte Störung in den letzten Jahren häufig publiziert wurden bzw. ein besseres Behandlungsverfahren durch die Injektion von Botulinumtoxin sich etabliert hat.

    Als Erwartung an die psychosomatische Versorgung der Zukunft geben die Hautkliniken vor allem die verbesserte Krankheitsbewältigung durch die Patienten an und Hinweise hinsichtlich des Einsatzes von Psychopharmaka.

    Hautärzte rechnen nach vorliegenden Statistiken die psychosomatische Grundversorgung deutlich weniger ab als vergleichbare ärztliche Berufsgruppen wie Gynäkologen und Urologen.

  7. Die vorpsychotherapeutische Phase in der Dermatologie
  8. Erfahrungsgemäß ist die primäre Motivation eines Hautkranken, sich in psychotherapeutische Behandlung zu begeben, im Vergleich mit Patienten, die eine psychosomatische Ambulanz bzw. Klinik aufsuchen, eher gering einzustufen. Im Vergleich mit ambulanten Hautpatienten hatten stationäre Hautpatienten insgesamt eine höhere Psychotherapiemotivation. Zwischen Neurodermitis und Psoriasis gibt es keine Unterschiede in den Überzeugungen hinsichtlich der Notwendigkeit einer psychischen Mitbehandlung.
    Aus dieser Erkenntnis heraus muß davon ausgegangen werden, daß es bei Hautpatienten unabdingbar ist, vor die eigentliche Psychotherapie eine "vorpsychotherapeutische Motivationsphase" zu schalten, um zunächst die Indikation für eine Psychotherapie zu prüfen und den Patienten für eine solche Psychotherapie bei gegebener Indikation zu motivieren. Der Prozess der Motivierung zur und Durchführung von Psychotherapie hat nach Stangier et al (1997) folgende Phasen:
    1. Die Vorphase des Problembewusstseins
    2. Die Phase der Problemreflexion
    3. Phase der Entscheidungsfindung
    4. Phase der aktiven Veränderung
    5. Phase der Aufrechterhaltung
    Die Psychotherapie ist grundsätzlich auf zwei Wegen möglich, zum Einen durch die Selbstveränderung des Patienten auf eigene Initiative oder durch Unterstützung von zum Beispiel Selbsthilfegruppen oder zum Anderen durch Veränderung mittels professioneller Unterstützung (formale Psychotherapie). Die oben genannten Phasen lassen erwarten, dass der Patient in der Regel erst in der Phase der Entscheidungsfindung zur Psychotherapie überwiesen werden kann. Die Motivation hierzu obliegt in der Regel dem vorbehandelnden (Haut-)arzt.
    Aus Kenntnis der Mannheimer Kohortenstudie (Franz et al 1994, 2000) ist bekannt, daß sich ca. 65 % der Patienten, bei denen eine Indikation zur Psychotherapie besteht, durch entsprechende Maßnahmen auch motivieren lassen, während 8% trotz bestehender Indikation zur Psychotherapie nicht erreicht werden und eine schlechte Prognose hinsichtlich ihrer psychosozialen Bedingungen in der 8-jährigen Katamnese haben.

  9. Indikationen zur Psychotherapie in der Dermatologie
  10. Eine Indikation zur Psychotherapie besteht grundsätzlich dann, wenn eine die Lebensqualität des Betroffenen nachhaltig einschränkende psychische Störung (im Sinne einer ICD-10 Diagnose) besteht. Bei Hautpatienten sind dabei folgende Konstellationen häufig (ebmIII): Darüber hinaus kann sich bei Hautpatienten eine Indikation zur Psychotherapie stellen, wenn im individuellen Fall davon auszugehen ist, dass psychische Belastungen regelhaft (akut oder chronisch) eine Verschlechterung der Symptomatik provozieren.
    Wenn die Indikation zur Psychotherapie gestellt werden kann, so stellt sich die Frage, welche Form der Psychotherapie geeignet ist. Wissenschaftliche Befunde, anhand derer eine differentielle Psychotherapieindikation rational begründet werden könnte, gibt es bislang nicht, so dass hier vielfach die individuellen Modelle von Patienten und deren Ärzten/Therapeuten den Ausschlag geben dürften bzw. diese auch von der Verfügbarkeit der anerkannten psychotherapeutischen Methoden vor Ort abhängig ist (ebmIII).
    Bei psychodynamischen Psychotherapieverfahren (tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, Psychoanalyse) werden beeinträchtigende - oft unbewusste - Erlebnismuster bearbeitet, die aus Kindheitserfahrungen entstanden sind und die im täglichen Leben immer noch wirksam sind. Psychodynamische Therapieverfahren erforschen das Zusammenwirken zwischen bewussten und unbewussten seelischen Prozessen als Hintergrund des Erlebens und Verhaltens. Im Fokus psychodynamischer Psychotherapieverfahren steht eine Klärung und Bearbeitung beeinträchtigender Erlebnismuster und Gefühlsreaktionen. Psychosomatische Symptombildungen an der Haut werden beispielsweise als unbewusste Kompromissbildungen vor dem Hintergrund grundlegender Konflikte, psychischer Entwicklungsstörungen oder psychischer Traumatisierungen mit teilweise bereits in der Kindheit erworbenen fixierten Einstellungen oder Haltungen verstanden. Durch die Berücksichtigung von Übertragung und Gegenübertragung unter Bearbeitung des Widerstandes, von Konflikten und der Abwehrmechanismen wird ein Durcharbeiten unbewusster Beziehungskonflikte in Gang gesetzt, die auch bedeutsam für die Hauterkrankung und deren Krankheitsbewältigung sein können. Konflikte bezeichnen Interessengegensätze zwischen inneren Motiven und Forderungen von außen oder den inneren Widerstreit von Motiven und Bestrebungen, z.B. Triebkräften. Dabei wird bei psychosomatischen Patienten die Motivationsarbeit zu Beginn einer Psychotherapie eine bedeutende Rolle spielen. Studien belegen die Wirksamkeit psychodynamischer Therapieverfahren bei vielfältigen psychischen Störungen.

    Die Verhaltenstherapie strebt eine zielgerichtete Veränderung dysfunktionaler Erlebens- und Verhaltensmuster an. Beispiele sind das Einüben von Selbstsicherheit oder einer besseren Kontrolle über das Kratzen. Grundlage ist hier ein empathischer Therapeut, der zunächst gemeinsam mit dem Patienten eine Analyse der aktuell relevanten Probleme erarbeitet. Hiervon ausgehend, im "hier und jetzt", werden Strategien zur konstruktiven Problemlösung entwickelt. Dabei wird von lerntheoretisch begründeten Modellen ausgegangen, die der Therapeut auf Situation und Möglichkeiten des Patienten adaptiert. Das zielorientierte und dabei auch für den Patienten transparente Vorgehen bedeutet die Möglichkeit auch für den tendenziell zunächst eher unmotivierten Patienten einen Zugang für psychosomatische Zusammenhänge zu schaffen. Es werden Zwischenschritte definiert, die dann nach entsprechender theoretischer Vorbereitung, im Rahmen von Übungen avisiert werden. Im positiven Fall bedeutet dies für den Patienten Erfolg, im negativen Fall gibt es Anlass zu einer Überprüfung der Problem- bzw. Bedingungsanalyse. Studien belegen die Wirksamkeit verhaltenstherapeutischer Ansätze u.a. in Bezug auf die Juck-Kratz-Problematik (Stimuluskontrolle), Stigmatisierung (Exposititionstherapie), Angst- und somatoforme Störungen, Depressionen u.a..

    In der klientenzentrierten Gesprächspsychotherapie fördert der Therapeut durch "Wertschätzung", "einfühlendes Verstehen" und "Echtheit" die Bestrebungen des Patienten, Inkongruenzen zwischen den Erfahrungen und seinem Selbstkonzept auszugleichen. Auch wenn letztere Psychotherapieform in Deutschland zur Zeit kein krankenkassenrechtlich anerkanntes Verfahren ist, soll es dennoch genannt werden, da es eines der verbreitetsten Therapieverfahren in der Welt ist.

    Die Studienlage zur differenziellen Wirksamkeit bestimmter Psychotherapieverfahren bei einzelnen Hauterkrankungen ist uneinheitlich bzw. nicht ausreichend untersucht. Hingegen ist die Wirksamkeit bei im Vordergrund stehenden psychischen Störungen, wie Angsterkrankungen und Depression (depressiver Krankheitsverarbeitung), hinreichend belegt.

  11. Psychotherapie bei Hautkranken - Organisation in der Praxis
  12. Psychotherapie wird in der klinischen Praxis unterschiedlich je nach Ausbildung und Schwerpunkt des eigenen Handelns gewichtet und eingesetzt:

    Psychotherapie kommt in folgenden Formen zur Anwendung:

    1. Psychotherapie im Rahmen der psychosomatischen Grundversorgung in der Hautarztpraxis
    2. Psychotherapie in zeitlich und organisatorisch abgegrenztem Maße neben der Hautarztpraxis
    3. Psychotherapie von Hautkranken in der Praxis des Fachpsychotherapeuten
    4. Psychotherapie in der ambulanten Psychosomatik bzw. Verhaltenstherapie-Ambulanz
    5. Psychotherapie im Rahmen von Konsil- und Liaison-Psychosomatik in Hautkliniken
    6. Psychotherapie als integrativer Bestandteil von Schulungsprogrammen bei chronisch-entzündlichen Dermatosen in der Praxis oder ambulanten Rehabilitation-Tagesklinik
    7. Psychotherapie im Rahmen der dermatologischen Rehabilitation.
    8. Psychotherapie im Rahmen von psychosomatischer Rehabilitation (durch eigene Klinik, Abteilungen, Stationen oder Schwerpunkte)
    9. Psychotherapie in der klinisch-stationären Akut-Psychosomatik
    10. Psychotherapie von Hautkranken in der psychiatrischen Praxis bzw. Klinik
    11. Psychotherapie von Hautkranken in universitären Polikliniken und Kliniken für Dermatologie
    Innerhalb der genannten Rahmenbedingungen werden unterschiedliche methodische und theoretische Konzepte der Psychotherapie bei Hautkranken angewendet. Die Bedeutung der differentiellen Indikationsstellung zu den einzelnen Versorgungsformen in Abhängigkeit von der Problem- und Konfliktsituation im individuellen Einzelfall muß in Zukunft näher erforscht werden.

  13. Basisdokumentation, Befunderhebung und Qualitätssicherung
  14. Zur Diagnostik stehen neben wissenschaftlichen Instrumenten aus der Verhaltenstherapie und psychodynamischen Psychotherapie inzwischen verschiedene, im deutschsprachigen Raum gut standardisierte psychodermatologische Testverfahren zur Verfügung, auf die bei der Basisdokumentation und Qualitätssicherung zurückgegriffen werden kann:

    Marburger Haut-Fragebogen (MHF), Freiburg Life Quality Assessment (FLQA) und Skindex (Fragebogen zur Lebensqualität bei Hautpatienten in deutscher Übersetzung), FEH (Fragebogen zur Entstellung bei Hautpatienten, JKV (Juckreiz-Kognitions-Fragebogen), Fragebogen für Eltern von Neurodermitis-Kindern (FEN), Lebensqualität von Eltern von Neurodermitis-Kindern; Hautzufriedenheitsfragebogen (HautZuf) (ebmI-II), (siehe auch Leitlinie Lebensqualität in der Dermatologie von Augustin et al für die DDG).

    Darüber hinaus gibt es Testinventare, die auch auf andere Erkrankungen zutreffen und die zum Vergleich zwischen Hautpatienten und sonstigen Erkrankungsgruppen angewendet werden können:

  15. Psychosomatische Aspekte bei Hauterkrankungen:
  16. Grundsätzlich sollte im Rahmen der psychosomatischen Grundversorgung bei jeder Hauterkrankung abgeklärt werden, inwieweit ein zusätzlicher psychosomatischer Diagnostik- oder Betreuungsbedarf vorhanden ist.

    Bei folgenden Hauterkrankungen liegen nach der Literaturübersicht methodisch gesicherte Daten zum psychosomatischen Behandlungsaspekt vor. Wenn bei den ICD-10 Kodierungen eine oder mehrere F-Diagnose/n (psychische Störung) vorliegt/en, wird/werden diese zusätzlich zur dermatologischen Kodierung aufgeführt.

    8.1 Akne vulgaris (ICD-10: L70, F54)

    8.2 Alopecia areata (ICD-10: L63, F 54. ggf. F 43.2)

    8.3 Analekzem (ICD-10: L23 - L30, F54)

    8.4. Artefakte der Haut (siehe auch Leitlinie Artefakt des DGPM in der AWMF) (ICD-10: F63.8, F 68.1, L98.1)

    8.5 Bromhidrosis - Chromhidrosis (ICD-10: L 75.0, L 75.1, F22.8)

    8.6 Dyshidrosiformes Ekzem (ICD-10: L23 - L30, F54)

    8.7 Epidermolysis bullosa (ICD-10: Q81, F54)

    8.8 Gardner-Diamond-Syndrom (Painful bruising syndrome)(ICD-10: F 68.1)

    8.9 Haarausfall (ICD-10: L65.8)

    8.10 Hauttumoren (Basaliom, Spinaliom) (ICD-10: C44, F54)

    8.11 Herpes labialis und genitalis (ICD-10: A60.0, B00.1, F54)

    8.12 Hyperhidrosis (ICD-10: R61, F54)

    8.13 Hypertrichosis (ICD-10: L68, F54)

    8.14 Körperdysmorphe Störung (ICD F 45.2)

    8.15 Kollagenosen (Sklerodermie, Lupus erythematodes) (ICD-10: L93, L94.0, M32, M34, F54)

    8.16 Kontaktekzem (ICD-10: L25, F54)

    8.17 Lichen ruber (ICD-10: L 43; F 54)

    8.18 Melanom (ICD-10: C43, F54)

    8.19 Nahrungsmittelintoleranzen (ICD-10:T78, F54)

    8.20 Neurodermitis (ICD-10: L20, F54))

    8.21 Periorale Dermatitis (ICD-10: L71.0, F54)

    8.22 Pruritus sine materia (ICD-10: F45.8)

    8.23 Prurigo simplex subacuta (ICD-10: L28.1 - L28.2, F54)

    8.24 Psoriasis vulgaris (ICD-10 L40.0 F54)

    8.25 Rhinitis allergica (ICD-10: J30.1 - J30.3, F54)

    8.26 Rosacea (ICD-10: L71, F54)

    8.27 Seborrhoisches Ekzem

    8.28 Trichotillomanie (Impulskontrollstörungen in der Dermatologie) (ICD-10: F63.3, F68.1)

    8.29 Ulcus cruris und CVI (ICD-10: I87, L97, F54)

    8.30 Urticaria (ICD-10: L 50, F 54)

    8.31 Vitiligo (ICD-10: L80, F54)

    8.32 Wahnhafte Störungen in der Dermatologie (Dermatozoenwahn etc.) (ICD-10: F20-F29)

    8.33 Somatoforme Störungen (ICD-10: F45)

    8.34 Reaktive Störungen in der Dermatologie (ICD-10: F43)

  17. Spezielle Problembereiche
  18. 9.1 Ästhetische Dermatologie (ICD-10: F45)

    9.2 Sexuelle Funktionsstörungen des Mannes (ICD-10: F52)

    9.3 Krankheitsbewältigung in der Dermatologie

    9.4 Umgang mit Suizidalität bei dermatologischen Patienten


Verfahren zur Konsensbildung

Erstellungsdatum:

01/2002

Letzte Überarbeitung:

10/2006

Nächste Überprüfung geplant:

10/2010


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Stand der letzten Aktualisierung: 10/2006
© Dt. Dermatologische Ges. u.a.
Autorisiert für elektronische Publikation: AWMF online
HTML-Code aktualisiert: 09.10.2009; 09:31:30