Es gibt keine fertigen Lösungen, die wie Kochrezepte zu einem effektivem Unterricht führen. Unterrichtsmaterialien, Experimente, Beobachtungen und Unterrichtsmethoden sollten so ausgewählt werden, dass Schülerinnen und Schüler aktiv in einen gut strukturierten Lernprozess einbezogen sind.
Hier wichtige Aspekte:
Die Thesen liegen als PDF-Datei vor und können zum Lesen auch auch ausgedruckt werden
1. Thesen von Markowitsch und Stadelmann:
  • Das Gehirn verändert sich beim Lernen physisch. Jeder Mensch hat seine eigene Lernbiografie, sein eigenes bevorzugtes Lern- und Arbeitsverhalten. Schülerinnen und Schüler unterscheiden sich in ihren Lernvorlieben und Lernstrategien je nach der bereits festgelegten Strukturierung ihres Gehirns. Unterrichtsmaterial und Lehrmittel müssen auf die unterschiedlichen Voraussetzungen eingehen, beispielsweise, indem sie verschiedene Lernwege zulassen und anregen. Unterrichtsmaterial und Lehrmittel müssen Methodenvielfalt des Unterrichts initiieren.
  • Vielseitige, eigenverantwortliche Tätigkeiten fördern die Hirnentwicklung ­ ein Leben lang. Unterrichtsmaterial und Lehrmittel müssen zum «Selbst- Tun», zum aktiven Nachvollziehen, zum Vor- und Nachdenken anregen.
  • Das Gehirn ist als vernetzteste bekannte Struktur auf Vernetzung angewiesen und lebt von ihr. Die Stärke liegt im Schaffen und Erkennen von Verknüpfungen und Zusammenhängen. Ein vernetztes System soll nicht linear verwendet werden. Unterrichtsmaterial und Lehrmittel müssen Vernetzungen, Zusammenhänge aufzeigen und zu vernetzendem Denken anregen.
  • Man muss zwischen einer Reduzierung der Anforderungen an das Gedächtnis (didaktische Reduktion)und einer gezielten Verbesserung einzelner Gedächtnisleistungen (Auswahl des Materials und der Methoden)unterscheiden. Beide Ansätze sind für das Vermitteln von Lerninhalten in der Schule wichtig.
  • Es sollte beispielsweise eine Fokussierung der Aufmerksamkeit auf die relevanten Inhalte geleistet werden, um die Anforderungen an das Gedächtnis zu verringern und dadurch eine bessere Behaltensleistung für wichtige Informationen zu begünstigen. Durch die Darstellung eines groben Überblicks über den zu lernenden Stoff zu Beginn einer Unterrichtsstunde (z.B. durch eine Übersichtsfolie über die folgenden Themen) werden Schüler auf die Aufnahme der Inhalte vorbereitet. Auch sollte das Ziel der Unterrichtsstunde oder -einheit definiert und die einzelnen zielführenden Schritte erläutert werden. Das genannte Vorgehen erfüllt zwei Funktionen: erstens verarbeiten Schüler unbewusst (Priming) bereits die wesentlichen Aspekte, was eine Bahnung für eine spätere tiefe Verarbeitung bedeutet. Zweitens dienen Überblick und Zieldefinition auch als Strukturierung bei der Einspeicherung, was eine tiefere Verarbeitung im Sinne der Bildung geeigneter Assoziationen wahrscheinlicher macht. Hierbei sollte auch darauf geachtet werden, dass im Sinne einer didaktischen Reduktion unrelvante Zusammenhänge ausgeblendet werden.
  • Bei der Vermittlung neuer Inhalte sollte auf bereits vorhandenes Wissen und persönliche Erfahrungen zurückgegriffen werden, um die Bildung sinnvoller Assoziationen zwischen dem zu lernenden Material und den Inhalten des Langzeitgedächtnisses zu erleichtern. Hier können Strukturierungshilfen (z.B. Gliederungen, Übersichtsschemata) die Organisation des Lernstoffes verbessern und dadurch die Einspeicherung sowie den späteren Abruf begünstigen. Wichtige Inhalte sollten wiederholt werden. Dadurch werden bereits bestehende Assoziationen gefestigt und eine längerfristige Abspeicherung erleichtert.
  • Durch anschauliche Präsentationen (Folien, Tafelbilder, Mindmaps) können komplexe Themen zunächst vereinfacht dargestellt werden, um sodann die Aufmerksamkeit auf einzelne Details zu lenken. Eine Visualisierung der Lerninhalte (Schaubilder, Schemata) spricht zudem eine zweite Modalität an, was eine "doppelte" (auditive und visuelle) Einspeicherung ermöglicht. Ein Medienwechsel (z.B. von Tafel zu Folienpräsentation oder Filmausschnitt) sollte eingesetzt werden, um die Aufmerksamkeit von einer Information auf neue Inhalte gezielt zu richten. Dies erleichtert beispielsweise die Bildung einer kohärenten Episode mit Raum-, Zeit und Situationsbezug ("Information XY in der ersten Hälfte der Unterrichtsstunde in einem Filmausschnitt gesehen"), so dass die Information ins episodische Langzeitgedächtnis übertragen wird. Der Kontext der Informationsaufnahme kann später als Abrufhilfe fungieren. Beispielsweise können sich Schüler später daran erinnern, welche Information sie im Film und welche sie auf einer Folie gesehen haben und wie diese Inhalte vom Lehrer kommentiert wurden (Situationsbezug). Bei der Abfrage/ Überprüfung des Gelernten kann der Lehrer, wenn einem Schüler nicht sofort die richtige Antwort einfällt, durch die Gabe von Hinweisreizen (z.B. Stichworte), die sich auf die Situation des Einspeicherns (Kontext der Informationsaufnahme) beziehen, die Erinnerungsleistung des Schülers verbessern. Dadurch wird zugleich die gelernte Information erneut und gefestigt abgespeichert (Prinzip der Re-Enkodierung, d.h. die erneute Einspeicherung unter Berücksichtigung der Abrufsituation).
  • Wenngleich der Wechsel von Medien aufmerksamkeits- und gedächtnisförderlich ist, sollte er stets bewusst erfolgen und angekündigt bzw. kommentiert werden. Zu häufige Wechsel der Präsentationsmedien sind hingegen wenig förderlich bzw. sogar gedächtnismindernd, da mit einer erhöhten Interferenz (Überlappung, gegenseitige Beeinflussung) zu rechnen ist und einzelne Informationen nur schwer einer Episode bzw. einem Kontext zugeordnet werden können.
  • Die emotionelle «Färbung» des Lernens ist von großer Bedeutung. Mit Emotionen verbundene Inhalte und Verhaltensweisen werden bevorzugt und stärker festgehalten als für das Individuum belanglose, gefühlsneutrale Gegebenheiten. Unterrichtsmaterial und Lehrmittel sollten deshalb emotionell anregen können. Da emotionale bzw. emotional bewertete Inhalte besser eingespeichert und abgerufen werden können, ist es zudem wichtig, einen persönlichen Bezug zu den zu vermittelnden Inhalten herzustellen. Anschauliche Anwendungsbeispiele für den Lernstoff sind dabei hilfreich. Auch die Präsentation der Inhalte bietet Platz für die Einbindung emotionaler Aspekte (z.B. durch die sporadische Hinzunahme einer lustigen Abbildung oder eines kleinen Witzes). Der Lehrer kann zudem mittels der Schilderung des eigenen Bezugs zu den Lerninhalten im Sinne einer emotionalen Bewertung ("eigenes Interesse") die Begeisterung der Schüler wecken bzw. verstärken.
  • Wesentlich ist auch, dass Schüler aufgefordert werden, selbst Bezüge zu ihren eigenen Erfahrungen herzustellen und diese zur Einspeicherung der Lerninhalte zu nutzen. Ebenso führen Diskussionen und Gruppenarbeiten zu spezifischen Themen zu einer tieferen Auseinandersetzung mit den entsprechenden Inhalten.
  • Schwieriger Unterrichtsstoff kann zuerst durch den Einsatz von einfachen Texten, Bildern oder Filmen implizit (unbewusst) vermittelt werden, bevor er anschließend explizit besprochen wird. Durch die Mechanismen des Primings werden die Schüler unbewusst auf die Inhalte vorbereitet, so dass bei der späteren bewussten Verarbeitung ein Wiedererkennenseffekt eintritt, der die tiefere Verarbeitung der Informationen erleichtert und zu einer besseren längerfristigen Abspeicherung führen kann.
  • Bei der Überprüfung des Gelernten ist zu beachten, dass Stress - insbesondere sozialer Stress - Gedächtnisleistungen mindern kann. Es kann unter Umständen sogar zu einer Blockade des Gedächtnisses kommen. Schüler, die beispielsweise unter Prüfungsangst leiden, sollten dazu angeleitet werden, selbst mit Entspannungstechniken schon während der Prüfungsvorbereitung zu arbeiten.

2. Thesen aus "Wie Werte gelernt werden" von Heinz Schirp:

  • Lernstoff, der sich auf Lebenssituationen bezieht, wird als bedeutungsvoll eingestuft.
  • Wiederholungen von Mustern unterstützt die Vernetzung der Gehirnzellen.
  • Wiederholungen fördern die Bildung von neuronalen Landkarten.
  • Aus vielen ähnlichen Wahrnehmungen werden Regeln und Muster gespeichert.
  • "Wir lernen immer auch die emotionalen Kontexte von Sachverhalten mit."
  • Verbindung von deklaratives Wissen, prozedurales Können und episodische Handlungserfahrungen ergibt nachhaltige soziale Lernergebnisse

3. Thesen aus M. Spitzer: "Lernen"

  • Der Mensch ist zum Lernen geboren. Unser Gehirn lernt immer. Wer lernt, ändert sich.
  • Schlaf ist für das Lernen wichtig (Gedächtnisspuren werden vom Hippokampus in den Cortex übertragen). Koffein und Alkohol stören den Schlaf.
  • Faktoren, die Lernen beeinflussen:
    Aufmerksamkeit: es gibt nur einen "Scheinwerfer". Je aufmerksamer ein Mensch ist , desto besser wird er bestimmte Inhalte behalten.
    Emotionen: Verknüpfung mit bekannten Inhalten, positive Grundstimmung, keine Angst, Stress entsteht im Kopf,
    Motivation durch Belohnung (positive Erfahrung)
    PS: Schokolade aktiviert unser Belohnungssystem (Dopamin), ebenso ein netter Blick ein nettes Wort!
  • Die Person des Lehrers ist dessen stärkstes Medium!
  • Unser Gehirn unterscheidet nicht zwischen Wahrnehmungen, Gedanken und Bewertungen.