Umbau der Studiengänge
Die Philosophische Fakultät ist der absoluten Studierendenzahl nach weiterhin die weitaus größte Fakultät an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Allerdings hat die Einführung von Studienkonten für Langzeitstudierende, wie an den Universitäten in Nordrhein-Westfalen, auch an der Philosophischen Fakultät der Heinrich-Heine- Universität zu einem erheblichen Rückgang der Studierendenzahl geführt. Im Wintersemester 2003/2004 studierten an unserer Fakultät 13.097 Studierende, im Sommersemester 2004 wird diese Zahl vermutlich um ca. 50 Prozent reduziert sein. Wie sich die Absolventenquote infolge dieser Veränderungen entwickeln wird, bleibt abzuwarten. Auch wenn es der Philosophischen Fakultät in den letzten Jahren gelungen ist, eine im landesweiten Vergleich relativ hohe Absolventenquote zu erreichen, ist die Zahl der Studierenden, die die Universität ohne Abschluss verlassen, gegenwärtig noch viel zu hoch. Schon deshalb arbeitet die Fakultät an einem Umbau ihrer Studiengänge. Ziel ist es, straff organisierte Studiengänge mit nachvollziehbarer Berufsperspektive zu schaffen.
Mit dem Umbau der Studiengänge antwortet die Philosophische Fakultät auf die politischen Vorgaben der letzten Jahre. Zu diesen Vorgaben zählt insbesondere die 1999 unterzeichnete Bologna-Erklärung der 29 europäischen Bildungsminister, in der festgelegt wird, dass bis zum Jahr 2010 europaweit alle Studiengänge auf Bachelor- und Masterabschlüsse umgestellt werden.
Bisher ist das europäische Hochschulsystem bei weitem noch nicht harmonisiert. Auch wenn erste Erfolge zu verzeichnen sind – die Umsetzung hinkt den vielfältigen Willensbekundungen noch hinterher. So soll nach Maßgabe des Nationalen Akkreditierungsrates die Bologna-Reform, die mehr einer Revolution gleicht, bis zum Jahre 2005 in Deutschland weitgehend umgesetzt sein. Bisher ist das allerdings erst für ungefähr 1.700 der 11.000 Studiengänge gelungen. Entsprechend viel ist zu bewältigen, und entsprechend rasant und ungeordnet verlaufen die Reformbemühungen. Auf Grund des politischen Drucks und der gebotenen Eile steht dabei zu befürchten, dass mancher Studiengang einfach nur umetikettiert, nicht aber neu gestaltet wird. Wichtig ist deshalb ein geordneter Neuanfang an den Universitäten, mit dem der Humboldtsche Geist nicht nur archiviert, sondern auch produktiv weitergeführt wird. Dass dieser Balanceakt gelingt, ist gerade für eine Region wie Nordrhein-Westfalen, die noch immer den Wandel vom Industriestandort zum Technologie- und Wissenschaftsstandort vollzieht, von besonderer Bedeutung.
Die Wissenschaftsministerin Hannelore Kraft hat mit dem Hochschulkonzept 2010 für das Land Nordrhein-Westfalen klare Vorgaben für die weitere Umstrukturierung der Universitäten gemacht:
Wir brauchen klare Strukturen, kurze Studienzeiten und eine deutliche Praxisorientierung. Nur so kann die internationale Wettbewerbsfähigkeit unserer Hochschulen sowie die Mobilität ihrer Studenten und Absolventen erhalten werden.1 So präsentierte die Ministerin jüngst ihre Vorstellungen über eine moderne Hochschulpolitik der Öffentlichkeit. Damit spricht sie einige Hauptprobleme der vergangenen Jahre an. Dazu zählen lange Studienzeiten und die fehlende Orientierung an der Praxis. Hinzu tritt eine mangelhafte Internationalisierung, die unter anderem dazu führte, dass die Studienleistungen international im gewünschten Maße kaum vergleichbar sind. Allerdings passt die tatsächliche Förderung der Hochschulen nicht recht mit den Stellungnahmen und Forderungen der Politik zusammen. Wie der Essener Bildungsforscher Klaus Klemm vorgerechnet hat, liegt die Bundesrepublik mit Bildungsinvestitionen von 4,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) nicht nur einen halben Prozentpunkt unter dem OECD-Schnitt, sondern auch um zwei Prozentpunkte unter den Ausgaben der bildungspolitisch vorbildlichen Schweden. Nordrhein-Westfalen rangiert mit investierten 6.200 € pro Studierendem in der Liste der Bundesländer sogar an letzter Stelle.2 Eine vernünftige und erfolgsorientierte Bildungspolitik lässt sich so nicht finanzieren.
Bis zum Wintersemester 2004/2005 werden die Studiengänge der Philosophischen Fakultät weitgehend auf gestufte Studiengänge nach dem Bachelor-/Mastermodell umgestellt. Eine Ausnahme soll lediglich der renommierte Studiengang "Literaturübersetzen" bleiben. Mit der Einführung der Masterstudiengänge wird der Magisterstudiengang aufgehoben. Das bedeutet für die Philosophische Fakultät, dass mittelfristig neben der Promotion nur noch Bachelor- und Masterstudiengänge angeboten werden.
Für den Bachelorstudiengang hat die Fakultät zwei Modelle entwickelt: das des Kernfachstudiengangs und das des integrativen Studiengangs. In den Kernfachstudiengängen wird ein Kernfach mit einem Ergänzungsfach kombiniert, in den integrativen Studiengängen tragen mehrere Fächer zu einem gemeinsamen interdisziplinären Studiengang bei. Alle Bachelorstudiengänge enthalten einen fachübergreifenden Wahlpflichtbereich von 18 Semesterwochenstunden, in dem Studienanteile aus anderen Fächern, Module zum Erwerb von Schlüsselqualifikationen oder weitere Studienanteile der studierten Fächer belegt werden können.
Gegenwärtig bestehen an der Philosophischen Fakultät zwei integrative Bachelorstudiengänge: der integrative Studiengang "Sozialwissenschaften" unter der gleichberechtigten Teilnahme der Fächer Soziologie, Politikwissenschaft sowie Kommunikations- und Medienwissenschaft und der integrative Bachelorstudiengang "Medien- und Kulturwissenschaft". Zum Wintersemester 2004/2005 wird der integrative Bachelorstudiengang "Linguistik und Informationswissenschaft" dazukommen. Eine ähnliche Zweiteilung wird es bei den Masterstudiengängen geben. So genannten Ein- Fach-Masterstudiengängen, in denen ein Fach vertieft studiert wird, stehen integrative Masterstudiengänge gegenüber, zu denen wiederum mehrere Fächer beitragen. Der Einstig in die Ein-Fach-Masterstudiengänge soll dabei auch Bachelorabsolventen offen stehen, die das entsprechende Fach im Bachelorstudium als Ergänzungsfach studiert haben. Als erster Masterstudiengang ist der integrative Masterstudiengang "Sozialwissenschaften" akkreditiert worden. Der Lehrbetrieb wurde zum Wintersemester 2003/2004 aufgenommen. In Vorbereitung sind eine Reihe weiterer integrativer Masterstudiengänge: "Linguistik", "Informationswissenschaft und Sprachtechnologie", "Europa: kulturhistorisch" sowie "Medienwissenschaft".
Skeptischer steht die Fakultät der mit dem Bologna-Prozess vielfach verknüpften Forderung nach einer Ökonomisierung der Ziele der Hochschule gegenüber. Dem Allgemeinen Dienstleistungsabkommen GATS (General Agreement on Trades in Services) zufolge soll der Bildungssektor der Zukunft nach den Regeln des ‘freien Marktes’ organisiert werden. Nur welche Freiheit ist damit gemeint? Bisher stand der tradierte Bildungsbegriff deutscher Provenienz quer zu ökonomischen Postulaten der Effizienz. Mit gutem Recht bestand man darauf, dass Bildung mehr ist als reine Ausbildung. Die wünschenswerte internationale Öffnung der Universität darf nicht zu ihrer Neuordnung und Funktionalisierung nach den Gesetzen der Ökonomie führen. Eine reformierte und moderne Hochschullandschaft kann nur entstehen, wenn die Reform der Bildungseinrichtungen nicht auf Kosten der Bildung vollzogen wird.
Vernetzte Wissenschaft
In der Forschung fördert die Philosophische Fakultät mit Nachdruck die interdisziplinäre Kooperation über die Fächergrenzen hinweg. Beispielhaft versammelte der Sonderforschungsbereich 282 "Theorie des Lexikons" Wissenschaftler aus den Arbeitsbereichen Sprache und Kognition und bezog dazu auch neurolinguistische Methoden ein. Hier wurde über zwölf Jahre in Kooperation mit den Universitäten Köln und Wuppertal Grundlagenforschung betrieben. Mit dem Graduiertenkolleg "Europäische Geschichtsdarstellungen", einem Forschungsverbund unter Beteiligung der Fächer Anglistik, Germanistik, Geschichte, Jiddische Sprache und Kultur, Klassische Philologie, Kunstgeschichte, Philosophie und Romanistik, nimmt die Fakultät an der Diskussion um den Konstruktionscharakter historischer Darstellungen teil. Das Kolleg ist gegliedert in vier Arbeitsbereiche: 1. Fiktionalität und Faktizität in europäischen Geschichtsdarstellungen, 2. Identitätsstiftungen in europäischen Geschichtskonstruktionen, 3. Innen- und Außenansichten europäischer Geschichte, 4. Der Mensch im Blickfeld europäischer Geschichtsdarstellungen. Nachwachsende Forscherinnen und Forscher erhalten hier die Möglichkeit, in einem bewusst gewählten europäischen Rahmen neue Lehrformen und interdisziplinäre Methoden zu erproben und anzuwenden. Bereits seit 20 Jahren befasst sich eine Forschergruppe unter dem Dach des Forschungsinstituts für Mittelalter und Renaissance (FIMUR) mit dem Mittelalter und der Renaissance unter vergleichender Perspektive. Auch hier initiieren Beteiligte aus den Fächern Anglistik, Germanistik, Geschichte, Kunstgeschichte, Philosophie und Romanistik in Zusammenarbeit mit dem Theologischen Institut der GHS Wuppertal Projekte, Vorträge und Ausstellungen. In einer eigenen Publikationsreihe werden die Ergebnisse vorgestellt.
Darüber hinaus wurden in den letzten Jahren in den Fächern Geschichte, Kunstgeschichte, Romanistik, Germanistik und Politikwissenschaft Europaprojekte organisiert, die nun zum Teil auch in Forschungseinrichtungen institutionalisiert arbeiten. Dazu zählen etwa das Max-Hermann-Neisse-Institut, das An-Institut Moderne im Rheinland und die Forschungsinitiative NRW in Europa.
Fakultätsübergreifend bestehen Forschungsprojekte in Zusammenarbeit mit der Medizinischen Fakultät (Philosophisches Institut/Historisches Seminar), der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät (Ostasieninstitut/Modernes Japan), der Juristischen Fakultät (Institut für Deutsches und Europäisches Parteienrecht und Parteienforschung/Politikwissenschaft; Ausbau des Aufbaustudiengangs "Angloamerikanisches Recht") sowie mit der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät (Computerlinguistische Methode in der Bioinformatik).
Zur Struktur von Lehre und Forschung
Gemäß den Struktur- und Reformplänen der vergangenen Jahre ist das Fächerangebot der Fakultät in vier Fächergruppen zusammengefasst worden:
- Grundlagenwissenschaften,
- Kulturwissenschaften,
- Geschichtswissenschaften sowie
- Gesellschaftswissenschaften.
Zu den Grundlagenwissenschaften gehören die Fächer Philosophie, Allgemeine Sprachwissenschaft, Computerlinguistik und Informationswissenschaft. Naturgemäß bieten die Grundlagenwissenschaften vielfältige Schnittstellen zu den anderen Wissenschaften. Daher ist der Grad an Vernetzung hier besonders hoch. Der in der Planung befindliche Masterstudiengang "Cognitive Science" wird gegenwärtig von der Philosophie, den anderen Grundlagenwissenschaften und zusammen mit der Psychologie und Informatik konzipiert. Die Fächer des Instituts für Sprache und Information sind ihrerseits am Studiengang "Informatik" beteiligt. Der vorgesehene Masterstudiengang "Informationswissenschaft und Sprachtechnologie" entsteht unter Teilnahme der Informatik. Insgesamt erweisen sich die Grundlagenwissenschaften als ein Angebot, traditionelle Wissensbestände für kommende Herausforderungen zu nutzen.
Viel ist in den letzten Jahren über die notwendige kulturwissenschaftliche Ausrichtung der Geisteswissenschaften geredet und geschrieben worden. An unserer Fakultät ist ein kulturwissenschaftliches Profil für die philologischen Fächer seit längerem etabliert. Gemeinsame Forschungsinteressen und vergleichbare Ausbildungsziele haben in den Fächern Anglistik, Germanistik, Klassische Philologie, Romanistik sowie in der Medien- und Kulturwissenschaft zu einer Fülle von kulturwissenschaftlich orientierten Kooperationen geführt. Die Fächer Latinistik und Gräzistik, die nach der Einstellung der Lehramtsstudiengänge ihren angestammten Arbeitsbereich verloren haben, werden in diesem Forschungsverbund die Aufgabe übernehmen, die Grundlagen der europäischen Geschichte und ihrer Vermittlung einzubringen. Deshalb sind Module aus dem Angebot der Klassischen Sprachen in den Studiengängen "Europa: kulturhistorisch" sowie "Linguistik und Informationswissenschaft" vorgesehen. Darüber hinaus arbeitet die Klassische Philologie mit den Professuren Alte Geschichte und Philosophie der Antike zusammen, um auf der Bachelorebene einen Ergänzungsfachstudiengang "Antike Kultur" zu entwickeln.
Zu den Geschichtswissenschaften zählen die Fächer Geschichte, Kunstgeschichte sowie die Jüdischen Studien. Über den Kernbereich der Geschichtswissenschaft – die Lehrstühle für Alte, Mittelalterliche, Neuere und Neueste Geschichte – hinaus erhält die Historik an der Philosophischen Fakultät durch die Landesgeschichte NRW, die Osteuropäische Geschichte und die Jüdischen Studien ein besonderes Profil. Darüber hinaus ist das Fach Jüdische Studien neben der sozialhistorischen Ausrichtung in Forschung und Lehre durch seine Hinwendung zu Literatur und Sprache eng mit den Philologien verbunden. Mit dem Seminar für Jüdische Studien besitzt die Fakultät ein in Europa einzigartiges Lehr- und Forschungsinstitut.
Die Gesellschaftswissenschaften umfassen die Fächer Erziehungswissenschaft, Kommunikations- und Medienwissenschaft, Politikwissenschaft, Soziologie und Modernes Japan. Das Sozialwissenschaftliche Institut ist in den letzten Jahren vorbildlich um- und ausgebaut worden. Einer der drei Preise des Stifterverbandes für innovative Studiengänge wurde 2003 an den Bachelor- und Masterstudiengang "Sozialwissenschaften" vergeben. Der Bachelorstudiengang "Sozialwissenschaften" umfasst die Fächer Soziologie, Politikwissenschaft und Medienwissenschaft, der Masterstudiengang "Sozialwissenschaften" bietet die Schwerpunkte Soziologie und Politikwissenschaft an. Ein eigener Masterstudiengang "Medienwissenschaften" wird vorbereitet, mit dem die Absolventen der Bachelorstudiengänge "Medien- und Kulturwissenschaften" und "Sozialwissenschaften" ihr Studium fortsetzen können.
Forschung und Lehre in Zeiten der Internationalisierung
Für eine modernisierte Forschung und Lehre bedarf die Universität der Partner über die Grenzen der Universität hinaus. Die Philosophische Fakultät hat in den vergangenen Jahren konsequent Verbindungen zwischen ihren Fächern und regionalen Wirtschafts- und Kultureinrichtungen geknüpft. Um den Studierenden einen Weg in den Berufsalltag zu zeigen, organisiert sie die Zusammenarbeit von Wirtschaft und Universität in Praxisbüros, die Praktikumsplätze vermitteln und Veranstaltungen zur Berufspraxis anbieten. Zugleich bezieht sie erfahrene Praktiker in die Lehre ein.
Die internationale Ausrichtung der Universität zeigt sich nicht nur in der europäisch motivierten Perspektivierung der einzelnen Fächer, sondern auch in dem kontinuierlichen Austausch mit den Partneruniversitäten. Regelmäßig lehren Dozenten aus Großbritannien, Frankreich, Italien, Japan, Spanien, Tschechien und den USA an unserer Fakultät. Mit unserer Partneruniversität Nantes besteht zudem eine Absprache über die kombinierte Betreuung von Magisterarbeiten und Dissertationen.
Die Internationalisierung soll auch in den kommenden Semestern weiter vorangetrieben werden. Bestehende Kooperationen und Partnerschaften sollen ausgebaut, der wissenschaftliche Austausch und die Mobilität unter den Studierenden gefördert werden. Neben den bisherigen Ländern sollen Kontakte besonders mit Japan und Israel geknüpft werden. Die Fakultät wird ihre Mitgliedschaft in der Institution "Deutsch-Französische Hochschule" (Sitz Saarbrücken) für die Entwicklung und Beantragung von "cursus intégres" in den Bachelor- und Masterstudiengängen nutzen, d. h. für international konzipierte Studienangebote, die jeweils in Zusammenarbeit mit einer Partneruniversität durchgeführt werden.
Eine weitere Facette der Internationalisierung ist die vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) geförderte Einrichtung internationaler Studiengänge. Für den Masterstudiengang "Sozialwissenschaften" läuft bereits ein Antragsverfahren; für den Studiengang "Sprache und Information" sind die Planungen so weit fortgeschritten, dass ein Antrag in Kürze gestellt werden kann.
Perspektiven in Forschung und Lehre
Zur Sicherung der Qualität in Forschung und Lehre an der Fakultät sehen sich die Fächer zur Einführung eines lokalen Numerus clausus gezwungen. Nur durch eine beschränkte Zulassung lässt sich eine kapazitätsgerechte Auslastung erreichen und die Überlastung der Fächer, wie sie in den letzen Jahren an der Tagesordnung war, vermeiden. Eine verbesserte Betreuungsrelation und eine klare Strukturreform sollen den Studienerfolg steigern und die Absolventenquote erhöhen. Die hohe Absolventenquote des Bachelorstudiengangs "Sozialwissenschaften" zeigt, dass die Fakultät mit einer solchen Strategie auf dem richtigen Wege ist.
Zusammen mit der Umstellung der Magister- auf Bachelor- und Masterstudiengänge soll auch das Promotionsstudium den veränderten Rahmenbedingungen angepasst werden. Es soll sich an der Struktur der Forschungszentren ausrichten und allen Promovenden die Möglichkeit geben, ihre Arbeit mit Hilfe deren organisatorischer und wissenschaftlicher Ressourcen zu optimieren.
Den Kern des Promotionsstudiums sollen interdisziplinär zusammengesetzte Promotionskolloquien bilden, die wie Lehrveranstaltungen regelmäßig im Semester stattfinden, deren Frequenz aber im Einzelnen der jeweiligen Teilnehmerzahl angepasst werden kann. Sie sollen den wissenschaftlichen Austausch unter den Promovenden der Fakultät erleichtern und unterstützen sowie Gelegenheit geben, sich über die Fachgrenzen hinaus auszutauschen, gemeinsame inhaltliche und methodische Fragen zu klären und Hilfen bei der Anfertigung der Dissertation zu geben. Gleichzeitig sollen die Promovendenkolloquien – ähnlich wie die bisherigen bei den Lehrstühlen angesiedelten Kolloquien – als Foren dienen, auf denen die Promovenden ihre jeweiligen Forschungsansätze präsentieren und sich in der interdisziplinären wissenschaftlichen Kommunikation erproben.
Zum Bildungsideal in einer globalisierten Welt
In der Diskussion um die Bildungsreform wird den deutschen Universitäten meist der Blick über den Atlantik empfohlen. In den USA liege die Zukunft der Wissenschaft. Deutschland – Europa ist dann meist mit gemeint – leide unter einem "brain drain". Tatsächlich mangelt es Naturwissenschaftlern in Deutschland an viel versprechenden Perspektiven, besonders in finanzieller Hinsicht. Erste Schritte sind bereits unternommen worden, um jungen und aufstrebenden Wissenschaftlern einen Platz im System der Wissenschaften zu verschaffen, etwa durch Streichung der Habilitationspflicht und die Einrichtung von Juniorprofessuren. Nach wie vor gehen jedoch 14 Prozent aller an deutschen Universitäten promovierten Naturwissenschaftler und Ingenieure in die USA, zumindest für eine gewisse Zeit. Die meisten von ihnen kommen auch wieder zurück.
Für die Geisteswissenschaften ist diese Debatte eine Geisterdebatte. Nicht nur, weil die Zahl der ins Ausland gehenden Wissenschaftler eher zu niedrig als zu hoch ist, sondern auch, weil das Wissenschaftssystem der USA mit dem der Bundesrepublik nicht zu vergleichen ist. Zum einen zeigt man auf jene Eliteuniversitäten, die man schon aus finanziellen Gründen nicht kopieren kann. Zum anderen wird vergessen, dass die amerikanischen Universitäten in der Breite wesentlich schlechter gestellt sind als die europäischen. Giovanni Galizia, Neurologe und Professor an der University of California, kommentiert die Lage in Deutschland so: Die Bedingungen seien "sehr gut, im internationalen Vergleich vielleicht sogar exzellent. Die gefühlten Perspektiven" aber seien "schlecht".3
Die Philosophische Fakultät setzt in Zukunft auf ihre Autonomie in Forschung und Lehre, in der Organisationsform, in der Auswahl von Lehrenden und Lernenden und in finanzieller Hinsicht. Denn im Angesicht einer global bestimmten und auf Wissen basierenden Informationsgesellschaft sieht es die Heinrich-Heine- Universität als ihre Aufgabe an, eine umfassende Bildung in einer universalen Gesamtschau zu ermöglichen. Studierende und Lehrende sollten Multiplikatoren der Demokratie und des guten Zusammenlebens sein, nicht nur Faktoren von Wachstum und Fortschritt. Die ideale Situation im Seminar, das gleich gesinnte Gespräch zwischen Lehrenden und Lernenden, steht dafür ein, dass mit der Globalisierung des Wissens ein Miteinander im Denken und Arbeiten gemeint ist und kein Gegeneinander im Namen des Profits. Mit dieser Überzeugung ist die Philosophische Fakultät ihrem Namenspatron Heinrich Heine verpflichtet. Er steht für Toleranz und Engagement in Düsseldorf, in Europa und darüber hinaus.
Literatur
- CLEMENS, Anja. "NRW zahlt am wenigsten für Studenten. Bildungsforscher Klemm rügt die Politik: Massive Unterschiede bei der Hochschulförderung der Länder", Westdeutsche Zeitung (28.05.2004), 5.
- FEUCK, Jörg. "Das Zerrbild vom Exodus der Besten", Frankfurter Rundschau (05.07.2004), 2.
- JANSSEN, Ingrid. "Uni reif für Europa? Gute Noten für die Hochschulen im Revier von Ministerin", Neue Rhein Zeitung (02.07.2004), 4.
- KLEMM, Klaus. Website der Arbeitsgruppe Bildungsforschung/Bildungsplanung. http: //www.uni-essen.de/agklemm/index.php (01.07.2004).
0211/81-00

