Die Zeiten sind nicht gut für die deutschen Universitäten. Die wirklich dramatischen Finanzprobleme der Länder führen fast überall zu massiven Kürzungen, die man beschönigend Strukturreformen nennt. Hinzu kommt eine Gesetzgebung, vor allem im Bund, die den Universitäten nicht etwa neue Perspektiven öffnet, sondern sie eher verwalten als fördern will.
Und doch ist mein Eindruck, dass sich die meisten deutschen Universitäten nicht unterkriegen lassen. "The wind of change" hat sie ergriffen, zumindest aber eine kräftige Brise des Wettbewerbs.
Man kann es an der Heinrich Heine-Universität studieren. Unsere Universität ist in einer Phase des Aufbruchs. Nicht nur, dass ihr Lehrkörper sich dramatisch verjüngt, überall entstehen neue Initiativen, neue Strukturen, sogar neue Institute.
Eine besondere Dynamik hat unsere Universität durch die beiden neuen Fakultäten erfahren – auch wenn sie so neu gar nicht mehr sind. Regelmäßig erscheinen die Juristische und die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät auf den Spitzenplätzen der nationalen Rankings. Die Nachfrage nach Studienplätzen übersteigt unsere Möglichkeiten bei weitem.
Die Philosophische Fakultät hat den Sprung ins kalte Wasser gewagt, indem sie bald nicht mehr für den Lehrerberuf ausbildet, sondern Studiengänge für den freien Markt anbietet. Das ist eine wirklich singuläre Herausforderung unter den deutschen Philosophischen Fakultäten – und sie wird bei uns als Chance begriffen. Auch wird der Zugewinn mehrerer Professuren für Jüdische Studien das Profil der Fakultät bereichern.
Die Naturwissenschaften – traditionell stark in Düsseldorf – haben ganz aus eigener Kraft die Errichtung eines ganz neuen Zweigs geschafft: Das Querschnittsfach Informatik, besonders Bioinformatik, ist eine zukunftsweisende Entscheidung. Auch konnte die Fakultät eine der höchsten wissenschaftlichen Auszeichnungen, den Deutsche Zukunftspreis des Bundespräsidenten, gewinnen. Darum werden wir in der Republik beneidet.
Und die Medizin – das Flagschiff der Universität – bleibt durch neue Sonderforschungsbereiche in der Spitzengruppe der forschenden Medizin in Deutschland. In medizinischer Wissenschaft und in Krankenversorgung ist Düsseldorf eine erste Adresse.
Die Studentinnen und Studenten studieren offenbar gern in Düsseldorf. Nur so ist zu erklären, dass Düsseldorf als einzige nordrhein-westfälische Hochschule in den letzten zehn Jahren erheblich gewachsen ist.
So ist nicht erstaunlich, dass trotz aller Probleme in der Universität eine ansteckende Schaffensfreude zu spüren ist. Und das spricht sich offenbar herum. Wenn der Rektor in einer Woche gleich vier Lehrstuhlinhaber aus Bayern und Baden-Württemberg verpflichten kann, dann spricht das für die Attraktivität der Universität.
Wir sind keine Insel der Glückseligen. Der Wettbewerb um öffentliche und private Mittel wird immer härter und intelligenter. Da bin ich besonders dankbar, dass uns in Düsseldorf so viele Menschen vertrauen, ja sogar ihr Geld anvertrauen. Die Förderer der Universität sind unser besonderer Stolz. Sie fördern in vielfältiger Weise besonders unsere Studentinnen und Studenten. Und derentwegen ist ja die Universität hauptsächlich da.
Natürlich ist Geld wichtig. Aber arm ist eine Universität nicht, wenn sie kein Geld hat, arm ist sie, wenn sie keine Ziele mehr hat.
Düsseldorf, im September 2003
0211/81-00

