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| Arbeitsgemeinschaft der
Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften |
| AWMF-Leitlinien-Register | 083/005 | Entwicklungsstufe: | 1 |
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Tab. 1: Mittlere effektive Dosis (36, 38) (nach ICRP 103 (52))
| effektive Dosis DVT [µSv] | effektive Dosis CT [µSv] | |
|---|---|---|
| Mittelwert (± Standardabweichung) | 221 ± 275 | 788 ± 334 |
Die rechtliche Grundlage für die Entscheidung bzgl. der Anfertigung einer Röntgenaufnahme bildet die rechtfertigende Indikation, welche u. A. die Feststellung erfordert; "dass der gesundheitliche Nutzen der Anwendung am Menschen gegenüber dem Strahlenrisiko überwiegt".(4) Die DVT bildet zum derzeitigen Stand eine ergänzende Röntgentechnik, die möglicherweise zukünftig auch für bestimmte Fragestellungen die herkömmlichen zweidimensionalen Techniken ersetzen kann. Die DVT ist prinzipiell in allen Teilgebieten der Zahnmedizin einsetzbar, die einer Röntgendiagnostik zugänglich sind. Es zeichnen sich derzeit verschiedene Einsatzgebiete ab, die im Folgenden nach Teilgebieten geordnet angeführt werden.
| Daher ist die DVT zur Kariesdiagnostik, insbesondere von approximalen Läsionen, kaum geeignet. |
Die folgenden Indikationsgebiete innerhalb der einzelnen Fachgebiete werden derzeit diskutiert bzw. sind bereits erkennbar, bei denen eine DVT-Untersuchung erfolgen kann:
Endodontie:
Parodontologie:
| Die DVT sollte daher den klassischen Kiefergelenk-Projektionsaufnahmen, z.B. nach Parma und nach Schüller, vorgezogen werden.(12, 24; 25; 39,45) |
| Für den Nachweis erosiver Veränderungen (28) insbesondere am Kondylus kann die DVT verwendet werden.(29) |
Für die Darstellung von Knorpelstrukturen bleibt die Magnetresonanztomographie das Verfahren der Wahl, zumal hierin die knöchernen Konturen ebenfalls in dreidimensionalen Schnittbildern zur Darstellung kommen.
Derzeit erkennbare Hauptindikationen für welche eine DVT zur Kiefergelenksdiagnostik herangezogen werden kann, sind:

Abb. 1: Typische Darstellung eines Zementoblastoms im Unterkiefer in der röntgenologischen Schnittbilddiagnostik
| Abb. 2: Multiple überzählige, teils retinierte und weit verlagerte Zähne bei einem achtjährigen Patienten mit dringendem Verdacht auf eine bisher nicht abgeklärte Syndromerkrankung. Hier kann die Oberflächenrekonstruktion (oben rechts) sowie die Zahndarstellung in der "Maximum Intensity Projection" (alle anderen Schnitte) helfen, die Anzahl und Lage der Zähne abzuschätzen. |
| Eine computergestützte Planung auf der Basis dreidimensionaler Röntgenverfahren sollte mit Hilfe der DVT durchgeführt werden. |
Auf der Basis dieser Aufnahmen können geplante Implantate, Aufbauten, Augmentationen, Schnittführungen, Zahnersatzrestaurationen softwarebasiert simuliert und evaluiert werden. Die dabei ermittelten Werte und Erkenntnisse können dazu verwendet werden, eine möglichst exakte, prothetisch orientierte Positionierung der Implantate unter bestmöglicher Ausnutzung des Knochenangebotes zu planen. Zudem können Defizite im vorhandenen Gewebeangebot detektiert und die Notwendigkeit von Augmentationen/Distraktionen/implantatbettvorbereitenden Maßnahmen vorausschauend erkannt sowie ggf. entsprechende Maßnahmen geplant werden. Die Übertragung der räumlichen Information aus dem Planungssystem in die OP-Realität kann über computerunterstützt gefertigte Übertragungs- bzw. Bohrschablonen oder mit Hilfe der direkten Instrumentennavigation erfolgen. In vitro werden hierbei eine Achsabweichung von bis zu 4 Grad bzw. lineare Abweichungen von bis zu 2,4 mm angegeben.(53) In vivo Daten sind hierzu kaum vorhanden, eine vorläufige Analyse basierend auf einer sehr geringen Fallzahl gibt maximale Abweichungen von 6 mm linear und 11 Grad in Achsrichtung an.(7) Valide Daten bzgl. der klinischen Anwendung von DVT-gestützter Implantation mittels Bohrschablonen liegen bisher wenige vor. Erste Ergebnisse zeigen jedoch eine gute Übereinstimmung der DVT- Planung mit der klinischen Situation.(43) Zukünftig könnte die DVT auch direkt für intraoperative Navigationsverfahren eingesetzt werden.(19) Grundsätzlich sind bei diesen Einsätzen die systemimmanenten möglichen Ungenauigkeiten zu beachten und Sicherheitsmargen einzuhalten, um die Verletzung sensibler Nachbarstrukturen zu vermeiden.
| Da bedingt durch die hohe Absorption eines Titanimplantates im weiteren Strahlengang Aufhärtungsartefakte entstehen, ist die Evaluation der unmittelbar periimplantären Region sowie der Region zwischen Implantaten in Strahlengangsrichtung nur sehr eingeschränkt möglich. |
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| Abb. 3: Fremdkörpersuche: Eine Wurzelspitze wurde bei einer operativen Zahnentfernung versehentlich iatrogen in die Kieferhöhle verlagert. | Abb. 4: Spiegelbildung (Pfeile) bei akutem Kieferhöhlenempyem in coronarer (links) sowie sagittaler Schnittebene (rechts) |
| Durch DVT-Untersuchungen ist eine deutliche Erhöhung der Strahlenexposition der jungen Patienten zu erwarten, eine ausreichende Evidenz für einen erhöhten Nutzen liegt derzeit nicht vor.(27) |
Trotz der derzeit auf relativ niedrigem Evidenzniveau basierenden Erkenntnissen zeichnen sich derzeit die folgenden kieferorthopädischen Indikationen ab, bei welchen eine DVT-basierte Diagnostik sinnvoll sein kann:(s. Stellungnahme DGKFO: 21)
Auch wenn sich vorhandene DVT-Datensätze prinzipiell zur Berechnung von 2D-Kephalogrammen eignen,(9,31) so sind diese aufgrund des unweigerlichen Informationsverlustes lediglich als Ausgangpunkt für eine anzustrebende 3D-Kephalometrie geeignet.(9) Grundlegende Arbeiten hierfür bestehen bereits.(15,49,50)
| Die Wahl des geeigneten röntgenologischen Untersuchungsverfahrens muss gerade bei dem oft jugendlichen Patientenklientel unter besonderer Berücksichtigung des Strahlenschutzes erfolgen. Möglichkeiten zur Dosisreduktion sollen ausgeschöpft werden (z. B. reduzierte optische Auflösung, reduzierter Expositionswinkel, reduzierte Anzahl an Projektionsaufnahmen) werden. Auch sollen gänzlich ohne ionisierende Strahlung arbeitende Untersuchungsverfahren alternativ in Erwägung gezogen werden. |
Die Leitlinie wurde am 06.04.2009 durch den Vorstand der DGZMK verabschiedet.
Die Überarbeitung dieser Leitlinie in einer höheren Ausbaustufe für 2012 geplant.
Federführend: Arbeitsgemeinschaft für Röntgenologie (ARö)
Priv.-Doz. Dr. Ralf Schulze (Mainz)
Prof. Dr. Dr. Stefan Haßfeld (Dortmund)
Priv.-Doz. Dr. Dirk Schulze (Freiburg)
Autoren beteiligter Gesellschaften
Deutsche Gesellschaft für Funktionsdiagnostik und -therapie (DGFDT)
Priv.-Doz. Dr. M. Oliver Ahlers (Hamburg)
Prof. Dr. Wolfgang B. Freesmeyer (Berlin)
Deutsche Gesellschaft für Implantologie (DGI)
Dr. Karl-Ludwig Ackermann (Filderstadt)
Dr. Elmar Frank (Besigheim)
Prof. Dr. Hendrik Terheyden (Kassel)
Deutsche Gesellschaft für Kieferorthopädie (DGKFO)
Prof. Ursula Hirschfelder (Erlangen)
Deutsche Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG)
Prof. Dr. Dr. Stefan Haßfeld (Dortmund)
Prof. Dr. Dr. W. Wagner (Mainz)
Prof. Dr. Dr. M. Kunkel (Bochum)
Deutsche Gesellschaft für Parodontologie (DGP)
Prof. Dr. Peter Eickholz (Frankfurt)
Deutsche Gesellschaft für Zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde (DGZPW)
Prof. Dr. Daniel Edelhoff (München)
Deutsche Gesellschaft für Zahnerhaltung (DGZ)
Prof. Dr. Werner Geurtsen (Hannover)
Arbeitsgemeinschaft für Kieferchirurgie (AGKie)
Prof. Dr. Dr. Torsten Reichert (Regensburg)
