AWMF online

 

Arbeitsgemeinschaft der
Wissenschaftlichen
Medizinischen
Fachgesellschaften

Leitlinien der Deutschen Gesellschaft Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI),

des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (ÄDA), der Gesellschaft für pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPA), der Österreichischen Gesellschaft für Allergologie und Immunologie (ÖGAI) und der Schweizerischen Gesellschaft für Allergologie und Immunologie (SGAI)

 AWMF-Leitlinien-Register  Nr. 061/004   Entwicklungsstufe:  2 
Zitierbare Quelle:
Allergo J 2009; 18: 508-37

Die spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) bei IgE-vermittelten allergischen Erkrankungen

Specific immunotherapy (hyposensitization) for IgE-mediated allergic diseases

Schlüsselwörter: Spezifische Immuntherapie, Hyposensibilisierung, Leitlinie, Allergen, Allergenextrakt, allergische Erkrankung, Behandlung

Key words: Specificimmunotherapy, hyposensitization, guideline , allergen, allergen extract, allergic disease, treatment

Zusammenfassung

Summary

 

  1. Zielsetzung und Entwicklung der Leitlinien
  2. Inhaltlich spiegelt sich in der vorliegenden Leitlinie zur spezifischen Immuntherapie mit Allergenen (SIT, Hyposensibilisierung) die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte wider, in denen Wirksamkeit und Sicherheit der SIT durch zahlreiche kontrollierte Studien dokumentiert worden sind (Übersicht in [1, 24, 38, 129, 168]). Die immunologischen Wirkmechanismen werden zunehmend besser verstanden [3, 57, 92]. Derzeit gilt die subkutane Immuntherapie (SCIT) als einzige Behandlungsform, die kausal den natürlichen Verlauf allergischer Krankheiten günstig beeinflussen kann, indem sie bei einem Teil der Patienten mit allergischer Rhinokonjunktivitis die Entwicklung eines Asthma bronchiale [76] und möglicherweise Neusensibilisierungen verhindert [127, 148].
    Die vorliegende Leitlinie, im Auftrag angefertigt und finanziert durch die allergologischen Fachgesellschaften Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI), Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA) und Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPA), ersetzt die 2006 publizierte S2-Leitlinie [86]. Erstmalig wurden die Österreichische Gesellschaft für Allergologie und Immunologie (ÖGAI) und die Schweizerische Gesellschaft für Allergologie und Immunologie (SGAI) an der Leitlinienentwicklung unmittelbar beteiligt. Dabei wurden internationale (Weltgesundheitsorganisation [WHO]) [24], europäische (European Academy of Allergology and Clinical Immunology [EAACI]) [4, 129] und bereits bestehende Empfehlungen zur sublingualen Immuntherapie (SLIT) berücksichtigt [85].
    Die Leitlinie zur SIT ist entsprechend den methodischen Vorgaben zur Entwicklung von Leitlinien für Diagnostik und Therapie der in Deutschland etablierten Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) erstellt worden und entspricht nach dem Dreistufenkonzept der AWMF einer S2-Leitlinie, ergänzt durch Empfehlungs- und Evidenzgrade (Tab. 1) sowie klinische Algorithmen (Erläuterung siehe Abb. 1) zur Diagnostik und Indikationsstellung. Aussagen der Leitlinie wurden mit Empfehlungs- und Evidenzgraden versehen, die anhand von Metaanalysen, klinischen Studien und anderen wissenschaftlichen Untersuchungen ermittelt wurden.
    Ein Konsens ist notwendig, um bei geringer vorhandener Evidenz Akzeptanz für eine Leitlinie zu erzeugen und die Verbreitung und Implementierung zu unterstützen. Als Konsensusverfahren wurde ein kombiniertes Verfahren aus nominalem Gruppenprozess und Delphitechnik eingesetzt, an dem autorisierte Vertreter der wissenschaftlichen Fachgesellschaften und ärztlichen Berufsverbände beteiligt wurden: Wolfgang Wehrmann, Münster, Berufsverband der Deutschen Dermatologen (BVDD); Frank Friedrichs, Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ); Thomas Hering, Berlin, Bundesverband der Pneumologen (BDP); Andrea Koch, Köln, und Horst Müsken, Bad Lippspringe, Deutsche Gesellschaft für Pneumologie (DGP); Heinrich Lenders, Schwäbisch Hall, und Sylvia Schnitzer, Grevesmühlen, Deutscher Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte (BVHNO); Boris A. Stuck, Mannheim, Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (DGHNOKHC); Joachim Saloga und Bettina Wedi, Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG); Ingrid Voigtmann, Mönchengladbach, Deutscher Allergie- und Asthmabund (DAAB). Die Konsensuskonferenz und der Leitlinienprozess wurden freundlicherweise von Susanne Kaul, Langen, Paul-Ehrlich-Institut (PEI), Abteilung Allergologie, Burkhard Luther, Oberursel, Medizinischer Dienst der Krankenversicherung (MDK) Hessen, und Anja Schwalfenberg, Mönchengladbach, DAAB, als neutrale Beobachter begleitet. Im Anschluss an das Konsensverfahren wurde die Leitlinie allen verantwortlichen Vorständen zur Kommentierung vorgelegt und zur Übernahme empfohlen.
    Die Leitlinie richtet sich an alle Ärzte, die allergische Patienten behandeln und betreuen und ist drei Jahre nach ihrer Publikation von den Autoren der allergologischen Fachgesellschaften erneut zu aktualisieren; verantwortlich dafür zeichnet der Erstautor. Die Leitlinie wird durch die allergologischen Fachgesellschaften in den assoziierten Publikationsorganen (Allergo Journal, Pädiatrische Allergologie in Klinik und Praxis) und der AWMF-Leitliniensammlung veröffentlicht und verbreitet, anderen beteiligten Fachverbänden zur Übernahme empfohlen und interessierten Fachzeitschriften mit allergologischen Inhalten zum Nachdruck zur Verfügung gestellt.


    Abbildung 1. Standardisierte Terminologie für klinische Algorithmen: Ein klinischer Algorithmus ist ein in endlich vielen Schritten formuliertes Verfahren zur Lösung eines klinischen Problems unter Benutzung von bedingten logischen Anweisungen (Wenn-Dann-Logik). Die Darstellung erfolgt üblicherweise in grafischem Format mit einer von der Society for Medical Decision Making empfohlenen Standardnomenklatur. Dabei unterscheidet man Zustands-, Aktions- und Entscheidungsknoten. Zustands- und Aktionsknoten haben je einen Ausgang, Entscheidungsknoten haben genau zwei Ausgänge (Ja und Nein).

  3. Immunologische Wirkmechanismen
  4. Die meisten immunologischen Veränderungen im Rahmen der SIT wurden zunächst für die SCIT beschrieben. Gemäß dem derzeitigen Kenntnisstand bewirkt die Immuntherapie Veränderungen auf der Ebene der Antigenpräsentation, der T-Zell-Antwort und der Antikörperantwort mit Einfluss auf die Effektorzellen [92]. Zurzeit stützen die Daten verschiedene Modelle für die immunologische Wirksamkeit der Immuntherapie:
    1. Die SCIT modifiziert die Funktion der allergenspezifischen T-Zellen, und zwar durch Aktivierung regulatorischer CD4+ T-Zellen, die Interleukin-(IL-)10 und „transforming growth factor“-(TGF-)b produzieren und Toleranz vermitteln [2, 3, 13, 57, 58, 78, 123] (Abb. 2). TH2-Zellen werden anerg und entwickeln eine verminderte Reaktionsbereitschaft mit abnehmender Zytokinproduktion und Proliferation nach Stimulation über den T-Zell-Rezeptor [54, 102, 113].
    2. Die SCIT bewirkt eine Verschiebung der dominanten TH2-Antwort (z. B. IL-4, IL-5, IL-13) zugunsten einer stärkeren TH1-Antwort (Interferon- g) [13, 79, 158] (Abb. 2).
    3. Durch die SCIT entsteht wie bei Impfungen eine neue allergenspezifische Immunantwort, gekennzeichnet durch eine verstärkte Produktion von allergenspezifischen IgG- [56, 121, 162], insbesondere IgG1- und IgG4-Antikörpern [131], die eine allergenspezifische Mastzelldegranulation, T-Zell-Aktivierung und den allergeninduzierten Anstieg („boost“) der IgE-Produktion hemmen können [23, 62, 112].
    4. Effektorzellen wie Mastzellen und basophile Granulozyten bzw. eosinophile Granulozyten werden in ihrer Funktion gehemmt [137, 142].


    Abbildung 2. Allergische Immunantwort und Wirkungsweise der SCIT: T-Helfer-Typ-2-(TH2-)Zellen induzieren durch eine Interleukin-(IL-)5-Produktion die von eosinophilen Granulozyten (Eos) geprägte allergische Entzündung und mithilfe von IL-4 und IL-13 die Immunglobulin-E-(IgE-) Synthese von B-Lymphozyten (B). Die subkutane spezifische Immuntherapie (SCIT) hemmt die Funktion der TH-Zellen durch vermehrte Ausschüttung der Zytokine TGF-β („transforming growth factor beta“) und IL-10 aus regulatorischen Tr1-artigen Zellen (Immunmodulation). Daneben wird eine gegenregulatorische TH1-Immunantwort induziert (Immundeviation): IL-12 aus antigenpräsentierenden Zellen (APZ) stimuliert die Interferon-(IFN-)γ-Produktion der TH1-Zellen und hemmt dadurch die IgE-Bildung und die Differenzierung von TH2-Zellen. Für die SLIT werden ähnliche Wirkmechanismen angenommen, die teilweise für bestimmte Produkte mit hohem Allergengehalt gezeigt wurden.
    Abbildungsmerkmale: Kreis mit +: induziert; Kreis mit –: inhibiert; rote Kodierung: verstärkt allergische Immunantwort (Soforttypallergie); gelbe Kodierung: reduziert allergische Immunantwort

    Die SCIT greift somit in die grundlegenden immunologischen Mechanismen allergischer (atopischer) Krankheitsbilder ein. Sie ist daher kausal orientiert und besitzt einen besonderen Stellenwert bei der Therapie allergischer Erkrankungen. Allerdings korrelieren die immunologischen Veränderungen im Einzelfall nicht mit der klinischen Wirksamkeit.
    Zum Wirkmechanismus der SLIT gibt es bisher noch keine einheitlichen Vorstellungen; bei erfolgreicher SLIT wurde eine lokale antiinflammatorische Immunantwort im Sinne der Produktion von lokalen Zytokinen, vor allem IL-10 aus regulatorischen T-Zellen, gefunden [20]. Neueste Studien beobachten den Anstieg von Faktoren, welche die IgE-Bindung an Allergene inhibieren [41, 109]. Unter einer SLIT können allergenspezifische IgG- bzw. IgG4-Antikörper unterschiedlich stark ansteigen [48, 134]. Während einer SLIT mit einem Gräserpollenextrakt in Tablettenform stiegen auch allergenspezifische IgE-Antikörper deutlich über die bei natürlicher Pollenbelastung beobachtete Zunahme („boost“) an [48]. Die klinische Relevanz dieser Erhöhung ist unklar.

    Fazit: Bei der SCIT entsteht durch zahlreiche immunologische Veränderungen eine über die Therapiedauer hinaus anhaltende Toleranz gegenüber den eingesetzten Allergenen. Zum Wirkmechanismus der SLIT gibt es bisher noch keine einheitlichen Vorstellungen, allerdings werden bei hoch dosierten Präparaten ähnliche systemische Immuneffekte wie bei der SCIT beobachtet.

  5. Allgenextrakte, ihre Bewertung und Zulassung
  6. 3.1. Herstellung und Zusammensetzung von Allergenextrakten

    3.2. Bewertungskriterien der spezifischen Immuntherapie bei subkutaner oder sublingualer Applikation

    3.3. Bedeutung der Zulassung von Allergenpräparaten

  7. Wirksamkeit in klinischen Studien
  8. 4.1. Systematische Übersichtsarbeiten und Metaanalysen zur Bewertung der spezifischen Immuntherapie

    4.2 Wirksamkeit der SCIT

    4.3 Wirksamkeit der SLIT

    4.4 Prävention von Asthma und Neusensibilisierungen

  9. Indikationen und Kontraindikationen
  10. Diagnostik, Indikationsstellung (Abb. 4) und die Auswahl der relevanten Allergene sollen unabhängig von der Applikation (subkutan oder sublingual) grundsätzlich von einem Facharzt vorgenommen werden, der über die allergologische Weiterbildung im Kerngebiet (Haut- und Geschlechtskrankheiten, Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kinder- und Jugendmedizin, Lungen- und Bronchialheilkunde oder Innere Medizin mit Schwerpunkt Pneumologie) oder die Zusatzweiterbildung Allergologie verfügt.
    In Österreich darf die Indikation zur Immuntherapie nur durch spezialisierte Allergiezentren (Allergieambulatorien, Allergieambulanzen) oder durch Fachärzte für Dermatologie, für Hals-, Nasen und Ohrenheilkunde, für Kinder- und Jugendheilkunde und für Pneumologie gestellt werden. Entsprechend dürfen nur diese Fachgruppen die Packung „Anfangsbehandlung“ verordnen; „Fortsetzungsbehandlungen“ können auch vom Arzt für Allgemeinmedizin verordnet werden.
    In der Schweiz dürfen Initialbehandlungen nur nach durchgeführter allergologischer Abklärung erfolgen; ansonsten kann die Übernahme der Kosten durch die Krankenkasse verweigert werden. Es wird von der SGAI empfohlen, dass die Beurteilung und Indikationsstellung durch den Facharzt für Allergologie oder einen entsprechend allergologisch geschulten Spezialarzt (Dermatologie, Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Pädiatrie, Pneumologie) erfolgen. Die Fortsetzungsbehandlungen können auch vom Arzt für Allgemeinmedizin rezeptiert werden.
    Bei der Indikation zur SIT sind andere therapeutische Maßnahmen (Allergenkarenz, Pharmakotherapie und Patientenschulung) zu berücksichtigen. Die SCIT ist bei Patienten mit nachgewiesener, klinisch relevanter IgE-vermittelter Sensibilisierung gegenüber Soforttypallergenen indiziert, wenn die Exposition gegenüber bzw. die Provokation mit diesen Allergenen beeinträchtigende klinische Beschwerden (allergische Rhinokonjunktivitis, Asthma bronchiale) verursacht und eine Allergenkarenz nicht möglich oder nicht ausreichend wirksam ist (Textkasten 6; A, 1a; A, 1b) [1, 24, 38]. Die gleiche Indikation gilt auch für die SLIT (Textkasten 8; B, 1a; B; 1b), allerdings mit Einschränkungen in der Allergen- und Patientenauswahl (siehe 5.2). Bei neu aufgetretenen saisonalen allergischen Symptomen sollte die nächste Saison abgewartet und beobachtet werden, bevor die Indikation für eine SIT anhand von wenigstens zwei anamnestisch gesicherten Beschwerdezeiträumen gestellt wird. Bei Patienten mit geringfügigen Beschwerden, die nur sporadisch einer antiallergischen Therapie bedürfen, ist der Nutzen einer SIT sorgfältig gegen deren Aufwand und Kosten abzuwägen.
    Klinisch stumme Sensibilisierungen ohne Symptome sind keine Grundlage für eine SIT.


    Abbildung 4. Diagnostik zur SIT mit saisonalen Allergenen (klinischer Algorithmus)

    Fazit: Diagnostik, Indikationsstellung und die Auswahl der relevanten Allergene sollen grundsätzlich von einem Facharzt vorgenommen werden, der über die allergologische Weiterbildung im Kerngebiet oder die Zusatzweiterbildung Allergologie verfügt.

    5.1. Indikationen und Kontraindikationen der SCIT

    5.2 Indikationen und Kontraindikationen der SLIT

  11. Durchführung der spezifischen Immuntherapie
  12. Die SIT soll nur von einem Arzt vorgenommen werden, der entweder über die allergologische Weiterbildung im Kerngebiet, die Zusatzweiterbildung Allergologie oder entsprechende Therapieerfahrungen verfügt und zur Notfallbehandlung unerwünschter Begleitreaktionen (systemische allergische Reaktionen bis zum anaphylaktischen Schock, schwerer Asthmaanfall) in der Lage ist (D, 5) [11, 24]. Patienten müssen vor der Einleitung einer SIT über die Durchführung, Art und Dauer der Behandlung, die erwarteten Wirkungen, eventuelle Risiken sowie mögliche Alternativen aufgeklärt werden. Diese Aufklärung sollte dokumentiert werden (D, 5) [157].
    Sofern die SIT nach der Indikationsstellung von einem anderen Arzt durch- oder weitergeführt wird, ist eine enge Zusammenarbeit erforderlich, um eine konsequente Umsetzung und risikoarme Durchführung der SIT sicherzustellen. Dies gilt insbesondere für das Auftreten unerwünschter Wirkungen; gegebenenfalls ist der Patient zurück an den Arzt zu überweisen, der ursprünglich die Indikation zur SIT gestellt hat. Ein Wechsel der Präparate im Laufe der Therapie ist in diesem Zusammenhang zu vermeiden.
    Hat die Behandlung nach einem, spätestens zwei Jahren keinen erkennbaren Erfolg, so wird sie kritisch überprüft und gegebenenfalls abgebrochen. Bei Allergenen wie Hausstaubmilben ist die Umwelt des Patienten so zu gestalten, dass die Allergenexposition möglichst gering gehalten wird.

    6.1 SCIT

    6.2 SCIT mit Inhalationsallergenen

    6.3 SLIT mit Inhalationsallergenen

  13. Besonderheiten der spezifischen Immuntherapie im Kindesalter
  14. 7.1 SCIT im Kindesalter

    7.2 SLIT im Kindesalter

  15. Subkutane Immuntherapie mit Insektengiftallergenen
  16. 8.1. Wirksamkeit

    8.2 Indikationen

    8.3. Durchführung

    8.4 Therapiedauer, Verträglichkeit und Erfolgskontrolle

  17. Sicherheit, Risikofaktoren und unerwünschte Wirkungen
  18. 9.1. Sicherheit und Risikofaktoren bei der SCIT

    9.2. Nebenwirkungen der SCIT

    9.3 Sicherheit, Risikofaktoren und Nebenwirkungen bei der SLIT

  19. Notfalltherapie
  20. Systemische Reaktionen nach SIT treten meist innerhalb der ersten 30 min nach Applikation des Allergens auf. Patienten müssen bei der SCIT deshalb mindestens 30 min nach Injektion unter Beobachtung in ärztlicher Verantwortung bleiben und sollen jede auf eine allergische Reaktion verdächtige Symptomatik sofort melden. Systemische Reaktionen können bereits wenige Minuten nach Injektion einsetzen. Sie müssen wegen der Gefahr der raschen Verschlimmerung ohne Verzögerung behandelt werden (D, 5) [146]. Der Umgang mit obligaten Medikamenten (D, 5) [87] und Ausrüstungsgegenständen für den allergologischen Notfall (D, 5) [146] muss dem beteiligten Personal daher vertraut sein. Die Lagerung des Patienten, Adrenalin (i. m.), eine Infusionstherapie über einen großlumigen intravenösen Zugang und eine O2-Gabe gehören zu den Erstmaßnahmen. Behandelnder Arzt und Praxisteam müssen in kardiopulmonaler Reanimation geschult sein. Adrenalin ist zur Therapie der anaphylaktischen Reaktion besonders geeignet, so dass sein frühzeitiger Einsatz erwogen werden sollte. Gegebenenfalls können hierzu Autoinjektoren zur i.m. Injektion verwendet werden.
    Systemische Reaktionen müssen rasch erkannt und umgehend therapiert werden. Zu den Anzeichen einer bedrohlichen Nebenwirkung zählen Brennen und Jucken von Handflächen und Fußsohlen, Niesattacken, generalisiertes Hautjucken und generalisierte Urtikaria, Schwellung von Zunge und Rachen/ Kehlkopf, Dyspnoe, Tachykardie, Bradykardie, Übelkeit und Hypotonie. Im Allgemeinen treten zuerst Hautsymptome und Juckreiz auf. Die Symptome können nacheinander auftreten. Gelegentlich sind biphasische Verläufe zu beobachten.
    Aus ethischen Gründen stehen bezüglich therapeutischer Empfehlungen zur Notfalltherapie kaum kontrollierte Studien zur Verfügung. Klinische Erfahrungen und Überlegungen anhand pathophysiologischer Zusammenhänge haben zu der von den wissenschaftlich-medizinischen Fachgesellschaften überarbeiteten Leitlinie zur Akuttherapie anaphylaktischer Reaktionen [146] geführt, die auch für die Akuttherapie des Notfalls im Rahmen einer SIT gilt.
    Die dargestellten Empfehlungen gelten analog auch für anaphylaktische Reaktionen, welche im Rahmen einer SLIT auftreten.
    Bei Auftreten einer anaphylaktischen Reaktion vom Schweregrad IV gelten die Empfehlungen der Bundesärztekammer zur kardiopulmonalen Reanimation [35] (verfügbar unter www.aerzteblatt.de/v4/ archiv/artikel.asp?src=suche&id=50906 oder www. inm-online.de/pdf/Wissen/Reanimation/deutsches_ aerzteblatt.pdf), die auf einer deutschen Übersetzung [53] der seit 2005 gültigen, internationalen Leitlinie des European Resuscitation Council (ERC; www. erc.edu) beruhen [52] und über die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) verfügbar sind (www.divi-org.de/Leitlinien-des-European-Resusc.49.0.html) (externe Links).

    Fazit: Das Risiko und die Folgen unerwünschter systemischer Reaktionen können durch Schulung des Personals, Beachtung der Sicherheitsstandards und rasche Notfallmaßnahmen wirksam vermindert werden.

  21. Zukunftsperspektiven
  22. Trotz der erzielten Erfolge sind Innovationen und Weiterentwicklungen wünschenswert, um die Wirksamkeit der SIT besonders für spezielle, komplexe Allergenquellen zu steigern, die Nebenwirkungsrate zu senken und die Compliance bei den Patienten zu erhöhen. Einige Ansätze erscheinen besonders interessant und werden teilweise bereits klinisch erprobt (Phase I/II):

    Fazit: Die SIT zeigt in vielen Bereichen, wie Allergencharakterisierung, Applikationswege, Adjuvanzien, Aufdosierung und präventive Aspekte, neue Entwicklungen, die teilweise bereits auf ihre klinische Wirksamkeit untersucht werden.


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Verfahren zur Konsensbildung:

Erstellungsdatum:

??/2000

Letzte Überarbeitung:

09/2009

Nächste Überprüfung geplant:

09/2014


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Stand der letzten Aktualisierung: 09/2009
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HTML-Code aktualisiert: 29.04.2010; 10:50:53