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Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit (DTG)


 AWMF-Leitlinien-Register  Nr. 042/004   Entwicklungsstufe:  1 

Diagnostik und Therapie der viszeralen Leishmaniasis (Kala-Azar)

Zielgruppe und Zweck der Leitlinie

Steckbrief der Erkrankung

Diagnostik

  1. Wann sollte eine Diagnostik auf eine viszerale Leishmaniasis veranlasst werden?
  2. Bei jedem Patienten, der

    und

    oder

    Immer zu beachten:
    "Verpasste" Diagnosen finden sich im Klientel "onkologischer" Patienten und bei Patienten mit "unklarem" Fieber.

  3. Wer kann die Diagnostik durchführen?
  4. Notwendige Basisdiagnostik
  5. Aspiration von Knochenmark (Prothrombinzeit- und Thrombozyten-Bestimmung vor Punktion!), Verarbeitung der Probe in einem darin ausgewiesenen Labor:

    Bei HIV-positiven Patienten kann zuvor versucht werden, die Leishmanien fluoreszenz-mikroskopisch in der Buffy Coat-Schicht aus peripheren Blut nachzuweisen (Sensitivität etwa 70%, oder mittels PCR aus EDTA-Blut (Sensitivität nicht genau bekannt).

    Serologische Untersuchungsmethoden können ergänzend eingesetzt werden, haben aber Limitationen, insbesondere der Spezifität:

    aber auch der Sensitivität:

    In Einzelfällen kann bei typischer klinischer Symptomatik ein positiver Befund in der Serologie vorliegen, der Erregernachweis (sowohl Mikroskopie als auch PCP) aber negativ sein - in diesen Fällen sollte mit einer tropenmedizinischen Einrichtung Kontakt aufgenommen werden.

  6. Notwendige weitere Diagnostik bei Nachweis einer viszeralen Leishmaniasis
  7. Wenn eine viszerale Leishmaniasis diagnostiziert wird, sollten das Ausmaß des Organbefalls festgestellt und eventuelle Sekundärinfektionen erkannt werden:

  8. Andere in Einzelfällen nützliche Diagnostik
  9. PCR aus dem Blut ebenfalls möglich, Methode aber bisher insgesamt unzureichend evaluiert. Ein Erregernachweis (mikroskopisch, PCR) ist auch möglich aus Biopsien bzw. Punktaten von Lymphknoten, Leber oder Milz. Leishmanien können mit geeigneten Kultivierungsmethoden aus Knochenmark und anderen Organbiopsaten angezüchtet werden (gelingt nur in einem Teil der Fälle).

  10. Überflüssige Diagnostik
  11. -

Therapie

  1. Einordnung in Therapiegruppe
  2. Grundsätzlich wird die Therapie medikamentös durchgeführt.

  3. Notwendige Therapie
  4. Mittel erster Wahl: Liposomales Amphotericin B (AmBisome®)

    Substanz: Gehört zu der Gruppe der Lipid-assoziierten Amphotericine. Diese werden von Makrophagen aufgenommen und bringen damit Amphotericin B direkt an den Ort der Infektion. Es werden sehr hohe Spiegel in Leber und Milz erzielt. Die Toxizität ist im Vergleich zu Amphotericin B geringer.
    Dosierung: Die Gesamtdosis beträgt 20-30 mg/kg, verteilt auf mindestens 5 Einzeldosen von jeweils 3-4 mg/kg über einen Zeitraum von 10-21Tagen (z.B. 3-4 mg/kg täglich am Tag 0,1,2,3,4 und 10).
    Route: i.v. (Infusion über mehrere Stunden)
    Kontraindikationen: bekannte Überempfindlichkeit
    Schwangerschaft und Stillzeit: In der Schwangerschaft sind potentielle Risiken gegenüber dem erzielbaren Nutzen abzuwägen. Bei Verabreichung in der Stillzeit sollte abgestillt werden.
    Nebenwirkungen: Deutlich weniger/schwächer als bei Amphotericin B.
    Überempfindlichkeitsreaktionen, Nierenfunktionsstörungen selten und nach bisherigen Erfahrungen keine Notwendigkeit das Medikament abzusetzen, selten reversibler Anstieg von Leberenzymen, in Einzelfällen Blutbildveränderungen, Kopf-, Glieder- und Muskelschmerzen, insbes. Rückenschmerzen unter Infusion des Medikamentes, Thrombophlebitis
    Therapiekosten: Medikament kann als Sonderentgeld abgerechnet werden.

    Mittel zweiter Wahl: Miltefosine

    Substanz: Miltefosine (Impavido® ist ein Alkylphosphocholin, das ursprünglich zur Tumortherapie entwickelt wurde. Der biochemische Wirkungsmechnismus ist unklar. Dosierung: tägliche Dosis von 1,5 bis 2,5 mg/kg KG oral. Behandlungsdauer 28 Tage. Die Kapseln sollen zu den Mahlzeiten eingenommen werden.
    Miltefosine gibt es in den Wirkstärken 10 mg und 50 mg. Beide Stärken gibt es in einer Packungsgröße von 56 Kapseln. Die Packungseinheit 28 Kapseln gibt es nur für die 50 mg.
    Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff, bereits bestehende schwere Schädigung der Leber- oder der Nierenfunktion, Sjögren-Larsson-Syndrom (seltener Fettstoffwechsel-Defekt)
    Schwangerschaft, Stillzeit: kontraindiziert, Frauen im gebärfähigen Alter müssen während und bis zu 3 Monaten nach der Behandlung eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden. Es ist nicht bekannt, ob Miltefosin in die Muttermilch übergeht. Impavido® soll von stillenden Müttern nicht angewendet werden.
    Nebenwirkungen: am häufigsten sind vorübergehende gastrointestinale Störungen, Erbrechen, Durchfall und Erhöhung der Leberenzyme und des Serumkreatinins.

    Mittel dritter Wahl: Fünfwertige Antimone

    Substanzen:
    Antimonverbindungen:

    Dosierung: tägliche Einzeldosis von 20 mg SbV/kg. Behandlungsdauer 28 Tage
    Route: i.v. oder i.m. (i.v. weniger schmerzhaft als i.m.)
    Kontraindikationen: schwere Nieren-, Herz oder Lebererkrankungen
    Schwangerschaft und Stillzeit: In der Schwangerschaft sind potentielle Risiken gegenüber dem erzielbaren Nutzen abzuwägen. Bei Verabreichung in der Stillzeit sollte abgestillt werden.
    Resistenzen: primäre Resistenzen ca. 1 % der Patienten in afrikanischen Endemiegebieten und ca. 10-30 % in Indien
    Nebenwirkungen: Die Toxizität ist mit der kumulativen SbV-Dosis assoziiert. Myalgien, Arthralgien, Übelkeit, abdominelle Symptomatik (möglicherweise hinweisend auf eine Pankreatitis), Kopfschmerzen, reversible periphere Neuropathie, Lebertransaminasenerhöhung (GOT), chemische Pankreatitis (Amylase, Lipase im Serum erhöht), Abnahme (selten) von Erythrozyten-, Leukozyten- und Thrombozytenzahl, elektrokardiographische Veränderungen (konkave ST-Segmente, Verlängerung der QTc-Zeit), Herzrhythmusstörungen. Die Patienten sollen während der Therapie keinen Alkohol trinken.

  5. Überwachung unter laufender Therapie
  6. Liposomales Amphotericin B (AmBisome®)
    Nierenfunktion und Elektrolyte zweimal pro Woche
    Therapie abbrechen bei:

    Mittel zweiter Wahl: Miltefosine
    Leber- und Nierenfunktion wöchentlich
    Therapie abbrechen bei:

    Fünfwertige Antimone
    Blutbild, Lebertransaminasen, Amylase, Lipase einmal pro Woche und EKG zweimal pro Woche.
    Therapie abbrechen bei:

    Überwachung der Therapie und des Therapieerfolgs

  7. Andere in Einzelfällen nützliche Therapie
  8. Diese Medikamente werden nur erwähnt, da sie unter hiesigen therapeutischen und ökonomischen Bedingungen zur Therapie der VL zwar nicht zum Einsatz kommen; aber in anderen Ländern noch eingesetzt werden und auch eine Bedeutung in der Rezidivprophylaxe bei HIV-Patienten haben:

  9. Überflüssige Therapie
  10. -

  11. Wann stationär, wann ambulant
  12. Die medikamentöse Behandlung sollte grundsätzlich stationär erfolgen, wenn intravenös behandelt wird, eine orale Therapie mit Miltefosine kann möglicherweise auch ambulant erfolgen.

  13. Besondere Patientengruppen
  14. Besonderheiten bei Kindern
    Therapie mit liposomalem Amphotericin B in geringerer Dosierung als bei Erwachsenen: Therapie mit Miltefosine ab 3 Jahre zugelassen: Dosisanpassung anhand des Körpergewichtes, 2,5 mg pro kg KG auf volle 10 mg auf- oder abgerundet sollten nicht überschritten werden.

    Besonderheiten bei Schwangeren
    kein Miltefosine

    Besonderheiten bei Organtransplantierten
    Immunsuppression nach Organtransplantation kann das Risiko erhöhen, an einer Leishmaniasis zu erkranken. Die Therapie sollte mit liposomalem Amphotericin B durchgeführt werden.

    HIV-Patienten
    Liposomales Amphotericin B hat initial hohe Heilungsrate (100%) im Vergleich zu Antimonpräparaten (50%). Dennoch Rezidive auch bei Amphotericin B - Behandelten. Erhaltungstherapie zur Verhinderung von Rezidiven: 3 mg/kg liposomales Amphotericin B alle 3 Wochen
    Bei immungeschwächten Patienten soll Miltefosine nur nach Versagen einer Behandlung mit liposomalem Amphotericin B angewendet werden, da nur begrenzte Erfahrungen bei solchen Patienten vorliegen.

    Zu beachten ist, dass bei einem Relapse auch kutane Manifestationen auftreten können.

Literatur:


Verfahren der Konsensbildung

Erstellungsdatum:

11/2000

Letzte Überarbeitung:

02/2006

Nächste Überprüfung geplant:

k.A.


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Stand der letzten Aktualisierung: 02/2006
© Dt. Ges. f. Tropenmedizin und Internationale Gesundheit (DTG)
Autorisiert für elektronische Publikation: AWMF online
HTML-Code aktualisiert: 05.04.2006; 14:00:47