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| Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften |
| AWMF-Leitlinien-Register | Nr. 042/004 | Entwicklungsstufe: | 1 |
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Die Fragen der Diagnostik werden im Wesentlichen bezüglich ihrer Therapierelevanz berücksichtigt. Die Maßnahmen zu Herbeiführung des Konsens sind am Ende aufgeführt.
Erreger: Leishmania donovani, L. infantum, L. chagasi, auch viszerotrope Formen bei L. amazonensis, L. mexicana und L. tropica
Übertragung: Die Leishmanien werden durch Phlebotomen (Schmetterlingsmücken) von Tieren, wie Hunden und kleinen Nagetieren, die als Reservoir dienen, auf den Menschen übertragen (Zoonose), seltener von Mensch zu Mensch. In Einzelfällen kann die Infektion auch von asymptomatischen Trägern vertikal, also prä- oder perinatal von der Mutter auf ihr Kind, oder horizontal von Blut- und Organspendern übertragen werden. Auch bei Arbeiten mit Parasitenkulturen kann es durch versehentliche Inokulationen von Parasitenstadien zur Infektion mit Leishmanien kommen.
Inkubationszeit:
Epidemiologie: Die Verbreitungsgebiete (entscheidender anamnestisch eruierbarer Risikofaktor für die Diagnose einer VL) sind der Indische Subkontinent, Pakistan, Nepal, Zentral- und SW-Asien, China, N- und Subsahara-Afrika, der Nahe und Mittlere Osten, die Mittelmeer-Anrainerstaaten und Lateinamerika. Dabei stammen 90% aller global gemeldeten VL-Fälle aus Bangladesh, Indien, Nepal, Sudan und Brasilien. Derzeit weltweit ca. 500.000 neue Fälle pro Jahr (Inzidenz).
Klinische Epidemiologie: Subklinische Verläufe und Spontanheilungen sind bei Leishmania infantum-Infektionen (Mittelmeerraum!) und bei Leishmania chagasi-Infektionen (Südamerika) häufiger als klinisch manifeste Erkrankungen. Leishmania donovani-Infektionen verlaufen dagegen meist klinisch manifest. Jedoch weisen alle klinisch als VL verlaufende Erkrankungen unbehandelt eine hohe Letalität auf.
Bei Präsentation stehen unspezifische Allgemeinsymptome im Vordergrund wie täglich auftretendes, häufig zweigipfliges, Fieber, Leistungseinschränkung, ungewollter Gewichtsverlust sowie abdominelle Beschwerden durch Milzvergrößerung, Husten, Diarrhoe. Typisch, wenngleich nicht spezifisch ist die Trias (Hepato-) Splenomegalie, Panzytopenie und Hypergammaglobulinämie. Je nach Ausmaß der Knochenmarksuppression können Blutungen sowie bakterielle bis septische Erkrankungen im Vordergrund stehen.
Risikogruppen: Reisende nach Aufenthalten in Endemiegebieten, ausländische Mitbürger, Migranten, Asylsuchende, Flüchtlinge aus Endemiegebieten; HIV-infizierte Personen (opportunistische Infektion)
und
oder
Immer zu beachten:
"Verpasste" Diagnosen finden sich im Klientel "onkologischer" Patienten und bei Patienten mit "unklarem" Fieber.
Bei HIV-positiven Patienten kann zuvor versucht werden, die Leishmanien fluoreszenz-mikroskopisch in der Buffy Coat-Schicht aus peripheren Blut nachzuweisen (Sensitivität etwa 70%, oder mittels PCR aus EDTA-Blut (Sensitivität nicht genau bekannt).
Serologische Untersuchungsmethoden können ergänzend eingesetzt werden, haben aber Limitationen, insbesondere der Spezifität:
In Einzelfällen kann bei typischer klinischer Symptomatik ein positiver Befund in der Serologie vorliegen, der Erregernachweis (sowohl Mikroskopie als auch PCP) aber negativ sein - in diesen Fällen sollte mit einer tropenmedizinischen Einrichtung Kontakt aufgenommen werden.
Substanz: Gehört zu der Gruppe der Lipid-assoziierten Amphotericine. Diese werden von Makrophagen aufgenommen und bringen damit Amphotericin B direkt an den Ort der Infektion. Es werden sehr hohe Spiegel in Leber und Milz erzielt. Die Toxizität ist im Vergleich zu Amphotericin B geringer.
Dosierung: Die Gesamtdosis beträgt 20-30 mg/kg, verteilt auf mindestens 5 Einzeldosen von jeweils 3-4 mg/kg über einen Zeitraum von 10-21Tagen (z.B. 3-4 mg/kg täglich am Tag 0,1,2,3,4 und 10).
Route: i.v. (Infusion über mehrere Stunden)
Kontraindikationen: bekannte Überempfindlichkeit
Schwangerschaft und Stillzeit: In der Schwangerschaft sind potentielle Risiken gegenüber dem erzielbaren Nutzen abzuwägen. Bei Verabreichung in der Stillzeit sollte abgestillt werden.
Nebenwirkungen: Deutlich weniger/schwächer als bei Amphotericin B.
Überempfindlichkeitsreaktionen, Nierenfunktionsstörungen selten und nach bisherigen Erfahrungen keine Notwendigkeit das Medikament abzusetzen, selten reversibler Anstieg von Leberenzymen, in Einzelfällen Blutbildveränderungen, Kopf-, Glieder- und Muskelschmerzen, insbes. Rückenschmerzen unter Infusion des Medikamentes, Thrombophlebitis
Therapiekosten: Medikament kann als Sonderentgeld abgerechnet werden.
Mittel zweiter Wahl: Miltefosine
Substanz: Miltefosine (Impavido® ist ein Alkylphosphocholin, das ursprünglich zur Tumortherapie entwickelt wurde. Der biochemische Wirkungsmechnismus ist unklar.
Dosierung: tägliche Dosis von 1,5 bis 2,5 mg/kg KG oral. Behandlungsdauer 28 Tage. Die Kapseln sollen zu den Mahlzeiten eingenommen werden.
Miltefosine gibt es in den Wirkstärken 10 mg und 50 mg. Beide Stärken gibt es in einer Packungsgröße von 56 Kapseln. Die Packungseinheit 28 Kapseln gibt es nur für die 50 mg.
Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff, bereits bestehende schwere Schädigung der Leber- oder der Nierenfunktion, Sjögren-Larsson-Syndrom (seltener Fettstoffwechsel-Defekt)
Schwangerschaft, Stillzeit: kontraindiziert, Frauen im gebärfähigen Alter müssen während und bis zu 3 Monaten nach der Behandlung eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden. Es ist nicht bekannt, ob Miltefosin in die Muttermilch übergeht. Impavido® soll von stillenden Müttern nicht angewendet werden.
Nebenwirkungen: am häufigsten sind vorübergehende gastrointestinale Störungen, Erbrechen, Durchfall und Erhöhung der Leberenzyme und des Serumkreatinins.
Mittel dritter Wahl: Fünfwertige Antimone
Substanzen:
Antimonverbindungen:
Mittel zweiter Wahl: Miltefosine
Leber- und Nierenfunktion wöchentlich
Therapie abbrechen bei:
Fünfwertige Antimone
Blutbild, Lebertransaminasen, Amylase, Lipase einmal pro Woche und EKG zweimal pro Woche.
Therapie abbrechen bei:
Überwachung der Therapie und des Therapieerfolgs
Besonderheiten bei Schwangeren
kein Miltefosine
Besonderheiten bei Organtransplantierten
Immunsuppression nach Organtransplantation kann das Risiko erhöhen, an einer Leishmaniasis zu erkranken. Die Therapie sollte mit liposomalem Amphotericin B durchgeführt werden.
HIV-Patienten
Liposomales Amphotericin B hat initial hohe Heilungsrate (100%) im Vergleich zu Antimonpräparaten (50%). Dennoch Rezidive auch bei Amphotericin B - Behandelten. Erhaltungstherapie zur Verhinderung von Rezidiven: 3 mg/kg liposomales Amphotericin B alle 3 Wochen
Bei immungeschwächten Patienten soll Miltefosine nur nach Versagen einer Behandlung mit liposomalem Amphotericin B angewendet werden, da nur begrenzte Erfahrungen bei solchen Patienten vorliegen.
Zu beachten ist, dass bei einem Relapse auch kutane Manifestationen auftreten können.
| Autor | Studienart | Land | Population | Tagesdosis | Dauer | Cure rate | Definition Heilung |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Anabwani et al. 1983) | df | Kenia | Kinder Kinder Erwachsene Erwachsene | 20 mg/kg 10 mg/kg 20 mg/kg 10 mg/kg | 4w 4w 4w 4w | 21/21 12/20 4/5 6/8 | keine Amastigoten In 2 Milzasp. |
| Chulayet et al. 1983 | df | Kenia | Erwachsene | 10 mg/kg 20 mg/kg 30 mg/kg | 31 Tage 15 Tage 10 Tage | 10/10 7/10 10/10 | Parasitol. und klinisch, kein Relapse nach 12 Mon |
| Thakur et al.1984 | df | Indien | 20 mg/kg 20 mg/kg | 20 Tage > 20 Tage | 54/63 62/63 | Parasitol. und klinisch, kein Relapse nach6 Mon | |
| Thakur et al. 1988 | df | Indien | Median Alter: 16-18 Jahre | 20 mg/kg 20 mg/kg 15 mg/kg 15 mg/kg 10 mg/kg 10 mg/kg | 40 Tage 20 Tage 40 Tage 20 Tage 40 Tage 20 Tage | 62/64 51/63 54/63 42/62 45/61 33/58 | Parasitol. und klinisch, kein Relapse nach6 Mon |
| Zijlstra et al. 1991) | n-comp | Sudan | alle Alters- gruppen | 10 mg/kg | 30 Tage | 525/623 (12% gestorben, 4% Relapse) | klinisch |
| Karki et al. (1998) | df | Nepal | Erwachsene | 20 mg/kg 20 mg/kg | 20 Tage 30 Tage | 21/27 25/27 | Parasitol. und klinisch, kein Relapse nach6 Mon |
| Thakur et al.1998 | n-comp | Indien | 6-60 Jahre | 20 mg/kg | 30 Tage | 46/80 | Parasitol. und klinisch, kein Relapse nach - Mon |
| Sundar et al. 2000 | n-comp | Indien | 1-70 Jahre | 20 mg/kg | 30 Tage | 73/209 | Parasitol. und klinisch, kein Relapse nach - Mon |
Hinsichtlich der Nebenwirkungen kann man auch auf die Studien mit Antimonpräparaten bei kutaner Leishmanisis zurückgreifen, diese werden hier nicht aufgeführt.
Zum einen wegen der Nebenwirkungen, zum anderen wegen der immer häufiger auftretenden Resistenzen (Lira et al. 1999; Sundar et al. 2000) wurden dann andere Verbindungen untersucht. Die Studien zu Paromomycin (Jha et al. 1998; Thakur et al. 2000a; Thakur et al. 2000b), Pentamidine (Jha 1983; Thakur 1984; Jha et al. 1991; Thakur et al. 1991; Mishra et al. 1992; Das et al. 2001) und Allopurinol werden hier nicht im Einzelnen erwähnt, da die Wirksamkeit insgesamt unzureichend war. Pentamidine weist außerdem schwere Nebenwirkungen auf. Sitamaquine ist ein Primaquin-Analog, das zunächst in Kenia getestet wurde, dann auch in Brasilien - eine abschließende Bewertung ist nicht möglich, das Präparat ist nicht zugelassen, die Studien werden hier deshalb nicht aufgeführt.
Amphotericin B
In den 90iger Jahren wurde festgestellt, dass Amphotericin B auch gegen Leishmanien wirksam ist (Mishra et al. 1992). In einigen Studien wurde eine gute Wirksamkeit von Amphotericin B Desoxycholat beschrieben, in einigen Studien im Vergleich zu Antimon (Thakur et al. 1993; Mishra et al. 1994; Thakur et. al. 1999; Sundar et al. 2000; Thakur und Narayan 2004). Eine Dosisabhängigkeit wurde insbesondere in einer Studie mit 10 mg/kg, 15 mg/kg und 20 mg/kg über 20 Tage festgestellt (Thakur et al. 1996). Amphotericin B Desoxycholat sollte dabei als Dauerinfusion über 24 Stunden verabreicht werden (Eriksson et al. 2001).
Im weiteren Verlauf wurden mehrere Studien mit Lipid-assoziiertem Amphotericin B durchgeführt. Es stehen drei derartige Verbindungen zur Verfügung (Barratt et al. 2005):
Konventionelles Amphotericin B enthält den Hilfsstoff Natriumdesoxycholat, der als Tensid wirkt. Im AmBisome liegt der Wirkstoff in unilamellaren Liposomen verpackt vor. Abelcet enthält Amphotericin B in einem Komplex mit zwei Phopholipiden, die sich in einer bandartigen Struktur mit dem Wirkstoff verbinden. Die Lipidkomplex-Formulierungen werden rasch vom retikuloendothelialen System aufgenommen, was zu relativ geringen Konzentrationen im Plasma und im Nierengewebe führt, die nephrotoxischen Effekte sind damit deutlich geringer. In einer vergleichenden Doppelblindstudie zwischen AmBisome und Abelcet zeigte Abelcet häufiger nephrotoxische Reaktionen (nur als Kongressbericht publiziert, zitiert nach: Zeitschrift für Chemotherapie, 6/2005, Seite 43).
| Autor | Studienart | Land | Population | Tagesdosis | Dauer | Cure rate | Definition Heilung |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Davidson et al. 1994 | df | Mittelmeer | Erwachsene und Kinder | 1-1,38 mg/kg * 3 mg/kg * | 21 Tage 10 Tage | 10/10 10/10 | Parasitol. und klinisch, kein Relapse nach 24 Mon |
| Dietze et al. 1993 | n-comp | Brasilien | keine Angabe | 2 mg/kg ** 2 mg/kg ** | 10 Tage 7 Tage | 10/10 10/10 | Parasitol. und klinisch, kein Relapse nach 12 Mon |
| Dietze et al. 1995 | n-comp | Brasilien | keine Angabe | 2 mg/kg ** | Tg 1-5 | 9/10 | Parasitol. und klinisch, kein Relapse nach 12 Mon |
| Seaman et al. 1995 | n-comp | Sudan | keine Angabe | 3-5 mg/kg* 3-5 mg/kg | Tg 0, 3, 10 Tg 0,3,6,8,10 | 8/16 14/16 | Parasitol. und klinisch |
| Davidson et al.1996 | df | Italien | keine Angabe | 3 mg/kg * 3 mg/kg * 4 mg/kg * | Tg 1-4,10 Tg 1-5, 10 Tg 1-5,10 | 29/32 41/42 13/13 | Parasitol. und klinisch, kein Relapse nach 12 Mon |
| Thakur et al. 1996 | df | Indien | Erwachsene | 2 mg/kg * 2 mg/kg * 2 mg/kg * | Tg 1-6.10 Tg 1-4,10 Tg 1,5,10 | 10/10 10/10 10/10 | Parasitol. und klinisch, kein Relapse nach 12 Mon |
| Sundar and Murray, 1996 | n-comp | Indien | 5-65 Jahre, vorher > 28 Tg Antimon | 3 mg/kg *** | Tg 1,3,5,7,9 Tg 1-5 | 21/21 4/4 | Parasitol. und klinisch, kein Relapse nach 6 Mon |
| Sundar et al. 1997 | df | Indien | Erwachsene, vorher > 28 Tage Antimon | 1 mg/kg * 2 mg/kg * 3 mg/kg * | Tg 1-5 Tg 1-5 Tg 1-5 | 16/19 18/20 21/21 | Parasitol. und klinisch, kein Relapse nach 6 Mon |
| Di Martino et al 1997 | df | Italien | Kinder | 1 mg/kg 3 mg/kg 3 mg/kg 3 mg/kg | 21 Tage 10 Tage Tg 1-5 + 10 Tg 1-3, 5, 10 | 11/11 13/13 65/66 13/16 | Parasitol. und klinisch, kein Relapse nach 12 Mon |
| Sundar et al. 1998 | df | Indien | Antimon-Versager | 5 mg/kg *** 5 mg/kg 5 mg/kg | 1 Tag Tg 1+5 Tg 1+2 | 19/27 19/24 21/26 | Parasitol. und klinisch, kein Relapse nach 6 Mon |
| Sundar et al. 1999 | df | Indien | Antimon-Versager | 1,5 mg/kg*** 2 mg/kg | 5 Tage 5 Tage | 22/28 27/30 | Parasitol. und klinisch, kein Relapse nach 6 Mon |
| Bodhe et al. 1999 | df | Indien | keine Alters- Angabe | 1 mg/kg**** 2 mg/kg 3 mg/kg 3 mg/kg 2 mg/kg | 21 Tage 10 Tage 7 Tage 5 Tage 7 Tage | 14/16 5/5 4/5 10/11 4/6 | Parasitol. und klinisch, kein Relapse nach 6 Mon |
| Sundar et al. 2001 | df | Indien | alle Alters- gruppen | 5 mg/kg * 1 mg/kg * | 1 Tag 5 Tage | 42/46 42/45 | Parasitol. und klinisch, kein Relapse nach 6 Mon |
| Thakur et al. 2001 | comp (vs. Ampho) | Indien | alle Alters- gruppen | 15 mg/kg | 1 Tag | 17/17 | Parasitol. und klinisch, kein Relapse nach 6 Mon |
| Sundar et al. 2002 | df | Indien | alle Alters- gruppen | 0,75 mg/kg * 1,5 mg/kg 3 mg/kg * | 5 Tage 5 Tage 5 Tage | 25/28 26/28 27/28 | Parasitol. und klinisch, kein Relapse nach 6 Mon |
| Syriopoulou et al. 2003 | Griechen- land | Kinder | 10 mg/kg * | 2 Tage | 40/41 | Parasitol. und klinisch, kein Relapse nach 6 Mon | |
| Sundar et al.2003 | n-comp | Indien | alle Alters- gruppen | 7,5 mg/kg * | 1 Tag | 183/203 | Parasitol. und klinisch, kein Relapse nach 6 Mon |
| Figueras Nadel etal. 2003 | n-comp | Spanien | Kinder, 7 Mo - 7 J | 4 mg/kg * | Tg 1-5,10 | 18/20 | Parasitol. und klinisch, kein Relapse nach 6 Mon |
| Cascio et al. 2004 | n-comp | Italien | Kinder (37 auch schon in anderen Studien !) | 3 mg/kg* | Tg 1-5, 10 | 157/164 | Parasitol. und klinisch, kein Relapse nach 6 Mon -3 Jahre |
| Sundar et al.2004 | comp (vs. Ampho) | Indien | Erwachsene | 2 mg/kg * 2 mg/kg *** | Tg 1-5 Tg 1-5 | 49/51 47/51 | Parasitol und klinisch, kein Relapse nach 6 Mon |
| Minodier et al. 2005 | df retrosp. | Frankreich | Kinder | unterschiedl. Dosierungen | unterschiedl. Zeiten | 31/32 | uneinheitlich |
| Kafetzis et al. 2005 | df + comp (vs. Antimon), retrosp. | Griechen- land | Kinder | 4 mg/kg* 4 mg/kg 5 mg/kg 10 mg/kg | Tg 1-5 Tg 1-5,9 Tg 1-4 Tg 1-2 | 4/4 6/6 6/6 3/3 | Parasitol. und klinisch, kein Relapse nach 6 Mon |
| Sundar et al. 2006 | df | Indien | 2-60 Jahre | 0.5-1.5 mg** 0.5-2 mg/kg 1-3 mg/kg | 6 Tage 6 Tage 6Tage | 131/135 129/135 131/135 | Parasitol. und klinisch, kein Relapse nach 6 Mon |
| * | Studien mit liposomalem Amphotericin B (AmBisome®) |
| ** | Studien mit Amphotericin B kolloidaler Dispersion (Amphocil®, Amphotec®) |
| *** | Studien mit Amphotericin B Lipid Komplex (Abelcet®) |
| **** | Studien mit in Indien hergestellten liposomalem Amphotericin |
Die gute Verträglichkeit von liposomalem Amphotericin B wurde darüber hinaus in einer Reihe von Studien bei der Behandlung von Mykosen gezeigt. In einer Metaanalyse wurde mit liposomalem Amphotericin B eine Nephrotoxizität bei 14,6% gefunden, eine Unterbrechung der Therapie aufgrund der Nephrotoxizität bei 0,3% (Girois et al. 2005). Andere Amphotericin B-Lipidverbindungen sind ebenfalls gut verträglich (Aguado et al. 2004) (Alexander and Wingard 2005).
"Evidenz"grad für die Wirksamkeit von liposomalem Amphotericin B: Grad Ia
Miltefosine
Liposomal verkapseltes Amphotericin B ist wegen der hohen Kosten für Entwicklungsländer wenig geeignet, es wurde deshalb weiter nach Alternativen gesucht. Es stellte sich heraus, dass das als Tumormedikament entwickelte Miltefosine in vitro eine Wirksamkeit gegen Leishmanien aufweist. In einer Pilotstudie, die von der Firma ASTA-Medica gesponsort wurde (später übergegangen in die Firma Zentaris), wurde eine gute Wirksamkeit auch in vivo nachgewiesen (Sundar et al. 1998). Es wurde dann eine Phase-2 Studie durchgeführt, finanziert von Zentaris und TDR/WHO.:
| Autor | Land | Dosierung und Dauer | Wirksamkeit |
|---|---|---|---|
| Jha et al. 1999 | Indien | 50 mg/Tag, 6 Wochen 50 mg/Tag 1 Woche, dann 100 mg/Tag 4 Wochen 100 mg/Tag 1 Wochen, dann | 28/30 28/30 29/30 29/30 |
62% der Patienten berichteten über Erbrechen und/oder Diarrhoe, kein Patient brach jedoch die Therapie wegen gastroinstestinaler Nebenwirkungen ab. Es folgten dann Phase-3 Studien in Erwachsenen und Kindern (s.u.):
| Autor | Population | Medikamente | Wirksamkeit | Nebenwirkungen |
|---|---|---|---|---|
| Sundar et al. 2002 | Indien Erwachsene | Miltefosine: 100 mg/Tag 4 Wochen Ampho B: | 282/291
| Erbrechen: 38% Diarrhoe. 20% Rigor: 1% GOT ↑ nach 1 Wo: 17% GPT ↑ nach 1 Wo: 1% Erbrechen: 20% |
| Sundar et al. 2003 | Kinder < 12 Jahre | 1,5 mg/kg/Tag, 4 Wo 2,5 mg/kg/Tag, 4 Wo | 19/21 15/17 | Erbrechen 33-39% Diarrhoe 5-17% |
| Bhattacharya et al. 2004 | Indien, Kinder, 2-11 Jahre | 2,5 mg/kg/Tag | 75/79 | Erbrechen: 26% Diarrhoe: 25% GOT ↑ nach 1 Wo: 19% |
Miltefosine wurde 2002 zur Behandlung der viszeralen Leishmaniasis in Indien zugelassen. Im November 2004 erfolgte die Zulassung in Deutschland.
"Evidenz"grad für die Wirksamkeit von Miltefosine: Grad Ia
Es ist Konsens innerhalb des DTG-Ausschusses, dass zur Zeit in dieser Leitlinie dem liposomalen Amphotericin B der Vorzug gegenüber Miltefosine gegeben wird, da bisher mehr Daten mit dem Amphotericin B vorliegen.
Therapie bei Kindern
Die Wirksamkeit von liposomalem Amphotericin B bei Kindern ist in mehreren Studien, die von Miltefosine in zwei Studien (s.o.) nachgewiesen. Vergleichende Studien mit Amphotericin B und Miltefosine existieren nicht.
Therapie bei Schwangeren
Es wurde gezeigt, dass liposomales Amphotericin B in der Schwangerschaft gegeben werden kann (Pagliano et al. 2005).
Therapie bei Organtransplantierten
Amphotericin B wurde bei Nierentransplantierten besser vertragen als ABLC (Maggi et al. 2004).
Therapie bei HIV-Infizierten
Diagnose und Management von Leishmanien/HIV-Koinfektionen sind problematisch und sollten grundsätzlich in spezialisierten Zentren erfolgen. Relapse sind häufig, auch mit kutanen Manifestationen (Calza et al. 2004). Zur Therapie einer Leishmaniasis bei HIV-Infektion liegt eine kleine vergleichende spanische Studie vor mit Amphotericin B Lipid-Komplex (Abelcet) 3 mg/kg/Tag für 5 Tage (N=18) oder 10 Tage (N=20) und mit Meglumin-Antimonate 20 mg/kg/Tag für 28 Tage (n=19), Heilungsraten 33%, 42% und 37% (Laguna, Videla et al. 2003). Zum Miltefosine liegen Anwendungsbeobachtungen vor, zum Teil war Miltefosine besser als Amphotericin B (Schraner et al. 2005). In einer Zusammenfassung von 39 Patienten sprachen die meisten zunächst auf Miltefosine an, bei den meisten kam es aber auch zu einem Relapse nach Therapieende (Sindermann, Engel et al. 2004).
Zur Sekundärprophylaxe liegen zwei Studien mit Amphotericin B vor. In einer Multicenter-Studie in Spanien und Portugal wurde Abelcet (3 mg/kg alle 3 Wochen für 51 Wochen) gegen eine Gruppe ohne Prophylaxe verglichen, das Amphotericin B konnte Rückfälle verhindern (Lopez-Velez et al. 2004). In einer kleinen Studie aus Marseille wurde festgestellt, dass Rückfälle mit hohen Initialdosen von AmBisome verhindert werden können (60-86 mg/kg bis Tag 30) (Montana et al. 2004).
