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Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit (DTG)


 AWMF-Leitlinien-Register  Nr. 042/003   Entwicklungsstufe:  1 

Diagnostik und Therapie des Amöbenleberabszesses

Es ist Anliegen der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit (DTG), mit dieser Leitlinie den (Fach-)Arzt bei seinen diagnostischen und therapeutischen Entscheidungen zu unterstützen. Sie ist gedacht für Ärzte ohne die Zusatzbezeichnung "Tropenmedizin", die differenzialdiagnostisch oder therapeutisch Patienten mit einem Amöbenleberabszess konfrontiert sind. Bei Problemen sollte nicht gezögert werden, Kontakt mit einem Tropenmediziner oder mit einer tropenmedizinischen Einrichtung aufzunehmen bzw. den Patienten dorthin zu verlegen. (www.dtg.org, externer Link).

Die Fragen der Diagnostik werden im Wesentlichen bezüglich ihrer Therapierelevanz berücksichtigt. Die Maßnahmen zu Herbeiführung des Konsens sind am Ende aufgeführt.

Diagnostik

  1. Wann sollte eine Diagnostik in Hinblick auf einen Amöbenleberabszess veranlasst werden ?
  2. Immer zu beachten

    Ausnahmen
    In seltenen Fällen kann ein Amöbenleberabszess auf einer Infektion in gemäßigten Zonen beruhen

  3. Wer kann die Diagnostik durchführen?
  4. Jeder Arzt, der berechtigt und in der Lage ist, die Leber mit bildgebenden Verfahren zu beurteilen. Bei unklaren Fällen Überweisung an tropenmedizinische Einrichtung (www.dtg.org) (externer Link)

  5. Notwendige Basisdiagnostik
  6. Sonographie
    Sonographisch findet sich eine runde oder ovale Raumforderung. Diese ist meist solitär, meist im rechten Leberlappen und meist peripher gelegen. Eine Wand ist nicht nachweisbar. Die Raumforderung ist meist echoarm, mit feinen Binnenechos und mit dorsaler Schallverstärkung. Allerdings kann der Amöbenleberabszess auch als echoreich imponieren, gelegentlich auch heterogen mit echoreichen und echoarmen Anteilen. Diese echoreichen Abszesse werden im weiteren Verlauf meist echoarm. Komplikationen des Amöbenleberabszesses, insbesondere Rupturen, sind sonographisch gut zu diagnostizieren.
    Die Sensitivität der Ultraschall-Untersuchung ist somit bei Patienten mit entsprechender Anamnese und Klinik hoch. Die Spezifität ist niedrig, da ein pyogener Leberabszess nicht auszuschließen ist.

  7. Notwendige weitere Diagnostik bei Nachweis eines Leberabszesses in den bildgebenden Verfahren
  8. Hinweise zur Serologie:
    Das Serum muss an ein für die Amöbenserologie ausgewiesenes Labor eingeschickt werden. Eine Vielzahl von serologischen Methoden wurde zum Nachweis spezifischer Antikörper eingesetzt: Komplement-Bindungsreaktion, Latex-Agglutination, indirekte Hämagglutination, indirekte Immunfluoreszenz, Enzym-Immunoassay. Am weitesten verbreitet ist z.Z. der ELISA mit löslichen Extrakten der Erreger als Antigen. Die Sensitivität liegt bei nahezu 100%. Positive Testergebnisse sind spätestens wenige Tage nach Symptombeginn zu erwarten (ggf. kurzfristige Wiederholung der Untersuchung).

  9. Andere in Einzelfällen nützliche Diagnostik
  10. Computertomographie
    Nach Form und Größe stellt sich der Amöbenleberabszess computertomographisch entsprechend den Befunden in der Sonographie dar. Dabei ist der Abszess meist etwas hyperdenser als Wasser, mit 10-20 H. Auch ohne Kontrastmittel ist häufig eine 3-15 mm dicke Wand nachweisbar. Nach Kontrastmittelgabe kann die Wand hyperdens imponieren. Ein Ödemsaum ist selten nachweisbar. Interne Septen wurden in bis zu 30% der Fälle beschrieben.
    Indikation: Anamnestisch und klinisch hochgradiger Verdacht auf Amöbenleberabszess, sonographischer Befund unauffällig

    Kernspintomographie
    Auf T1-gewichteten Aufnahmen erscheint der Amöbenleberabszess scharf begrenzt und signal-arm. Auf T2-gewichteten Aufnahmen findet man eine hyperintense Region. Entsprechend ödematösem Lebergewebe erscheint auch die Umgebung des Abszesses hyperintens. Auch kernspintomographisch ist eine sichere Abgrenzung eines Amöbenleberabszesses von bakteriellen Abszessen oder nekrotischen Tumoren nicht möglich. Allerdings ist bei Verdacht auf Ruptur eines Abszesses in den Thorax ein Empyem von einem Transsudat durch Hyperintensität in sowohl T1- als auch in T2-gewichteten Aufnahmen abzugrenzen.
    Indikation: Im Allgemeinen ist keine Kernspintomographie erforderlich.

  11. Überflüssige Diagnostik

Therapie

  1. Einordnung in Therapiegruppe
  2. Grundsätzlich wird die Therapie medikamentös durchgeführt.

  3. Notwendige Therapie
  4. Standard-Behandlung:
    Ein Amöbenleberabszess wird mit Metronidazol behandelt. Andere Nitroimidazole sind ebenfalls möglich, bieten aber keine Vorteile. Die Therapie sollte im Allgemeinen intravenös begonnen werden. Mit Resistenzen ist bisher nicht zu rechnen.

    Metronidazol ist nicht ausreichend wirksam gegen Amöben im Darmlumen. Diese können noch vorhanden sein, auch wenn sie bei einer parasitologischen Stuhluntersuchung nicht nachweisbar sind. Daher muss immer eine Nachbehandlung mit einem Darmlumen-wirksamen Medikament erfolgen. In einer vergleichenden Untersuchung hat sich hierbei das Paromomycin (z.B. Humatin®) dem Diloxanid-furoat (z.B. Furamide®) überlegen gezeigt.

    Dosierung:
    Standard:
    Metronidazol3 x 10 mg/kg/Tag (max. 3x800mg) über 10 Tage

    anschließend Behandlung einer evtl. noch bestehenden Darmlumen-Infektion:
    Paromomycin3 x 500 mg pro Tag über 9-10 Tage

    Hinweise zu den Medikamenten:
    Metronidazol

    Paromomycin

  5. Überwachung unter laufender Therapie
  6. Klinische Kontrollen:
    Im Allgemeinen rasche Besserung des Allgemeinbefindens bei erfolgreicher Therapie

    Labortechnische Kontrollen:

    Sonographische Kontrollen:
    Insgesamt ist die Sonographie ein wenig geeignetes Verfahren um den Therapieerfolg kurzfristig zu beurteilen. Die Raumforderung wird zwar oft kleiner und echoarme Raumforderungen werden heterogen. Die Größenabnahme ist jedoch sehr variabel. Es kann zwischen 2 Monaten und 20 Monaten dauern, bis der Abszess nicht mehr nachweisbar ist. Daraus kann nicht auf ein mangelndes Ansprechen der Therapie geschlossen werden. Parameter für den Therapieerfolg sind der klinische Zustand des Patienten und die Entzündungsparameter im Blut. Bei 5 bis 10% der Patienten können auch nach Jahren noch kleine inaktive Restzustände in Form runder hyper- oder hypodenser Areale zum Teil mit kalkhaltigem Randsaum persistieren.

  7. Andere in Einzelfällen nützliche Therapie
  8. Im Gegensatz zu bakteriellen Abszessen ist eine Punktion oder Drainage des Abszessinhaltes nur in Ausnahmefällen indiziert. Ausnahmefälle sind kapselnahe, sehr große Abszesse vor allem im linken Leberlappen (Gefahr der Herzbeutel-tamponade) oder Perforation oder Durchwanderung in andere Organe. Punktion nur unter Gabe eines Nitroimidazols. Kein Versuch einer weitgehenden Entleerung, da so die Blutungsgefahr erhöht wird. Cave: Punktion einer Echinokokkuszyste (die sich klinisch völlig anders, namentlich in der Regel ohne Fieber und Entzündungszeichen, präsentiert)! Bei Verdacht auf bakterielle Superinfektionen (selten) kann das Abszesspunktat kulturell untersucht werden (z.B. Blutkultur-Set). Im Abszesspunktat lassen sich bei der mikroskopisch-parasitolischen Untersuchung häufig keine Amöben nachweisen, während PCR und/oder Antigen-ELISA meist positiv sind.

  9. Überflüssige Therapie
  10. Wann stationär, wann ambulant
  11. Jeder Patient mit Amöbenleberabszess muss stationär aufgenommen werden.
    Patienten mit Abszessen im linken Leberlappen nahe am Herzen müssen in den ersten Tagen täglich sonographiert werden.

  12. Besondere Patientengruppen
  13. Besonderheiten bei Kindern

    Besonderheiten bei Schwangeren

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Verfahren zur Konsensbildung

Erstellungsdatum:

12/2000

Letzte Überarbeitung:

08/2008

Nächste Überprüfung geplant:

2010


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Stand der letzten Aktualisierung: 08/2008
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