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Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit (DTG)


 AWMF-Leitlinien-Register  Nr. 042/002   Entwicklungsstufe:  1 

Diagnostik und Therapie der Amöbenruhr

Es ist Anliegen der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit e.V. (DTG), mit dieser Leitlinie den (Fach-)Arzt bei seinen diagnostischen und therapeutischen Entscheidungen zu unterstützen. Sie ist in erster Linie gedacht für Ärzte ohne die Zusatzbezeichnung "Tropenmedizin", die differenzialdiagnostisch oder therapeutisch Patienten mit einer Amöbenruhr betreuen. Bei Problemen sollte nicht gezögert werden, Kontakt mit einem Tropenmediziner oder mit einer tropenmedizinischen Einrichtung aufzunehmen bzw. den Patienten dorthin zu verlegen. (www.dtg.org, externer Link).

Die Fragen der Diagnostik werden im Wesentlichen bezüglich ihrer Therapierelevanz berücksichtigt. Die Maßnahmen zu Herbeiführung des Konsens sind am Ende aufgeführt.

Diagnostk

  1. Wann sollte eine Diagnostik in Hinblick auf eine Amöbenruhr veranlasst werden?
  2. Immer zu beachten
    Eine Amöbenruhr kann unter der Symptomatik einer Colitis ulcerosa verlaufen. Selten kann eine akute Appendizitis vorgetäuscht werden.

    Ausnahmen
    In seltenen Fällen kann eine Amöbenruhr auf einer Infektion in gemäßigten Zonen beruhen.

  3. Wer kann die Diagnostik durchführen?
  4. Jeder Arzt, der in der Lage ist, Magna-Formen von Entamoeba histolytica mikroskopisch zu erkennen oder an ein parasitologisch gut ausgewiesenes Labor angeschlossen ist. Bei unklaren Fällen Überweisung an tropenmedizinische Einrichtung (www.dtg.org, externer Link)

  5. Notwendige Basisdiagnostik
  6. Die Diagnose wird gesichert durch den mikroskopischen Erregernachweis im Stuhl oder durch den Nachweis von Amöbenantigenen im Stuhl mittels Immundetektionsverfahren oder durch den Nachweis von E. histolytica-DNA mittels PCR aus Stuhlproben.

    Mikroskopischer Erregernachweis

    Antigen-Nachweis

    PCR

  7. Notwendige weitere Diagnostik bei Nachweis einer Amöbenruhr
  8. Andere in Einzelfällen nützliche Diagnostik
  9. Koloskopie
    Koloskopisch lassen sich bei akuter Amöbenruhr in typischen Fällen flache Ulzerationen mit leicht erhabenen Rändern nachweisen. Nur bei schweren Verläufen weist die Mukosa zwischen den Ulzerationen ein Erythem und eine erhöhte Vulnerabilität auf. In sehr schweren Fällen ist die gesamte Schleimhaut entzündet und hämorrhagisch.
    Koloskopisch ist die Amöbenruhr nicht von anderen entzündlichen Darmkrankheiten abzugrenzen, es lassen sich aber Material für die Erregerdiagnostik und Biopsien für die histologische Diagnostik gewinnen.

    Oberbauchsonographie
    Bei Oberbauchschmerzen sollte ein gleichzeitig bestehender Amöbenleberabsess ausgeschlossen werden.

  10. Überflüssige Diagnostik
  11. Komplikationen
  12. Gefährliche Komplikationen sind:

    Die Perforation äußert sich meist in einer langsam zunehmenden Peritonitis ("slow leakage"), seltener als akutes Abdomen oder durch massive Blutung. Häufig ist freie Luft unter dem Zwerchfell das erste Zeichen dafür, dass eine Perforation stattgefunden hat. Die Perforation ist eine seltene Komplikation der Amöbenruhr, die in weniger als 1% der Fälle auftritt. Patienten mit nekrotisierender Kolitis sind schwer krank, haben Fieber, blutige Durchfälle und ein akutes Abdomen. Das toxische Megacolon tritt bei etwa 0,5% der Patienten auf, insbesondere unter einer Corticosteroidbehandlung. Der Zustand des Patienten verschlechtert sich innerhalb weniger Stunden, mit gespanntem Leib, Verminderung der Darmgeräusche und Schocksymptomatik. Die Diagnose ergibt sich aus der Abdomen-Übersichtsaufnahme, die die stark aufgeblähten Kolonkonturen zeigt, eventuell ist intramural Gas nachweisbar.

Therapie

  1. Einordnung in Therapiegruppe
  2. Grundsätzlich wird die Therapie medikamentös durchgeführt

  3. Notwendige Therapie
  4. Standard-Behandlung:
    Ein Amöbenleberabszess wird mit Metronidazol behandelt. Andere Nitroimidazole sind ebenfalls möglich, bieten aber keine Vorteile. Die Therapie sollte im Allgemeinen intravenös begonnen werden. Mit Resistenzen der Amöben gegen Nitroimidazole ist bisher nicht zu rechnen.

    Metronidazol ist nicht ausreichend wirksam gegen Amöben im Darmlumen. Diese können auch dann noch vorhanden sein, wenn sie bei einer parasitologischen Stuhluntersuchung nicht mehr nachweisbar sind. Daher muss immer eine Nachbehandlung mit einem Darmlumen-wirksamen Medikament erfolgen. In einer vergleichenden Untersuchung hat sich hierbei das Paromomycin (z.B. Humatin®) dem Diloxanid-furoat (z.B. Furamide®) überlegen gezeigt.

    Dosierung:
    Standard:
    Metronidazol3 x 10 mg/kg/Tag (max. 3x800mg) i.v. oder oral über 10 Tage

    anschließend Behandlung einer evtl. noch bestehenden Darmlumen-Infektion:
    Paromomycin3 x 500 mg pro Tag oral über 9-10 Tage

    Hinweise zu den Medikamenten:
    Metronidazol

    Paromomycin

  5. Überwachung unter laufender Therapie
  6. Klinische Kontrollen: Labortechnische Kontrollen:

  7. Andere in Einzelfällen nützliche Therapie
  8. ---

  9. Überflüssige Therapie
  10. Wann stationär, wann ambulant
  11. richtet sich nach dem Allgemeinzustand des Patienten

  12. Besondere Patientengruppen


Literatur:

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Verfahren zur Konsensbildung:

Erstellungsdatum:

10/2000

Letzte Überarbeitung:

09/2008

Nächste Überprüfung geplant:

2010


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Stand der letzten Aktualisierung: 09/2008
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HTML-Code aktualisiert: 05.11.2008; 10:56:28