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| Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften |
| AWMF-Leitlinien-Register | Nr. 042/002 | Entwicklungsstufe: | 1 |
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Die Fragen der Diagnostik werden im Wesentlichen bezüglich ihrer Therapierelevanz berücksichtigt. Die Maßnahmen zu Herbeiführung des Konsens sind am Ende aufgeführt.
Immer zu beachten
Eine Amöbenruhr kann unter der Symptomatik einer Colitis ulcerosa verlaufen. Selten kann eine akute Appendizitis vorgetäuscht werden.
Ausnahmen
In seltenen Fällen kann eine Amöbenruhr auf einer Infektion in gemäßigten Zonen beruhen.
Mikroskopischer Erregernachweis
Antigen-Nachweis
PCR
Oberbauchsonographie
Bei Oberbauchschmerzen sollte ein gleichzeitig bestehender Amöbenleberabsess ausgeschlossen werden.
Die Perforation äußert sich meist in einer langsam zunehmenden Peritonitis ("slow leakage"), seltener als akutes Abdomen oder durch massive Blutung. Häufig ist freie Luft unter dem Zwerchfell das erste Zeichen dafür, dass eine Perforation stattgefunden hat. Die Perforation ist eine seltene Komplikation der Amöbenruhr, die in weniger als 1% der Fälle auftritt. Patienten mit nekrotisierender Kolitis sind schwer krank, haben Fieber, blutige Durchfälle und ein akutes Abdomen. Das toxische Megacolon tritt bei etwa 0,5% der Patienten auf, insbesondere unter einer Corticosteroidbehandlung. Der Zustand des Patienten verschlechtert sich innerhalb weniger Stunden, mit gespanntem Leib, Verminderung der Darmgeräusche und Schocksymptomatik. Die Diagnose ergibt sich aus der Abdomen-Übersichtsaufnahme, die die stark aufgeblähten Kolonkonturen zeigt, eventuell ist intramural Gas nachweisbar.
Metronidazol ist nicht ausreichend wirksam gegen Amöben im Darmlumen. Diese können auch dann noch vorhanden sein, wenn sie bei einer parasitologischen Stuhluntersuchung nicht mehr nachweisbar sind. Daher muss immer eine Nachbehandlung mit einem Darmlumen-wirksamen Medikament erfolgen. In einer vergleichenden Untersuchung hat sich hierbei das Paromomycin (z.B. Humatin®) dem Diloxanid-furoat (z.B. Furamide®) überlegen gezeigt.
Dosierung:
| Standard: | |
| Metronidazol | 3 x 10 mg/kg/Tag (max. 3x800mg) i.v. oder oral über 10 Tage
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| anschließend Behandlung einer evtl. noch bestehenden Darmlumen-Infektion: | |
| Paromomycin | 3 x 500 mg pro Tag oral über 9-10 Tage |
Hinweise zu den Medikamenten:
Metronidazol
Besonderheiten bei Schwangeren
Grundlage der Leitlinie
Die Leitlinie gibt die Meinung von Experten innerhalb der DTG wieder. Metaanalysen z.B. von der Cochrane Collaboration liegen nicht vor. Die Expertenmeinung stützt sich daher auf persönliche Erfahrung, Kenntnis der Literatur, Übersichtsarbeiten und Empfehlungen anderer Institutionen. Die Literatur wurde anhand der üblichen Datenbanken (Medline) und der "Entamoeba homepage" gesichtet (http://homepages.lshtm.ac.uk/entamoeba), externer Link)
Es wird darauf hingewiesen, dass eine systematische "Evidenz"recherche in der Tropenmedizin problematisch ist. Zu vielen Fragestellungen gibt keine oder nur wenige gute, kontrollierten Studien (Beispiel: Therapie des Amöbenleberabszesses mittels Punktion). Viele Studien sind in Entwicklungsländern durchgeführt und nicht auf Deutschland übertragbar (z.B.: Blutaustausch-Transfusion bei Malaria). Viele parasitäre Erkrankungen werden relativ selten in Industrienationen importiert, sodass hier keine ausreichenden Fallzahlen zustande kommen. Deshalb ist es schwierig, Methoden zur Interpretation und Bewertung der "Evidenz"stärke anzugeben. Auch die Publikationen der Cochrane Collaboration sind kaum hilfreich, da nur ein kleiner Teil der Tropenmedizin abgedeckt wird und da die Fragestellungen auf Entwicklungsländer zugeschnitten sind. Es ist somit nicht verwunderlich, dass es international kaum Leitlinien gibt.
Die Empfehlungen zur medikamentösen Therapie der Amöbenruhr beruhen auf "Evidenz": Die Wirksamkeit der Metronidazols ist in einer Reihe älterer Studien nachgewiesen (1,8,12,13,16). Alternativ zum Metronidazol wurden andere Nitroimidazole eingesetzt, bei vergleichenden Studien ergaben sich keine signifikanten Unterschiede (2,3,5,6,10,11,15,17,20). Es ist allerdings zu beachten, dass in allen diesen älteren Studien die Diagnose der Amöbiasis auf dem mikroskopischen Nachweis von E. histolytica beruht - wie oben ausgeführt ist eine sichere Abgrenzung von den apathogenen E. dispar aber nicht möglich. Zum Nitazoxanide liegen nur kleinere Studien vor (14).
Zur Behandlung der Darmlumenformen: Neuere Studien haben hier gezeigt, dass mit Paromomycin gegenüber Diloxanid fuorat eine deutlich bessere Elimination des Erregers erreicht wird (4).
Finanzierung
Die DTG ist ein gemeinnütziger Verein, der sich aus Mitgliedsbeiträgen finanziert.
