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Leitlinien zur Diagnostik und Therapie in der Pädiatrischen Onkologie und Hämatologie


 AWMF-Leitlinien-Register  Nr. 025/021   Entwicklungsstufe:  1 

Eisenmangelanämie

  1. Definition und Basisinformation
  2. Die Eisenmangelanämie ist eine mikrozytäre, hypochrome Anämie mit verringerter Hämoglobinsynthese infolge eines verminderten Körpereisenspeichers.

  3. Leitsymptome
  4. Nur bei ausgeprägter Verminderung des Körpereisenbestandes bzw. bei ausgeprägter Anämie kommt es zu deutlichen Symptomen. Klinische Zeichen sind daher meistens nur gering ausgeprägt. Bei schwerer Eisenmangelanämie findet man eine allgemein reduzierte Vitalität und Blässe, fakultativ auch Haut- und Schleimhautsymptome wie brüchige Haare und Nägel, Atrophie der Zungenschleimhaut und Dysphagie sowie gehäufte Infektionen und eventuell auch einen Entwicklungsrückstand. Weil solche Veränderungen häufig fehlen, ist meistens ein typisches Blutbild mit einer mehr oder weniger ausgeprägten Anämie und erniedrigtem MCH, MCV und MCHC das eigentliche Leitsymptom (vergl. Normwerte Tab. 1).

    Tabelle 1: Altersentsprechende Normwerte
    Tabelle 1

  5. Diagnostik
    1. Blutbild mit Erythrozytenindices, fakultativ auch mit Retikulozytenzahl. Die Volumenverteilungskurve der Erythrozyten ("RDW") ist gelegentlich hilfreich bei der Abgrenzung gegenüber den Thalassämien.
    2. Ferritin: Das Vorliegen eines Eisenmangels ist gesichert, wenn die Ferritin-Konzentration im Serum vermindert ist. Zu beachten ist einerseits die Altersabhängigkeit der Normalwerte für die Ferritin-Konzentration und andererseits, dass Ferritin als Akutphase-Protein auch beim Eisenmangel in normaler oder erhöhter Konzentration vorliegen kann.
    3. Eisen: Die Bestimmung der Eisen-Konzentration ist für die Diagnose nicht geeignet, da akute und chronische Entzündungen bzw. Infektionen zur Verminderung der Eisen-Konzentration im Serum führen; ohne zusätzliche Bestimmung der Ferritin-Konzentration kann somit fälschlich ein Eisenmangel angenommen werden.
    4. Transferrin, Transferrin-Sättigung, löslicher Transferrin-Rezeptor: Die Bestimmung ist oft hilfreich, aber nicht unbedingt notwendig.
    5. Knochenmark: Die Untersuchung ist nicht notwendig. Sie ist aber indiziert zur Diagnostik der sideroblastischen Anämie als Ursache einer hypochromen microzytären Anämie.

    Eine leichte hypochrome microzytäre Anämie wird häufig bei Infektionen gefunden. Ursache dafür ist kein echter Eisenmangel im Sinne fehlender Eisenspeicher, sondern ein Pseudoeisenmangel mit fehlendem Eiseneinbau während eines länger dauernden Infektes. Eine ähnliche Situation kann auch bei Tumoranämie bestehen.
    Differentialdiagnostisch ist die Eisenmangelanämie, vor allem bei entsprechendem ethnischen Hintergrund, abzugrenzen von dem heterozygoten Status für beta-Thalassämie und alpha-Thalassämie (Hämoglobin-Elektrophorese, Molekulargenetik).

    Neben der Labor-Diagnose des Eisenmangels ist eine Ursachenklärung erforderlich. Im Mittelpunkt steht eine sorgfältige Anamnese vor allem bezüglich nutritivem Eisenmangel (vegetarische Ernährung, erhöhter Bedarf in der Adoleszenz) und Blutverlusten. Okkulte Blutverluste oder chronische Eisenresorptionsstörungen, z.B. bei der Zöliakie und anderen Malabsorptionssyndromen, müssen ggf. durch weitere Untersuchungen geklärt werden. Nach verstärkten Menstruationsblutungen, eventuell im Zusammenhang mit von Willebrand-Faktor-Mangel, muss gezielt gefahndet werden. Ebenfalls aus der Anamnese zu klären ist die Eisenmangelanämie bei der häufig betroffenen Gruppe der Früh- und Mangelgeborenen, die ursprünglich nur über kleine Eisenspeicher verfügen und während ihrer besonders schnellen Wachstumsphasen mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Eisenmangel entwickeln.

  6. Therapie
  7. Die Behandlung der Wahl ist die Gabe von Eisen (II)-Sulfat in einer Dosierung von 3 - 6 mg/kg/d in 2 Gaben über 3 Monate. Auch nach Normalisierung des Blutbildes sollte die Eisenmedikation noch zumindest mehrere Wochen fortgeführt werden, um die Depoteisenbestände wiederherzustellen. Nur in Ausnahmefällen (Intoleranz der oralen Medikation, unüberwindliche Resorptionsstörung) kann eine parenterale Eisengabe (z.B. als Eisengluconat) indiziert sein. Ein wichtiger Bestandteil der Therapie ist die Behebung ursächlicher Faktoren. Bei erfolgreicher Eisensubstitution kommt es nach etwa 5 Tagen zum deutlichen Retikulozytenanstieg, die Hämoglobin-Konzentration steigt um 1 - 2 g/dl pro Woche an.

  8. Prophylaxe
  9. Bei Frühgeborenen, insbesondere bei einem Geburtsgewicht unter 2500 g, wird empfohlen, möglichst früh und mindestens über mehrere Monate prophylaktisch Eisen in einer Dosierung von 2 - 4 mg/kg/d zu geben.

  10. Literatur

Verfahren zur Konsensfindung:

Im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin durch die Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie.

Die Leitlinie wurde von den Leitlinienkoordinatoren den Mitgliedern der Expertengruppe vorgelegt, Änderungen und Ergänzungen wurden nach Rücksprache mit dem Leitlinienkoordinator eingearbeitet.

Mitglieder der Expertengruppe
U. Creutzig (Münster), R. Dickerhoff (Bonn), S. Eber (München), G. Janka-Schaub (Hamburg), G. Janßen (Düsseldorf), E. Kohne (Ulm), A. Kulozik (Berlin), M. Lakomek (Göttingen), C. Niemeyer (Freiburg), A. Pekrun (Bremen), D. Reinhardt (Hannover), W. Stäblein (Berlin)* ,K. Stahnke (Ulm), K. Welte (Hannover)

*niedergelassener Kinderarzt

Beratende wissenschaftliche medizinische Fachgesellschaften
Deutsche Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin

Autoren
A. Pekrun, D. Reinhardt, E. Kohne und K. Stahnke

Leitlinienkoordination
Prof. Dr. Ursula Creutzig
Klinik und Poliklinik für Kinderheilkunde - Hämatologie/Onkologie -
Albert-Schweitzer-Straße 33
D- 48129 Münster

Erstellung der Leitlinie:

06/2000

Letzte Überarbeitung:

05/2006

Nächste Überprüfung geplant:

2010


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Stand der letzten Aktualisierung: 05/2006
©: Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie
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