AWMF online |
| Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften |
| AWMF-Leitlinien-Register | Nr. 021/009p | Entwicklungsstufe: | 3 + IDA |
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| Patienteninformation: Diese Informationen sind kein Ersatz einer Beratung oder Behandlung durch den Arzt. Der Inhalt kann und darf nicht zur Selbstdiagnostik oder Eigenbehandlung verwendet werden. |
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| Einstufung | Bedingung |
|---|---|
| A | sehr empfehlenswert |
| B | Empfehlenswert |
| C | Optional (mögliche Handlungsweise) |
| D | keine empfehlende Aussage |
Die Empfehlungsstärke wird in dem folgenden Text jeweils in Klammern angegeben.
Zur Sicherung der Diagnose ist eine Kontrolldarmspiegelung mit Entnahme einer Gewebeprobe in einem Intervall erforderlich (C), wobei die Zeitdauer bis zur Kontrolluntersuchung vom jeweiligen Krankheitsverlauf abhängt (B).
Die hochauflösende Videoendoskopie ist der Standard (C).
Zur Abklärung der Wertigkeit im Sinne von gut- oder bösartig ist bei endoskopisch nicht passierbaren Verengungen eine ergänzende Diagnostik erforderlich. Jede Verengung bei CU ist verdächtig, bösartig zu sein (C).
Die hochauflösende abdominelle Sonografie (Ultraschalluntersuchung des Bauchraumes) sollte ein Bestandteil sowohl der Anfangs- als auch der Verlaufsdiagnostik sowie bei Verdacht auf Komplikationen sein (B).
Keinen Stellenwert in der Erstdiagnostik haben:
(Diagnose krankhafter Veränderungen der Körpergewebe)
inaktive Erkrankung nach akutem Schub (Ruhephase)
| Oral: | SASP | 2 g/d |
| 5-ASA | 1,5 g/d | |
| Olsalazin | 1,0 g/d | |
| Rektal: | Bei linksseiter CU: | |
| 5-ASA-Einläufe: | - 1 g/d oder - 4 g jeden 3. Tag oder - 4 g/d jeweils an den ersten 7 Tagen des Monats | |
| Bei Entzündung des Rektums: (Mastdarm) | - 5-ASA-Suppositorien 2 x 500mg/d oder - 1g/d dreimal die Woche |
Die remissionserhaltende Therapie sollte mindestens 2 Jahre durchgeführt werden, der Nutzen einer weiteren remissionserhaltenden Therapie ist nicht belegt (A). Um die Entstehung von Colitis-assoziierten Karzinomen zu vermindern, ist der Einsatz von 5 Aminosalizylaten auch sinnvoll. Bezüglich einer sinnvollen Therapiedauer wird auf den Abschnitt Karzinomprophylaxe verwiesen.
Ein Versagen der primären remissionserhaltenden Therapie ist dann gegeben, wenn ein Rezidiv trotz einer geeigneten remissionserhaltenden Therapie auftritt (C). Die Wahl einer Alternative hängt in entscheidendem Maße von der individuellen klinischen Situation (Krankheitsaktivität und Befallsmuster) des Patienten ab (C).
Möglichkeiten sind eine oral /rektale Kombinationstherapie mit Aminosalizylaten (A), eine Erhöhung der oralen Dosis (A) oder eine Therapie mit Azathioprin/6-Mercaptopurin (A). Weitere medikamentöse Therapiemöglichkeiten müssen gegen eine Operation abgewogen werden (A). Steroide sind für die Remissionserhaltung nicht geeignet (A).
Bei Unverträglichkeit von Aminosalizylaten oder beim Vorliegen anderer Gründe sollte der nicht krankheitserregende Escherichia coli Stamm Nissle 1917 eingesetzt werden (A).
Krebs-Vorbeugung
Krankheitserscheinungen außerhalb des Magen-Darm-Traktes
Colitis indeterminata
Form der CED, bei der eine sichere Unterscheidung zwischen Morbus Crohn und CU nicht möglich ist
CRP (C-reaktives Protein)
Körpereiweiß, welches im Rahmen von Entzündungen vermehrt gebildet wird
DALM (dysplasia- associated lesion or mass)
IEN in Verbindung mit einer mit bloßem Auge sichtbaren Veränderung der Schleimhautoberfläche, entweder in Form eines Substanzdefektes oder einer tumorösen Formation - besonders häufig mit überziehenden, bösartigen Veränderungen vergesellschaftet.
Fibrinbeläge
Beläge von Eiweißstoffen, die durch Blutgerinnung entstehen
IEN (intraepitheliale Neoplasie)
bösartige Veränderung der oberen Schleimhautschicht, die die Bindegewebsschicht der Darmschleimhaut nicht mit einschließt
Kryptenabszesse
In die Darmschleimhaut ausgebuchtete, eitrige Gewebshohlräume
Leukopenie
Verminderung der Leukozytenzahl
linksseitige CU
CU mit unterschiedlicher Ausdehnung im Rektum, Sigma bis zur linken Flexur.
Lipase
Enzym zum Nachweis einer Bauchspeicheldrüsenentzündung
Osteopenie
Abnahme von Knochengewebe (verringerte Knochendichte), d.h. Knochenschwund ohne Krankheitszeichen wie Knochenbrüchen und Wirbelkörperverformungen
Osteoporose
Abnahme von Knochengewebe (verringerte Knochendichte), d.h. Knochenschwund mit Krankheitszeichen wie Knochenbrüche und Wirbelkörperverformungen
Pankreatitis
Bauchspeicheldrüsenentzündung
Perzentilensprung
genetisch vorbestimmter Entwicklungskanal bei Gewicht, Länge und Wachstum weicht sprungartig von Normalverteilung ab
PSC (primär sklerosierende Cholangitis)
chronische Entzündung der Gallengänge
Stenose
Engstelle
toxisches Megakolon
extreme Darmaufweitung mit Darmlähmung und Vergiftungserscheinungen
CT-Colonographie (Computertomographie)
Röntgenuntersuchung des Dickdarms, bei welcher Querschnittsbilder von einzelnen Körperabschnitten angefertigt werden, wodurch auch außerhalb der Darmwand befindliche entzündliche Veränderungen erkannt werden können
MR-Enteroklysma, CT-Sellink oder konventionelles Enteroklysma
Röntgentechnik zur Untersuchung des Dünndarms, bei der eine Sonde am Beginn des Zwölffingerdarmes eingeführt und dann ein Kontrastmittel eingespritzt wird
Enteroklysma (konventionelles, CT-Sellink, MR) Magnetresonanztomographie
Röntgentechniken zur Untersuchung des Dünndarms, bei der eine Sonde an Beginn des Zwölffingerdarmes eingeführt wird und dann ein Kontrastmittel eingespritzt wird)
Endoskopie
Möglichkeit, innere Organe mit Hilfe eines Glasfiberinstrumentes zu untersuchen, z.B. Darmspiegelung
ERC (endoskopische retrograde cholangeo-pankreatikographie)
Röntgenkontrastdarstellung der Gallenblase bzw. der Gallengänge
hochauflösende Sonographie
Ultraschalluntersuchung
hochauflösende abdominelle Sonografie
Ultraschalluntersuchung des Bauchraumes
hochauflösende Videoendoskope
bewegliche Sichtgeräte zur Darmspiegelung mit hochauflösender Bildaufnahmetechnik
Kapselendoskopie
Betrachtung des gesamten Dünn- und Dickdarms durch eine Videokapsel
Kolon-Doppelkontrastuntersuchung
Röntgentechnik zur Untersuchung des Dickdarms unter Einspritzen von Kontrastmitteln in den Darm
komplette Ileokoloskopie
Spiegelung des terminalen Ileum und des gesamten Dickdarms
Leukozytenszintigraphie
Bildgebendes Verfahren zum Nachweis von Entzündungsaktivitäten anhand der Konzentration weißer Blutkörperchen
MRT-Colonographie
Diagnostisches Verfahren unter Anwendung starker Magnetfelder zur Untersuchung des Dickdarms
Pouchoskopie mit Histologie
Spiegelung des Pouches mit Entnahme von Gewebeproben
Rektosigmoidoskopie
Spiegelung des Rektums mit flexiblen Gerät ca. 30-60 cm
Rektoskopie
Spieglung des Rektums mit in der Regel starrem Gerät ca. 20 cm.
Sigmoidoskopie
Spiegelung des S-förmig gekrümmten Abschnittes des Dickdarms
Ileostoma
Anlage eines künstlichen Afters im Bereich des Dünndarms
intravenös
in eine Vene gespritzt
IPAA (ileo-pouch-anale Anastomose)
Entfernung von Dickdarm und Rektum, Bildung eines Beutels (Pouch) aus mehreren Dünndarmschlingen, die seitlich miteinander vernäht und deren Ende mit dem After verbunden werden
Koloproktektomie
Entfernung des Dickdarms und Rektums mit Wiederherstellung der Kontinuität durch ileo-analen Pouch oder endständiges Ileostoma
Kolektomie
Entfernung des Dickdarms
Leukozytenapharese
Verfahren, um Blutzellen aus dem Blut heraus zu waschen
Oral
über den Mund
Parenterale Ernährung
Ernährung unter Umgehung des Magen-Darmtraktes über eine Blutbahn erfolgend
Plastikstentimplantation
Prothese, die sich nach Implantation selbständig ausdehnt
Pouch-Anlage
Tasche / Beutel aus einer Dünndarmschlinge
Proktokolektomie
Siehe Koloproktektomie
Rektal
über den After
Steroide
hier: Hormone der Nebennierenrinde, die überwiegend auf Kohlenhydratstoffwechsel wirken wie Kortison
Stoma
künstlicher Darmausgang
total-parenterale Ernährung
ausschließlich unter Umgehung des Magen- Darmtraktes über eine Blutbahn
Remission
inaktive Erkrankung nach akutem Schub (Ruhephase)
Rezidiv
Rückfall einer Krankheit/aktiver Schub
Abbildung: Verdauungsorgane des Menschen
Vorbemerkung:
Die Colitis Ulcerosa (CU) ist neben dem Morbus Crohn die wichtigste chronisch entzündliche Darmerkrankung (CED). Ihre Inzidenz (Anzahl der Neuerkrankungen) liegt in Europa bei 5 bis 25 pro 100.000 Einwohner, wobei in Deutschland zuletzt 6 pro 100.000 Einwohner angegeben wurden [1]. Daraus ergibt sich rechnerisch eine Prävalenz (Häufigkeit) von ca. 2,1/1000 Einwohner und eine Zahl von 168.000 Betroffenen allein in Deutschland. Der Verlauf und die Ausdehnung der Erkrankung sind sehr variabel. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit einer komplexen Diagnostik und abgestuften Therapie in der klinischen Praxis.
"Evidenz"-basierte Konsensleitlinien, von der Arbeitsgemeinschaft Wissenschaftlicher Medizinischer Fachgesellschaften (AWMF) als Entwicklungsstufe S3 eingestuft, basieren auf einem transparenten Prozess zur Entwicklung von Handlungsempfehlungen, die den derzeit verfügbaren Stand des medizinischen Wissens aus Veröffentlichungen und die Erfahrungen von Experten und Anwendern bestmöglich widerspiegeln.
Zusammensetzung der Teilnehmer beim Update der CU-Leitlinie:
Die Auswahl der Teilnehmer erfolgte durch ein Steuerungskomitee (Prof. Dr. W. Fleig, Halle; Priv.-Doz. Dr. J. Hoffmann, Berlin; B. Kaltz, Deutsche Morbus Crohn / Colitis ulcerosa Vereinigung, Bremen; Prof. Dr. E. Stange, Stuttgart; Prof. Dr. M. Zeitz, Berlin). Als Auswahlkriterien wurden neben fachlicher Expertise die Zugehörigkeit zu besonderen Gruppen definiert: Patienten, Methodiker und Ärzte. Bei den Ärzten wurde sowohl die "hierarchische Stellung" (Assistenzärzte, Oberärzte, Chefärzte, Universitätsprofessoren), die Versorgungsstufe (niedergelassene Ärzte, Rehabilitationsärzte, Ärzte in der Grundversorgung, Schwerpunktversorgung und Universitätsmedizin) als auch ihre Schlüsseldisziplin berücksichtigt. Bei der Colitis ulcerosa waren dies die Innere Medizin/Gastroenterologie, Chirurgie/Viszeralchirurgie (innere Organe betreffend), Pädiatrie (Kinderheilkunde) / gastroenterologische (auf den Verdauungstrakt spezialisierte) Pädiatrie, Pathologie, Ernährungsmedizin, Psychosomatik und Radiologie.
Angewandte Methodik
Das Update der CU-Leitlinien wurde auf Basis einer überarbeiteten Methodik durchgeführt. Diese stützt sich auf die Feststellung der "Evidenz"stärke ("Beweislage", Literaturbewertung), die Messung der Konsensusstärke unter den Teilnehmern einer strukturierten Konsenskonferenz (Expertenmeinung) sowie die Anwendbarkeit der Studienergebnisse auf die vorgesehene Behandlungssituation.
Basierend auf den Grundpfeilern "Evidenz"stärke, Konsensusstärke und Anwendbarkeit wurde eine Einteilung der Empfehlungsstärken vorgenommen:
| Einstufung | Bedingung |
|---|---|
| A | sehr empfehlenswert |
| B | Empfehlenswert |
| C | Optional (mögliche Handlungsweise) |
| D | keine empfehlende Aussage |
Die Empfehlungsstärke wird im Text jeweils in Klammern angegeben.
Zusammenfassend ist zu sagen, dass für die Erstellung von Leitlinien ein kompliziertes und aufwändiges Verfahren notwendig ist, das sehr sorgfältig den aktuellen Stand des medizinischen Wissens ("Evidenz") und die Erfahrungen der behandelnden Ärzte berücksichtigt. Umso wichtiger ist es, dass Leitlinien bei der Erstellung des individuellen Therapieplanes mit herangezogen werden. Dazu können die Betroffenen selbst beitragen, indem sie den Inhalt der Leitlinien zumindest schwerpunktmäßig kennen (oder wissen, wo man sie nachlesen kann) und sich somit ein Bild von dem Verfahren der Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse in Handlungsempfehlungen für Ärzte machen.
Hinweis:
Besonders gängige medizinische Fachbegriffe wurden im Text belassen und im Glossar (untergliedert nach den Schwerpunkten Krankheitserscheinungen, Untersuchungs- und Behandlungsmethoden) erläutert.
Zum besseren Verständnis Ist eine Graphik des Verdauungssystems des Menschen beigefügt.
Korrespondenzadresse / Informationen für Patienten:
Deutsche Morbus Crohn/Colitis ulcerosa Vereinigung DCCV e.V.
Paracelsusstraße 15
51375 Leverkusen
Tel: 0214/87608 0
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