AWMF online |
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| Arbeitsgemeinschaft der
Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften |
| AWMF-Leitlinien-Register | Nr. 020/003 | Entwicklungsstufe: | 3 |
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| Akut (< 8 Wochen) | Chronisch (> 8 Wochen) |
Erkrankungen der Atemwege:
| Erkrankungen der Atemwege/der Lungen
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Akuter und chronischer Husten
Der Spontanverlauf des akuten Hustens bei einem akuten Infekt der oberen und der unteren Atemwege, welcher die häufigste Ursache des akuten Hustens ist - beträgt bis zu vier (je nach Keim maximal acht) Wochen. Die Diagnose eines solchen akuten Infektes stützt sich auf die Anamnese und die körperliche Untersuchung. Wenn der Husten länger als acht Wochen anhält, d.h. "chronisch" wird, ist die weitere Diagnostik einzuleiten. Liegen besondere Umstände wie Atemnot, Hämoptoe, extreme Rauchgewohnheit, hohes Fieber, Begleiterkrankungen, Verdacht auf Fremdkörperaspiration vor, ist eine sofortige Diagnostik des akuten Hustens erforderlich. In dieser Leitlinie wird der akute Husten mit bis zu acht Wochen Dauer, der chronische Husten ab acht Wochen Dauer definiert. "Evidenz"grad 3a.
Tabelle 2
Diffuse Lungenparenchymerkrankungen mit Husten als Frühsymptom
| DLPE | Anmerkung |
|---|---|
| Amiodaron induzierte DLPE | Husten kann als einziges Frühsymptom auftreten |
| Methotrexat induzierte DLPE | Auch die behandelte Autoimmunkrankheit kann für den Husten verantwortlich sein |
| M. Sjögren oder Sjögren (Sicca) Syndrom | 9% pulmonale Beteiligung, selten monosymptomatisch als Husten |
| RiesenzellarteriitisM. Horton | Husten ist als Hinweis auf Lungenbeteiligung zu werten |
| M. Wegener | Beteiligung der oberen Atemwege kann Husten auch bei negativem Thorax Röntgenbefund auslösen |
| Kolitis ulzerosa M. Crohn | Stenosen der Bronchien, Bronchiektasen, Bronchiolitis, COP*, oder die Therapie (Sulfasalazin) kann für den Husten verantwortlich sein |
| Sarkoidose | inhalatives Kortison ist wirksam gegen Husten |
*COP: Cryptogenic organizing pneumonia
Tabelle 3
Seltene isolierte Erkrankungen des Tracheobronchialsystems
| Isolierte Erkrankung des Tracheobronchialsystems | Anmerkung |
|---|---|
| Tracheo-Bronchomegalie (M. Mounier - Kuhn) | Meist Männer betroffen |
| Tracheobronchiale Amyloidose | Lokale Ablagerung von AL Amyloid |
| Relapsing Polychondritis | in Schüben verlaufend, entzündlich |
| Tracheobronchopathia osteochondroplastica | heterotope Ossifikation |
| Juvenile laryngotracheale Papillomatose | Betrifft Adoleszente, junge Erwachsene Verursacher: Human Papilloma Virus |
Tabelle 4
Medikamente, die Husten verursachen können
| Medikament | Anmerkung |
| ACE Hemmer | Klasseneffekt. "Evidenz"grad 1a |
| Amiodaron | "Evidenz"grad 3b |
| Betablocker | Bei Husten als Asthmaäquivalent "Evidenz"grad 3b |
| Methotrexat | "Evidenz"grad 3b |
| Nizatidin | "Evidenz"grad 3b |
| inhalative Medikamente: Kortison, beta2-Adrenergika, Ipratropium, Tiotropium, Nedocromil, DNCG, Pentamidin, Sekretolytika Zanamivir | aus Dosieraerosolen und Pulver- oder elektrischen Inhalatoren "Evidenz"grad 3b |
| Sekretolytika (systemisch) | kein "Evidenz"grad |
| Interferon alpha2b und alpha 2a | "Evidenz"grad 3b |
Abb. 1
Klinischer Algorithmus zur Diagnostik des akuten Hustens
* und **Der Husten kann nach Abklingen eines akuten Infektes bis zu acht Wochen persistieren (postinfektiöser Husten) ("Evidenz"grad 3a). Falls keine besonderen Symptome (Hämoptoe, Atemnot, reduzierter Allgemeinzustand) bestehen, sind weitere Untersuchungen erst nach acht Wochen nach dem Algorithmus für den chronischen Husten erforderlich (Box 16) (Empfehlungsgrad B)
Abb. 2
Klinischer Algorithmus zur Diagnostik des chronischen Hustens

*
Wenn sich bei der Erhebung der Anamnese und bei der körperlichen Untersuchung Hinweise auf eine ausschließliche oder vorwiegende extrapulmonale Ursache des Hustens ergeben, ist die gezielte, ggf. fachärztliche (HNO, Gastroenterologie, Neurologie) Diagnostik einzuleiten (Box 3). Bei konkreten Hinweisen auf eine pulmonale Ursache (z.B. Tbc- oder Tumorverdacht) kann es sinnvoll sein, vom Algorithmus abzuweichen.
Die Abklärung des chronischen Hustens ist schwierig, wenn weder die Röntgenaufnahme der Thoraxorgane noch die Lungenfunktion richtungweisend sind. Wenn in dieser Situation die unspezifische inhalative Provokationstestung (Box 11) auf eine bronchiale Hyperreagibilität hinweist, kann der Husten als Asthmaäquivalent (Kapitel 5.12.2.) angesehen und probatorisch mit inhalativen Kortison oder ß2 -Agonisten behandelt werden ("Evidenz"grad 1a, Empfehlungsgrad A).
Bei Rauchern mit nicht richtungweisendem Röntgenbild und normaler Lungenfunktion ist das Rauchen die wahrscheinlichste Ursache des Hustens (chronische, nicht obstruktive Bronchitis). Daher ist vor weiteren diagnostischen Maßnahmen eine Karenz (Box 14) angezeigt. Falls eine Raucherentwöhnung nicht gelingt, oder die Karenz nach 4 Wochen erfolglos bleibt, ist die Diagnostik nach dem Algorithmus (Box 16) fortzusetzen (Empfehlungsgrad D).
Bei Patienten ohne Sodbrennen (Box 17) kann eine probatorische Therapie mit Standarddosen eines Protonenpumpeninhibitors bis zu 3 Monaten durchgeführt werden. Alternativ, je nach der Verfügbarkeit und Akzeptanz und bei Therapieversagern ist eine 24 Stunden pH-Metrie, ggf. Endoskopie und Röntgendiagnostik des Ösophagus einzuleiten. ("Evidenz"grad 4, Empfehlungsgrad C).
Falls die Ursache des chronischen Hustens am Ende des Algorithmus (Box 21) nicht evident ist und der Husten persistiert, sollten häufige diagnostische und therapeutische Fehler, eine beginnende, radiologisch noch wenig ausgeprägte diffuse Lungenparenchymerkrankung oder sehr seltene Erkrankungen in Erwägung gezogen werden (Box 21). (Empfehlungsgrad D) Bei einigen Patienten bleibt jedoch die Ursache des chronischen Hustens unklar: eine Erhöhung der Sensitivität des Hustenreflexes ("Evidenz"grad 2b) oder psychogener Husten wird dann angenommen.
Tabelle 5. Die wichtigsten Empfehlungen und "evidenz"-basierten Empfehlungsgrade* zur Abklärung des Hustens
| Untersuchungsmethode | Akuter Husten | Chronischer Husten |
|---|---|---|
| Anamnese | Ja (A) | Ja (A) |
| Raucheranamnese | Ja (D) | Ja (A) |
| Körperliche Untersuchung | Ja (A) | Ja (A) |
| Röntgen Thorax Aufnahme | Nein (A) | Ja (A) |
| Lungenfunktionsprüfung | Nein (D) | Ja (A) |
| Unspezifischer Provokationstest | Nein (D) | Ja (A) |
| hals-nasen-ohrenärztl. Unters. | Bei Auffälligkeit (D) | Ja (A) |
| CT der Nebenhöhlen | Nein (D) | Ja (C) |
| 24 Stunden pH - Metrie | Nein (D) | Ja (C) |
| HR - CT Thorax | Nein (D) | Ja (C) |
| Bronchoskopie | Nein (D) | Ja (D)
|
*Anmerkung: die Empfehlungsgrade gelten nur, wenn die aufgeführte logische Reihenfolge der Untersuchungen eingehalten wird. Im individuellen Fall können die Anamnese und die körperliche Untersuchung Befunde ergeben, die eine Abweichung von diesen Empfehlungen erforderlich machen: zum Beispiel akute Hämoptoe.
Expektorantien mindern die Reizung der Hustenrezeptoren durch "Abhusten" des Sekretes. Sie stellen die am häufigsten verwendeten Arzneimittel für Erkrankungen des respiratorischen Systems dar. Ihre Wirkung ist schwer objektivierbar. (Ambroxol und N - Acetylcystein, in englischsprachigen Ländern Guaifenesin und auch Kalium jodatum.). Bezüglich der Wirksamkeit von verschiedenen Expektorantien gibt es widersprüchliche "Evidenz" in der Literatur. Die symptomatische Anwendung von Expektorantien zur Erleichterung des Hustens bei Sekretretention (COPD, Bronchiektasie) wird empfohlen ("Evidenz"grad 4, Empfehlungsgrad C). Viele Patienten geben eine günstige subjektive Wirksamkeit der Expektorantien auch bei der akuten Bronchitis an (Kein "Evidenz"grad).
Medikamente zur Reduktion der Irritation der Hustenrezeptoren
Demulzentia wirken durch "Einhüllung" der im Rachen befindlichen Hustenrezeptoren antitussiv. Sirups, Hustensäfte, Gurgellösungen, Lutschtabletten, Honig, Hustenbonbons enthalten als gemeinsamen Bestandteil Zuckersirup. Die Wirkungsdauer beschränkt sich auf die Verweildauer des Zuckers am Rezeptor, meist auf 20 - 30 Minuten.
Antibiotika wirken nur bei Husten infolge eines bakteriellen Infektes mit eitrigem Sekret (eitrige Bronchitis, als akute Exazerbation einer COPD, eitrige Rhinitis, Sinusitis).
Antientzündliche Substanzen: inhalative und nasale Kortikosteroide (bzw. Cromone) sowie Leukotrienantagonisten erleichtern den Husten bei Asthma, postinfektiöser bronchialer Hyperreagibilität bzw. bei Rhinitis.
Lokalanästhetika: Lokalanästhetika heben die elektrophysiologische Aktivität der Rezeptoren und der afferenten Nervenfasern auf, . z.B. bei der Bronchoskopie. Es gibt kein Lokalanästhetikum mit Zulassung für die antitussive Indikation.
Zentral wirkende Hustentherapeutika (Antitussiva) sind systemisch appliziertes Morphin oder Kodein sowie weitere natürliche und synthetische Substanzen (Clobutinol, Dextromethorphan, Dihydrocodein, Noscapin und Pentoxyverin). Einige pflanzliche Arzneimittel (Thymian, Spitzwegerich, Drosera, Wollblumenextrakt) ohne Suchtpotenz beanspruchen eine zentrale antitussive Wirkung, die durch Studien nicht belegt ist (kein "Evidenz"grad). Zentral wirkende Antitussiva werden bei Reizhusten für die symptomatische Therapie empfohlen ("Evidenz"grad 3a, Empfehlungsgrad B).
Tabelle 6
Komplikationen des Hustens
| Harninkontinenz (bei Frauen) Heiserkeit Stechende Brustschmerzen Auslösung von Asthmaanfällen bei Asthma bronchiale Konjunktivale Einblutungen Epistaxis Gastroösophagealer Reflux Petechiale Blutungen Rippenfraktur meist unter systemischer Kortisontherapie Mediastinalemphysem Hustensynkope Epileptischer Anfall ausgelöst durch Husten Ruptur des Zwerchfells Kopfschmerzen Leistenhernie Rectus abdominis Ruptur |
| Empfehlungsgrad | "Evidenz"grad | |
|---|---|---|
| A | 1a | "Evidenz" durch systematisches Review randomisierter kontrollierter Studien (RCT) |
| 1b | "Evidenz" durch eine geeignete geplante randomisierte kontrollierte Studie | |
| 1c | Alle-oder-Keiner-Prinzip * | |
| B | 2a | "Evidenz" durch systematisches Review gut geplanter Kohortenstudien |
| 2b | "Evidenz" durch eine gut geplante Kohortenstudie einschließlich RCT mit mäßigem Follow-up | |
| 2c | "Evidenz" durch Outcome-Research-Studien | |
| 3a | "Evidenz" durch systematisches Review von Fall-Kontroll-Studien | |
| 3b | "Evidenz" durch eine Fall-Kontroll-Studie | |
| C | 4 | "Evidenz" durch Fallserien, einschließlich schlechter Kohorten- und Fall-Kontroll-Studien |
| D | 5 | "Evidenz" durch Meinungen ohne explizite kritische Bewertung, physiologische Modelle, Vergleiche oder Grundsätze |
* überwältigende Wirksamkeit, welche keine vernünftigen Zweifel aufkommen lässt: die Wirkung von Penicillin nach der Einführung, Appendektomie bei eitriger Appendizitis usw.
