AWMF online |
| Arbeitsgemeinschaft der
Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften |
| AWMF-Leitlinien-Register | Nr. 015/062 | Entwicklungsstufe: | 3 + IDA |
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Hitzewallungen und vaginale Trockenheit sind mit dem Übergang von der Prä- zur Postmenopause assoziiert und werden mit unterschiedlicher Häufigkeit berichtet. (LoE 2a)
Schlafstörungen, verschiedene körperliche Beschwerden, Harnwegsbeschwerden, sexuelle Probleme, Stimmungsänderungen sind inkonsistent berichtete Beschwerden. (LoE 2a)
Konsensstärke: starker Konsens
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| Östrogene sind wirksam zur Behandlung von Hitzewallungen. (LoE: 1a)
Konjugierte equine Östrogene, orales 17β-Östradiol und transdermales 17β-Östradiol vermindern Hitzewallungen in vergleichbarer Weise. (LoE: 1a) Eine zusätzliche Gestagenbehandlung beeinträchtigt die Wirkung von Östrogenen hinsichtlich vasomotorischer Beschwerden nicht. (LoE: 1a) Tibolon ist wirksam zur Behandlung von Hitzewallungen. (LoE: 1a) Wirkungen von Östrogentherapien auf Hitzewallungen unterscheiden sich nicht zwischen Frauen mit natürlicher Menopause oder bilateraler Ovarektomie. (LoE: 1a) (Verweis auf Kapitel urogenitale Symptome)
Konsensstärke: starker Konsens
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| Bei Frauen, die mit unterschiedlichen Östrogenen bzw. Östrogen-Gestagen-Kombinationen behandelt worden sind, werden sowohl positive und negative Effekte als auch das Fehlen von Effekten auf die Lebensqualität von Frauen gefunden. (LoE 1a)
Konsensstärke: Konsens
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| Bei der Nutzen-Risiko-Bewertung muss bedacht werden, dass nur Hitzewallungen und vaginale Trockenheit die Beschwerden darstellen, die am konsistentesten von Frauen zur Zeit des menopausalen Übergangs angegeben werden. (A)
Konsensstärke: Konsens
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| Zur Behandlung von Hitzewallungen können Östrogene, ggf. Östrogen-Gestagenkombinationen oder Tibolon eingesetzt werden. (A)
Bei der Indikationsstellung sind die in dieser Leitlinie dargestellten möglichen Nutzen und Risiken zu beachten. (A)
Konsensstärke: starker Konsens
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LoE =Level of Evidence; siehe Anhang. Erläuterung der Konsensstärken im Anhang
| Die alleinige Verbesserung der so genannten allgemeinen oder der gesundheitsbezogenen Lebensqualität ist keine Indikation zur HT. (B)
Konsensstärke: starker Konsens
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| Eine HT ist zur Vermeidung und/oder Behandlung der Vaginalatrophie geeignet. (LoE 1a)
Konsensstärke: starker Konsens
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| Wenn eine symptomatische Vaginalatrophie die einzige Therapieindikation ist, soll eine lokale vaginale ET empfohlen werden. (A)
Konsensstärke: Konsens
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| Eine orale HT hat einen negativen Effekt auf die Harninkontinenz. (LoE 1a) Ein eindeutiger positiver Effekt einer lokalen und transdermalen Therapie konnte nicht gezeigt werden. (LoE 1a)
Konsensstärke: Konsens
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| Zur Therapie der Harninkontinenz sollte keine orale HT empfohlen werden. (B)
Konsensstärke: Konsens
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| Zur Therapie der Harninkontinenz stehen andere Medikamente und sonstige Therapieverfahren mit nachgewiesener Wirkung zur Verfügung, die eingesetzt werden sollten. (LoE 1a)
Konsensstärke: Konsens
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| Eine orale HT ist zur Prävention rezidivierender Harnwegsinfekte nicht geeignet. (LoE 1a)
Eine vaginale Östrogenbehandlung ist wirksam. (LoE 2a)
Konsensstärke: starker Konsens
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| Eine vaginale Östrogenbehandlung kann bei rezidivierenden Harnwegsinfekten empfohlen werden. (B)
Konsensstärke: starker Konsens
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| Eine HT reduziert signifikant die Inzidenz von Frakturen. (LoE 1a)
Konsensstärke: starker Konsens
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| Bei Frauen mit hohem Frakturrisiko kann eine HT zur Prävention einer Fraktur, unter Berücksichtigung der Nutzen-Risiko Abwägung, eingesetzt werden, sofern eine Unverträglichkeit oder Kontraindikation gegenüber anderen zur Osteoporosetherapie vorrangig empfohlenen Arzneimitteln besteht. (A)
Konsensstärke: Konsens
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| Eine HT ist nicht zur Primär- oder Sekundärprävention der koronaren Herzkrankheit indiziert. (B)
Zur Primär- und Sekundärprävention stehen andere Strategien zur Verfügung, deren Wirksamkeit bewiesen ist. (A)
Konsensstärke: starker Konsens
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| Eine HT erhöht das Risiko für einen zerebralen ischämischen Insult. (LoE 1a)
Konsensstärke: starker Konsens
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| Die Erhöhung des Schlaganfallrisikos muss in die Nutzen-Risiko-Abwägung einer HT eingehen. (A)
Konsensstärke: starker Konsens
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| Eine orale HT erhöht das Risiko für venöse Thrombosen und Lungenembolien (VTE). (LoE1a)
Konsensstärke: starker Konsens
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| Das erhöhte Risiko für VTE muss in die Nutzen-Risiko-Abwägung einer HT eingehen, wobei das Risiko während des ersten Jahres besonders hoch ist und sich bei Vorliegen weiterer Risikofaktoren für VTE zusätzlich erhöht. (A)
Konsensstärke: starker Konsens
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| Eine Abmilderung der Alterungsprozesse der Haut durch eine HT ist nicht belegt. (LoE 2b)
Konsensstärke: starker Konsens
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| Eine HT ist nicht indiziert, um die Alterungsprozesse der Haut abzumildern. (A)
Konsensstärke: starker Konsens
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| Eine Verminderung von Androgenisierungserscheinungen der Haut durch eine HT ist nicht belegt. (LoE 5)
Konsensstärke: starker Konsens
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| Eine HT ist nicht indiziert, um Androgenisierungserscheinungen der Haut abzumildern. (A)
Konsensstärke: starker Konsens
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| Unter HT finden sich Hinweise für eine erhöhte Häufigkeit von Gallenblasen/-gangserkrankungen, insbesondere von Cholezystolithiasis und Cholezysti-tis/Cholangitis sowie auch von Cholezystektomien. (LoE Ib)
Konsensstärke: starker Konsens
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| Bei der Nutzen-Risiko-Abwägung ist das erhöhte Risiko für Cholezystitis/Cholangitis, Cholezystolithiasis und Cholezystektomien mit einzubeziehen. (A)
Konsensstärke: Konsens
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| Eine HT hat keine positive Wirkung auf die Kognition bei älteren postmenopausalen Frauen. (LoE 2a)
Konsensstärke: starker Konsens
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| Eine HT soll nicht zur Verringerung kognitiver Beeinträchtigungen bei postmenopausalen Frauen empfohlen werden. (B)
Konsensstärke: starker Konsens
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Der Zusammenhang von HT und Demenz wurde in der The Women's Health Initiative Memory Study (WHIMS) als Teil der WHI an über 65-jährigen Frauen untersucht. Der Endpunkt "milde kognitive Beeinträchtigung" war weder nach kombinierter Anwendung von konjugierten equinen Östrogenen (CEE) und Medroxyprogesteronacetat (MPA) noch nach alleiniger Anwendung von CEE signifikant unterschiedlich von der Placebo-Gruppe. Bei dem Endpunkt "mögliche Demenz" ergab sich ein signifikant erhöhtes relatives Risiko für CEE und MPA, jedoch kein Unterschied für CEE alleine versus Placebo.
Bei Frauen mit der Diagnose einer milden bis mäßigen Alzheimer-Demenz konnte kein signifikanter Unterschied zwischen einer einjährigen Östrogentherapie und Placebo im Bezug auf das Gesamtbild der Alzheimer-Demenz gezeigt werden.
| Eine HT zeigt keinen Nutzen in Bezug auf Demenzsymptome bei Frauen mit Alzheimer-Erkrankung. (LoE 1a)
Konsensstärke: starker Konsens
Eine kombiniert kontinuierliche HT erhöht das Risiko einer Demenz für Frauen im Alter über 65 Jahre. (LoE 2a)
Konsensstärke: starker Konsens
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| Eine HT soll zur Verringerung des Risikos einer Demenz nicht empfohlen werden. (A)
Konsensstärke: starker Konsens
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| Eine EPT erhöht das Brustkrebsrisiko. (LoE1b)
Eine ET erhöht das Brustkrebsrisiko weniger als eine EPT. (LoE2a)
Konsensstärke: starker Konsens/Konsens
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| Die Erhöhung des Brustkrebsrisikos muss in die Nutzen-Risiko-Bewertung der HT eingehen. (A)
Konsensstärke: starker Konsens
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Eine niedrig dosierte vaginale ET, wie sie zur Vermeidung der Vaginalatrophie eingesetzt wird, erhöht das Endometriumkarzinomrisiko wahrscheinlich nicht. Die Datenlage ist jedoch diesbezüglich sehr eingeschränkt.
| Eine ET erhöht das Endometriumkarzinomrisiko, eine kombinierte EPT mit mindestens 10-, besser 12-tägiger Gestagenanwendung pro Behandlungsmonat nicht. (LoE1a)
Konsensstärke: starker Konsens
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| Eine ET soll nur bei hysterektomierten Frauen durchgeführt werden. Eine kombinierte EPT bei nicht hysterektomierten Frauen soll eine mindestens 10-, besser 12-tägige Gestagenanwendung pro Behandlungsmonat enthalten. (A)
Konsensstärke: starker Konsens
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| Eine HT erhöht das Ovarialkarzinomrisiko; inwieweit Unterschiede zwischen ET und EPT bestehen, ist unklar. (LoE 2a)
Konsensstärke: starker Konsens
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| Die Erhöhung des Ovarialkarzinomrisikos muss in die Nutzen-Risiko-Bewertung einer HT eingehen. (A)
Konsensstärke: starker Konsens
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| Eine EPT senkt das Risiko für kolorektale Karzinome, eine ET nicht. (LoE 2a)
Konsensstärke: Konsens
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| Hieraus ergibt sich keine Indikation für eine HT. (A)
Konsensstärke: starker Konsens
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Zur Bewertung des Risikos der HT nach Endometrium-, Ovarial- und kolorektalen Karzinomen liegen nur einige Beobachtungsstudien vor. Diese zeigen kein erhöhtes Rezidivrisiko unter Anwendung einer HT. Die Fallzahlen sind zu gering, um zuverlässige Aussagen zur Sicherheit der HT nach Behandlung der oben angegebenen Malignome zu machen.
| Eine HT steigert das Risiko für ein Rezidiv nach behandeltem Mammakarzinom. (LoE 2 b) Das Risiko einer HT nach behandelten Endometrium-, Ovarial- oder kolorektalen Karzinomen ist nicht ausreichend untersucht. (LoE 2b) Zu anderen Tumorentitäten können aufgrund fehlender Daten keine Aussagen gemacht werden. (LoE 5)
Konsensstärke: starker Konsens/Konsens
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| Eine HT ist nach behandeltem Mammakarzinom kontraindiziert. (A)
Konsensstärke: starker Konsens
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| Ob Nutzen und Risiken einer HT bei Frauen mit prämaturer Menopause verschieden sind von denen bei Frauen mit Eintritt der Menopause um das 50. Lebensjahr, ist unklar. (LoE 2a)
Eine HT ist bei symptomatischen Frauen mit prämaturer Menopause zur Behandlung von Hitzewallungen und vaginaler Atrophie geeignet. (LoE 2a)
Konsensstärke: starker Konsens/Konsens
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| Eine HT kann bei Frauen mit prämaturer Menopause bis zum durchschnittlichen Menopausealter durchgeführt werden. (0)
Konsensstärke: Konsens
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| Isoflavonhaltige Nahrungsergänzungsmittel aus Soja und Rotklee oder eine phytoöstrogenreiche Ernährung vermindern Hitzewallungen nicht oder, wenn überhaupt, dann nur marginal. (LoE1a)
Mögliche Risiken alternativer Therapien können heute nicht ausreichend bewertet werden. (LoE1a)
Konsensstärke: starker Konsens
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| Phytoöstrogene, andere pflanzliche und nichthormonale Therapien können nicht als Alternative zur HT empfohlen werden. (0)
Konsensstärke: starker Konsens
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Für die individuelle Abschätzung und Abwägung der Nutzenwahrscheinlichkeiten und der Schadensrisiken einer HT sind individuelle Faktoren wie allgemeiner Gesundheitszustand, Alter, Menopausenalter, vorausgehende HT, Anwendungsdauer, Dosierung und Typ der HT, Erkrankungen unter HT-Anwendung zu berücksichtigen. Um ratsuchende Frauen über Risiken der HT adäquat zu informieren, muss die Ärztin/der Arzt die Prinzipien der Risikokalkulation kennen. Er/sie sollte darüber hinaus in der Lage sein, diese so zu vermitteln, dass die Patientin eine individuelle Entscheidung für oder gegen die Einleitung einer HT treffen kann. Die für das Gespräch notwendigen Zahlen finden Sie in der Langversion (s. Kapitel Risikokommunikation) und dem Balance Sheet (s. Anhang).
| HT | Hormontherapie in der Peri- und Postmenopause |
| ET | Östrogentherapie |
| EPT | Östrogen-Gestagen-Therapie |
| LoE | Level of Evidence |
| WHI | Women's Health Initiative |
| HERS | Heart and Estrogen/Progestin Replacement Study |
| VTE | venöse Thromboembolien |
| CPA | Cyproteronacetat |
| CMA | Chlormadinonacetat |
| DNG | Dienogest |
| DRSP | Drospirenon |
| WHIMS | The Women's Health Initiative Memory Study |
| CEE | konjugierte equine Östrogene |
| MPA | Medroxyprogesteronacetat |
| SSRI | Serotoninwiederaufnahmehemmer |
| LoE | Studien zur Diagnose nach (1) |
| 1a 1b 1c | systematische Übersicht über Level-1-diagnostische Studien oder diagnostische Entscheidungsregel, begründet auf 1b-Studien, validiert in verschiedenen klinischen Zentren Validierungs-Kohortenstudie mit gutem Referenzstandard oder diagnostischer Entscheidungsregel, validiert in einem Zentrum Alle-oder-Keiner-Prinzip (absolute SpPins und SnNouts) |
| 2a 2b | systematische Übersicht über Level-2-diagnostische Studien explorative Kohortenstudie mit gutem Referenzstandard |
| 3a 3b | systematische Übersicht über Level-3-diagnostische Studien nichtkonsekutive Studie oder ohne Konsistenz der angewendeten Referenzstandards |
| 4 | Fallkontrollstudien, schlechte oder nicht unabhängige Referenzstandards |
| 5 | Expertenmeinung ohne exakte Bewertung der "Evidenz" oder basierend auf physiologischen Modellen/Laborforschung |
| LoE | Studien zur Prävention/Ätiologie/Therapie nach (1) |
| 1a 1b 1c | systematische Übersicht über randomisierte kontrollierte Studien (RCT) eine RCT (mit engem Konfidenzintervall) Alle-oder-Keiner-Prinzip |
| 2a 2b 2c | systematische Übersicht über gut geplante Kohortenstudien eine gut geplante Kohortenstudie oder ein RCT minderer Qualität Outcome-Studien, ökologische Studien |
| 3a 3b | systematische Übersicht über Fallkontrollstudien eine Fallkontrollstudie |
| 4 | Fallserien oder Kohorten-/Fallkontrollstudien minderer Qualität |
| 5 | Expertenmeinung ohne explizite Bewertung der "Evidenz" oder basierend auf physiologischen Modellen/Laborforschung |
| Konsensuskriterien für den Empfehlungsgrad: Konsistenz der Studienergebnisse, klinische Relevanz der Endpunkte und Effektstärken, Nutzen-Risiko-Verhältnis, ethische Verpflichtung, Patientenpräferenzen, Anwendbarkeit, Umsetzbarkeit. | |
| Grad | Empfehlungsgrad für die Handlungsoption nach (2) |
| A | starke Empfehlung "SOLL" |
| B | Empfehlung "SOLLTE" |
| 0 | Empfehlung offen "KANN" (Handlungsoption) |
| Negativempfehlungen werden sprachlich ausgedrückt: "NICHT" bei gleichen Symbolen. | |
| GA | Guideline-Adaptation |
| GCP | Good Clinical Practice |
| GEP | Good Epidemiology Practice |
| Endpunkt (EPT) | Relative Risiken (RR)ET: ÖstrogentherapieEPT: Östrogen-Gestagen-Therapie | Absolute Risiken (AR) | Number needed to harm (+NNH)/Number needed to treat (-NNT) |
| Hitzewallungen | OR 0,13 (95% KI 0,07-0,23) | k. A. | k. A. |
| Rezidivierende Harnwegsinfekte | Vaginale ET (2 Studien): RR 0,25 (95% KI 0,13-0,30) RR 0,64 (95% KI 0,47-0,86) | k. A. | k. A. |
| Koronare Herz-krankheit | ET: Myokardinfarkt und koronarer Tod: HR 0,91 (95% KI 0,75-1,12) | -5 Ereignisse/10.000 Frauen/Anwendungsjahr (entsprechend 49 [Hormongruppe] versus 54 Ereignisse [Placebogruppe]; statistisch nicht signifikant) | |
| nach Herzinfarkt: HR 0,99 (95% KI 0,70-1,41) | |||
| EPT: HR 1,24 (95% KI 1,00-1,54) | +6 Ereignisse/10.000 Frauen/Anwendungsjahr (39 [Hormongruppe] versus 33 Ereignisse [Placebogruppe]) | +1667 | |
| Insult | ET: zerebrale Insulte: HR 1,39 (95% KI 1,10-1,77) | +12 Ereignisse/10.000 Frauen/Anwendungsjahr (44 [Hormongruppe] versus 32 Ereignisse [Placebogruppe]) | +833 |
| EPT: ischämische Insulte: HR: 1,44 (95% KI 1,09-1,90) | +8 Ereignisse/10.000 Frauen/Anwendungsjahr (26 [Hormongruppe] versus 18 Ereignisse [Placebogruppe]) | +1250 | |
| hämorrhagischer Schlaganfall: HR 0,82 (95% KI 0,43-1,56) | +0 Ereignisse/10.000 Frauen/Anwendungsjahr (4 [Hormongruppe] versus 4 Ereignisse [Placebogruppe]) | ||
| Thromboembolische Ereignisse | ET: HR 1,47 (95% KI adjustiert 0,87-2,47) | +6 Ereignisse/10.000 Frauen/Anwendungsjahr (21 [Hormongruppe] versus 15 Ereignisse [Placebogruppe]) | +1667 |
| EPT: HR 2,06 (95% KI adjustiert 1,57-2,70) | +17 Ereignisse/10.000 Frauen/Anwendungsjahr (35 [Hormongruppe] versus 17 Ereignisse [Placebogruppe]) | +588 | |
| Demenz | EPT: RR 1,97 (95% KI 1,16-3,33) | +23 Ereignisse/10.000 Frauen/Anwendungsjahr (45 [Hormongruppe] versus 22 Ereignisse [Placebogruppe]) | +435 |
| Frakturen | EPT: Schenkelhalsfrakturen: HR 0,66 (95% KI 0,45-0,98) | -5 Ereignisse/10.000 Frauen/Anwendungsjahr (10 [Hormongruppe] versus 15 Frakturen [Placebogruppe]) | -2000 |
| Wirbelkörperfrakturen: HR 0,66 (95% KI 0,44-0,98) | -6 Ereignisse/10.000 Frauen/Anwendungsjahr (9 [Hormongruppe] versus 15 Frakturen [Placebogruppe]) | -1667 | |
| Gesamtfrakturrate: HR 0,76 (95% KI 0,69-0,85) | -44 Ereignisse/10.000 Frauen/Anwendungsjahr (147 [Hormongruppe] versus 191 Frakturen [Placebogruppe]) | -227 | |
| ET: proximale Femurfrakturen: HR 0,61 (95% KI 0,41-0,91) | -6 Ereignisse/10.000 Frauen/Anwendungsjahr (11 [Hormongruppe] versus 17 Frakturen [Placebogruppe]) | -1667 | |
| Wirbelkörperfrakturen: HR 0,62 (95% KI 0,42-0,93) | -6 Ereignisse/10.000 Frauen/Anwendungsjahr (11 [Hormongruppe] versus 17 Frakturen [Placebogruppe]) | -1667 | |
| Gesamtfrakturrate: HR 0,70 (95% KI 0,63-0,79) | -56 Ereignisse/10.000 Frauen/Anwendungsjahr (139 [Hormongruppe] versus 195 Frakturen [Placebogruppe]) | -179 | |
| Jegliche Gallenwegserkrankungen | ET: HR 1,67 (95% KI 1,35-2,06) | +31 Ereignisse/10.000 Frauen/Anwendungsjahr (78 [Hormongruppe] versus 47 Ereignisse [Placebogruppe]) | +323 |
| EPT: HR 1,59 (95% KI 1,28-1,97) | +20 Ereignisse/10.000 Frauen/Anwendungsjahr (55 [Hormongruppe] versus 35 Ereignisse [Placebogruppe]) | +500 | |
| Mammakarzinom | EPT: RR 1,26 (95% KI 1,00-1,59) | + 8 Mammakarzinome/10.000 Frauen/Anwendungsjahr (38 [Hormongruppe] versus 30 Ereignisse [Placebogruppe]) | +1250 |
| ET: RR 0,77 (95% KI 0,59-1,01) | -7 Mammakarzinome/10.000 Frauen/Anwendungsjahr (statistisch nicht signifikant) | ||
| Ovarialkarzinom | EPT: RR 1,11 (95% KI 1,020-1,207) ET: RR 1,284 (95% KI 1,178-1,399) | ||
| Kolorektalkarzinom | EPT: HR 0,63 (95% KI 0,43-0,92) | -6 kolorektale Karzino-me/10.000 Frauen/Anwendungsjahr (10 [Hormongruppe] versus 16 Ereignisse [Placebogruppe]) | -1667 |
| ET: HR 1,08 (95% KI 0,75-1,55) | +1 kolorektales Karzinom/10.000 Frauen/Anwendungsjahr (statistisch nicht signifikant) | ||
| nach Mammakarzinom | EPT: HR 2,4 (95% KI 1,3-4,2) |
Das oben angegebene Balance-Sheet dient zur Darstellung des Risikos einer HT bezüglich einzelner Endpunkte.
Verschiedene Maßzahlen stehen zur Verfügung, um die Stärke des Effektes von Interventionen zu quantifizieren:
Die absolute Risikoreduktion (ARR absolute risk reduction) beschreibt die absolute Differenz der Rate an ungünstigen Ereignissen in der experimentellen Gruppe (E) im Vergleich zur Kontrollgruppe (K), wenn die experimentelle Behandlung wirksam ist (ARR = K - E).
Der Kehrwert der ARR ergibt die Number needed to treat (1/ARR = NNT). Die NNT ist ein klinisch intuitives Effektmaß für Endpunkte, um die Auswirkung einer Behandlung zu beschreiben. Sie gibt die Anzahl an Patienten wieder, die behandelt werden müssen, um ein zusätzliches ungünstiges Ereignis zu verhindern.
Der Kehrwert der ARI ergibt die Number needed to harm (1/ARI = NNH). Die NNH ist ein klinisch intuitives Effektmaß für Endpunkte, um die unerwünschten Auswirkung einer Behandlung zu beschreiben. Sie gibt die Anzahl an Patientin-nen wieder, die behandelt werden müssen, um ein zusätzliches ungünstiges Ereignis zu bewirken.
Die absolute Risikozunahme (ARI, absolute risk increase) beschreibt die absolute Differenz der Rate an ungünstigen Ereignissen in der experimentellen Gruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe, wenn die experimentelle Behandlung schlechter ist (ARI = |K minus E|).
Die relative Risikoreduktion (RRR) bezeichnet die relative Senkung der Rate an ungünstigen Ereignissen in der experimentellen Gruppe einer Studie im Vergleich zur Kontrollgruppe (RRR = |K minus E| / K).
Beispiel Phlebothrombose
Wenn die jährliche Rate von Phlebothrombosen bei postmenopausalen Anwenderinnen einer oralen ET pro Jahr 22 pro 10.000 Frauen und bei Nichtanwenderinnen 11 pro 10.000 ist, ergibt sich ein RR von:
Dies bedeutet, dass sich das Risiko für eine Phlebothrombose bei einjähriger ET-Anwendung verdoppelt. Ein RR von über 1,0 gibt eine Risikosteigerung an. Ein RR von 1,2 heißt, dass das Risiko um 20% erhöht ist. Ein RR von unter 1,0 zeigt eine Risikoreduktion an. Beispielsweise bedeutet ein RR von 0,50 eine Risikosenkung um 50%, die Wahrscheinlichkeit des Ereignisses ist bei HT-Exposition also nur halb so hoch wie bei Nichtanwendung.
Für die Bewertung von Risiken sind Angaben über das absolute Risiko (AR) häufig hilfreicher. Mit dem AR wird die Risikodifferenz angegeben, indem der Inzidenzunterschied zwischen exponierter und nichtexponierter Population kalkuliert wird. In dem o. a. Beispiel zu dem Risiko von Phlebothrombosen bei ET-Anwendung ist das AR:
Dies bedeutet, dass bei 10.000 Frauen, die eine orale ET anwenden, jährlich 11 zusätzliche Phlebothrombosen auftreten. Die Veränderung des AR hängt dabei allerdings erheblich von dem Ausgangsrisiko der exponierten Personen ab.
Fachgesellschaften
Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG)
Deutsche Krebsgesellschaft (DKG)
Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM)
Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE)
Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK)
Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN)
Deutsche Gesellschaft für Senologie (DGS)
Dachverband Osteologie (DVO)
Deutsche Gesellschaft für Angiologie (DGA)
Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS)
Deutsche Menopausengesellschaft (DMG)
Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Frauenheilkunde und Geburtshilfe (DGPFG)
Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM)
Deutsche Gesellschaft für Gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin (DGGEF)
Arbeitsgemeinschaften
Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AG O)
Arbeitsgemeinschaft für Urogynäkologie und plastische Beckenbodenrekonstruktion (AG UB)
Berufsverbände
Berufsverband für Frauenärzte (BVF)
Weitere Institutionen
Women's Health Coalition (WHC)
Frauenselbsthilfe nach Krebs e.V.
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
C. Albring, E. Baum, M.J. Beckermann, M.W. Beckmann, M. Blettner, B. Böhm, C. Brucker, M. Dören, G. Emons, D. Foth, F. Geisthövel, Th. Gudermann, P. Hadji, L. Kiesel, D. Klemperer, K. König, E. Lindhoff-Last, A. Ludolph, A.O. Mueck, I. Naß-Griegoleit, D. Noss, O. Ortmann, E. Petri, Th. Rabe, V. Regitz-Zagrosek, H. Schulte, F. Siedentopf, Th. Strowitzki, E. Windler
Leitlinienkoordination:
Prof. Dr. med. Olaf Ortmann
Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe
der Universität Regensburg am
Caritas Krankenhaus St. Josef
Landshuter Str. 65
93053 Regensburg
