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Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG)
Arbeitsgemeinschaft Medizinrecht in der DGGG


 AWMF-Leitlinien-Register  Nr. 015/046   Entwicklungsstufe:  1 

Plazentationsstörungen bei Status nach Sectio
Risk-Management zur Vermeidung von Müttersterbefällen



  1. Risiko
  2. Die Placenta praevia oder der tiefe Plazentasitz bei Zustand nach Sectio, insbesondere mit Insertion im Sectio -Narbenbereich und möglicher Kombination mit einer erst intraoperativ erkanntererkannten Placenta accreta/increta/percreta - und nicht die Uterus-Narbenruptur ! - sind die quoquo ad vitam gefährlichsten mütterlichen Spätkomplikationen nach vorausgegangener Schnittentbindung. In Bayern wurde im Rahmen landesweiter Einzelfalluntersuchungen seit 1984 bis heute kein weiterer Müttersterbefall infolge Narbenruptur bei Status nach Sectio erfasst (11). 13).

  3. Häufigkeit
  4. Die Inzidenz der Placenta praevia beträgt ohne Voroperation am Uterus 0,3%, bei Zustand nach einmaliger Sectio erhöht sie sich auf 0,8%, steigt nach zwei Schnittentbindungen auf 2% und nach drei und mehr Kaiserschnitten auf 4,2% an (5).

    In der Bayerischen Arbeitsgemeinschaft für Qualitätssicherung im stationären Bereich (BAQ) fand sich zwischen 1998 und 2004 bei Mehrgebärenden eine Gesamtinzidenz der Placenta praevia von 0,39%; ohne vorherige Uterusoperation (n = 385.306) waren es 0,36%, bei Status nach Sectio (n = 67.257) waren es 0,55% (7). Dies bedeutet eine signifikante Erhöhung des Placenta-praevia-Risikos bei Status nach Sectio um den Faktor 1,5. Bei Plazenta-Insertion im Narbenbereich besteht ein zusätzliches Risiko für eine Placenta accreta/increta/percreta in Abhängigkeit von der Anzahl vorausgegangener Schnittentbindungen (bis ca. 40% nach zwei oder mehr Sectiones) (1).

  5. Mütterliche Verblutungstodesfälle infolge Plazentationsstörungen bei Status nach Sectio
  6. In Bayern wurden von 1983 bis 2007 bei landesweiten Einzelfalluntersuchungen bisher neun derartige Müttersterbefälle (MSTF) erfasst (12). Vier Hämorrhagie-MSTF bei Placenta praevia im Status nach Sectio sind bei Gutachtertätigkeit 1992 bis 2002 aus einem weiteren westdeutschen Bundesland bekannt geworden (11). In Großbritannien wurden im Zeitraum von 1997 bis 1999 drei MSTF bei Placenta praevia im Zustand nach Sectio registriert (9), vier Todesfälle in den Jahren 2000 bis 2002 (8b9) und weitere drei in den Jahren 2003 bis 2005 (10). Über drei Placenta-praevia-Verblutungstodesfälle bei Status nach Sectio im Zeitraum von 1992 bis 2006 berichteten Beck und Vutuc aus Österreich (3).

    Die Verläufe waren in den beschriebenen Fällen vielfach ähnlich. Das mütterliche Verblutungsrisiko während oder nach dem Eingriff wird wegen der sub partu bekannt guten Kompensationsmöglichkeit auch größerer Blutverluste zunächst offensichtlich unterschätzt (cave plötzliche Asystolie).

  7. Risk-Management bei Plazentationsstörungen bei Status nach Sectio
  8. Alternativen zur Standard -Sectio:

  9. Zusammenfassung:
  10. Mit Hilfe risikoadaptierter Vorsorge in Verbindung mit generellem, zeitgerechtem Risk -Management erscheint bei Plazentationsstörungen im Status nach Sectio eine weitere Reduzierung mütterlicher Verblutungstodesfälle möglich.

Literatur

  1. ACOG Committee opinion Nr. 266: Placenta accreta. Obstet Gynecol 2002; 99: 169--170
  2. AG Medizinrecht: Zur postoperativen Überwachung bei Kaiserschnittpatientinnen. Frauenarzt 2007; 48: 68--69
  3. Beck A, Vutuc C. Entwicklung der mütterlichen Mortalität in Österreich. Gemeinsame Tagung der Bayerischen Gesellschaft für Geburtshilfe und Frauenheilkunde und der Österreichischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe München 2007
  4. Gonser M. Pers. Mitt., 2007
  5. Huch A, Chaoui R. Sectio caesarea. In: Schneider H, Husslein P, Schneider KTM (Hrsg.). Die Geburtshilfe. 3. Auflage. Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 2006: 794
  6. Kayem G, Davy C, Goffinet F, Thomas C, Clément D, Cabrol D. Conservative versus extirpative Management in cases of placenta accreta. Obstet and Gynecol 2004; 104: 531--536
  7. Lack N (BAQ). Pers. Mitt., 2005
  8. National Institute of Clinical Excellence, Scottish Executive Health Department, Department of Health, Social Services and Public Safety Northern Ireland: Why Mothers Die 1997--1999. The Confidential Enquiries into Maternal Deaths in the United Kingdom (CEMD). RCOG Press, London, 2001
  9. National Institute of Clinical Excellence, Scottish Executive Health Department, Department of Health, Social Services and Public Safety Northern Ireland. Confidential Enquiry into Maternal and Child Health (CEMACH):). Why Mothers Die 2000--2002. The Sixth Report of the Confidential Enquiries into Maternal Deaths in the United Kingdom. RCOG Press, London, 2004
  10. National Institute of Clinical Excellence, Scottish Executive Health Department, Department of Health, Social Services and Public Safety Northern Ireland. Confidential Enquiry into Maternal and Child Health (CEMACH): Saving Mothers' Live: Reviewing maternal deaths to make motherhood safer - 2002--2005. The Sixth Report of the Confidential Enquiries into Maternal Deaths in the United Kingdom. RCOG Press, London, 2007
  11. O'Brien JM, Barton JR, Donaldson ES:. The management of placenta percreta: Conservative and operative strategies. Am J Obstet Gynecol 175 (1996); 175: 1632-1638
  12. Welsch H, Wischnik A:. Müttersterblichkeit. In (Hrsg): Schneider H, Husslein P, Schneider KTM: (Hrgs.). Die Geburtshilfe. 3.Aufl. 1049-1063. Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 2006: 1049-1063
  13. Welsch H:. unveröffentlichte Daten, 2007.

Verfahren zur Konsensbildung:

Erstellungsdatum:

11/2005

Letzte Überarbeitung:

08/2008

Nächste Überprüfung geplant:

k.A.


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Stand der letzten Aktualisierung: 08/2008
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