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  Arbeitsgemeinschaft der
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Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG)


 AWMF-Leitlinien-Register  Nr. 015/015   Entwicklungsstufe:  1 

 

Empfängnisverhütung

 

Familienplanung in Deutschland

  1. Übersicht
  2. Zurzeit befinden sich 17,2 Millionen Frauen (41% aller Frauen) in Deutschland im reproduktiven Alter und benötigen gegebenenfalls eine wirksame Methode zur Familienplanung.

    Die Akzeptanz und die Anwendung geeigneter Methoden zur Familienplanung stehen in Zusammenhang mit dem Risiko unerwünschter Schwangerschaften und der Ansteckungsgefahr hinsichtlich sexuell übertragbarer Erkrankungen. Die kontrazeptive Beratung liegt in Deutschland in der Hand der Gynäkologen und stellt durch gleichzeitige Vorsorgeuntersuchungen einen wichtigen Beitrag zur Gesundheitsvorsorge dar. Die verschiedenen Methoden sollen hier vor dem Hintergrund ihrer Anwendungshäufigkeit, der Altersgruppe der Anwender und der Notwendigkeit von medizinischen Vor-, Kontroll- und Nachuntersuchungen besprochen werden.

    Tabelle 1: Heutige Methoden zur Kontrazeption in Deutschland

     Millionen%Bezugssystem
    Frauen im reproduktionsfähigen Alter 14 – 44 Jahre)17,2 41% aller Frauen
    Frauen 14 - 20 Jahre3,219%aller Frauen im reprod. Alter
    Kontrazeption   
    OC-Anwenderinnen, gesamt6,638,5 %aller Frauen im reprod. Alter
    Frauen < 20 Jahre (14 bis 19 Jahre),
    mit OC-Einnahme
    1,5 55 %aller Frauen im Alter von 14 bis 19 Jahren
    (2,8 Mio.)
    OC < 50 µg EE 6,2 36,1 %aller Frauen im reprod. Alter
    OC > 50 µg EE 0,4 2,3 %aller Frauen im reprod. Alter
    Vaginalring ca. 0,13 ca. 0,8% aller Frauen im reprod. Alter
    Hormonpflaster k.A.  
    Östrogenfreier Ovulationshemmer ca. 0,19 1,1 % aller Frauen im reprod. Alter
    Kupferspirale ca. 1 6% aller Frauen im reprod. Alter
    Hormonspirale ca. 1 6% aller Frauen im reprod. Alter
    Minipille ca. 0,01 0,06 % aller Frauen im reprod. Alter
    Dreimonatsspritze ca. 0,2 1 % aller Frauen im reprod. Alter
    Hormonimplantat ca. 0,15 ca. 0,9% aller Frauen im reprod. Alter
    Postkoitale Kontrazeption
    - Pille danach
    0,21%aller Frauen im reprod. Alter
    Kondome4,8 28%aller Frauen im reprod. Alter
    Spermizide k.A. aller Frauen im reprod. Alter
    Natürliche Familienplanung1,48% aller Frauen im reprod. Alter
    Sterilisation
    - Frau
    - Mann

    1,4
    0,45

    8 %
    2 %

    aller Frauen im reprod. Alter
    aller Männer
        
    Frau   
    Frauen mit Kontrazeption 9,063Summe
    Frauen, die derzeit keine oder natürliche Verhütungsmethode anwenden424%aller Frauen im reprod. Alter
    Frauen mit Schwangerschaft (pro Jahr)0,8Lebendgeburten (2003): 715.290, Schwangerschaftsabbrüche (2003): 128.030
    Frauen ohne Notwendigkeit einer Kontrazeption    
    steril (Frau/Mann) k.A. 
    kein Geschlechtsverkehr2 12% aller Frauen im reprod. Alter
    Mann   
    Männer mit Kontrazeption 1,45 
    Kondom (einzige Methode)1geschätzt
    Sterilisation Mann 0,45 ca. 2 % aller Männer (bis 50 Jahre)
     
    Dunkelziffer 2,706 geschätzt
    Gesamtzahl 15,394 

    k.A. = keine Angaben

    Tabelle 2: Medizinische Vor-, Kontroll- und Nachuntersuchungen bei verschiedenen kontrazeptiven Verfahren (wichtigste Punkte) (Anmerkungen: familiäres kardiovaskulares Risiko = (u.a. Thrombose, Thromboembolie, Schlaganfall, Herzinfarkt*) bei den Eltern unter 45 Jahren) (* nur bei der Mutter)

    MethodeFamilienanamneseEigenanamneseKlinik allgemeinUntersuchungs-befundLaborFollow-up
    Orale hormonale Kontrazeptionkardiovaskuläre Erkrankungen Mamma- und Ovarialka. (3x Familienmitglieder), Diabetes mellituskardiovaskuläre Erkrankungen, Diabetes mellitus, Krebserkrankungen, Rauchen, Stillen, geplante Operation, Migräne, Lebererkrankungen Cholelithiasis und Gallenblasen-erkrankungen, uterine Blutungsstörungen, Epilepsie, Antibiotikatherapie Weitere MedikamenteAlter, Herzfehler, Leber- und Gallenblasen-erkrankungen, Adipositas, Hypertonie, Diabetes mellitusBlutdruck, Gewicht, Ikterus (ggf. Leber- und Gallenblasen-diagnostik), Gyn. Krebserkrankungen, Blutungsstörungen, Schwangerschafts-ausschlussggf. Blutglukose bzw. oGTT, Thrombophilie-diagnostik, BlutfetteKontrolle nach 6 Monaten Klinische Verträglichkeit, Nebenwirkungen, Compliance RR, Gewicht
    Intrauterinpessar (auch als Spirale danach)keine BedeutungAdnexitis-Risiko, wechselnde Sexualpartner ?, frühere Graviditäten, uterine BlutungsstörungenEntzündungs-zeichenGenitale Infektionen; Uterusanomalien, Fluor vaginalis, Myome, Schwangerschafts-ausschlussVaginal-Abstrich (Nativ) Ggf. CRP, bakteriologische Abstriche,Kontrolle 1-2 Wochen nach Einlage; danach alle 6 Monate
    Hormonspiralekeine Bedeutungmenstrueller Zyklus (Menorrhagie)Entzündungs-zeichen, geeignet für stillende MütterGenitale Infektionen; Uterusanomalien, Fluor vaginalis Myome, Schwangerschafts-ausschlussVaginal-Abstrich (Nativ) Ggf. CRP,. bakteriologische Abstriche,Kontrolle 1-2 Wochen nach Einlage; danach alle 6 Monate
    Minipille reine Gestagenpille)Familiäre thromb. DiatheseThromboembolien multiple kardiovaskuläre Risikofaktoren Migräne mit fokaler neurol. Symptomatik Epilepsietherapie, Antibiotika-behandlungVgl. weniger Sicherheit, geeignet für stillende Mütter, Blutdruck, LebererkrankungenSchwangerschafts-ausschluss anamnestisch) vgl. OCggf. Gerinnungalle 6 Monate
    Östrogenfreier OvulationshemmerVgl. OCVgl. OCVgl. OC geeignet für stillende Mütter,Vgl. MinipilleVgl. Minipillealle 6 Monate
    DreimonatsspritzeThrombophilie Familiäre AdipositasThromboembolien, multiple kardiovaskuläre Risikofaktoren, Zyklusanamnese mit Aufklärung der therapiebedingten Amenorrhoe Migräne mit fokaler neurol. Sympt.Nicht bei einer Haemorrhag. Diathese oder Antikoagulantia-Anwendung, Blutdruck Diabetes mit Komplikationen Lebererkrankungen, geeignet für stillende MütterSchwangerschafts-ausschluss anamnestisch) vgl. OC Adipositasje nach Anamnese, Je nach Indikation Knochendichte bestimmenalle (2-)3 Monate zur Injektion. Schwangerschafts-ausschluss per vag. Ultraschall bei Spez. Indikation.
    HormonimplantatFamiliäre Thrombophilie vgl. OCvgl. OC Zyklusanamnese mit Aufklärung der therapiebedingten ZyklusstörungenNicht bei einer Haemorrhag. Diathese oder Antikoagulantia- Anwendung, Blutdruck, Diabetes mit Komplikationen Lebererkrankungen AkneOperativer Eingriff bei der Entfernung möglichje nach Anamnese Alle 6 Monate Schwangerschafts-ausschluss per vag. Ultraschall bei Amenorrhoe Und spez. Indikation
    Vaginalringsiehe OCsiehe OC, vaginale Manipulationen besprechensiehe OC nicht bei schwerem Prolaps vaginalissiehe OC, Vaginale Infektionensiehe OCAlle 6 Monate
    Hormonpflastersiehe OCsiehe OCsiehe OC, Klebstoff-Allergiesiehe OC siehe OC alle 6 Monate
    Pille danachkeine BedeutungGV (Zeitintervall; Zyklustag; Häufigkeit), Thrombose-Risiko, bei Vergewaltigung evtl. zuätzliche Maßnahmen) Schwangerschafts-ausschluss je nach Situationentfälltnach nächster Periode oder beim Ausbleiben der Periode (Wirkung nur 70-95 %)
    Natürliche Familienplanungkeine BedeutungOligo-/Amenorrhoe, kooperativer PartnerAlter (juvenil, perimenopausal) Je nach Zyklusstabilitätkeine Bedeutung keine Bedeutung2-4 x in der Lernphase (1-3 Zyklen)
    Kondome (Frau/Mann) Diaphragmakeine Bedeutung Latexallergie, auch als Kondylome-PräventionAnwendung mit Spermiziden,Größenanpassung, Aufklärung über mögliche Anwendungsfehlerkeine Bedeutungalle 6-12 Monate
    Spermizidekeine BedeutungSexualaufklärung, Versagenssrisiko bei Spermiziden als alleiniger MethodeAllergiekeine Bedeutung alle 6-12 Monate
    Sterilisation FrauFamiliäre genetische Erkrankungen (= Medizinische Indikation)Alter, Parität abgeschlossene Familienplanung postpartum, Vorliegen von Krankheiten, die sonstige kontrazeptive Methoden nicht zulassen.Aufklärung über Risiken einer vollständ. Tubensterilisation durch Bikoagulation ggf. Clips,Schwangerschafts-ausschluss, Planung des Eingriffs in der ersten ZyklushälfteNarkosefähigkeitnur beim Ausbleiben der Regel zum Schwangerschafts-ausschluss
    Sterilisation Mannkeine Bedeutungabgeschlossene Familienplanung, Ausschluss von PotenzstörungenSystem-erkrankungen ausschließenVaricocele, Hodentumoren, EntzündungenSpermiogrammKontrolle des Spermiogramms bis negativ

    Die Anwendungshäufigkeit der verschiedenen Kontrazeptiva in Deutschland ist in Tabelle 1 zusammengestellt. Tabelle 2 enthält die erforderlichen medizinischen Vor-, Kontroll- und Nachuntersuchungen der verschiedenen kontrazeptiven Verfahren.

    1.1 Junge Mädchen und Frauen (< 18 Jahre)

    Situation:

    Heute sind 38% der 14- bis 16-jährigen Mädchen und 29% der Jungen koituserfahren; das Alter beim ersten Geschlechtsverkehr ist gesunken (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung; www.BZgA.de).

    Nach Angaben des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte werden in Deutschland jährlich mindestens 10 000 Mädchen im Alter unter 18 Jahren schwanger (www.kindergynaekologie.de). Die vom Statistischen Bundesamt veröffentlichte Statistik der Schwangerschaftsabbrüche weist für das Jahr 2002 eine Gesamtzahl von 6682 Schwangerschaftsabbrüchen bei minderjährigen Mädchen (15-17 Jahre) aus. Mit zunehmender Erfahrung verlagert sich die Verhütung vom Kondom zur Pille; auch ist eine Tendenz zur Kombination von Pille und Kondom zu beobachten.

    Kondome sind beim „ersten Mal“ das bevorzugte Verhütungsmittel. Aber: 16% der Jungen sowie 11% der Mädchen trafen beim ersten Geschlechtsverkehr mit ihrer Partnerin bzw. ihrem Partner keine Vorkehrungen zur Empfängnisverhütung.

    Beurteilung der körperlichen Entwicklung:

    Menarchealter (mittleres Menarchealter in Deutschland: 11,5 Jahre), Stillstand der Gewichts- und Größenentwicklung, seelische Reife (schwierig).

    Gesetzliche Bestimmungen:

    Hinsichtlich der Verordnung von Kontrazeptiva bei Minderjährigen sei auf die Stellungnahme der Arbeitsgemeinschaft Medizinrecht in der Zeitschrift der Frauenarzt (Frauenarzt 44 (2003) Nr. 10, 1109-1115) hingewiesen.

    Geschäftsfähigkeit:

    Für die Geschäftsfähigkeit zieht das Gesetz im Interesse eines sicheren rechtsgeschäftlichen Verkehrs klare Grenzen. Erst mit Vollendung des 18. Lebensjahres tritt unabhängig vom individuellen Reifegrad die volle Geschäftsfähigkeit ein. Bis zur Vollendung des 7. Lebensjahres ist der junge Mensch geschäftsunfähig, vom 7. bis 18. Lebensjahr beschränkt geschäftsfähig. Eine minderjährige Person wird nicht durch Heirat volljährig und geschäftsfähig.

    Schweigepflicht gegenüber dem gesetzlichen Vertreter:

    Der Arzt kann im Interesse seiner minderjährigen Patientin auch gegenüber deren Eltern zur Verschwiegenheit verpflichtet sein. Insoweit ist zu differenzieren:

    (AG Medizinrecht, Frauenarzt 2003).

    Bei der Verordnung von Kontrazeptiva an Jugendliche unter 16 Jahren sind die gesetzlichen Bestimmungen für die jeweiligen Altersgruppen (<14 Jahre bzw. 14 – 16 Jahre) zu beachten.

    Alter: < 14 jahre

    Nach § 176, Absatz 3 des StGB wird der Beischlaf mit einem Kind unter 14 Jahren als besonders schwerer Fall sexuellen Missbrauchs geahndet.

    Bei der Verordnung von Verhütungsmitteln bei Jugendlichen im Alter unter 14 Jahren sollte eine Einverständniserklärung wenigstens eines Elternteils vorliegen. Wenn diese abgelehnt wird, muss sich der verordnende Arzt von der Handlungsfähigkeit der Jugendlichen überzeugen. Der Schutz der Gesundheit der Jugendlichen ist das höhere Rechtsgut und der Aufklärungspflicht des/der Erziehungsberechtigen untergeordnet.

    Dass dem Arzt bei Verschreibung von Kontrazeptiva an unter 14-jährige Mädchen der Vorwurf gemacht werden kann, er leiste vorsätzliche Beihilfe zum strafbaren Sexualverkehr mit Kindern (§§ 176, 27 StGB), ist bei entsprechender Interessenabwägung, die unbedingt in Gegenwart eines Zeugen dokumentiert werden sollte, nicht zu befürchten. Auch eine Strafbarkeit wegen Förderung sexueller Handlungen Minderjähriger (§180 Abs. 1 StGB) ist hier nicht anzunehmen (AG Medizinrecht, Frauenarzt 2003).

    Eine besondere Situation liegt auch dann vor, wenn der Freund der Jugendlichen wesentlich älter ist (Cave: starke wirtschaftliche bzw. emotionale Abhängigkeit; Vater, Stiefvater, Schutz vor sexuellem Missbrauch!).

    Alter: 14-16 Jahre

    Bei älteren Jugendlichen zwischen 14 und 16 Jahren sollte bei der Verordnung von Verhütungsmitteln ein Elternteil nur dann hinzugezogen werden, wenn nach Auffassung des verordnenden Arztes die Einwilligungsfähigkeit nicht gegeben ist.

    Empfehlungen zur Kontrazeption: Orale hormonale Kontrazeptiva (sog. „Pille“).

    Für junge Mädchen ist die orale hormonale Kontrazeption (sog. "Pille") die günstigste Form der Kontrazeption. Sie zeichnet sich durch eine sichere kontrazeptive Wirkung, gute Zykluskontrolle und ein geringeres Risiko für entzündliche Erkrankungen im kleinen Becken (STD = sexually transmitted diseases) aus. Weiterhin besteht die Möglichkeit, durch gezielten Einsatz von antiandrogenhaltigen Präparaten, die in dieser Altersgruppe sehr häufig beobachtete Akne (bei ca. 30-40 % aller Frauen unter 20 Jahren) wirkungsvolI zu behandeln. Die Methode schützt weiterhin in hohem Maße vor bestimmten Erkrankungen (z. B. Syndrom der polycystischen Ovarien, Ovarial- und Endometriumkarzinom) und ist risikoarm. Das Mammakarzinomrisiko ist aktuellen Daten zufolge auch unter der Langzeiteinnahme von oralen Kontrazeptiva nicht erhöht.

    Als Alternative kann bei Jugendlichen ohne Neigung zu Androgenisierungserscheinungen auch der Vaginalring und das Kontrazeptionspflaster eingesetzt werden.

    In dieser Altersgruppe kommen alternative Methoden, wie z. B. Spermizide und Kondome, am besten in Kombination, ebenfalls in Betracht. Häufig wird jedoch die Kombination von oralen hormonalen Kontrazeptiva und dem Kondom empfohlen, da die alleinige Anwendung von Kondomen in dieser Altersgruppe zu unsicher erscheint. Zudem bestehen erhebliche Compliance-Probleme. Denn das Kondom schützt zwar in hohem Maße auch vor sexuell übertragbaren Krankheiten, aber die Beeinträchtigung der Sexualität kann dazu führen, dass seine Anwendung unterbleibt.

    Wichtig in diesem Zusammenhang ist die Aufklärung über die Möglichkeit, die „Pille danach“ (www.notfallverhuetung.de) anzuwenden.

    Methoden der natürlichen Familienplanung sind bei Jugendlichen unter 16 Jahren aufgrund des meist instabilen Zyklus und der erforderlichen Selbstbeobachtung des Körpers nur in wenigen Fällen anwendbar.

    Die Sterilisation einer Minderjährigen ist ausnahmslos verboten (§ 1631 c BGB). Weder sie selbst noch ihre Eltern können in eine Sterilisation einwilligen, auch nicht mit Genehmigung des Vormundschaftsgerichts (AG Medizinrecht, Frauenarzt 2003).

    Schwangerschaftsabbruch:

    Nach überwiegender Ansicht in Rechtssprechung und Literatur ist eine 16-jährige Schwangere in aller Regel in der Lage, eine eigenverantwortliche Entscheidung über Fortsetzung oder Abbruch der Schwangerschaft zu treffen (AG Medizinrecht, Frauenarzt 2003).

    1.2 Junge Frauen (16 – 30 Jahre)

    In dieser Altersgruppe wenden über 60% aller jungen Frauen orale hormonale Kontrazeptiva an (s. Tabelle 1).

    Bei dieser Altersgruppe kommen neben der oralen hormonalen Kontrazeption auch der Vaginalring (NuvaRing®) und das Kontrazeptionspflaster (EVRA®) zur Schwangerschaftsverhütung in Betracht. Bei der Entscheidung Pille oder Hormonpflaster bzw. Vaginalring als Ovulationshemmer spielt die Frage eine Rolle, inwieweit Androgenisierungserscheinungen vorliegen, die möglicherweise den Einsatz von antiandrogenhaltigen OCs erforderlich machen.

    Risikominimierung: Obgleich in dieser Altersgruppe das kardiovaskuläre Risiko minimal ist, wird im Hinblick auf eine längere Anwendung oraler hormonaler Kontrazeptiva dennoch bei der Familienanamnese nach kardiovaskulären Erkrankungen gefragt; bei positiver Familienanmnese empfiehlt sich eine Thrombophiliediagnostik. Weiterhin Aufklärung über die zwar seltenen kardiovaskulären Ereignisse unter OC (ACHES: A = Abdominal Pain (Bauchschmerzen), C = Chest Pain (Brustschmerzen), H = Headache (unklare, zunehmende Kopfschmerzen), E = Eye Problem (Gesichtsfeldausfälle) und S = Swelling of the legs (Anschwellen der Beine).

    Frauen, die anstatt regelmäßiger Menstruationsblutungen eine Langzeitkontrazeption mit Amenorrhoe wünschen, können dies durch kontinuierliche Einnahme eines monophasischen OCs über längere Zeit erreichen (umfassende Studien zur Arzneimittelsicherheit liegen allerdings noch nicht vor) oder sich für die Einlage einer Hormonspirale oder eines Hormonimplantats entscheiden.

    Bei regelmäßigem Zyklus und Wunsch nach Langzeitkontrazeption ist auch der Einsatz von Langzeitkontrazeptiva, wie bspw. von Hormonimplantaten (Implanon ®) möglich. Andere Langzeitkontrazeptiva, wie z.B. die Dreimonatsspritze, sind aufgrund des Osteoporoserisikos bei längerer Anwendung nur in Ausnahmefällen zur Kontrazeption geeignet.

    Weiterhin kann neuerdings auch eine reine gestagenhaltige Pille (Cerazette®) (siehe dort) als Ovulationshemmer mit verbesserten kontrazeptiven Eigenschaften angewandt werden. Wenn eine Alternative gewünscht wird, eine feste Partnerschaft besteht und keine Oligo-/Amenorrhoe vorliegt, kommt auch die Natürliche Familienplanung in Frage.

    Intrauterinpessare mit Kupferfreisetzung kommen nur als Methode zweiter Wahl in Betracht, da hierbei bei wechselnden Partnerbeziehungen ein erhöhtes Risiko für STD besteht - verbunden mit der Möglichkeit einer späteren Sterilität durch infektionsbedingten Schaden im Bereich der Eileiter (z. B. Verwachsungen, Verschluss. Bei beidseits monogamer Beziehung und ohne STD-Risiko durch den Partner kommt diese Methode auch für junge Frauen in Betracht, wenn diese zuvor noch keine Unterleibsentzündungen gehabt haben und alternative Methoden nicht akzeptiert werden). Im Gegensatz zur Kupferspirale bietet die Hormonspirale durch die Verdickung des Zervikalschleims einen Schutz vor aszendierenen Infektionen.

    1.3 Reifere Frauen mit abgeschlossener Familienplanung

    Nach Abschluss der Familienplanung treten ab dem 30. Lebensjahr bezüglich der Anwendung von OCs, bzw. der Kontrazeptionspflaster oder dem Vaginalring internistische Risikofaktoren in den Vordergrund. Hierzu zählen u.a. das Zigarettenrauchen (Risikohinweis ab dem 30. Lebensjahr bei mehr als 10 Zigaretten pro Tag) und altersunabhängig kardiovaskuläre Erkrankungen, Diabetes mellitus, Hypertonie, Hyperlipidämie. Vielfach führen in dieser Altersgruppe auch medizinische Zusatzindikationen (z. B. Blutungsstörungen, Dysmenorrhoe) zur Einnahme von OCs. Intrauterinpessare mit Kupfer sind für diese Altersgruppe geeignet. Insbesondere auch in dieser Lebensphase ist die Hormonspirale besonders geeignet, da sie zur Abnahme der Blutungsstärke und -dauer führt und die Dysmenorrhoe lindert; in 20 % der Fälle tritt eine Amenorrhoe auf, die von vielen Frauen als positiv empfunden wird.

    Zur Langzeitkontrazeption sind auch Hormonimplantate geeignet. Alternativ eignen sich auch Depotspritzen (sog. Dreimonats-spritzen); hierbei tritt allerdings nach der 10. Injektion in über 50 % der Fälle eine Amenorrhoe auf. Bei Langzeitanwendung ist das Osteopenie- bzw. das Osteoporose-Risiko zu berücksichtigen.

    Die Sterilisation kann nach abgeschlossener Familienplanung in Erwägung gezogen werden - wobei auf die Irreversibilität (Ausnahmen durch Mikrochirurgie, endoskopische Operationen bzw. In-vitro-Fertilisation) hingewiesen werden muss. Außerdem werden in dieser Lebensphase häufig auftretende Blutungsstörungen durch eine Sterilisation nicht verhindert, auch aus diesem Grund ist die Hormonspirale besonders indiziert.

    Wichtige Internetadressen:

    www.gyn-colleg.de

    Pille danach
    www.notfallverhuetung.de

    Kontrazeption bei Jugendlichen
    www.laralove.de (Grünenthal)

    Sexualaufklärung und Kontrazeption www.bzga.de
    www.loveline.de (BZgA)
    www.sextra.de (profamilia)
    www.familienplanung.de (BZgA)
    www.kindergynaekologie.de Natürliche Familienplanung:
    www.uni-duesseldorf.de/NFP/
    Produktinformationen von pharmazeutischen Firmen:
    www.östrogenfreie-pille.de
    www.mirena.de
    www.nuvaring.de
    www.implanon.de

    Azneimittelinteraktion und Pille:www.nourypharma.de username:biviol, passwort: mbiviol

Spezielle Risiken hormonaler Kontrazeptiva

  1. Orale hormonale Kontrazeptiva und vaskuläres Risiko
  2. Thromboembolierisiko

    Unter OC ist das absolute Risiko für venöse Thrombosen und Lungenembolien bei niedriger Östrogendosis nur gering erhöht. Während Daten für ältere Präparate mit >50 µg Östrogene ein höheres Risiko angeben, ist es unter den heute verwendeten OCs mit =50µg 2,1- bis 4,4-fach erhöht, entsprechend 2-4 Thromboembolien pro 10.000 Frauenjahre (1,5-10). Zum Vergleich liegt das Risiko ohne OC bei etwa 1/10.000 Frauenjahre, beträgt aber altersabhängig zwischen 0,9/10.000 Frauenjahre bei 20-24-jährigen bis 1,8 bei 40-44-jährigen Frauen und in der Schwangerschaft etwa 6/10.000 Frauenjahre. Die in manchen Studien gezeigte Verdopplung des Thromboembolierisikos unter Desogestrel und Gestoden gegenüber Lovonorgestrel hat sich in anderen Studien nicht bestätigt (1,3,11-15).

    Ein wesentlicher Risikofaktor sind Gerinnungsstörungen wie Mangel an Antithrombin III, Protein C oder S oder Mutationen von Faktor V. Sie betreffen etwa ein Fünftel aller Patienten mit Thromboembolien. Beispielsweise ist das Risiko bei einer Faktor-V-Leiden Mutation um das 8-fache erhöht und steigt unter OC um das 33-fache. Homozygote Merkmalsträger haben eine noch stärkere Risikoerhöhung.

    Über das geringe Thromboserisiko und insbesondere mögliche Frühsymptome sollte aufgeklärt werden. OCs sollten weniger als 50µg Östrogen enthalten, wenn keine besondere Indikation für diese Dosierung gegeben ist. Eine weitere Senkung des Risikos durch Östrogendosen unter 35 µg ist aber nicht erwiesen. Bei Thromboembolien in der Eigen- oder Familienanamnese oder Nachweis einer Gerinnungsstörung sowie mit zunehmendem Alter empfehlen sich alternative Kontrazeptionsmethoden.

    Kardiovaskuläres Risiko

    Koronare Herzkrankheit ist zwar zu einer der Haupttodesursachen der Frau geworden,betrifft aber zu über 90% Frauen in der Postmenopause. In Deutschland ereignen sich etwa 6 tödliche kardiovaskuläre Ereignisse pro 10.000 Frauenjahre entsprechend 0,25% vor dem 50. Lebensjahr. Bis zum 35. Lebensjahr ist koronare Herzkrankheit eine Rarität genauso wie bei Frauen ohne einen der bekannten Risikofaktoren.

    Es gibt keinen Nachweis der Erhöhung des kardiovaskulären Risikos durch OC mit Estrogenen in Abwesenheit kardiovaskulärer Risikofaktoren, insbesondere Rauchen. Deshalb gelten hinsichtlich des kardiovaskulären Risikos OCs bei Frauen ohne Risikofaktoren unter 35 Jahren als unbedenklich, bei Frauen jenseits des 35. Lebensjahrs vorzugsweise Präparate mit einem Östrogengehalt bis 35 µg.

    Besteht der Wunsch nach einem östrogenhaltigen OC bei einer Raucherin unter 35 Jahre, sollte unbedingt auf die Risikoerhöhung vom 3- bis 11-fachen durch Rauchen allein und auf das 20- bis 87-fache durch Rauchen unter OC hingewiesen werden. Auch Frauen mit Hypertonus haben unter OC eine Erhöhung des kardiovaskulären Risikos um das 4- bis 17-fache.

    Die häufigste Risikokonstellation ist heute das Metabolische Syndrom, dessen Zeichen überwiegend ein Hypertonus ist und oft Raucherinnen betrifft, so dass vergleichbare Risikoerhöhungen durch andere Risikofaktoren nicht ausgeschlossen sind. Aufgrund dessen erscheint es empfehlenswert, bei risikobelasteten Frauen grundsätzlich Alternativen zu OC zu wählen.

    Cerebrovaskuläres Risiko

    Ischämische und hämorrhagische Insulte sind zwar eine wesentliche Todesursache der Frau geworden, betreffen aber zu weit über 90% Frauen in der Postmenopause, mehrheitlich nach dem 70. Lebensjahr. In Deutschland ereignen sich etwa 2 tödliche cerebrovaskuläre Ereignisse pro 10.000 Frauenjahre entsprechend 0,3% vor dem 50. Lebensjahr.

    Die Risikofaktoren für koronare Herzkrankheit, insbesondere Rauchen, gelten auch für cerebrale Insulte, wobei Hypertonus einen höheren Stellenwert hat und Migräne hinzukommt. Die Risikoerhöhung ist für OC mit mehr als 50 µg Östrogenen konsistent stärker als für niedrig dosierte Präparate.

    Für Frauen, deren Blutdruck medikamentös gut eingestellt ist, fand sich in 3 Studien keine signifikante Erhöhung des Risikos für ischämische Insulte durch OC mit weniger als 50 µg Östrogenen. Im Einzelfall kann der Blutdruck unter OC steigen, sodass die Einstellung angepasst oder eine Alternative gewählt werden muss.

    OC erhöht bei gesunden Nichtraucherinnen bis zum 35. Lebensjahr nicht das Risiko für hämorrhagische Insulte, aber bei Frauen über 35 Jahre. Gleichzeitiges Rauchen steigert das Risiko auf das 3-fache, Hypertonus sogar auf das 10- bis 15-fache.

    Aufgrund des Risikos für cerebrovaskuläre Ereignisse empfehlen sich ohne besondere Indikation OCs mit einem Östrogengehalt unter 50 µg. Bei Frauen mit Migräne und bei risikobelasteten Frauen nach dem 35. Lebensjahr, insbesondere Hypertonikerinnen und Raucherinnen, sollten Alternativen bevorzugt werden.

    Erkennung kardiovaskulärer Risikofaktoren

    Einteilung der Kontrazeptiva nach kardiovaskulärem Risiko:

    Kein RisikoKupfer IUD
    Tubensterilisation
    Vasektomie
    Natürliche Familien-Planungs-Methoden
    Kondome/Spermizide

    Geringes RisikoLevonorgestrel-IUS (Mirena)

    Mittleres RisikoHormonimplantate
    Minipille
    Östrogenfreier Ovulationshemmer

    Erhöhtes RisikoHormonpflaster
    Vaginalring

    Deutlich erhöhtesOvulationshemmer (OC)
    Risiko (Ungewollte Schwangerschaft)

    Je nach Sicherheit der kontrazeptiven Methode ist das kardiovaskuläre Risiko durch eine ungewollte Schwangerschaft erhöht.

  3. Orale hormonale Kontrazeptiva und Brustkrebs
  4. Das Mammakarzinom ist einer der häufigsten Tumoren bei der Frau. Eine von 10 Frauen wird während ihres Lebens an Brustkrebs erkranken. Zahlreiche Risikofaktoren, u.a. auch in Zusammenhang mit natürlichen Hormonen (Östrogene) sind für die Entstehung verantwortlich. Zwischen Einwirkung der Noxe und Entstehung des Brustkrebses dauert es bis zum klinisch manifesten Karzinom ca. 10-15 Jahre. Bei der Literatur wird immer das Risiko einer Brustkrebsdiagnose, nicht aber die Wahrscheinlichkeit, durch OC-Einnahme zusätzlich ein Mammakarzinom zu bekommen, untersucht (s. auch http://cis.nci.nih.gov/fact/3_13.htm).

    Die Metaanalyse der Collaborative Group on Hormonal Factors in Breast hat 1996 ergeben, dass die zurzeit verfügbaren Daten über orale hormonale Kontrazeptiva ein leicht erhöhtes Diagnoserisiko für Brustkrebs anzeigen, wenn diese in den letzten 10 Jahren eingenommen wurden. Diese gepoolten Daten aus 54 epidemiologischen Studien, die innerhalb der letzten 20 Jahre, vor der Publikation der Reanalyse (1996), veröffentlicht wurden, werden jetzt durch Daten ergänzt, bei denen eine größere Anzahl von Frauen orale hormonale Kontrazeptiva früh in ihren reproduktiven Phasen eingenommen haben und jetzt in dem Alter sind, in dem das Brustkrebsrisiko am höchsten ist. Bei einer 2002 veröffentlichten Studie von Marchbanks et al. wurde das Brustkrebsrisiko bei Frauen im Alter von 35-64 Jahren untersucht, die zuvor die Pille genommen hatten. Das relative Risiko (RR) für Frauen, die derzeit orale hormonale Kontrazeptiva einnahmen, betrug RR 1,0 (0,8 – 1,3) und RR 0,9 (0,8 – 1,0) für Frauen, die sie zuvor eingenommen hatten. In dieser Studie stieg das relative Risiko mit längerer Einnahmedauer bzw. höherer Östrogendosis nicht an.

  5. Orale hormonale Kontrazeptiva und Osteoporose
  6. Der Einfluss unterschiedlicher Kontrazeptiva bei Frauen steht in engem Zusammenhang mit dem Alter. Bis zum 30. Lebensjahr wird die Gesamtknochenmasse aufgebaut; danach nimmt die Knochenmasse kontinuierlich ab. Das heißt, bis zum 30. Lebensjahr könnten steroidale Kontrazeptiva den Knochenaufbau negativ beeinflussen; ab dem 30. Lebensjahr geht es um den Erhalt der Knochenmasse. Ethinylestradiol und synthetische Gestagene beeinflussen den Knochen in unterschiedlichem Ausmaß. Während 5 µg Ethinylestradiol zur Verhinderung des Knochenabbaus ausreichen, können synth. Gestagene den Knochenaufbau bzw. – abbau unterschiedlich stark beeinflussen – sowohl direkt als auch nach Metabolisierung (z.B. NETA?).

    Mit der Fragestellung eines Einflusses oraler Kontrazeptiva auf die Knochendichte bei Jugendlichen haben sich in den letzten Jahren mehrere Studien befasst. Die Ergebnisse weichen z.T. voneinander ab. Das kann möglicherweise daran liegen, dass nicht immer die Ethinylestradioldosis in retrospektiven Studien spezifiziert war. Außerdem sind die untersuchten Gruppen hinsichtlich Lebensalter, Parität, Rauchgewohnheiten unterschiedlich, desgleichen die Technik der Knochendichtemessung und die untersuchten Regionen.

    Das einzige Kontrazeptivum von dem man annimmt, dass die Knochendichte abnimmt, ist die Dreimonatsspritze mit DMPA. Nach der Meinung internationaler Experten (u.a. Guillebeaud, 2004 und andere) ist noch nicht geklärt, ob DMPA einen geringen negativen Effekt auf den Knochen hat und inwieweit dieser komplett reversibel ist; dies betrifft insbesondere Raucherinnen, Frauen mit starkem Untergewicht, Jugendliche unter 18 Jahren und Frauen über 45 Jahre (nach WHO Monographie).

  7. Zusammenhang zwischen den verschiedenen hormonalen Kontrazeptiva und dem Auftreten eines Zervixkarzinoms
  8. Über 50 Fallkontroll-, Kohorten- und Querschnittstudien haben den Zusammenhang zwischen der Anwendung kombinierter oraler Kontrazeptiva (COC) und dem Auftreten von Zervixneoplasien wie Dysplasie, Carcinomata in situ und invasivem Karzinom während der letzten 10 Jahrzehnte untersucht (Smith et al. 2003):

    In der kürzlich veröffentlichten Metaanalyse von Miller et al. (2004) wird der im Lancet publizierten Metaanalyse von Smith widersprochen. Es wurde kein kausaler Zusammenhang zwischen der Langzeiteinnahme von OC und dem Auftreten von Zervixkarzinomen gefunden.

    Weitere Klarheit über den möglichen Zusammenhang bei einem erhöhten Risiko für das Auftreten von Zervixkarzinomen und den unterschiedlichen Kontrazeptiva wird sich aus dem Stufenplanverfahren (Stufe 1) ergeben.

  9. Arzneimittelinteraktionen und Kontrazeptiva
  10. Arzneimittelinteraktionen und Kontrazeptiva spielen für orale hormonale Kontrazeptiva, Hormonimplantate, die sog. Minipille und für den Vaginalring eine Rolle; für das Hormonpflaster wurde nur für Tetrazykline gezeigt, dass hier keine Arzneimittelinteraktion bestehen.

    Eine Arzneimittelinteraktion spielt für die Wirkung von Kupfer-IUDs und dem gestagenhaltigen Intrauterinsystem (Mirena®) keine Rolle.

    Für den Vaginalring konnte in Interaktionsstudien nachgewiesen werden, dass weder Amoxicillin noch Tetracyclin die kontrazeptive Sicherheit beeinflusst. Es konnte auch gezeigt werden, dass vaginal appliziertes Miconazolnitrat keinen Einfluss auf die kontrazeptive Sicherheit hat.

    Bei den oralen hormonalen Kontrazeptiva sind Arzneimittelinteraktionen mit z.B. Rifampicin, Griseofulvin, Barbituraten, Phenytoin, Carbamazepin, Cholestryramin; HIV-Medikamente; Johanniskrautpräparate) zu erwarten (vgl. Computeranalyse vor Arzneimittelinteraktionen über die Homepage www.organon.de).

    Wechselwirkungen Antiepileptika und „Pille“

    Wirksamkeit der Pille vermindertWirksamkeit nicht beeinflusst (?)
    Carbamazepin 
    Phenobarbital/Primidon Valproat
    Phenytoin 
    Oxcarbazepin
    (Trileptal, Timox)
    Gabapentin (Neurontin)
    Felbamat (Taloxa) Levetiracetam (Keppra)
    Topiramat (Topamax) Lamotrigin (Lamictal)
     Tiagabin (Gabitril)
     Vigabatrin (Sabril)
     Topiramat* (Topamax)
     *max. 200 mg, bestimmte Pillen

    Cave!

  11. Bewertung von OC-Risiken durch eine neue deutsche Kohorten-Studie
  12. Hierzu stellt sich die Frage, ob man nicht in Deutschland eine größere Kohorte (200.000) rekrutieren sollte, die Frauen unter den zurzeit verfügbaren OCs umfasst - um künftige aufkommende Fragen zum OC-Risiko in Deutschland selbst zu beantworten; dies scheint um so wichtiger zu sein, als z. B. das kardiovaskuläre Risiko auch in den europäischen Ländern sehr verschieden ist.

  13. Qualitätskontrolle von epidemiologischen und klinischen Studien
  14. Klinische Prüfungen von Arzneimitteln unterliegen der Kontrolle durch das BfArM. Studien, die von einzelnen Wissenschaftlern oder Institutionen durchgeführt werden und deren Ergebnisse einen Einfluss auf die öffentliche Gesundheit haben, müssen nach den gleichen Qualitätskriterien durchgeführt werden und überprüfbar sein. In diesem Zusammenhang wird bei einer Qualitätskontrolle von medizinischen und insbesondere von epidemiologischen Studien gefordert, dass u. a die Dokumentation der Studie einem Audit und das Datenmaterial unterschiedlichen Untersuchergruppen zur Auswertung zugänglich ist.

Leistungspflicht der gesetzlichen Krankenkassen

  1. Hormonale Kontrazeptiva für Frauen im Alter unter 20 Jahren
  2. Im August 1994 wurden die Kosten für „empfängnisverhütende Mittel“ (OC, Vaginalring, Hormonpflaster, Implantat, Hormonspirale; keine Kondome, Spermizide etc.) (Paragraph 24a, SGBV) bis zum 20. Lebensjahr bei Frauen in die Leistungspflicht der gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen. Dies bedeutet, dass 2,621 Millionen junge Mädchen im Alter von 15 bis 20 Jahren (Gruppe der 12-14-Jährigen: 0,871 Millionen) Anspruch auf orale hormonale Kontrazeptiva als Kassenleistung haben; ca. 1,2 Millionen nehmen diese Leistung in Anspruch, dies entspricht 20 % aller OC-Anwenderinnen.

  3. Sterilisationen
  4. (Kosten werden nicht mehr von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen.)

    Zurzeit sind 1,4 Millionen Frauen (8 % aller Frauen im reproduktionsfähigen Alter) und 0,45 Millionen Männer (ca. 2 % aller Männer) sterilisiert.

    Sterilisation bei der Frau: Der Eingriff der chirurgischen Tubensterilisation wird größtenteils endoskopisch in Kurznarkose in Form einer ambulanten Operation bzw. stationär durchgeführt. Bei der Frau wird eine Kontrazeption für weitere 10 - 20 Jahre überflüssig. Allerdings schützt die Operation nicht vor Blutungsstörungen und auch nicht vor sexuell übertragbaren Erkrankungen und der damit verbundenen evtl. Notwendigkeit des Gebrauchs von Kondomen. Alternativ kann die Hormonspirale empfohlen werden.

    Sterilisation beim Mann: Der Eingriff der Vasektomie wird größtenteils in örtlicher Betäubung als ambulante Operation bzw. stationär operativ mit insgesamt 1 - 2 Tagen Krankenhausaufenthalt durchgeführt. Allerdings schützt die Operation nicht vor sexuell übertragbaren Erkrankungen. Die Gründe für die geringe Akzeptanz bei Männern dürften in der hohen Scheidungsrate, der Angst vor Nebenwirkungen sowie der Angst vor Impotenz liegen.

    Ovulationshemmer

    Wirkungsweise:

    Unterdrückung der Ovulation durch synthetische Östrogene (d. h. Ethinylestradiol) und Gestagene (1. - 3. Generation, Antiandrogene, Spironolacton-Derivate) durch Hemmung der hypothalamischen GnRH und hypophysären Gonadotropinsekretion; zusätzlich direkte Wirkung auf Zervikalschleim, Endometrium, Tubenfunktion.

    Indikationen:

    Kontrazeptive Sicherheit:

    Nebenwirkungen:

    Kontraindikationen:

    Absolute Kontraindikationen:

    Onkologische Erkrankungen:

    Stoffwechselerkrankungen:

    weitere absolute Kontraindikationen (im Ausland gültig):

    Relative Kontraindikationen:

    Kardiovaskuläre Erkrankungen und deren Risikofaktoren:

    Onkologische Erkrankungen

    weitere relative Kontraindikationen (im Ausland gültig):

    Vorteile:

    Nachteile:

    Anwendung:

    Voraussetzungen für die Anwendung (unbedingt Fachinformationen berücksichtigen): Anamnese:

    Klinik (allg.):

    Klinik (gyn):

    Labor:

    Kontrolluntersuchungen:

    Vaginalring

    Beschreibung
    Der einzige zurzeit auf dem Markt befindliche Vaginalring zur Kontrazeption ist der NuvaRing® (Organon GmbH München). Es handelt sich hierbei um einen kontrazeptiven hormonhaltigen Vaginalring aus transparentem flexiblen Kunststoff, der Ethinylestradiol und Etonogestrel enthält; tägliche gleichmäßige Freisetzung von nur 15µg EE und 120µg ENG; Aufnahme der Hormone über die Scheidenwand.

    Wirkungsweise

    Indikationen:

    Kontrazeptive Sicherheit

    Nebenwirkungen
    Die üblichen Nebenwirkungen, die auch bei oralen kombinierten Kontrazeptiva auftreten können.

    Kontraindikationen
    Es sind die gleichen Kontraindikationen wie für kombinierte orale Kontrazeptiva zu beachten.

    Vorteile

    Nachteile

    Voraussetzung für die Anwendung
    (unbedingt Fachinformationen berücksichtigen):

    Anwendung

    Transdermale Kontrazeption

    Beschreibung
    Das zurzeit einzige auf dem Markt befindliche Kontrazeptionspflaster (EVRA ®/Janssen Cilag) ist ein 20cm2 großes Matrixpflaster, welches täglich 20µg Ethinylestradiol und 150µg Norelgestromin in relativ konstanter Weise über die Haut an das Blut abgibt.

    Wirkungsweise

    Indikationen

    Kontraindikationen

    Kontrazeptive Sicherheit

    Nebenwirkungen:

    Vorteile:

    Nachteile:

    Voraussetzung für die Anwendung
    (unbedingt Fachinformationen berücksichtigen):

    Östrogenfreier Ovulationshemmer

    Beschreibung
    Das einzige zurzeit auf dem Markt befindliche orale hormonale Kontrazeptivum mit der Wirkung eines Ovulationshemmers ist die reine gestagenhaltige Pille Cerazette ® (Organon GmbH München).

    Wirkungsweise:

    Kontrazeptive Sicherheit:

    Nebenwirkungen:

    Kontraindikationen:

    Vorteile:

    Nachteile:

    Voraussetzung für die Anwendung
    (unbedingt Fachinformationen berücksichtigen):

    Anwendung:

    Minipille

    Wirkungsweise:
    Tägliche orale Gabe von synthetischen Progestagenen (1 Drg enthält: Levonorgestrel 0,03 mg) führt zu:

    Indikationen:

    Kontraindikationen:

    Kontrazeptive Sicherheit:

    Nebenwirkungen:

    Vorteile:

    Nachteile:

    Voraussetzungen für die Anwendung
    (unbedingt Fachinformationen berücksichtigen):

    Anwendung:

    Pille danach

    Wirkungsweise:
    Gabe von Ethinylestradiol & syn. Gestagenen (Yuzpe-Methode) bzw. Levonorgestrel allein (1 Drg enthält: Levonorgestrel 0,75 mg sofort und 12 Stunden später) führt zu:

    Indikationen:

    Kontraindikationen:
    Absolut:

    Relativ:

    Kontrazeptive Sicherheit:

    Anm.: kontrazeptive Sicherheit wird durch Arzneimittelinteraktionen gefährdet (z.B. Antibiotika u.a.; siehe Abschnitt: Arzneimittelinteraktionen)

    Nebenwirkungen:

    Vorteile:

    Nachteile:

    Voraussetzungen für die Anwendung
    (unbedingt Fachinformationen berücksichtigen):

    Hinweise: Alternativ kann ein Intrauterinpessar auch noch 4 – 6 Tage nach ungeschützem GV eingelegt werden.

    Anwendung von Mifegyne möglich, aber unter strenger Indikationstellung innerhalb von 4-6 Tagen nach ungeschütztem GV oder bei Kontraindikationen für Levonorgestrel-Methode oder Yuzpe-Methode.

    Hormonimplantate

    Beschreibung
    Das einzige zurzeit auf dem Markt befindliche Hormonimplantat ist das Implanon® (Organon GmbH München). Das Stäbchen von 4 cm Länge und 2 mm Durchmesser enthält 68 mg kristallines disperses Etonogestrel (3-Ketodesogestrel). In den ersten 5-6 Wochen beträgt die Freisetzungsrate ca. 60-70 µg/die Etonogestrel. Ende des ersten Jahres sinkt die Freisetzungsrate auf ca. 35-45 µg/die, bis zum Ende des zweiten Jahres auf 30-40 µg/die und bis zum Ende des drittes Jahres auf 25-30 µg/die.

    Wirkungsweise:

    Kontrazeptive Sicherheit:

    Nebenwirkungen:

    Kontraindikationen:

    Vorteile:

    Nachteile:

    Voraussetzung für die Anwendung
    (unbedingt Fachinformationen berücksichtigen):

    Anwendung:

    Depotgestagene (Dreimonatsspritze)

    Methode:
    Derzeit gibt es zwei Dreimonatsspritzen auf dem deutschen Markt: Norethisteronenantat (Noristerat von Schering Deutschland GmbH Berlin) und Depotmedroxyprogesteronacetat (Depo-Clinovir, Pfizer GmbH Karlsruhe), die als Fertigspritze DMPA mit 150 mg Medroxyprogesteron-acetat zur intramuskulären Injektion vorliegt.

    Wirkungsweise:
    Depot-/NETA:

    DMPA:

    Indikationen:

    Kontraindikationen:

    Kontrazeptive Sicherheit:

    Vorteile:

    Nachteile:
    NETA/DMPA:

    DMPA und Knochen siehe Abschnitt Kontrazeptiva und Osteoporose

    Anwendung:

    Voraussetzungen für die Anwendung
    (unbedingt Fachinformationen berücksichtigen)
    Anamnese:

    Intrauterine Kontrazeption mit Kupfer
    (Intrauterinpessar: kupferhaltiges IUP)

    Methode:

    Wirkungsweise:
    Kupfer-IUPs sind Plastikträger, mit einem Kupferdraht umwickelt, die durch Wirkung auf Spermatozoen-Enyzme und das Endometrium spermizid wirken und eine Spermien-Eizellinteraktion stören, so dass eine Befruchtung nicht möglich ist.

    Indikationen:

    Kontraindikationen:

    Kontrazeptive Sicherheit:
    Pearl-Index: 0,9-3,0 (kupferhaltiges IUP)

    Nebenwirkungen:

    Vorteile:

    Nachteile:

    Anwendung:

    Voraussetzungen für die Anwendung (unbedingt Fachinformationen berücksichtigen):

    Intrauterine Kontrazeption mit Gestagenen

    Beschreibung:
    Das Levonorgestrel-haltige IUS (Mirena®) besteht aus einem T-förmigen Polyethylenträger und einem Zylinder, der Levonorgestrel enthält. Die kontinuierliche lokale (= intrauterine) LNG-Freisetzung von 20 µg/Tag führt zur (reversiblen) Endometrium-Atrophie. Durch die Viskositätszunahme des Zervixschleims und die biochemische Veränderung der Utero-Tubar-Flüssigkeit wird die Migration von Spermien in Uterus und Tuben gehemmt.

    Indikationen:

    Kontraindikationen:

    Kontrazeptive Sicherheit:

    Nebenwirkungen:

    Vorteile:

    Nachteile:

    Anwendung:

    Voraussetzungen für die Anwendung
    (unbedingt Fachinformationen berücksichtigen):

    Familienplanung ohne Anwendung von Mitteln

    Methode:
    Vermeidung einer Konzeption durch entsprechendes (Sexual-)Verhalten

    Natürliche Familienplanung (NFP)

    Definition nach WHO:
    NFP basiert auf der Beobachtung der natürlicherweise in Erscheinung tretenden Symptome der fruchtbaren und unfruchtbaren Phase des weiblichen Zyklus. Mit NFP kann eine Schwangerschaft sowohl angestrebt als auch verhütet werden.

    Die Kalendermethoden (Berechnung nach Knaus und Ogino) gehören nach WHODefinition nicht zur natürlichen Familienplanung.

    Hormonell
    LAM (Lactational Amenorrhea Method): Unterdrückung der Eireifung durch Vollstillen (nur bis 6 Monate postpartum, ohne Zufüttern und so lange keine Blutung aufgetreten ist).

    Neue Technologien zur Bestimmung des fertilen Fensters.

    Weitere Methoden ohne Anwendung von Mitteln:

    Indikationen:

    Kontraindikationen:

    Sicherheit:
    Pearl-Index je nach Methode: NFP

    Nebenwirkungen:

    Vorteile:

    Nachteile:

    Voraussetzung für die Anwendung
    (unbedingt Fachinformationen berücksichtigen):

    Anwendung:

    Scheidendiaphragma

    Methode:

    Wirkungsweise:

    Indikationen:

    Kontraindikationen:

    Nebenwirkungen:

    Kontrazeptive Sicherheit:

    Vorteile:

    Nachteile:

    Voraussetzungen für die Anwendung
    (unbedingt Fachinformationen berücksichtigen):

    Anwendung:

    Portiokappe

    Methode:

    Indikationen:

    Kontraindikationen:

    Wirkungsweise:

    Kontrazeptive Sicherheit:

    Nebenwirkungen:

    Vorteile:

    Nachteile:

    Voraussetzungen für die Anwendung
    (unbedingt Fachinformationen berücksichtigen):

    Anwendung:

    Spermizide

    Methode:
    Chemische Inaktivierung von Spermatozoen, durch Anwendung von Creme, Gel, Scheidenzäpfchen, Vaginalfilm, beschichtete Kondome, Schaum

    Substanzen:

    Indikationen:

    Kontraindikationen:

    Wirkungsweise:

    Kontrazeptive Sicherheit:

    Nebenwirkungen / Nachteile:

    Vorteile:

    Nachteile:

    Voraussetzungen für die Anwendung
    (unbedingt Fachinformationen berücksichtigen):

    Anwendung:

    Tubensterilisation

    Wirkungsweise:

    Indikationen:

    Kontraindikationen:

    Kontrazeptive Sicherheit:

    Häufigkeit:

    Nebenwirkungen:

    Vorteile:

    Nachteile:

    Voraussetzungen für die Anwendung
    (unbedingt Fachinformationen berücksichtigen):

    Techniken:

    Kondome

    Methode:

    Kontrazeptive Sicherheit:

    Nebenwirkungen:

    Vorteile:

    Nachteile:

    Indikationen:

    Kontraindikationen:

    Voraussetzungen für die Anwendung
    (unbedingt Fachinformationen berücksichtigen):

    Anwendung:

    Hinweise:


Literatur beim Verfasser


Verfahren zur Konsensbildung:

Erstellungsdatum:

06/1998

Letzte Überarbeitung:

05/2008

Nächste Überprüfung geplant:

08/2010


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Stand der letzten Aktualisierung: 05/2008
© Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG)
Autorisiert für elektronische Publikation: AWMF online
HTML-Code aktualisiert: 15.06.2010; 11:08:24