AWMF online |
| Arbeitsgemeinschaft der
Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften |
| AWMF-Leitlinien-Register | Nr. 015/006 | Entwicklungsstufe: | 1 + IDA |
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Diese Leitlinie entbindet natürlich nicht vom Studium aktueller Literatur. Innerhalb der nächsten drei Jahre wird die Literaturrecherche und -Evaluation fortgeführt und eine aktualisierte Leitlinie in drei Jahren herausgegeben. Falls wichtige Erkenntnisse bekannt werden, die den hier gegebenen Empfehlungen widersprechen, wird vor diesem Zeitpunkt die Leitlinie neu erstellt.
Empfohlen wird eine standardisierte Beurteilung des Deszensus (siehe Tabelle 1).
Es gibt eine Vielzahl von Klassifikationen des Deszensus/Prolaps. Für die klinische Anwendung hat sich folgende Einteilung bewährt:
Tabelle 1. Gradeinteilung des Deszensus genitalis.
| Grad I | Die grösste distale Ausdehnung reicht mehr als 1 cm oberhalb des Hymenalsaumes |
| Grad II | Die grösste distale Ausdehnung erreicht den Introitus |
| Grad III | Die grösste distale Ausdehnung reicht bis max. 2 cm vor den Introitus (außerhalb) |
| Grad IV | Totalprolaps |
fakultativ:
2.3.2. Röntgen
fakultativ:
2.3.3. Kernspinuntersuchung
fakultativ:
Empfehlungen zur Diagnostik können nur als Expertenmeinung mit einem Evidenzlevel 4 gegeben werden, da es keine prospektiv- randomisierten Studien gibt, die die Notwendigkeit bestimmter diagnostischer Maßnahmen belegen.
Die Indikationen zur Pessartherapie können der Wunsch nach konservativer Therapie, nicht abgeschlossene Familienplanung und ein erhöhtes perioperatives Komplikationsrisiko aufgrund von Co-Morbiditäten sein 19 (EL 3). Die Patientin sollte angeleitet werden, das Pessar selbstständig einzusetzen und über Nacht zu entfernen. Ein Ring- oder Schalenpessar eignet sich gut bei einem vermehrten Deszensus der vorderen Vaginalwand, ein Würfel- oder Gelhornpessar kann auch eine Rektozele reponieren, ist aber vorwiegend beim Scheidenstumpfdeszensus indiziert. Mit einem Pessar kann eine Verbesserung der Miktion und Defäkation erreicht werden (EL 2b) 20, 21 22. Patientinnen nach Hysterektomie oder Prolapsoperationen sowie Frauen mit kurzer Scheidenlänge und klaffendem Introitus haben geringere Erfolgsraten 23. Das Ausmaß des Prolapses hat keinen Einfluss auf den Erfolg 24 (EL 3).
| Vordere Scheidenplastik mit Eigengewebe: | 54-100% 25, 26, 27, 28, 29, 30, 31, 32, 33 |
| Summe Versager: 137 / 612 → = | Erfolgsrate 78% |
| Fixierte anteriore Netzinterpositionen mit oder ohne Faszienkorrektur: | 74-100% 28, 33, 34, 35, 36, 37, 38, 39, 40, 41 |
| Summe Versager: 38 / 608 → = | Erfolgsrate 94% |
| Nicht-fixierte anteriore Netzauflagen auf der vorderen Plastik: | 89-94% 42, 43 Cave: nur zwei Studien |
| Summe Versager: 8 / 87 → = | Erfolgsrate 91% |
| Auflage Schweinedermis (Pelvicol) über der vorderen Plastik: | 64-93% 28, 29, 44, 45 |
| Summe Versager: 37 / 232 → = | Erfolgsrate 84% |
| Auflage Fascia lata (Tutoplast) über der vorderen Plastik: | 79%, |
| Versager: 16 / 76 30 Cave: nur ein RCT | |
| Auflage Polyglactin910 (Vicryl) über der vorderen Plastik: | 42-75% 31, 32, 45 |
| Summe Versager: 52 / 161 → = | Erfolgsrate 68% |
| Perigee-System: | 89% |
| Versager 8/ 72 46 Cave: nur eine Studie | |
| Paravaginale Defektkorrektur: 47 Vaginal: 78-100% 48, 49, 50; abdominal: 76-97% 51, 52, laparoskopisch: 76-92% 53, 54, 55 |
Ergebnisse randomisierter Studien 56
Eine Metaanalyse von zwei RCT im Cochrane-Review 2007 zeigte, dass die zusätzliche Vicryl-Netz-Auflage über der anterioren Scheidenplastik die Zystozelen-Rezidivrate senken kann (EL 1a) 31, 32. Allerdings waren in allen Armen in beiden Studien die Rezidivraten sehr hoch. Zu bemerken ist ausserdem, dass keine apikale Fixation erfolgte, obwohl bei Sand et al. 32 die Mehrzahl der Frauen gleichzeitig eine hintere Plastik erhielt.
Der zusätzliche Einsatz von Fascia lata über der vorderen Plastik bringt keine Vorteile im Vergleich zur isolierten vorderen Plastik (EL 1a). 30
Der Zusatz von proximal und lateral fixiertem Polypropylene-Netz reduziert die Zystozelen-Rezidive im Vergleich zur isolierten vorderen Plastik 33 (EL 1b), allerdings bestehen in diesem RCT grosse Unterschiede in den Operationen der beiden Gruppen: In der Mesh-Gruppe wurde zum einen das Netz apikal an den Sakrouterinligamenten fixiert und zum anderen wurden deutlich mehr gleichzeitige Hysterektomien durchgeführt, wobei meist ebenfalls eine apikale Fixation erfolgt. Der Zusammenhang zwischen apikalen und anterioren Supportdefekten ist bekannt 57, 58. Ein ähnliches Problem weist der RCT von Meschia et al. auf, die eine klassische vordere Plastik mit einer fixierten Pelvicol-augmentierten Operation verglichen. 29
Postoperative Komplikationen beim Einsatz von nicht-absorbierbaren Netzen (Polypropylene)
Dyspareunie: 14-24% (de novo oder schlimmer als vor der Operation), 59, 60 61
Mesh-Retraktion oder -Schrumpfung assoziiert mit Schmerzen: 3-19% 62, 63
Vaginale Netzerosion: 6-19% 60, 61, 62, 63
Fazit vorderes Kompartiment
Für die Primärsituation bleiben je nach Art der Zystozele die vordere Plastik bei medianem Fasziendefekt und die paravaginale Defektkorrektur bei lateralen Aufhängungsdefekten gute Optionen (EL 1b). Der zusätzlichen Sicherung des mittleren Kompartimentes muss besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden, da sonst höhere Rezidivraten zu erwarten sind (EL 2). Die einzige randomisierte Studie mit Einsatz eines nicht-resorbierbaren Netzes demonstrierte zwar einen Vorteil gegenüber der isolierten vorderen Plastik, allerdings bestanden bedeutsame Unterschiede in den Gruppen, die die generelle Anwendbarkeit der Studie limitieren: Die vordere Plastik erfolgte ohne apikale Fixation, während das Netz mit vier Armen gesichert wurde. 33
Der Einsatz von Typ-1-Polypropylenenetz kann z.B. bei grossem Prolaps, Rezidiv-Deszensus und bei Patientinnen mit erhöhtem Sicherheitsbedürfnis hinsichtlich der anatomischen Korrektur diskutiert werden, allerdings sind diese Indikationen nicht mit Studien belegt (EL 4). Die ausführliche Aufklärung über die höhere Komplikations- und Re-Operationsrate ist obligat. Insbesondere wenn die Komplikationsraten betrachtet werden, gibt es zurzeit keinen Anlass, nicht-resorbierbare Netze routinemässig bei primären vaginalen Deszensusoperationen am vorderen Kompartiment einzusetzen (EL 1b).
| Hintere Scheidenplastik mit Eigengewebe: Mediane Faszienraffung: | 82-89% 64, 65, 66, 67, 68, 69: |
| Summe Versager: 49 / 341 → = | Erfolgsrate 86% |
| Hintere Scheidenplastik mit Eigengewebe: Defektspezifische Korrektur: | 56-94% 64, 66, 70, 71, 72 |
| Summe Versager: 79 / 271 → = | Erfolgsrate 71% |
| Operationen mit nicht-resorbierbaren synthetischen Netzen: | 78-100% 34, 37, 40, 42, 73, 74 |
| Summe Versager: 11 / 239 → = | Erfolgsrate 95% |
| Apogee-System: | 100% |
| Versager 0 / 48 30 Cave: nur eine retrospektive Studie | |
| Hintere Scheidenplastik mit Schweinedermis (Pelvicol)-Einsatz: | 54-59% 66, 75 |
| Summe Versager: 23 / 53 → = | Erfolgsrate 57% |
| Hintere Scheidenplastik mit Schweinedarm-Kollagen (Surgisis): | 71% |
| Versager: 7 / 26 Cave, nur eine Studie 44 | |
| Hintere Scheidenplastik mit Fascia lata (Tutoplast): | 76%, 65 |
| Versager: 8 / 56 Cave: nur ein RCT als Abstract | |
| Hintere Scheidenplastik mit Polyglactin910 (Vicryl)-Auflage: | 88% 32 |
| Versager: 9 / 73 Cave: nur ein RCT |
Ergebnisse aus randomisierten Studien 56
Der zusätzliche Einsatz von Vicryl, Pelvicol und Fascia lata über der hinteren Plastik erhöht nicht die Erfolgsraten 32, 65, 66 (EL 1b), bzw. führt teilweise zu signifkant schlechteren Ergebnissen 66. Die transvaginale Rektozelen-Korrektur ist der transanalen überlegen (EL 1a) 67, 68, 69.
Fazit hinteres Kompartiment
Die hintere Scheidenplastik mit Eigengewebe als mediane Faszienraffung ohne Netzeinlage hat eine Erfolgsrate von 86% und bleibt für die Primärsituation eine gute Option, vorzugsweise als mediane Faszienraffung (EL 1b). Die wenigen randomisierten Studien demonstrieren keinen eindeutigen Vorteil von Operationen mit Xenograften. Zur Anwendung von nicht-resorbierbarem Mesh sind keine randomisierten Studien vorhanden. Zur Zeit gibt es keinen Anlass, nicht-absorbierbare Netze routinemässig bei primären vaginalen Deszensusoperationen am hinteren Kompartiment zu verwenden (EL 2). Die durchschnittlich um 10% höhere anatomische Erfolgsrate beim Einsatz von synthetischem Mesh muss den höheren Komplikationsraten mit Dyspareunie, Mesherosionen und Meshschrumpfung mit Schmerzen gegenübergestellt werden (EL 2).
| Sakrospinale Fixation 76, 77 | |
| Apikale Erfolgsraten: | 79 - 97%, durchschnittlich: 92% |
| Versager vorderes Kompartiment (Zystozelen): | 10-30%, durchschnittlich: 21% |
| Versager hinteres Kompartiment (Rektozelen): | 0-11%, durchschnittlich: 6% |
| Sakrokolpopexie 78 (nur mit Typ-1-Polypropylene-Mesh 79 = derzeitiger Goldstandard bei Netzeinsatz) | |
| Apikale Erfolgsraten abdominale Sakrokolpopexie: | 91-100% 80, 81, 82, 83, 84, |
| Summe Versager 4 / 347: = | Erfolgsrate 99% |
| Apikale Erfolgsraten laparoskopische Sakrokolpopexie: | 94-100% 85, 86, 87, 88 |
| Summe Versager = | Erfolgsrate 22 / 611: 96% |
| Vaginale Erosionen: 3,5% - 8% bei Einsatz eines Typ-1-Netzes 78, 89, 90, 91 | |
| Posteriore intravaginale Schlinge (Tyco-intravaginal slingplasty-IVS) | 74-97% 92, 93, 94 |
| Summe Versager: 7 / 87: = | Erfolgsrate 92% |
| Vaginale Scheidenstumpf-Suspensionen an den Sakrouterinligamenten: | 94-100% 95, 96, 97, 98, 99, 100, 101. |
| Summe Versager: 30 / 731: = | Erfolgsrate 96% |
| Laparoskopische Suspension von Uterus oder Scheide am Sakrouterinligamenten: | 79-100% 102, 103, 104, 105, 106 |
| Summe Versager: 31 / 266: = | Erfolgsrate 88% |
| Vaginale sakrospinale Hysteropexie: | 85-100% 107, 108, 109, 110 |
| Summe Versager: 15 / 215: = | Erfolgsrate 93% |
Ergebnisse randomisierter Studien
Eine Metaanalyse im Cochrane-Review zeigte, dass im direkten Vergleich die Sakrokolpopexie effektiver ist bei der Behandlung des apikalen Prolapses als die sakrospinale Fixation 56, 111, 112, 113 (EL 1a). Allerdings ist die Operationszeit länger, die Rückkehr zu Arbeiten des täglichen Lebens prolongiert und die Operation ist teurer 111, 112, 113. Bei der Analyse der einzelnen RCT fällt auf, dass die aktuellere Studie von Maher et al. keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Operationen fand, weder bei der objektiven, noch bei der subjektiven Erfolgsrate 111. Die Studie von Benson et al. wurde vorzeitig abgebrochen, da die Rezidivrate in der Gruppe der sakrospinalen Fixation in der Zwischenanalyse zu hoch erschien 111. Bedeutsam ist, dass hier eine bilaterale direkte sakrospinale Kolpopexie erfolgte, die zu einer extensiven Spannung des Scheidenstumpfes und damit zu einer höheren Rezidivrate führen kann.
Der Einsatz von Fascia-lata bei der Sakrokolpopexie ist dem Prolene- Netz signifikant unterlegen 56, 84 (LoE 1b).
Eine gleichzeitige Burch-Kolposuspension während der abdominalen Sakrokolpopexie sollte mit der Patientin diskutiert werden, auch wenn die präoperative Urodynamik keine larvierte Stressinkontinenz zeigt 114 (EL 1b). In dieser Studie war nach der ersten Interimanalyse die Stressinkontinenzrate signifikant höher in der Gruppe ohne Burch-Kolposuspension, so dass die Rekrutierung von Patientinnen vorzeitig abgebrochen wurde. Diese Empfehlung kann derzeit nicht auf andere Deszensusoperationen übertragen werden. Die posteriore intravaginale Slingplasty hatte ähnliche Erfolgsraten wie die sakrospinale Kolpopexie und war der sakrospinalen Fixation nicht überlegen 92 (LoE 1b).
Fazit mittleres Kompartiment
Die abdominale Sakrokolpopexie ist eine der am besten und längsten untersuchten Operationen mit der grössten Effektivität (EL 1a). Die laparoskopische Sakrokolpopexie scheint ähnlich effektiv zu sein, wenn die Expertise vorhanden ist 115, 116 (EL 2b). Bei der Sakrokolpopexie sollten resorbierbare Materialien wie Fascia lata wegen der hohen Rezidivraten nicht angewendet werden 84, 117 (EL 1b). Netze aus oder mit Silikon zeigen eine hohe Komplikationsrate in der Deszensus- und Belastungsinkontinenzchirurgie und sollten nicht eingesetzt werden 118, 119 (EL 2a).
Die sakrospinale Fixation bleibt eine sehr gute Option für die vaginale Suspension des Scheidenstumpfes (EL 1b). Die höheren Rezidivraten im vorderen Kompartiment müssen bei der Operationsplanung bedacht werden.
Die vorhandenen Studien zeigen, dass der Uteruserhalt diskutiert werden sollte, da die Erfolgsraten auch ohne Hysterektomie akzeptabel sind (EL 2a). Die wenigen vergleichenden Studien zeigen übereinstimmend, dass eine Hysterektomie nicht die Erfolgsraten beeinträchtigt, obwohl in einer Arbeit die subjektive Sanierung des Deszensus weniger häufig erreicht wurde 107. Liegt keine uterine Pathologie vor, sollte die Patientin über die Möglichkeit der Uterus-erhaltenden Operation informiert werden.
Die symptomatische Retraktion oder Schrumpfung der synthetischen Netze ist ein Problem bei bis zu 19% der Operationen. 62, 63
Eine Dyspareunie kommt in 17-63% vor 38, 40, 42, 43, 47, 73, 74, 120, 125, sexuelle Dysfunktionen in ca. 26% 60. Die Dyspareunie scheint bei Mesheinsatz im hinteren Kompartiment ausgeprägter zu sein. Eine De-novo-Drangsymptomatik kommt in bis zu 16% vor 122, 125, 126 .
Ernsthafte Komplikationen der intravaginal slingplasty mit multifilamentem Mesh sind chronische Entzündungen, Fistelbildung, Abszesse und chronische Schmerzen auch bei Defäkation und Geschlechtsverkehr 127, 128, nekrotisierende Fasziitis, Osteomyelitis, Osteonekrose.
Grad-A-Empfehlungen
Der routinemässige vaginale Einsatz von Polypropylene-Netzen kann aufgrund der hohen Komplikationsrate derzeit nicht empfohlen werden. Den höheren Erfolgsraten von ca. 10% stehen Komplikationen inklusive Re-Operationen wegen Netzerosionen und anhaltende Dyspareunie bis zu 25% gegenüber, über die die Patientin präoperativ informiert werden muss.
Grad-B-Empfehlungen
Hinweise zum Einsatz von synthetischem Netz
Die vaginale Einlage eines synthetischen, nicht-absorbierbaren Netzes sollte nur nach sorgfältiger Abwägung der Vor- und Nachteile für die Patientin erfolgen. Die Indikationen können derzeit noch nicht klar definiert werden. Mögliche Indikationen sind ein Rezidiv- oder Totalprolaps mit Risikofaktoren wie Adipositas, chronisch-obstruktive Lungenerkrankung und Zeichen einer generellen Bindegewebsschwäche. Die Patientin muss über die Erfolgsraten der Operation mit und ohne Netz, über Behandlungsalternativen, über die möglichen Komplikationen genau aufgeklärt werden. Es muss ausserdem auf die fehlenden Studien zur Langzeitentwicklung der vaginalen Netzanwendungen hingewiesen werden. Eine regelmässige postoperative Erfassung von Beckenboden-Funktionsstörungen und der Lebensqualität wird empfohlen, um die Operationstechniken und Indikationen überprüfen und ggf. anzupassen zu können.
Fazit
Aufgrund der eingeschränkten Datenlage kann derzeit keine Empfehlung für oder gegen eine simultane Inkontinenzoperation bei larvierter Stressinkontinenz gegeben werden.
Tabelle 1. Das Stufenschema der AWMF [1].
| Stufe 1 | durch eine Expertengruppe im informellen Konsens entwickelt |
| Stufe 2 | durch eine interdisziplinäre Expertengruppe mit formaler Konsensusfindung (nominaler Gruppenprozess, Delphimethode, formale Konsensuskonferenz) entwickelt |
| Stufe 3 | Leitlinie mit allen Elementen systematischer Entwicklung: Formale Konsensusfindung (s.o.), systematische Recherche und Bewertung der Literatur sowie Klassifizierung von Studien und Empfehlungen nach den Kriterien der "evidenz"basierten Medizin, Klinische Algorithmen, Outcome-Analyse, Entscheidungsanalyse |
Zusammensetzung der Leitliniengruppe
Bei der Bildung der Leitliniengruppe wurde beachtet, repräsentative Vertreter aller für das Leitlinienthema relevanten Fachgruppen und der von der Leitlinie betroffenen Patienten aufzunehmen. Dazu wurden die unten aufgeführten Arbeitsgemeinschaften der DGU (Deutsche Gesellschaft für Urologie), der AUG (Arbeitsgemeinschaft Urogynäkologie, Schweiz) und des Arbeitskreises Blasenfunktionsstörungen der Österreichischen Gesellschaft für Urologie angesprochen mit der Bitte, offizielle Vertreter für die Erstellung der Leitlinie benennen. Dabei wurden Vorschläge vom Leitlinien-Koordinator gemacht. Den Gruppen stand es frei, diese anzunehmen oder eigene Personen zu benennen.
Die Leitlinien-Gruppe wurde damit wie folgt zusammengesetzt:
Tabelle 2. Leitlinien-Gruppe.
| Vertreter | Gruppe |
| Prof. Dr. Th. Dimpfl Prof. Dr. H. Kölb lPD U. Peschers Prof. Dr. E. Petri | Arbeitsgemeinschaft für Urogynäkologie und Plastische Beckenbodenrekonstruktion (AGUB) der DGGG |
| Prof. Dr. K. Höfner Prof. Dr. H. Palmtag Prof. Dr. D. Schultz- Lampel | Arbeitskreis Urologische Funktionsdiagnostik und Urologie der Frau in der DGU- Deutsche Gesellschaft für Urologie |
| Prof. Dr. K. Tamussino | AUB: Arbeitsgemeinschaft für Urogynäkologie und rekonstruktive Beckenbodenchirurgie, Österreich |
| Prof. Dr. H. Heidler | Arbeitskreis Blasenfunktionsstörungen der Österreichischen Gesellschaft für Urologie |
| Prof. Dr. G. Schär Dr. A. Kuhn | AUG: Arbeitsgemeinschaft Urogynäkologie, Schweiz |
Konsensusverfahren
Vorbereitung
Am 11.5.2007 fand in Kassel die erste Sitzung zu den beiden geplanten Leitlinien unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Th. Dimpfl statt. Als Grundlage der neuen Leitlinien sollten die Stufe-1-Leitlinien der DGGG aus dem Jahr 2003 dienen. Die Arbeitsgemeinschaften der DGU sowie der Österreichischen und Schweizer Gesellschaften sowie die AWMF sollten kontaktiert werden, um eine konstituierende Sitzung am 23. 5. 2007 in Frankfurt zu ermöglichen.
Tabelle 3. Teilnehmer der Sitzung am 11.5.2007 in Kassel.
Anthuber, C., Starnberg
Bader, W., Höxter
Baessler, K., Berlin
Bettin, S., Rüdersdorf
Bjelic-Radisic, V., Graz
Dimpfl, T., Kassel
Franz, B., Braunschweig
Hübner, M., Tübingen
Hußlein, E.-M., Regensburg
Jundt, K., München
Keim, S., Starnberg
Kociszewski, J., Hagen
Lange, R., Alzey
Leitsch, D., Mönchengladbach
Maleika, A., Heidelberg
Naumann, G., Mainz
Petri, E., Schwerin
Reisenauer, C., Tübingen
Rötger, J., Dortmund
Steigerwald, U., Mühlacker
Szych, A., Kassel
Theurer, W., Stuttgart
Turovets, M., Gießen
Viereck, V., Frauenfeld
Watermann, D., Freiburg
Am 23. 5. 2007 fand in Kassel unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Th. Dimpfl die konstituierende Sitzung der Leitlinienkommission statt. Die Leitlinienkommissions-Gruppen für die beiden Leitlinien wurde festgelegt wie in Tabelle 4 aufgeführt.
Die Inhalte wurden von einzelnen Vertretern der Fachgruppen im Vorfeld aktualisiert bzw. neu erarbeitet.
Tabelle 4. Arbeitsgruppe der Leitlinie "Deszensus genitalis der Frau - Diagnostik und Therapie".
| Teilnehmer | Gruppe |
| Dr K. Baessler Dr. C Reisenauer | Federführend Gynäkologie |
| C. Anthuber | AGUB |
| C. Frank | AGUB |
| Ch. Fünfgeld | AGUB |
| Markus Hübner | AGUB |
| Katharina Jundt | AGUB |
| Sabine Keim | AGUB |
| Gert Naumann | AGUB |
| Dirk Watermann | AGUB |
| Heiko Franz | AGUB |
| Markus Hübner | AGUB |
| Jazek Kociszewski | AGUB |
| Ulrich Steigerwald | AGUB |
| Engelbert Hanzal | AGUB |
| Ursula Peschers | AGUB |
| Eckardt Petri | AGUB |
| Helmt Heidler | Urologie |
Die Statements als Arbeitsgrundlage für das Konsensusverfahren wurden in Form eines Fließtexts von den verantwortlichen Bearbeitern erstellt. Die Kernaussagen repräsentieren in erster Linie die wesentlichen Entscheidungspunkte im logischen Fluss des Versorgungsprozesses, die durch die formale Erstellung klinischer Algorithmen identifiziert wurden, aber auch Maßnahmen, die als obsolet angesehen werden sowie Stellungnahmen zur Patientenaufklärung. Dieser erste Leitlinienentwurf wurde an die Leitliniengruppe versandt und lag als Tischvorlage bereit.
Tabelle 5. Teilnehmer der Sitzung am 23. 5. 2007 in Frankfurt.
| Vertreter | Gruppe |
| Prof. Dr. Th. Dimpfl Prof. Dr. H. Kölbl PD U. Peschers Prof. Dr. E. Petri | Arbeitsgemeinschaft für Urogynäkologie und Plastische Beckenbodenrekonstruktion (AGUB) der DGGG |
| Prof. Dr. K. Höfner Prof. Dr. H. Palmtag Prof. Dr. D. Schultz- Lampel | Arbeitskreis Urologische Funktionsdiagnostik und Urologie der Frau in der DGU- Deutsche Gesellschaft für Urologie |
| Prof. Dr. K. Tamussino | AUB: Arbeitsgemeinschaft für Urogynäkologie und rekonstruktive Beckenbodenchirurgie, Österreich |
| Prof. Dr. H. Heidler | Arbeitskreis Blasenfunktionsstörungen der Österreichischen Gesellschaft für Urologie |
| Prof. Dr. G. Schär Dr. A. Kuhn | AUG: Arbeitsgemeinschaft Urogynäkologie, Schweiz |
Während der Diskussion konnte ein Großteil der strittigen Passagen des Leitlinientextes geklärt werden. Auch eine Vielzahl von redaktionellen Änderungen wurde einstimmig von der Leitlinien-Gruppe beschlossen.
Am 19. Oktober 2007 fand in Frankfurt unter Moderation von Prof. Dr. Th. Dimpfl der Abstimmungsprozess über die eingearbeiteten und neuen Kernaussagen der Leitlinie statt. Änderungen und Ergänzungen der Leitlinie auf Grund der Abstimmungsergebnisse wurden vorgenommen.
Tabelle 6. Teilnehmer der Sitzung am 19. 10. 2007.
| Vertreter | Gruppe |
| Prof. Dr. Th. Dimpfl Prof. Dr. H. Kölbl PD U. Peschers Prof. Dr. E. Petri | Arbeitsgemeinschaft für Urogynäkologie und Plastische Beckenbodenrekonstruktion (AGUB) der DGGG |
| Prof. Dr. K. Höfner Prof. Dr. H. Palmtag Prof. Dr. D. Schultz- Lampel | Arbeitskreis Urologische Funktionsdiagnostik und Urologie der Frau in der DGU- Deutsche Gesellschaft für Urologie |
| Prof. Dr. K. Tamussino | AUB: Arbeitsgemeinschaft für Urogynäkologie und rekonstruktive Beckenbodenchirurgie, Österreich |
| Prof. Dr. H. Heidler | Arbeitskreis Blasenfunktionsstörungen der Österreichischen Gesellschaft für Urologie |
| Prof. Dr. G. Schär Dr. A. Kuhn | AUG: Arbeitsgemeinschaft Urogynäkologie, Schweiz |
Abschließende Konsentierung der Leitlinie durch die Leitliniengruppe am 1. 2. 2008
Änderungen und Ergänzungen der Leitlinie auf Grund der Abstimmungsergebnisse des Gruppenprozesses wurden von den federführend Verantwortlichen der Leitlinien vorgenommen. Diese überarbeitete Version wurde allen Mitgliedern der Leitlinien-Gruppe zugesandt mit der Bitte um kritische Beurteilung des Gesamttexts, konkrete Stellungnahme zu den Änderungen und Begründung durch Literaturverweis. Gemäss der Rückmeldungen wurde der Text erneut überarbeitet.
Tabelle 7. Teilnehmer der Sitzung am 1. 2. 2008.
| Vertreter | Gruppe |
| Prof. Dr. Th. Dimpfl Prof. Dr. H. Kölbl PD U. Peschers Prof. Dr. E. Petri | Arbeitsgemeinschaft für Urogynäkologie und Plastische Beckenbodenrekonstruktion (AGUB) der DGGG |
| Prof. Dr. K. Höfner Prof. Dr. H. Palmtag Prof. Dr. D. Schultz- Lampel | Arbeitskreis Urologische Funktionsdiagnostik und Urologie der Frau in der DGU- Deutsche Gesellschaft für Urologie |
| Prof. Dr. K. Tamussino | AUB: Arbeitsgemeinschaft für Urogynäkologie und rekonstruktive Beckenbodenchirurgie, Österreich |
| Prof. Dr. H. Heidler | Arbeitskreis Blasenfunktionsstörungen der Österreichischen Gesellschaft für Urologie |
| Prof. Dr. G. Schär Dr- A. Kuhn | AUG: Arbeitsgemeinschaft Urogynäkologie, Schweiz |
"Evidenz" Leitlinie Deszensus
Die Leitlinie zur Therapie des Genitaldeszensus wurde als "evidenz"basierte Stufe-2-Leitlinie konzipiert. Es wurde eine umfassende Literatursuche zur konservativen und operativen Deszensustherapie durchgeführt in Medline und im Cochrane-Register, in Referenzlisten und in den Abstracts der Annual Meetings der International Continence Society (ICS) und der International Urogynecological Association (IUGA) ab 2004 mit Podiumpräsentation, die in den Zeitschriften "Neurourology and Urodynamics" und "International Journal of Urogynecology" publiziert wurden . Eingeschlossen wurden Originalarbeiten ab 1998 mit einem Nachkontrollzeitraum von mindestens 12 Monaten für die Beurteilung der Erfolgsraten. Für die Beschreibung von perioperativen Komplikationen gab es keine zeitliche Limitierung. Frühere Literatur wurde eingeschlossen, falls die Ergebnisse bedeutsam für diese Leitlinie erschienen. Es gab keine Sprachbeschränkung. Die Studien wurden kritisch bewertet, die Validität der Studie evaluiert und die Daten tabellarisch extrahiert.
Die Studien wurden kritisch bewertet, die Validität der Studie evaluiert und die Daten tabellarisch extrahiert. Wenn möglich und angebracht, wurden die Daten zusammengefasst und analysiert. Anhand der erarbeiteten Daten wurden Empfehlungen formuliert. Wenn es zu einem Thema randomisierte Studien oder systematische Reviews mit oder ohne Metaanalysen gab, wurden diesen eine grössere Bedeutung in der Erarbeitung der Empfehlungen, entsprechend der Evidenzlevel, beigemessen. Die Ergebnisse wurden mit allen Deszensusgruppen-Mitarbeitern diskutiert und gemeinsam die Empfehlungen erarbeitet. Nach der Konsusfindung in der Gruppe wurde die Leitlinie wie oben beschrieben weiteren Prüfungen unterzogen.
Publikation
Die Freigabe zur Publikation erfolgte nach Verabschiedung der Leitlinie durch den Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG).
Redaktionelle Unabhängigkeit
Die DGGG hat für diese Leitlinie keine finanziellen oder andere Unterstützung von kommerziellen Interessengruppen erhalten. Hinweise auf mögliche Verpflichtungen, Interessenkonflikte oder Einflussnahmen von Dritten sind nicht bekannt.
Aktualisierungsverfahren
Die Leitlinie ist bis Ende 2010 gültig.
Eine Überprüfung, Aktualisierung und Bekanntmachung wird jährlich von der DGGG in Zusammenarbeit mit dem Leitlinien-Koordinator durchgeführt.
Literaturverzeichnis
Akkreditierung
Die Leitlinie wurde von folgenden Fachgesellschaften akkreditiert:
Federführend:
Kaven Baessler (Therapie) und Christl Reisenauer (Diagnostik)
Unter Mitarbeit von
Freigabe durch den Vorstand der DGGG: Juni 2008
