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| Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften |
| AWMF-Leitlinien-Register | Nr. 013/034 | Entwicklungsstufe: | 1 |
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Abbildung 1: Therapeutischer Index; dargestellt als Quotient aus dem Potential erwünschter versus unerwünschter Wirkungen. Ein Präparat mit einem hohen therapeutischen Index nähert sich idealerweise asymptomatisch dem Höchstwert der x-Achse bei möglichst niedrigem Wert der y-Achse
Folgende Kriterien wurden zur Beurteilung herangezogen:
Betamethasonvalerat erhielt einen TIX von 1,2. BMV zeigt nur ein marginales Überwiegen der erwünschten gegenüber den unerwünschten Wirkungen. Einer guten antiphlogistischen Wirkung und einem geringen allergenen Potential stehen die starke Atrophogenität und mögliche Systemeffekte gegenüber. Im Vergleich zu anderen Kortikoiden zeigt sich in der Therapie der atopischen Dermatitis ein mittelstarkes Wirksamkeitspotential. Als Einsatzgebiet eignet sich die Kurz- und Langzeittherapie für schwach bis mittelstark ausgeprägte Ekzeme und sonstige kortikoidsensitive und mäßig kortikoidsensitive Dermatosen. Die Indikation zur Anwendung im Gesichtsbereich und bei Säuglingen sollte streng gestellt werden.
Clobetasolpropionat erhielt einen TIX von 1,5. CP zeigt ein leichtes Überwiegen der erwünschten gegenüber den unerwünschten Wirkungen. Neben einer starken antiphlogistischen Wirkung zeigt sich auch eine starke Atrophogenität. Das allergene Potential ist gering. Systemeffekte sind möglich. Im Vergleich zu anderen topischen Kortikoiden zeigt sich in der Therapie der atopischen Dermatitis das stärkste Wirksamkeitspotential. Als Einsatzgebiet eignet sich die Kurzzeittherapie stark ausgeprägter Ekzeme und bullöser Dermatosen sowie die Langzeittherapie ausgeprägter Ekzeme und sonstiger kortikoidsensitiver und mäßig kortikoidsensitiver Dermatosen. Die Indikation zur Anwendung bei Säuglingen, Kleinkindern und im Gesichtsbereich sollte streng gestellt werden.
Hydrocortison, das als erstes Präparat im klinischen Alltag zur Anwendung kam, erhielt einen TIX von 1,0. Bei HC halten sich sowohl erwünschte als auch unerwünschte Nebenwirkungen die Waage.
Antiphlogistisches, atrophogenes und allergenes Potential sind gering. Bei sachgemäßer Anwendung sind keine Systemeffekte zu erwarten. Klassisches Einsatzgebiet sind Kurz- und Langzeittherapie bei schwach ausgeprägten Ekzemen und sonstigen kortikoidsensitiven Dermatosen. Es eignet sich zur Anwendung bei Kleinkindern. Die Indikation zur Behandlung der Gesichtshaut sollte streng gestellt werden.
* Systemeffekte nur bei unsachgemäßer Anwendung
Hydrocortisonbutyrat erhielt einen TIX von 2,0. HCB zeigt ein Überwiegen der erwünschten gegenüber den unerwünschten Wirkungen. Neben einer guten antiphlogistischen Wirkung und einer schwachen Atrophogenität zeigt sich ein scheinbar vermehrtes allergenes Potential. Dies beruht darauf, dass HCB im Epikutantest wesentlich häufiger verwendet wird als die anderen topischen Kortikosteroide. Im Vergleich zu anderen topischen Kortikosteroiden zeigt sich in der Therapie der atopischen Dermatitis ein mittelstarkes Wirksamkeitspotential. Bei sachgemäßer Anwendung treten in der Regel keine Systemeffekte auf. Als Einsatzgebiet eignet sich die Langzeittherapie für schwach bis mittelstark ausgeprägte Ekzeme und sonstige kortikoidsensitive und mäßig kortikoidsensitive Dermatosen. Die Indikation zur Anwendung im Gesichtsbereich sollte streng gestellt werden.
*Systemeffekte nur bei unsachgemäßer Anwendung
Momethasonfuroat erhielt einen TIX von 2,0. MM zeigt ein deutliches Überwiegen der erwünschten im Vergleich zu den unerwünschten Wirkungen. Neben einer guten antiphlogistischen Wirkung zeigt sich nur eine geringe Atrophogenität sowie ein geringes allergenes Potential. Bei sachgemäßer Anwendung sind in der Regel keine Systemeffekte zu erwarten. Im Vergleich zu anderen topischen Kortikoiden zeigt sich in der Therapie der atopischen Dermatitis ein mittelstarkes Wirksamkeitspotential. Als Einsatzgebiet eignet sich die Kurz- und Langzeittherapie für schwach bis mittelstark ausgeprägte Ekzeme und sonstige kortikoidsensitive und mäßig kortikoidsensitive Dermatosen. Die Indikation zur Anwendung im Gesichtsbereich sollte streng gestellt werden.
* Systemeffekte nur bei unsachgemäßer Anwendung
Methylprednisolonaceponat erhielt einen TIX von 2,0. MPA zeigt ein deutliches Überwiegen der erwünschten im Vergleich zu den unerwünschten Wirkungen. Neben einer guten antiphlogistischen Wirkung zeigt sich nur eine geringe Atrophogenität und Allergenizität. Bei sachgemäßer Anwendung sind in der Regel keine Systemeffekte zu erwarten. Im Vergleich zu anderen topischen Kortikoiden zeigt sich in der Therapie der atopischen Dermatitis ein mittelstarkes Wirksamkeitspotential. Als Einsatzgebiet eignet sich die Kurz- und Langzeittherapie für schwach bis mittelstark ausgeprägte Ekzeme und sonstige kortikoidsensitive und mäßig kortikoidsensitive Dermatosen. Die Indikation zur Anwendung im Gesichtsbereich sollte streng gestellt werden.
* Systemeffekte nur bei unsachgemäßer Anwendung
Prednicarbat erhielt einen TIX von 2,0. PC zeigt ein deutliches Überwiegen der erwünschten gegenüber den unerwünschten Wirkungen. Neben einer guten antiphlogistischen Wirkung zeigt das Präparat nur geringe Atrophogenität und geringes allergenes Potential. Im Vergleich zu anderen topischen Kortikoiden zeigt sich in der Therapie der atopischen Dermatitis ein mittelstarkes Wirksamkeitspotential. Bei sachgemäßer Anwendung sind in der Regel keine Systemeffekte zu erwarten. Als Einsatzgebiet eignet sich die Kurz- und Langzeittherapie für schwach bis mittelstark ausgeprägte Ekzeme und sonstige kortikoidsensitive und mäßig kortikoidsensitive Dermatosen. Die Indikation zur Anwendung im Gesichtsbereich und bei Säuglingen sollte streng gestellt werden.
* Systemeffekte nur bei unsachgemäßer Anwendung
Triamcinolonacetonid erhielt einen TIX von 1,06. Auch TRI zeigt quasi keinen Vorteil der erwünschten gegenüber den unerwünschten Wirkungen. Einer guten antiphlogistischen Wirkung und einem geringen allergenen Potential stehen die starke Atrophogenität und mögliche Systemeffekte gegenüber. Im Vergleich zu anderen topischen Kortikoiden zeigt sich in der Therapie der atopischen Dermatitis ein mittelstarkes Wirksamkeitspotential. Als Einsatzgebiet eignet sich die Kurzzeittherapie für schwach bis mittelstark ausgeprägte Ekzeme und sonstige kortikoidsensitive und mäßig kortikoidsensitive Dermatosen. Die Indikation zur Anwendung im Gesichtsbereich sowie bei Säuglingen und Kleinkindern sollte streng gestellt werden.
Der Berechnung des therapeutischen Index liegen folgende Werte und Faktoren für die einzelnen Kriterien zu Grunde:
| Wert | Faktor | |
|---|---|---|
| Vasokonstriktion | 0-3 | 4
|
| Wirksamkeit bei atopischer Dermatitis (AD) Im Vergleich mehrerer Glukokortikoide | 0-3 | 5
|
| Hautatrophie | 0-3 | 6
|
| Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse(HNNR) | 0-3 | 2
|
| Allergenes Potential | 0-3 | 1
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Therapeutischer Index - Übersicht
| Präparat | BMV | CP | HC | HCB | MM | MPA | PC | TRI |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Vasokonstriktion | 8
| 12
| 4
| 8
| 8
| 8
| 8
| 8
|
| Wirksamkeit bei AD im Vergleich mehrerer Glukokortikoide | 10
| 15
| 5
| 10
| 10
| 10
| 10
| 10
|
| Summe 1 | 18
| 27
| 9
| 14
| 18
| 18
| 18
| 18
|
| Hautatrophie | 12
| 12
| 6
| 6
| 6
| 6
| 6
| 12
|
| HNNR-Achse | 2
| 4
| 2
| 2
| 2
| 2
| 2
| 4
|
| Allergenes Potential | 1
| 1
| 1
| 1
| 1
| 1
| 1
| 1
|
| Summe 2 | 15
| 17
| 9
| 10
| 9
| 9
| 9
| 17
|
| Therapeutischer Index (Summe 1 / Summe 2) | 1,2
| 1,5
| 1
| 2
| 2
| 2
| 2
| 1,06
|
TIX
1-<2 Kategorie 1:
Diese Kategorie erfaßt solche Präparate, deren Verhältnis von erwünschten zu unerwünschten Wirkungen "nur" etwa ausgeglichen ist (HC, BMV, TRI, CP)
2-3 Kategorie 2:
Diese Kategorie erfasst solche Präparate, bei denen die erwünschten im Verhältnis zu den unerwünschten Wirkungen deutlich überwiegen (PC, MM, MPA, HCB)
Dies bedeutet, daß die zur Kategorie 1 zu zählenden topischen Kortikoide neben einem guten Potential erwünschter Wirkungen auch ein in etwa ebensolches an unerwünschten Wirkungen aufweisen. Für die Substanzen der Kategorie 2 heißt dies, daß das Potential an erwünschten Wirkungen das der unerwünschten deutlich übersteigt.
Darüber hinaus ist ersichtlich, daß eine starke antiphlogistische Wirkung mit einer hohen Atrophogenität einhergehen kann. Manche Substanzen zeigen zwar nur ein geringes Ausmaß an Atrophogenität, jedoch auch eine schwächere antiphlogistische Wirkung. Schließlich gibt es Präparate, die neben einer guten antiphlogistischen Potenz nur eine geringe Atrophogenität aufweisen. Einige wenige der untersuchten Präparate wiesen ein vergleichsweise starkes allergenes Potential auf. Dass diese Beobachtung bei anderen Substanzen nicht gemacht wurde, mag zum Teil auch in der eingeschränkten Datenlage begründet sein. Systemeffekte in Bezug auf Suppression der Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse sind in Einzelfällen beschrieben worden, sind jedoch bei sachgemäßer Anwendung nicht zu erwarten.
Der TIX zeigt auch, daß topische Glukokortikoide besser sind als Ihr Ruf. Bei keinem der untersuchten Präparate haben die unerwünschten Wirkungen die erwünschten übertroffen. Man muß sogar feststellen, das durch die Entwicklung neuer Präparate eine stetige Verbesserung dieser Relation erreicht werden konnte.
Aus den vorliegenden Ergebnissen soll nicht ein allgemeiner Schluß im Sinne einer Klassifizierung der untersuchten Präparate von ‚zu empfehlen' versus ‚nicht zu empfehlen' gezogen werden. Vielmehr sollte das Augenmerk darauf gelenkt werden, wo die einzelne Substanz Stärken bzw. Schwächen aufweist. Letztlich entscheidet der Therapeut aufgrund der vorliegenden Dermatose, welches topische Glukokortikoid eingesetzt werden soll. Die Kriterien dafür wurden in der Präambel ausführlich dargelegt.
Autorengremium: Konsensusgruppe P. Elsner, Martina Kerscher, H. C. Korting, J. Krutmann, Th. A. Luger, R. Niedner, M. Röcken, Th. Ruzicka, A. Kapp, Th. Schwarz
Redaktion:
Prof. Dr. Hans Christian Korting
München
Korrespondenzanschrift:
Prof. Dr. med. Thomas A. Luger
Universitäts-Hautklinik Münster
von-Esmarch-Straße 56
48149 Münster
Tel.: 0251/8356-504
Fax: 0251/8356-522
