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| Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften |
| AWMF-Leitlinien-Register | Nr. 013/032 | Entwicklungsstufe: | 1 |
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Als Synonyme gelten: Photodermatitis multiformis acuta, "polymorphous light eruption", "juvenile spring eruption", "lucite estivale benigne", "benign summer light eruption" [20, 24].
Die hereditäre polymorphe Lichtdermatose der amerikanischen Indianer, besser als familiäre aktinische Prurigo der Indianer Nord- und Südamerikas bezeichnet, bildet eine eigene Entität und wird von der polymorphen Lichtdermatose in anderen geographischen Areale abgegrenzt [29, 39].
Andere Untersuchungen wenden sich dem Oxidans-Antioxidans-Status der Keratinozyten und seiner Beeinflußbarkeit durch UV-Strahlung und Antioxidantien bei der polymorphen Lichtdermatose zu. Es konnte gezeigt werden, daß durch UV-A-Bestrahlung Singulett-Sauerstoff induziert wird, der wiederum zur Expression des ICAM-1-Gens führt [28]. Bei dieser Gen-Expression spielt der Transkriptionsfaktor AP-2 eine wesentliche Rolle [11]. Möglicherweise bestehen genetische Unterschiede in der Regulation dieses Transkriptionsfaktors bei Patienten mit oder ohne polymorpher Lichtdermatose [10].
Andererseits zeigten in-vivo- und in-vitro-Experimente, daß die topische Applikation von α-Glycosylrutin als ein funktionelles Antioxidant den UV-A-induzierten oxidativen Streß von Keratinozyten zu reduzieren vermag. Diese Hinweise führten zur klinisch-experimentellen Anwendung eines Antioxidantgemisches bestehend aus a-Glycolsylrutin, Ferulasäure und Tocopherolacetat. Nach topischer Applikation konnte die Entwicklung einer experimentell provozierten polymorphen Lichtdermatose verhindert, bzw. deren Schweregrad signifikant reduziert werden [13, 18].
Neue Untersuchungen deuten darauf hin, daß bei Patienten mit polymorpher Lichtdermatose die Immunregulation nach UV-Exposition gestört ist. Dabei scheint die UV-B-induzierte Immunsuppression in der Haut der Patienten abgeschwächt zu sein, wodurch die bei der Besonnung entstehenden natürlichen Photoprodukte möglicherweise als Allergen wirken und die Hauterscheinungen der polymorphen Lichtdermatose induzieren können [42, 51]. Die Auslösephase einer kontaktallergischen Reaktion wird allerdings durch sonnenähnliche Strahlung bei PLD-Patienten oder gesunden Kontrollpersonen nicht unterschiedlich beeinflusst [43]. Die Erkenntnis, daß Östrogene die Freisetzung von Interleukin-10 aus Keratinozyten erniedrigen und dadurch die UV-induzierte Immunsuppression zusätzlich hemmen können, erklärt möglicherweise die stark erhöhte Prävalenz der PLD bei Frauen [1].
Die Beobachtung, daß Hautveränderungen bei Patienten auch durch Sonnenbestrahlung hinter Fensterglas erzeugt werden können [7, 18, 30] und daß bei einer Vielzahl von Patienten früher übliche konventionelle Sonnenschutzcremes, welche lediglich UV-B-Filter beinhalten, keine prophylaktische Wirkung ausüben, sprechen für die Bedeutung der UVA-Strahlung. Mit der Verfügbarkeit von Hochintensitätsgeräten, die es gestatten, innerhalb kurzer Bestrahlungszeiten hohe Dosen UV-A ohne biologisch wirksame UV-B-Anteile zu applizieren, gelang es, in überzeugender Weise sowohl das klinische als auch das histopathologische Bild der polymorphen Lichtdermatose experimentell im Labor zu reproduzieren [16]. In mehreren Testserien konnte gezeigt werden, daß bei richtiger Wahl der Randbedingungen bei 60 bis 90% der Patienten mit einer eindeutigen Anamnese typische Hautveränderungen produziert werden konnten. Etwa 75% der Patienten weisen ausschließlich eine UV-A-Empfindlichkeit auf; 10% der Patienten können ausschließlich durch UV-B und 15% durch UV-A- und UV-B provoziert werden [15]. Diese Befunde wurden auch von anderen Arbeitsgruppen bestätigt [7, 18, 30, 40, 50].
Die physiologischen Lichtreaktionen der Haut, wie Erythem und Pigmentierung sind bei Patienten mit polymorpher Lichtdermatose dem jeweiligen Hauttyp entsprechend normal [16, 21].
Es können die drei Haupttypen unterschieden werden:
Weitere Varianten können als Untergruppen diesen Haupttypen zugeordnet werden. So sind der hämorrhagische Typ und der neuerdings beschriebene kleinpapulöse Typ (Stecknadelkopf-Typ) [2] Varianten des papulösen Typs, die erythema-exsudativum-multiforme-artige polymorphe Lichtdermatose eine Sonderform des Plaques-Typs. Iktus (insektenstichartiger)- Typ und vesikulo-bullöser Typ können der papulo-veskulösen Hauptvariante zugeordnet werden (Tabelle 1). Bei ein- und demselben Patienten bestehen stets die gleichen Hautveränderungen. Diese lassen sich auch experimentell durch wiederholte provokative Phototestung induzieren.
Tabelle 1. Morphologische Varianten der polymorphen Lichtdermatose
| Haupttyp | Subtyp |
| Papulöser Typ | Kleinpapulöser Typ Haemorrhagischer Typ |
| Plaque-Typ | Erythema-multiforme-artiger Typ |
| Papulovesiculöser Typ | Ictus-Typ Vesiculobullöser Typ |
Papulöser Typ. Dieser häufigste Typ der polymorphen Lichtdermatose zeigt kleine, kuppelförmige oder urtikarielle Papeln, die disseminiert oder dicht aggregiert auf fleckigem Erythem stehen. Kleinpapulöser Typ (Stecknadelkopf-Typ) Er zeigt meist dicht stehende kleine Papeln von 1-3 mm Durchmesser.
Hämorrhagischer Typ Er bildet eine seltene Sonderform des papulösen Typs mit zusätzlichen Erythrozytenextravasaten.
Plaques-Typ. Scharf begrenzte, infiltrierte Plaques kennzeichnen diesen zweithäufigsten Typ, der oft auch im Gesicht angetroffen werden.
Erythema-exsudativum-multiforme-Typ. Dieses Form bildet eine seltene Variante des Plaques-Typs mit angedeutet kokardenartigen Läsionen.
Papulovesikulöser Typ. Kombination aus distinkten Papeln, Papulo-Vesikeln, Vesikeln und Bullae kennzeichnen diesen Typ.
Iktus-Typ. Diese Sonderform des papulovesikulösen Typs zeigt wenige disseminiert stehenden, urtikarielle Papeln mit einer zentralen Vesikel.
Vesikulo-bullöser Typ. Diese seltene Extremvariante des papulo-vesikulösen Typs, umfaßt Vesikeln und Bullae.
Die charakteristische Abfolge der Symptome ist ein initialer Juckreiz gefolgt von fleckigen Erythemen, die sich eindeutig von einer diffusen Rötung bei Sonnenbrand unterscheiden. Schließlich treten die typischen Effloreszenzen entsprechend der morphologischen Variante der polymorphen Lichtdermatose auf. Diese Papeln, Plaques oder Papulovesikeln können schließlich konfluieren.
Bei der großen Mehrzahl der Patienten stellt sich nach wiederholten Sonnenexpositionen mit Auslösung typischer Hautveränderungen im Verlauf der sonnenreichen Jahreszeit ein Gewöhnungeffekt ein, so daß schließlich auch hohe Strahlendosen reaktionslos vertragen werden [7, 15, 21]. Der Gesamtverlauf der polymorphen Lichtdermatose ist jedoch saisonal chronisch rezidivierend über viele Jahre, meist Jahrzehnte.
Diese Veränderungen zeigen das Grundmuster der polymorphen Lichtdermatose und charakterisieren den papulösen Typ. Besondere Betonung einzelner Merkmale oder zusätzliche Charakteristika kennzeichnen die weiteren morphologischen Varianten.
Das zusätzliche Vorkommen von neutrophilen oder eosinophilen Granulozyten wurde in manchen Fällen beschrieben [15, 19].
| Manifestationsalter | Junges Erwachsenenalter, Kindheit |
| Zeitlicher Verlauf | Beginn mehrere Stunden bis wenige Tage nach intensiver SonnenexpositionBestandsdauer mehrere TageSpontane Rückbildung ohne Residuen |
| Klinisches Bild | In Prädilektionsstellen auf fleckigen Erythemen distinkt stehende Papeln oder Plaques oder Papulovesikeln und Bullae |
| Histologisches Bild | Dichte perivaskuläre lymphozytäre Infiltrate im oberen und tiefen Korium.Subepidermales Ödem:Geringe epidermale Veränderungen mit Vakuolisierung von Basalzellen, fokaler Spongiose, Zellnekrosen |
Eine Lichturtikaria kann durch den schnellen zeitlichen Verlauf und die meist hohe Lichtempfindlichkeit der Patienten vom Plaque-Typ einer polymorphen Lichtdermatose unterschieden werden.
Photoallergische Reaktionen und die chronische aktinische Dermatitis zeichnen sich durch das ekzemartige diffus in den exponierten Arealen ausgebreitete morphologische Bild aus.
Photosensitive Formen des Erythema exsudativum multiforme sind selten [9], aber nur sehr schwer von dem erythema-exsudativum-multiforme-Typ der polymorphen Lichtdermatose abzugrenzen. Beim Erythema exsudativum multiforme sind neben der starken Sonnenexposition oft auch zusätzliche Auslösefaktoren, wie z.B. eine vorbestehende Infektion mit Herpes simplex-Virus, erforderlich.
Klinisch wie auch histopathologisch sind besondere Formen des kutanen Lupus erythematodes die wichtigsten Differentialdiagnosen der polymorphen Lichtdermatose. Der subakut-kutane Lupus erythematodes wie auch der Tumidus-Typ des kutanen Lupus erythematodes können den Plaques-Typ der polymorphen Lichtdermatose täuschend nachahmen. Beim Lupus erythematodes treten die Hautveränderungen jedoch mit einer längeren Verzögerung, häufig 1 bis 3 Wochen nach Besonnung, auf und bleiben meist über mehrere Wochen bestehen, um sich dann bei längerer Sonnenkarenz langsam zurückzubilden [36].
Wesentliche differentialdiagnostische Schwierigkeiten kann die lymphozytäre Infiltration (Jessner und Kanof) bereiten [26]. Klinisch zeigt sie jedoch überwiegend persistierende, plaques-artige und flache, papulöse Hautveränderungen. Das histopathologische Bild ist dem Lupus erythematodes vom Tumidus-Typ und der polymorphen Lichtdermatose im Infiltratcharakter ähnlich ohne jedoch eine weitere Lupus-typische epidermale Beteiligung oder das für die polymorphe Lichdermatose charakteristische subepidermale Ödem zu zeigen.
Lichtschutz und natürliche Lichtgewöhnung. Eine Aufklärung des Patienten über das Wesen der Erkrankung und Empfehlungen zum vernünftigen Verhalten bei Sonnenexposition sowie zur behutsamen Lichtgewöhnung am Beginn der sonnenreichen Jahreszeit bilden die Basis der Patientenbetreuung. Der größte Teil der Patienten kann durch Lichtgewöhnung im Verlauf des Sommers Erscheinungsfreiheit erreichen. Durch vernünftiges Verhalten und die Wahl geeigneter Lichtschutzmittel mit Breitbandwirkung (UV-A und UV-B) sowie ausreichend hohen Lichtschutzfaktoren (30-50) können stark beeinträchtigende Schübe der polymorphen Lichtdermatose vermieden werden [17, 25, 31, 44]. Der neuen Erkenntnissen der Pathogenese entsprechend können zusätzliche topische Applikationen geeigneter Antioxidantien die prophylaktische Wirkung der Sonnenschutzmittel deutlich verbessern [13, 14].
Phototherapie. Reichen diese begleitenden Maßnahmen nicht aus, so kann eine Phototherapie vor der sonnenreichen Jahreszeit oder vor Antritt eines Sonnenurlaubs eine Lichtgewöhnung bewirken. In kontrollierten Untersuchungen fanden sich sowohl Breitband-UV-B [35], wie auch Schmalspektrum-UV-B-Therapie [5] sowie UV-A-Phototherapie [3] einer Photochemotherapie gleichwertig. Der Vorteil liegt allerdings in der leichteren Anwendbarkeit und dem niedrigeren Risikoprofil der reinen Phototherapie.
Photochemotherapie. In Fällen extremer Lichtempfindlichkeit und bei Versagen der vorgenannten Maßnahmen kann eine Photochemotherapie durchgeführt werden. Die systemische Photochemotherapie mit 8-Methoxypsoralen und UV-A-Strahlung wird übereinstimmend als die wirksamste Prophylaxe geschildert [18, 35]. Auch kurzzeitige Behandlungen zum Anfang des Sommers können ausreichend sein [32, 41]. Die mit einer systemischen Photochemotherapie verbundenen Langzeitrisiken sind jedoch gegen den zu erwartenden Nutzen, unter Berücksichtigung der Gutartigkeit der Erkrankung, abzuwägen.
Über die Möglichkeit der Anwendung einer Bade-PUVA-Behandlung sind die Erfahrungen bisher begrenzt.
Systemische Medikamente. Eine überzeugende Wirksamkeit der häufig propagierten Therapie mit Hydroxychloroquin oder Beta-Karotin sowie Nicotinamid oder Kalzium konnte in kontrollierten Studien nicht nachgewiesen werden [6, 12, 23, 34]. Da durch Beta-Karotin kaum Nebenwirkungen zu erwarten sind, sie umfassen lediglich geringe gastrointestinale Störungen bei hohen Dosen, ist eine versuchsweise Anwendung jedoch immer möglich. Hier gilt allerdings einschränkend, dass Beta-Karotin in einer Dosierung von mehr als 20 mg pro Tag das Lungenkrebsrisiko bei Rauchern erhöhen kann [48]. Ein entsprechender Warnhinweis wurde vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) erlassen und ist den Präparaten beigefügt
Lediglich die Kombination aus Nicotinamid und Folsäure konnte in einer experimentellen Wirkunsprüfung am Modell der photoprovozierten polymorphen Lichtdermatose eine statistisch faßbare, wenn auch nur mäßiggradige Wirkung zeigen [49].
Auch nach Supplementierung der Diät mit Omega-3-Fettsäuren aus Fischöl wurde eine Reduktion des Schweregrades einer polymorphen Lichtdermatose beobachtet [46].
In einem experimentellen Ansatz erwies sich ein Escherichia-Coli-Extrakt wirksam in der Unterdrückung von provozierten Hautveränderungen der polymorphen Lichtdermatose [45]. Diese Befunde wurden auch in einer klinischen Studie [27] bestätigt. Die Verabfolgung lebender Coli Bakterien, des Stammes Nissle 1917 konnte augenscheinlich eine deutliche Verringerung der Schwere und Häufigkeit von Krankheitsschüben der polymorpher Lichtdermatose herbeiführen [52].
Obwohl oxidativer Streß als eine wesentliche Ursache der polymorphen Lichtdermatose postuliert wird, zeigen systemisch verabfolgte Antioxidantien nicht den erhofften Erfolg [8].
Extrem beeinträchtigte Patienten können, vor allem bei Versagen von Phototherapie und Photochemotherapie, neben systemischer Gabe von Kortikosteroiden [33] auch von der Gabe von Azathioprin [37] profitieren. Solche Behandlungen bleiben sicherlich Einzelfällen vorbehalten und es ist auch hier das Nutzen/Risiko-Verhältnis im Einzelfall sorgfältig abzuwägen.
Abgestufte sinnvolle Maßnahmen zur Patientenführung sind in der Tabelle 3 zusammengefaßt.
Tabelle 3. Maßnahmen zur Patientenführung bei polymorpher Lichtdermatose
| Phototestung | Bestätigung der Diagnose und Bestimmung auslösender Wellen- längenbereiche (UV-A, UV-B) |
| Beratung | Lichtgewöhnung durch Verhalten, Kleidung, Sonnenschutzmittel (Faktor 30-50, Zusatz von Antioxydantien) |
| Phototherapie | Bei starkem Leidensdruck und wenn eine natürliche Lichtgewöhnung nicht ausreichend ist. |
| Photochemotherapie | Nur in Ausnahmefällen mit extremer Lichtempfindlichkeit |
| Systemische Medikamente | Wirkungsnachweis meist fraglich. Als adjuvante Maßnahme möglich. |
Subkommission: Physikalische Therapie in der Dermatologie
Autorengremium: Prof.Dr. E. Hölzle, Prof Dr. P. Lehmann, Dr. NJ Neumann
