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Arbeitsgemeinschaft der
Wissenschaftlichen
Medizinischen
Fachgesellschaften

Empfehlungen der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) und der
Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAI)


 AWMF-Leitlinien-Register  Nr. 013/018   Entwicklungsstufe:  1 

Durchführung des Epikutantests mit Kontakt-Allergenen

  1. Einleitung
  2. Etwa 7 % der Allgemeinbevölkerung erkranken zu irgendeinem Zeitpunkt eines Jahres an einem Kontaktekzem (1-Jahresprävalenz), und zwischen 15 % und 20 % sind gegen eines der häufigen Allergene sensibilisiert [1, 2]. Das Kontaktekzem ist Gegenstand einer aktuellen Leitlinien der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) [3]. Der Epikutantest ("Patch Test") ist das einzige für die Routinediagnostik geeignete Instrument zum Nachweis einer Sensibilisierung gegen den Stoff, der ein allergisches Kontaktekzem verursacht hat. Die synchrone Reproduzierbarkeit beträgt in Abhängigkeit von der Testmethode und dem Allergen 60 bis 90 % [4, 5].
    Der Beitrag der Epikutantestung für die Diagnose, den weiteren Krankheitsverlauf und die Lebensqualität wurde wiederholt bestätigt [6-9]. Insgesamt nimmt die Zahl der Krankschreibungen nach der Epikutantestung deutlich ab [10]. (Übersichten zum Epikutantest: [11-13]).
    Die Leitlinien richten sich an allergologisch ausgebildete Ärzte, die bei Patienten mit früherem oder aktuell bestehendem Ekzem (siehe auch Absatz 2: Indikation) mit der diagnostischen Abklärung betraut sind, im Rahmen der Krankenversorgung oder im Rahmen einer versicherungsrechtlichen Begutachtung. Sie gründen sich auf den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisstand, wie er in Kompendien und Monographien wiedergegeben ist [3, 14, 15], unter Berücksichtigung der in der Deutschen Kontaktallergie Gruppe (DKG) vorhandenen Expertise und der in einer fachspezifischen Datenbank zum Thema Epikutantest indexierten Einträge [16]. Diese Leitlinien haben nicht die Diagnostik photoallergischer Reaktionen zum Gegenstand, für die eigene Empfehlungen vorgelegt wurden [17, 18].
    Die Leitlinien sollen die Durchführung des Epikutantests nach einheitlichen Kriterien ermöglichen, die Qualität verbessern, und die Epikutantestergebnisse einer vergleichenden Überprüfung zugänglich machen. Aufbau und Zielsetzung dieser Leitlinien orientieren sich an Empfehlungen der Bundesärztekammer und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung [19, vgl. auch 20-22]. Sie wurden von Mitgliedern der DKG entwickelt, im Plenum der DKG am 14.11.1998 in München in einer Konsensuskonferenz verhandelt, und nach Revision am 4.5.2007 vom Vorstand der DKG erneut verabschiedet. Ein diese Leitlinien schematisch zusammenfassender Algorithmus findet sich im Anhang.

  3. Indikation zur Epikutantestung
  4. Die Epikutantestung ist in der Regel indiziert bei klinischem Verdacht auf eine kontaktallergische Reaktion der Haut oder hautnahen Schleimhaut, deren akute Phase zum Zeitpunkt der Testung abgeklungen ist; zur Klärung des Verdachts auf eine allergisch bedingte Berufsdermatose, insbesondere im Rahmen einer versicherungsrechtlichen Begutachtung; bei aetiologisch oder nosologisch ungeklärtem Ekzem zum "Ausschluß einer Allergie vom Spättyp" (z. B. "hämatogenes Kontaktekzem"); bei Verdacht einer Provozierung oder Verschlimmerung einer bestehenden Dermatose (z. B. bei allen Ekzemformen, insbesondere der atopischen Dermatitis, oder bei einer Psoriasis), sowie zur Abklärung von möglicherweise medikamentenbedingten Exanthemen.

    Einschränkungen: Der Epikutantest sollte nicht durchgeführt werden bei Vorliegen von Faktoren, die das Ergebnis verfälschen können, wie florides Ekzem, intensive UV-Exposition, oder längere Vorbehandlung mit topischen Glucocorticoiden. Die Einnahme immunsuppressiver bzw. immunmodulierender Medikamente wie Glucocorticoide oder Ciclosporin kann das Ergebnis verfälschen [12]. Der Epikutantest ist nicht geeignet, die Entwicklung eines allergischen Kontaktekzems (im Sinne einer "prophetischen Testung") vorherzusagen, kann aber bei bereits diagnostizierten Sensibilisierungen zur Ermittlung verträglicher Stoffe (z. B. Kosmetikainhaltsstoffe) von Nutzen sein [11]. Er dient nicht zur Abklärung von Symptomen, die sich nicht an der Haut, sondern als unspezifische Befindlichkeitsstörungen manifestieren.
    Bei bekannter Schwangerschaft sollte der Epikutantest nicht durchgeführt werden. Es wird die Beeinflussung des Testergebnisses durch die hormonelle Umstellung diskutiert. Außerdem ist eine Permeation der Allergene in systemisch wirksamer Dosis und, wenngleich bisher nicht beobachtet, eine mögliche teratogene Wirkung nicht auszuschließen.
    Bei der Indikationsstellung und Durchführung des Epikutantests sind die Risiken unerwünschter Wirkungen, wie z. B. eine iatrogene Sensibilisierung oder ein erneuter Ekzemschub ("flare-up"), zu bedenken [12, 13]. Bei zweifelhaftem Testergebnis (siehe 3.3) kann der Test frühestens nach vollständigem Abklingen aller Reaktionen der Ersttestung wiederholt werden. Basierend auf der klinischen Erfahrung sollte eine Karenz von etwa 2 Monaten angestrebt werden. Bei Allergenen, für die eine Sensibilisierung sicher nachgewiesen worden war, sollte eine Testwiederholung vermieden werden.

  5. Die Methode in ihrem technischen Ablauf
  6. 3.1 Auswahl und Applikation der Testsubstanz

    3.2 Applikationszeitpunkt, Testareal und Expositionsdauer

    3.3 Ablesung der Testreaktion und Interpretation

  7. Relevanz
  8. Es muss bei jeder in der Testung als allergisch eingestuften Reaktion versucht werden, die klinische Relevanz zu beurteilen. Sie ist dann gegeben, wenn die Hauterkrankung durch Kontakt mit dem Allergen hervorgerufen wurde. Sie ist nicht gegeben, wenn sie eindeutig durch eine andere Ursache hervorgerufen wurde. Hinweise für eine vorhandene Relevanz können die Reaktionsstärke (++/+++) im Epikutantest [39] oder ein positiver Anwendungstest [40] geben. Die Reaktionen mit (noch) nicht zu klärender Relevanz könnten zu einem späteren Zeitpunkt, z. B. nach neuen Erkenntnissen zur Allergen-Exposition, Bedeutung erlangen. Kriterien zur Beurteilung der Relevanz finden sich bei [12, 41-43].

  9. Anamnese und Aufklärung des Patienten
  10. Vor jeder Epikutantestung muss durch einen allergologisch geschulten Arzt eine Anamnese erhoben und der Hautzustand auf seine Testfähigkeit geprüft werden. Eine Epikutantestung ohne ärztliche Anamnese ist abzulehnen. Die Anamnese muss mindestens Informationen zur Atopie, zum Beruf und zu möglichen Allergen-Kontakten erfassen. Bei der Anamneseerhebung, insbesondere bei Verdacht auf eine berufliche Verursachung, können vorhandene Anamneseauxilia hilfreich sein [44-47]. Anhand der anamnestischen Angaben wird das Testprogramm zusammengestellt, wobei auf Empfehlungen der DKG Bezug genommen werden kann [48-53] (siehe auch Homepage der DKG: www.ivdk.gwdg.de/dkg (externer Link)). Jeder Patient muss vor der Testung über den Zweck, den Ablauf und die Nebenwirkungen [11, 12] des Epikutantests sowie über die relevanten datenschutzrechtlichen Bedingungen aufgeklärt werden. Das Einverständnis zur Durchführung des Tests und zur weiteren Verwendung der Daten muss eingeholt werden. Eine Empfehlung der DKG zu Aufklärung und Einverständniserklärung findet sich auf der Homepage der DKG (www.ivdk.gwdg.de/dkg)(externer Link). Nach der Testung muss das Ergebnis mit dem Patienten besprochen werden, wobei er insbesondere über die sicher gegebene, fragliche oder fehlende Relevanz sowie über die Bedeutung auffälliger (z. B. irritativ veränderter) Testareale aufgeklärt werden sollte.

  11. Dokumentation und Abschluß des Tests
  12. Die Angaben zur Anamnese, zur Test-Indikation, das Testträgersystem, die getesteten Testpräparationen (Allergen/Vehikel/Konzentration), die Reaktionen in ihrem zeitlichen Verlauf, die Relevanzbeurteilung und die Diagnose der Hauterkrankung(en) müssen schriftlich dokumentiert werden. Die Tatsache, daß der Patient vor und nach der Testung aufgeklärt wurde, ist durch einen Vermerk festzuhalten.
    Im Allergiepass sollen die Allergene aufgeführt werden, die eine eindeutig allergische Reaktion hervorgerufen haben. "+" Reaktionen auf Zubereitungen, die häufig auch irritative Reaktionen hervorrufen, und für die keine Relevanz ermittelt werden konnte, sollten in diesem Zusammenhang sehr kritisch bewertet werden [54]. Wenn sie im Allergiepass aufgeführt werden, dann möglichst zusammen mit einer relativierenden Bewertung. Die klinische Relevanz allergischer Reaktionen soll vermerkt werden. Der Epikutantest wird abgeschlossen mit der dermatologischen Abschlußdiagnose und der Angabe der diagnostizierten Sensibilisierungen.

Algorithmus


Literatur

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Verfahren zur Konsensbildung

Erstellungsdatum:

01/2001

Letzte Überarbeitung:

05/2007

Überprüfung geplant:

04/2011


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Stand der letzten Aktualisierung: 05/2007
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